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1. WO2020225365 - METHOD FOR ADAPTING AN OTOPLASTIC OF A HEARING AID, HEARING AID, AND HEARING AID SYSTEM

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[ DE ]

Beschreibung

Verfahren zur Anpassung einer Otoplastik eines Hörgeräts, Hörgerät und

Hörgerätesystem

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Anpassung einer Otoplastik eines Hörge räts, insbesondere ein In-dem-Ohr-Hörgerät, sowie ein solches Hörgerät. Ferner betrifft die Erfindung ein Hörgerätesystem mit einem solchen Hörgerät.

Hörgeräte weisen üblicherweise einen Lautsprecher, auch als„receiver“ bezeich net auf, mittels dessen akustische Signale, d. h. Schall dem Gehör eines Nutzers (auch: Träger) des Hörgeräts dargeboten werden. Insbesondere in Form von Hör hilfegeräten dienen Hörgeräte zur Versorgung von Personen mit einer Hörminde rung (auch: Schwerhörigkeit). In diesem Fall umfassen Hörgeräte meist wenigs tens ein Mikrofon zur Erfassung von Umgebungsschall und einen diesem nachge schalteten Signalprozessor (auch: Signalverarbeitungseinheit) zur üblicherweise frequenzspezifischen Verarbeitung (insbesondere Filterung und/oder Verstärkung oder Dämpfung) der von dem Mikrofon übertragenen Signale. Der Signalprozes sor gibt die verarbeiteten Signale an den Lautsprecher zur Ausgabe an das Gehör weiter. Im Fall von Hörhilfegeräten kann der Lautsprecher in Abhängigkeit von der Hörminderung auch durch einen anderen Ausgangswandler, bspw. einen Kno chenleitungshörer oder ein Cochlea-Implantat zur mechanischen bzw. elektri schen Stimulation des Gehörs ersetzt sein.

Hörgeräte, insbesondere Hörhilfegeräte werden üblicherweise in zwei Grundaus führungen ausgebildet, nämlich als sogenannte Hinter-dem-Ohr- („HdO“) Hörgerä te oder als In-dem-Ohr- („IdO“) Hörgeräte. In der ersten Grundausführung sind das wenigstens eine Mikrofon - üblicherweise wenigstens zwei Mikrofone - und der Signalprozessor sowie normalerweise eine Energiequelle in einem hinter der Ohrmuschel zu tragenden Gehäuse angeordnet. Die Schallausgabe erfolgt über den Lautsprecher, der in einer üblichen Bauform in diesem Gehäuse angeordnet ist, via einen Schallschlauch zum Ohr. Alternativ ist der Lautsprecher aus diesem Gehäuse ausgelagert und wird im Gehörgang getragen. In der anderen Ausfüh-rung sind Mikrofon, Signalprozessor und Lautsprecher sowie eine Energiequelle in einem in dem Gehörgang zu tragenden Gehäuse angeordnet. Die Ausführung als IdO-Hörgerät hat dabei den Vorteil, dass der Klang dem natürlichen Klangein druck des Ohrs am besten angenähert werden kann.

Üblicherweise wird bei einem IdO-Hörgerät eine auch als„Shell“ bezeichnete Au ßenschale, die üblicherweise den mit der Gehörgangwand in Kontakt stehende Gehäusewandung bildet, individuell an die spezifische Gehörgangform der Hörge rätenutzers angepasst. Bei einer solchen individuellen Außenschale spricht man auch von einer Otoplastik. Regelmäßig wird dabei ein Abdruck des Gehörgangs genommen und daraus eine Negativform für die zu fertigende Außenschale abge leitet. Gemäß WO 02/067629 A2 wird hierzu ein auf den Gehörgang des Trägers abgestimmtes Hilfsmittel sowie ein Abbindematerial in den Gehörgang des Trä gers eingeführt. Nachdem dieses Material ausgehärtet ist, wird ein Negativ ange fertigt und nach der Bearbeitung dieses Negativs, falls erforderlich, und dem Ein-setzen des Hörgerätes oder eines Hörgeräteersatzes darin wird die Stütze herge stellt. Aus US 5,455,994 A ist ein ähnliches Verfahren bekannt, bei dem zur Her stellung eines Im-Ohr-Hörgerätes ein Hilfselement, dessen Querschnitt größer ist als der eines Gehörgangs, in den Gehörgang eingeführt wird. Als Folge davon wird der Gehörgang erweitert. Anschließend wird ein hohles Entlüftungsrohr in den Gehörgang eingeführt, wonach der Gehörgang mit einem viskosen Material gefüllt wird. Nachdem das viskose Material erstarrt ist, wird die Form aus dem Gehörgang entfernt. Das Entlüftungsrohr sorgt dafür, dass Luft in einen Raum hinter der Form eingelassen wird. Die so gebildete Form hat einen Querschnitt, der größer ist als der Querschnitt des Gehörgangs. Anschließend wird ein Gehäu-se für das Hörgerät hergestellt, wobei die Form als Schablone dient. Dadurch passt das Hörgerät eng in den Gehörgang, was den Tragekomfort verbessert. Das bei dieser Methode verwendete Hilfselement hat eine zylindrische Wand, die mit einer Vielzahl von Öffnungen versehen ist, um den Durchgang des viskosen Mate- rials in die Räume zwischen dem Hilfselement und der Wand des Gehörgangs zu ermöglichen. Das Hilfselement umfasst ferner eine Hülse zur Führung des Entlüf-tungsschlauchs.

Aus WO 92/03894 A1 ist bekannt, ein Hörgerät durch In-situ-Formen eines bei Raumtemperatur härtenden Materials um Hörgerätekomponenten zu bilden. Das In-situ-Formen des kundenspezifischen Hörgeräts bietet eine akustische und be queme Passform und minimiert die Verarbeitung mit mehreren Abdruck- und Gießverfahren. Aus US 5, 131 ,411 A und US 5,333,622 A sind vergleichbare Ver-fahren bekannt, bei denen ein expandierendes Schaummaterial zur Abformung des Gehörgangs genutzt wird. Auch aus DE 4 233 651 A1 ist ein ähnliches Ver fahren bekannt.

US 10,034,105 B beschreibt Artikel und zugehörige Vorrichtungen und Verfahren zur In-Situ-Montage, die eine flexible Hülse, eine an der flexiblen Hülse befestigte Gehäuseanordnung, eine in der flexiblen Hülse angeordnete Lichtquelle und ein in der flexiblen Hülse enthaltenes fotohärtbares Harz umfassen. Die flexible Hülle kann aus Elastomer bestehen. In der Gehäuseanordnung kann ein Wandler an geordnet werden. Vergleichbares ist auch aus US 10,284,975 B bekannt.

Bei einer Herstellung mittels sogenannter„rapid manufacturing“ Methoden, bspw. einem 3D-Druckverfahren wird der Abdruck gescannt und daraus ein CAD-Modell erstellt. Dies ist grundsätzlich mit einem gewissen Aufwand verbunden. Auch ein HdO-Hörgerät kann eine Otoplastik aufweisen, mittels derer ein besonders guter Sitz des Schallausgangs des Schallschlauchs oder des im Gehörgang getragenen Lautsprechers erreicht werden soll. In US 9,936,314 B2 ist bspw. bekannt, eine Gehörgangabdichtung eines Hörgeräts zumindest teilweise aus einem formbaren, noch nicht ausgehärteten Material zu bilden, das beim Einsetzen in den Gehör gang an diesen angeformt und anschließend gehärtet werden kann.

Aus US 2016/0317352 A1 ist eine anpassbare Otoplastik zur Anpassung an das äußere Ohr und/oder den Gehörgang eines Benutzers beschrieben. Die

Otoplastik weist einen Körper auf, der aus einem fotohärtbaren Polymer gebildet ist, und der zur Einführung in den äußeren Ohrkanal des Benutzers vorgesehen ist. Außerdem weist die Otoplastik eine Lichtquelle auf, die angrenzend an den Körper positioniert ist. Unter Anwendung von Lichtstrahlung der Lichtquelle kann der Körper so gehärtet werden, dass er passend an der Oberfläche des Ohrs bzw. des Gehörgangs des Benutzers anliegt.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine vereinfachte Anpassung eines Hörgeräts an die Anatomie eines Hörgeräteträgers zu ermöglichen.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren mit den Merk malen des Anspruchs 1. Des Weiteren wird diese Aufgabe erfindungsgemäß ge löst durch ein Hörgerät mit den Merkmalen des Anspruchs 7. Außerdem wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch ein Hörgerätesystem mit den Merkmalen des Anspruchs 10. Weitere vorteilhafte und teils für sich erfinderische Ausfüh-rungsformen Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung näher dargelegt.

Das erfindungsgemäße Verfahren dient zur Anpassung einer Otoplastik eines Hörgeräts vorzugsweise an die Form zumindest eines Teils eines Gehörgangs eines Hörgerätenutzers.

Dazu wird verfahrensgemäß zunächst eine flexible, aus einem aushärtbaren und noch nicht ausgehärteten Material gebildete Außenschale bereitgestellt. Diese Außenschale bildet eine Außenwand der Otoplastik und definiert einen

Gehäuseinnenraum des Hörgeräts, zumindest aber der Otoplastik. Der

Gehäuseinnenraum wird sowohl an seinem im bestimmungsgemäßen Tragezu stand im Gehörgang des Hörgeräteträgers dem Trommelfell zugewandten Ende als auch am entgegengesetzten Ende (auch als gehörgangausgangsseitiges Ende bezeichnet) abgedichtet. Außerdem wird der Gehäuseinnenraum über eine Druckeingangsöffnung mit einem Druck- und Härtungs-Vermittler verbunden. Die Außenschale wird in den Gehörgang des Hörgeräteträgers eingeführt sowie vor zugsweise in eine bestimmungsgemäße Trageposition ausgerichtet. Anschließend wird über den Druck- und Härtungs-Vermittler der Gehäuseinnenraum mit einem insbesondere gegenüber dem Umgebungsdruck erhöhten Innendruckwert beauf schlagt, sodass sich die Außenschale an die Gehörgangwand anlegt. Daraufhin wird unter Aufrechterhaltung des Innendruckwerts über den Druck- und Härtungs-Vermittler die Aushärtung des aushärtbaren Materials eingeleitet.

Die Außenschale des Hörgeräts wird mithin„in situ“ an die individuelle Form des Gehörgangs des Hörgeräteträgers angepasst. Eine Vermessung des Gehörgangs - beispielsweise durch Fertigung eines Abdrucks oder optische Methoden - sowie eine nachträgliche, separate Fertigung der Außenschale anhand der Vermessung sowie der damit verbundene Aufwand kann mithin entfallen. Insbesondere ist es möglich, die Otoplastik - also die vorstehend beschriebene Außenschale - des Hörgeräts unmittelbar (quasi ohne Zeitversatz, der für die separate Fertigung der Außenschale anfällt) an den Gehörgang des Hörgeräteträgers anzupassen.

Grundsätzlich kann die Aushärtung dabei mittels erhöhter Temperatur, die bspw. über ein in den Druck- und Härtungs-Vermittler integriertes Heizelement aufge bracht wird oder durch Injektion eines Reaktionspartners, bspw. eines Beschleu nigers, Härters oder dergleichen (optional auch gasförmig) in das noch nicht aus gehärtete Material eingeleitet.

Bevorzugt wird aber - unter Aufrechterhaltung des Innendruckwerts - die Außen schale über den Druck- und Härtungs-Vermittler mit einer Strahlung beaufschlagt und dadurch die Aushärtung des aushärtbaren Materials eingeleitet. In diesem Fall bildet Druck- und Härtungs-Vermittler also vorzugsweise einen Druck- und Strahlungs-Vermittler.

In einer zweckmäßigen Verfahrensvariante wird zur Abdichtung des

Gehäuseinnenraums gehörgangausgangsseitig eine Abschlussplatte - für den Fall, dass der Gehäuseinnenraum vorzugsweise zur Aufnahme von elektrischen Bauelementen dient, insbesondere in Form einer Faceplate - sowie trommelfell seitig ein Lautsprecher auf oder in korrespondierende Öffnungen der Außenscha le montiert. D. h. auf die Außenschale wird die Abschlussplatte bzw. Faceplate, die insbesondere bei einem In-dem-Ohr-Hörgerät (kurz:„IdO-Hörgerät“) den

Gehäuseinnenraum in Richtung Ohraußenseite in bekannter Weise abschließt, aufgesetzt. Vorzugsweise weist die Außenschale trommelfellseitig - d. h. an ihrem im bestimmungsgemäßen Tragezustand dem Trommelfell zugewandten Ende -eine Schallaustrittsöffnung auf, in die der Lautsprecher zumindest mit einem Schallausgangsstutzen derart eingesetzt wird, dass diese Schallaustrittsöffnung verschlossen und vorzugsweise gasdicht abgedichtet ist. Die gasdichte Abdich tung des Gehäuseinnenraums, insbesondere der trommelfellseitigen Schallaus trittsöffnung dient im bestimmungsgemäßen Betrieb des Hörgeräts auch der Ver meidung von luftschallbasierten Rückkopplungen. Für die hier und im Folgenden beschriebene Anpassung des Hörgeräts ermöglicht die Abdichtung vorteilhafter weise die Beaufschlagung des Gehäuseinnenraums mit dem erhöhten Innen druckwert, sodass die Außenschale im Rahmen ihrer Flexibilität zum Anlegen an den Gehörgang„aufgeblasen“ werden kann. Dieses Vorgehen eignet sich vorteil hafterweise sowohl für ein IdO-Hörgerät als auch für die Otoplastik eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts (kurz:„HdO-Hörgerät“), das einen im Gehörgang zu tragen den Lautsprecher aufweist. Für ein„klassisches“ HdO-Hörgerät wird die Schall austrittsöffnung dagegen vorzugsweise mittels eines„Blindstopfens“ verschlossen, der nach der Anpassung wieder entfernt wird.

Die vorstehend beschriebene Abschlussplatte (insbesondere die Faceplate) weist dabei zweckmäßigerweise die Druckeingangsöffnung auf, in die der Druck- und Härtungsvermittler eingesetzt wird.

In einer bevorzugten Weiterbildung der vorstehend beschriebenen Verfahrensva riante wird der Lautsprecher vorzugsweise mittels eines Halters (insbesondere eines Halteelements) in einer bestimmungsgemäßen Ausrichtung gegenüber der Abschlussplatte bzw. Faceplate positioniert. Insbesondere wird der Lautsprecher dabei in Abhängigkeit von der individuellen Gehörgangform gegenüber der Ab schlussplatte bzw. Faceplate ausgerichtet. Der Halter dient dabei auch als Ab standhalter zwischen dem Lautsprecher und der Abschlussplatte bzw. Faceplate, sodass zweckmäßigerweise unter Wirkung des erhöhten Innendruckwerts die Au ßenschale sich nicht in Richtung der Längsachse des Gehörgangs - d. h. in Rich tung des Abstands zwischen der Abschlussplatte bzw. Faceplate und dem Laut- Sprecher - ausdehnen kann. Bei dem vorstehend beschriebenen Halter handelt es sich vorzugsweise um einen (bspw. metallischen) Drahtstift, der zur Ausrich tung des Lautsprechers gegenüber der Abschlussplatte bzw. Faceplate entspre chend gebogen werden kann, oder um einen insbesondere aus einem Kunststoff gebildeten Abstandhalter oder dergleichen.

In einer weiteren zweckmäßigen Weiterbildung einer der beiden vorstehend be schriebenen Verfahrensvarianten wird der Druck- und Härtungs-Vermittler in eine die Druckeingangsöffnung bildende Batterieöffnung der Faceplate gasdicht einge setzt. Insbesondere wird dazu zunächst eine die Batterieöffnung reversibel ver schließende Batteriefachtür von der Faceplate abgenommen („demontiert“). Somit kann vorteilhafterweise eine ohnehin regelmäßig vorhandene Öffnung in der Fa ceplate genutzt werden, um den Gehäuseinnenraum mit dem erhöhten Innen druckwert beaufschlagen sowie anschließend die Strahlung innenseitig auf die Außenschale aufbringen zu können. Eine zusätzliche Öffnung, die anschließend wieder verschlossen werden müsste, kann somit vorteilhafterweise entfallen.

In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird über den Druck- und Strahlungs-Vermittler als Strahlung insbesondere UV-Licht ausgesendet. Vor zugsweise weist der Druck- und Strahlungs-Vermittler dazu an seinem mit dem Gehäuseinnenraum in Verbindung stehenden Ende - vorzugsweise mit dem En de, mittels dessen er in die Batterieöffnung eingesetzt ist - eine UV-Lampe oder eine UV-Diode auf. Alternativ endet an diesem Ende ein zum Transport von UV-Licht eingerichteter Lichtwellenleiter. Dieser weist optional ein kugelförmiges Spit zenende auf, das eine möglichst gleichförmige Lichtverteilung im

Gehäuseinnenraum ermöglicht.

In einer weiteren zweckmäßigen Verfahrensvariante wird mittels einer Einlage ein Entlüftungskanal zwischen dem trommelfellseitigen Ende und dem gehörgang ausgangsseitigen Ende der Außenschale in letztere eingeformt. Der Entlüftungs kanal zieht sich dabei vorzugsweise über die gesamte Länge durch die Außen schale, sodass eine Entlüftung des im bestimmungsgemäßen Tragezustand des Hörgeräts zwischen dem Trommelfell und dem Hörgerät verbleibenden Gehör-

gang-Restraums ermöglicht wird. Bei der Einlage handelt es sich in einfacher Aus führung um eine Art Schnur, die einen schlitz- oder grabenartigen Kanal (der mit hin zur Außenseite des Hörgeräts offenliegt) in die Außenschale einformt, indem diese unter Wirkung des erhöhten Innendruckwerts um die Einlage herum ausge-drückt wird. Alternativ handelt es sich bei der Einlage um einen Schlauch oder ein Röhrchen, sodass auch während der Anpassung der Außenschale ein Druckaus gleich im Gehörgang-Restraum stattfinden kann. Weiter alternativ ist die Einlage in Form eines Schlauchs in die Außenschale eingebettet, wobei lediglich die bei den Enden des Schlauchs am gehörgangausgangsseitigen Ende bzw. am trom-melfellseitigen Ende der Außenschale offen liegen.

Das erfindungsgemäße Hörgerät weist wenigstens die vorstehend beschriebene Außenschale, d. h. die aus dem (vorzugsweise strahlungsinduziert) aushärtbaren, in einem bestimmungsgemäßen Zwischenfertigungsschritt (insbesondere in einem bestimmungsgemäßen Auslieferungszustand) noch nicht ausgehärteten Material gebildete Außenschale auf. Die Außenschale bildet dabei wie beschrieben die Außenwand der Otoplastik.

Zusätzlich stellt die die vorstehend beschriebene Außenschale aufweisende Otoplastik ebenfalls eine eigenständige Erfindung dar.

Vorzugsweise handelt es sich bei dem Hörgerät um ein IdO-Hörgerät, bei dem die Otoplastik das Außengehäuse selbst bildet. Alternativ handelt es sich bei dem Hörgerät um ein HdO-Hörgerät, dessen Otoplastik zur Positionierung eines Schallausgangs eines Schallschlauchs oder des Lautsprechers im Gehörgang dient. Konkret handelt es sich bei dem erfindungsgemäßen Hörgerät um das Hör gerät, dessen Otoplastik mittels des vorstehend beschriebenen Verfahrens ange passt wird. Somit teilen das vorstehend beschriebene Verfahren sowie das hier und im Folgenden beschriebene Hörgerät (bzw. auch die Otoplastik) die jeweiligen Vorteile und Merkmale in entsprechender Art und Weise.

Bevorzugt sind - insbesondere im Fall des IdO-Hörgeräts - die Abschlussplatte, insbesondere die Faceplate und der Lautsprecher wie vorstehend beschrieben

bereits vormontiert. Bevorzugt sind alle für den späteren, bestimmungsgemäßen Betrieb des IdO-Hörgeräts erforderlichen Bauelemente bereits entsprechend mon tiert. Mit anderen Worten ist das Hörgerät auch grundsätzlich mit nicht ausgehär teter Außenschale bereits einsatzfähig. Wie vorstehend beschrieben wird zum Anpassen der Otoplastik des Hörgeräts in diesem Fall vorzugsweise lediglich die Batteriefachtür von der Faceplate abgenommen und der Druck- und Härtungs-Vermittler in die Batterieöffnung eingesetzt.

In einer zweckmäßigen Ausführung weist die Außenschale eine Außenmembran sowie eine Innenmembran auf, die beide vorzugsweise aus einem gummielasti schen Material gebildet sind. Das aushärtbare Material ist dabei in einen zwischen der Außenmembran und Innenmembran angeordneten Spaltraum eingebracht. Dies ist insbesondere für den Fall zweckmäßig, dass das aushärtbare Material im noch nicht ausgehärteten Zustand flüssig und/oder zumindest in einem ver gleichsweise klebrigen Zustand vorliegt. Die Außen- und die Innenmembranen bilden dabei mithin Trennschichten, die verhindern, dass das aushärtbare Material an der Gehörgangwand und/oder an den elektrischen Bauelementen des Hörge räts ankleben kann.

In einer bevorzugten Weiterbildung sind die Außen- und die Innenmembranen vorzugsweise durch Abstandhalter, die eine Dicke des zwischen diesen angeord neten Spaltraums vorgeben voneinander beabstandet. Dadurch kann vorteilhaft erweise verhindert werden, dass bei Druckbeaufschlagung des

Gehäuseinnenraums durch Verdrängung des insbesondere fließfähigen

aushärtbaren Materials eine Ausdünnung der Wandstärke der Außenschale er folgt. Beispielsweise sind diese Abstandhalter in Form von Rippen, Domen oder dergleichen auf der Innenseite der Außenmembran und/oder der Außenseite der Innenmembran angeordnet. Beispielsweise wird die Innenmembran in die Au ßenmembran eingeschoben und dabei mittels der Abstandhalter zu dieser beabstandet. Anschließend wird der mittels der Abstandhalter vorgegebene Spalt raum mit dem aushärtbaren Material ausgegossen. Optional wird der Spaltraum durch eine Verbindung (bspw. Kleben, Schweißen oder dergleichen) der losen Enden der Innen- und der Außenmembran verschlossen.

In einer alternativen Ausführung liegt das aushärtbare Material in dem bestim mungsgemäßen Zwischenfertigungsschritt in einem gelartigen Zustand vor, in dem das Material vorzugsweise keine Oberflächenklebrigkeit und einen hinrei-chenden räumlichen Zusammenhalt aufweist. Beispielsweise handelt es sich bei diesem gelartigen Zustand um einen teilvernetzten Zustand, in dem das Material noch eine hinreichend hohe Elastizität und/oder Plastizität aufweist. In diesem Fall ist die Außenschale insbesondere unter Wegfall insbesondere der vorstehend beschriebenen außen- und innenseitigen Trennmembran durch das gelartige aushärtbare Material gebildet.

Vorzugsweise handelt es sich bei dem aushärtbaren Material um ein UV-härtbares Epoxidharz, ein UV-härtbares Silikonharz oder dergleichen.

Das erfindungsgemäße Hörgerätesystem umfasst das vorstehend beschriebene Hörgerät sowie den vorstehend beschriebenen Druck- und Härtungs-Vermittler, der zum Anschluss an die Druckeingangsöffnung des Hörgeräts eingerichtet und vorgesehen ist.

Vorzugsweise handelt es sich bei diesem Druck- und Härtungs-Vermittler um eine Art Stift mit einer zu der Druckeingangsöffnung komplementären Spitze, durch die ein Druckkanal geführt ist. An dieser Spitze sitzt in einer Variante die vorstehend beschriebene UV-Lampe oder -Diode oder das vorstehend beschriebene (Spit-zen-)Ende des Lichtwellenleiters.

Die Konjunktion„und/oder“ ist hier und im Folgenden insbesondere derart zu ver stehen, dass die mittels dieser Konjunktion verknüpften Merkmale sowohl ge meinsam als auch als Alternativen zueinander ausgebildet sein können.

Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer Zeichnung näher dargestellt. Darin zeigen:

Fig. 1 in einer schematischen Perspektivansicht ein Hörgerät,

Fig. 2 in einer schematischen Teilschnittansicht ll-ll gemäß Fig. 1 ein Hörge- rätesystem mit dem dortigen Flörgerät, und

Fig. 3 in einem schematischen Ablaufdiagramm ein Verfahren zur Anpas sung des Hörgeräts.

Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren stets mit gleichen Bezugszei chen versehen.

In Fig. 1 ist ein Hörgerät, konkret in der Bauform eines IdO-Hörgeräts, kurz als „IdO 1 " bezeichnet schematisch dargestellt. Dieses IdO 1 weist eine Faceplate 2 und eine damit verbundene Außenschale 4 auf. Die Faceplate 2 und die Außen schale 4 definieren einen Gehäuseinnenraum 6 (s. Fig. 2), der zur Aufnahme von elektronischen Komponenten des IdO 1 dient. Als elektronische Komponenten sind in dem Gehäuseinnenraum 6 ein Mikrofon 8, ein Signalprozessor 10 und ein Lautsprecher 12 angeordnet. Das Mikrofon 8 ist fluidisch mit einer

Mikrofonöffnung 14 in der Faceplate 2 gekoppelt. Der Signalprozessor 10 ist ge nauso wie das Mikrofon 8 an der Faceplate 2 gehaltert.

Da das IdO 1 in einem bestimmungsgemäßen Tragezustand in einem Gehörgang eines Hörgerätenutzers oder Hörgeräteträgers getragen wird, wird die Außenscha le 4 in einem nachfolgend näher beschriebenen Verfahren an die Form des Ge hörgangs angepasst und bildet dadurch eine Außenwand einer das Gehäuse des IdO 1 bildenden Otoplastik. In einem Zwischenfertigungszustand oder Ausliefe rungszustand ist die Außenschale 4 noch nicht an den Gehörgang angepasst (s. Fig. 2). Die Außenschale 4 umfasst zur Anpassung mittels UV-Licht aushärtbares Material. Dieses ist in nicht näher dargestellter Weise zwischen einer Außen membran und einer Innenmembran, die jeweils die Wandstärke der Außenschale 4 zur Außenseite bzw. zum Gehäuseinnenraum 6 begrenzen, eingebracht. Die Faceplate 2 schließt dabei den Gehäuseinnenraum 6 - in Bezug auf den bestim-mungsgemäßen Tragezustand im Gehörgang gesehen - gehörgangausgangssei tig ab. Dazu ist die Faceplate 2 mit einem starren Abschnitt 16 der Außenschale 4 mediendicht verbunden. Ein trommelfellseitiges Ende 18, konkret eine dort ange ordnete Schallaustrittsöffnung 20 der Außenschale 4 ist mittels des Lautsprechers 12 verschlossen. Der Lautsprecher 12 ist dabei gegenüber der Faceplate 2 mittels eines Halters in Form eines Drahtstifts 21 positioniert und gehalten.

Zur Anpassung des IdO 1 wird in einem ersten Verfahrensschritt S1 (s. Fig. 3) das vorstehend beschriebene IdO 1 in seinem Auslieferungszustand, d. h. mit noch nicht ausgehärteter Außenschale 4 bereitgestellt. In einem zweiten Verfahrens schritt S2 wird eine Batteriefachtür 22, die zur Halterung und Positionierung einer in Fig. 2 nur angedeuteten Batterie 24 im Gehäuseinnenraum 6 sowie zum Ver schließen einer korrespondierenden Batterieöffnung 26 dient, von der Faceplate 2 entfernt. In die Batterieöffnung 26 wird anschließend ein Stift 28 eingesetzt und mittels eines Dichtelements 30 umlaufend gegen die Batterieöffnung 26 abgedich tet. In dem Stift 28 verläuft ein Druck- oder Luftkanal 32 sowie ein Lichtwellenleiter 34. Der Druck- oder Luftkanal 32 endet spitzenseitig offenstehend im eingesetzten Zustand mithin in dem Gehäuseinnenraum 6. Der Lichtwellenleiter 34 endet spit-zenseitig in einem kugelartigen Spitzenende 36, das dazu eingerichtet und vorge sehen ist, mittels des Lichtwellenleiters 34 transportierte UV-Strahlung homogen in den Gehäuseinnenraum 6 abzustrahlen. Der Stift 28 dient mithin als ein Druck-und Härtungs-, konkret Strahlungs-Vermittler.

In einem dritten Verfahrensschritt S3 wird das IdO 1 mittels des Stifts 28 in den Gehörgang des Hörgeräteträgers eingesetzt und in seine bestimmungsgemäße Position im Gehörgang gebracht. In einem weiteren Verfahrensschritt S4 wird über den Druck- oder Luftkanal 32 Luft in den Gehäuseinnenraum 6 gepumpt, der Gehäuseinnenraum 6 mithin mit einem erhöhten Innendruckwert beaufschlagt. Dadurch wird das aushärtbare und noch nicht ausgehärtete Material der Außen schale 4 näherungsweise radial zur Außenseite gedehnt. Der Drahtstift 21 verhin dert dabei eine Längung der Außenschale 4 in Richtung des Trommelfells. Die Außenschale 4 wird mithin vergleichbar zu einem Luftballon aufgeblasen. Dadurch legt sich die Außenschale 4 an den Gehörgang an.

Um im bestimmungsgemäßen Einsatzzustand oder Betriebszustand des IdO 1 eine Entlüftung des zwischen dem trommelfellseitigen Ende 18 und dem Trom melfell verbleibenden Gehörgang-Restraum zu ermöglichen, ist an dem trommel-

fellseitigen Ende 18 konkret an einem Haltering 38 für den Lautsprecher 12 eine schnür- oder schlauchförmige Einlage 40 befestigt, die sich in Längsrichtung 42 entlang der Außenschale 4 erstreckt. Unter Wirkung des erhöhten Innendruck werts umfließt die Außenschale 4 diese Einlage 40 teilweise, sodass ein Entlüf-tungskanal in der Außenseite der Außenschale 4 gebildet wird. Der starre Ab schnitt 16 sowie die Faceplate 2 weisen in nicht näher dargestellter Form eine Aussparung oder dergleichen auf, durch die die Durchführung der Einlage 40 zwi schen der Gehörgangwand und dem starren Abschnitt 16 bzw. der Faceplate 2 an letzteren vorbei ermöglicht. Die Faceplate 2 ist in Abweichung zur Darstellung kleiner als der Gehörgangdurchmesser und der Außendurchmesser der Außen schale 4.

In einem weiteren Verfahrensschritt S5 wird unter Aufrechterhaltung des Innen druckwerts mittels des Lichtwellenleiters 34 UV-Licht in den Gehäuseinnenraum 6 abgestrahlt. Unter Wirkung des UV-Licht wird die Aushärtung des aushärtbaren Materials der Außenschale 4 eingeleitet, sodass dieses vernetzt und die Außen schale 4 in ihrer an den Gehörgang angepassten Form fixiert. Anschließend wird das IdO 1 aus dem Gehörgang entnommen, die Einlage 40 entfernt, der Stift 28 aus der Batterieöffnung 26 entnommen und die Batteriefachtür 22 wieder einge-setzt. Daraufhin ist das IdO 1 zum individuellen Einsatz angepasst.

Der Gegenstand der Erfindung ist nicht auf das vorstehend beschriebene Ausfüh rungsbeispiel beschränkt. Vielmehr können weitere Ausführungsformen der Erfin dung von dem Fachmann aus der vorstehenden Beschreibung abgeleitet werden.

Bezugszeichenliste

1 IdO

2 Faceplate

4 Außenschale

6 Gehäuseinnenraum

8 Mikrofon

10 Signalprozessor 12 Lautsprecher

14 Mikrofonöffnung

16 starrer Abschnitt 18 Ende

20 Schallaustrittsöffnung

21 Drahtstift

22 Batteriefachtür

24 Batterie

26 Batterieöffnung

28 Stift

30 Dichtelement

32 Druck- oder Luftkanal

34 Lichtwellenleiter 36 Spitzenende

38 Haltering

40 Einlage

42 Längsrichtung

51 Verfahrensschritt

52 Verfahrensschritt

53 Verfahrensschritt

54 Verfahrensschritt

55 Verfahrensschritt