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1. WO2007144031 - DEVICE AND METHOD FOR MEASURING AND SETTING THE WEB TENSION BETWEEN INKING STATIONS OF A MULTICOLOR PRESS

Note: Text based on automatic Optical Character Recognition processes. Please use the PDF version for legal matters

[ DE ]

Windmöller & Hölscher KG
Münsterstraße 50
49525 Lengerich/Westfalen

24. November 2006

Unser Zeichen: 8482 WO - WEB

Vorrichtung und Verfahren zum Messen und Einstellen der Bahnspannung
zwischen Farbwerken einer Mehrfarbenmaschine

Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Messen und Einstellen der Bahnspannung zwischen Farbwerken einer Mehrfarbenrotationsdruckmaschine, wie sie in den Ansprüchen 1 und 2 skizziert ist.

An Mehrfarbenrotationsdruckmaschinen werden häufig Einstellungen verändert. Nach der Vornahme solcher Änderungen druckt die Druckmaschine häufig Makulatur oder zumindest Druckbilder mit eingeschränkter Qualität.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Vorrichtung und ein Verfahren vorzuschlagen, bei dem weniger Makulatur oder Druckbilder eingeschränkter Qualität gedruckt werden.
Es hat sich gezeigt, dass diejenigen Änderungen, die einen Einfluss auf die Bahnspannung zwischen Farbwerken der Mehrfarbenmaschine haben, besonders lange Einfluss auf die Druckqualität haben.
Daher werden im Rahmen dieser Druckschrift unter dem Begriff „Einstellungen" Druckparameter verstanden, die einen Einfluss auf die Bahnspannung zwischen Farbwerken der Mehrfarbenmaschine haben.
Solche Einstellungen können während eines laufenden Druckauftrages geändert werden. Zu solchen während des Druckprozesses vorgenommenen Einstellungen gehört die Anstellung der Druckwalzen oder die Veränderung der Druckgeschwindigkeit. Unter Einstellungen im vorgenannten Sinn werden jedoch auch die allfälligen vorwiegend mechanischen Maßnahmen beim Andrucken verstanden. In diesem Zusammenhang spielt wieder das Anstellen, der Druckbeginn und das Vorregistern eine besonders große Rolle.
An Druckmaschinen sind als Vorrichtungen zum Messen der Bahnspannung unter anderem Messwalzen bekannt, bei denen die Kraft, welche der Bahnzug auf die Achse der Walze ausübt, messbar ist. Möglichkeiten, die Bahnspannung zu messen, bestehen auch über die Messung des Drehmomentes von Walzen, die die Bedruckstoffbahn transportieren. Des Weiteren ist bekannt, die Bahnspannung, die in einer Druckmaschine herrscht, beim Andrucken durch eine Ansteuerung der An- und Abwicklung beziehungsweise des Ein- und Auszugs zu beeinflussen.
Die vorliegende Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass sich eine spezielle Bahnspannung zwischen zwei Farbwerken ausprägt, sobald die das Druckbild tragenden Zylinder gegen die Gegendruckzylinder angestellt werden. Die das Druckbild tragenden Zylinder sind hierbei diejenigen Zylinder, die das Druckbild durch das Abrollen auf der Bedruckstoffbahn auf dieselbe übertragen. Dies ist zumeist der Druckplattenzylinder, bei einigen Ausprägungen des Offsetdrucks jedoch auch der Gummizylinder.
Es hat sich gezeigt, dass die spezielle Bahnspannung zwischen den Druckwerken infolge der oben definierten Einstellprozesse (also auch durch das Anstellen der das Druckbild tragenden Zylinder) einer sich von selbst einstellenden Anpassung unterliegt. In der Sprache dieser Druckschrift besteht zwischen den beiden betreffenden Druckwerken ein instationärer Bahnlaufzustand. Nach einer gewissen Zeit endet der automatische Anpassungsprozess der Bahnspannung und die Bahnspannung ändert sich pro Zeiteinheit entweder nur noch innerhalb gewisser Toleranzwerte oder sie schwankt lediglich um einen Durchschnittswert. Dieser Zustand wird im Folgenden stationärer Bahnlaufzustand genannt.
Die oben erwähnten Qualitätseinbußen in Folge der Einstellprozesse kommen vor allem zustande, während instationäre Bahnlaufzustände zu verzeichnen sind. Die damit verbundenen Bahnspannungsschwankungen verändern unter anderem das Längsregister einer Druckmaschine, da Bahnspannung eben auch zu Bahndehnung führt und die sich ändernde Bahnlänge Registerfehler verursacht, die dann aufgrund der aufgetretenen Fehler durch Registerregelung ausgeglichen werden müssen. Durch die Änderung der Bahndehnung können Druckbilder jedoch auch verzerrt dargestellt werden. Insbesondere nach dem Andrucken kann es sehr lange dauern, bis sich zwischen allen Druckwerken einer Mehrfarbenrotationsdruckmaschine stationäre Bahnlaufzustände ausprägen.
Diesem Umstand trägt die vorliegende Erfindung Rechnung, indem sie vorschlägt, dass
zumindest ein Messmittel Messwerte zu der Bahnspannung zwischen zwei

Farbwerken aufzeichnet,
- und dass zumindest ein Einstellmittel die Bahnspannung zwischen den Druckbereichen dieser zwei Farbwerke aufgrund der Messwerte einstellt, wobei eine Steuervorrichtung verwendet wird, die aufgrund der Messwerte des zumindest einen Messmittels das zumindest eine Einstellmittel ansteuert.

Auf diese Weise kann die Dauer der instationären Zustände verkürzt und damit das Anfallen von Bedruckstoff minderer Qualität herabgesetzt werden.

Hierbei können zum Einstellen der Bahnspannung vorteilhafterweise Bahnführungselemente, die den Lauf der Bedruckstoffbahn bestimmen - wie Leitwalzen - eingesetzt werden. Wenn diese ihre Relativposition zu den Druckzonen der ihnen benachbarten (angestellten) Farbwerke verändern, ändert sich die Länge des Transportweges zwischen den Farbwerken und damit die Bahnspannung. Eine andere Möglichkeit, die Bahnspannung zwischen zwei Farbwerken zu beeinflussen, besteht darin, die das Druckbild tragenden Walzen der benachbarten Druckwerke so zu bewegen, dass sich ihre Winkellage relativ zueinander ändert. Es ist vorteilhaft, aber nicht unabdingbar, diese Druckwalzen vorzupositionieren, wenn sie von der Bedrucksstoffbahn abgehoben sind. Dies ist insbesondere beim Vorregistern von Vorteil. Wenn diese Vorpositionierung vom Betrag her der späteren Einstellbewegung entspricht und vom Vorzeichen her der Einstellbewegung entgegengesetzt ist (andere Drehrichtung), dann kann das vorher eingestellte Längsregister erhalten bleiben.
Besonders vorteilhaft ist das erfindungsgemäße Verfahren beim Vorregistern einzusetzen. Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das Vorregisterverfahren nach der Druckschrift WO 2004/048093 A2. Hier wird ein Verfahren vorgestellt, das sich besonders gut zum Vorregistern eignet. Bei diesem Verfahren wird die Bedruckstoffbahn mit einer Markierung versehen, die auf der Bedruckstoffbahn durch die verschiedenen Farbwerke der Maschine hindurch transportiert wird. Den einzelnen Farbwerken sind hierbei Sensoren beliebiger Art zugeordnet, die die Passage der Markierung aufzeichnen. Aus der Auswertung der Messwerte (insbesondere wann passiert die Markierung welches Farbwerk) kann die Maschinensteuerung Informationen ableiten, die zur Registerung - vorzugsweise Vorregisterung - geeignet sind. Die Lehre der vorgenannten Druckschrift in Bezug auf alle Bestandteile des skizzierten Registerverfahrens - Verfahrensablauf, Arten der Markierung, der Sensoren beziehungsweise Messverfahren usw. - werden als Bestandteil dieser Anmeldung angesehen. Ein Rückgriff auf diese Gegenstände zur Ergänzung der vorliegenden Erfindung wird vorbehalten.
Eine Steuervorrichtung im Sinne der vorliegenden Druckschrift kann in jeder beliebigen Kombination aus Soft- und oder Hardwaremerkmalen bestehen, die die genannten Steuerbefehle generieren kann.
Dem Steuermodul können auch Richtwerte bekannt sein, die die Bahnspannung im stationären Zustand einnehmen soll. Vor dem Hintergrund dieser Richtwerte und aktueller, im instationären Zustand aufgezeichneter Messwerte, kann die Maschinensteuerung - sprich die Steuervorrichtung -ermitteln, um welche Einstellbeträge sie mit Hilfe der Einstellmittel die Bahnspannung beeinflusst. Hierbei kann die Steuervorrichtung die Spezifikation des gerade anstehenden Druckauftrages zugrundelegen. Hierzu zählen Material, Materialdicke, Temperatur des Materials, Elastizitätsmodul des Materials usw.
Angesichts dieser Informationen kann die Steuervorrichtung mit Hilfe eines Kalkulationsmoduls - das ebenfalls als beliebige Soft- oder Hardware vorliegen kann - beispielsweise unter Zugrundelegung physikalischer Zusammenhänge -wie des Hook'schen Gesetzes - die Einstellbeträge ermitteln. Statt oder in Ergänzung zu vorgegebenen Richtwerten für eine im stationären Zustand herrschende Bahnspannung können in empirischer Weise an derselben Druckmaschine und möglichst bei einem gleichen oder ähnlichen Druckauftrag gewonnen werden. In diesem Zusammenhang ist es vorteilhaft, wenn die Parameter des Druckauftrages und die zugehörigen Bahnspannungswerte und/oder Einstellbeträge zur Erreichung der stationären Bahnspannung einander zugeordnet und gespeichert werden. Die betreffenden Daten können die Form einer Kalibriertabelle haben und sie könnten auch in einem Speichermodul in direktem Zugriff der Steuerungsvorrichtung stehen oder zumindest von einem Maschinenbediener, der sich der Steuervorrichtung bedient, dort abgerufen werden.
Eine weitere Möglichkeit, das erfindungsgemäße Verfahren durchzuführen und auf diese Weise überhaupt erst empirische Werte zu gewinnen, besteht darin, dass die zumindest eine Messvorrichtung vor dem ersten Steuervorgang der Steuervorrichtung meldet, welches Vorzeichen die sich von selbst einstellende Bahnspannungsänderung hat. Daraufhin steuert die Steuervorrichtung das zumindest eine Einstellmittel so an, dass sich eine weitere gesteuerte Bahnspannungsänderung mit diesem Vorzeichen um einen vorgegebenen Betrag ergibt. Diese Vorgehensweise wird solange wiederholt, bis sich das Vorzeichen der sich von selbst einstellenden Bahnspannungsänderung ändert, der Wert der im stationären Bahnspannungszustand herrschenden Bahnspannung also durchschritten ist.
Nachdem dies geschehen ist, werden entweder keine weiteren gesteuerten Bahnspannungsregelungen mehr vorgenommen, oder das Vorzeichen der gesteuerten Bahnspannungsänderung wird geändert. Bei der Ausgestaltung dieser „Tastfahrt" oder dieses „aktiven Annäherungsprozesses" an die im stationären Bahnspannungszustand herrschende Bahnspannung ist es von Vorteil, wenn der Betrag der gesteuerten Bahnspannungsänderung von der Geschwindigkeit der sich von selbst einstellenden Bahnspannungsänderung (Bahnspannungsänderung pro Zeiteinheit) abhängig gemacht wird. Bei einer schnellen Bahnspannungsänderung ist davon auszugehen, dass der zur Erreichung der stationären Bahnspannung (im stationären

Bahnspannungszustand herrschenden Bahnspannung) zu ändernde Bahnspannungsbetrag noch groß ist. Bei niedriger Geschwindigkeit ist dieser Betrag gering. Regelt man den Betrag der gesteuerten Bahnspannungsänderung auf diese Weise, so dürfte dieser Betrag auch sukzessive kleiner werden, so dass der Betrag, um den die stationäre Bahnspannung durchschritten wird (Überschwingbetrag) gering bleibt. Ohne eine derartige Regelung des Betrages der jeweils zwischen den Messungen vorgenommenen gesteuerten Änderung des Bahnspannungsbetrages kann eine sukzessive Verkleinerung des Betrages der gesteuerten Bahnspannungsänderung auch automatisch vorgesehen werden.
Die Implementierung der Steuervorrichtung mit Steuerprogrammen, die die erwähnten vorteilhaften Einstellverfahren durchzuführen geeignet ist, ist von Vorteil. In der Regel wird die Bahnspannung zwischen zwei direkt benachbarten Druckwerken eingestellt werden. Insbesondere beim Andrucken ist es von Vorteil, wenn die zwischen zwei benachbarten Druckwerken gelegenen Druckbahnbereiche - auch Bahnführungsabschnitte genannt - sukzessive dem erfindungsgemäßen Verfahren unterzogen werden. Die bevorzugte Reihenfolge entspricht dem Transportweg der Bedruckstoffbahn.

Weitere Ausführungsbeispiele der Erfindung gehen aus der gegenständlichen Beschreibung und den Ansprüchen hervor.
Die einzelnen Figuren zeigen:
Fig. 1 Seitenansicht einer Druckmaschine
Fig. 2 Der normale Verlauf der Bahnspannung als Funktion der Zeit Fig. 2a Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem ersten

Zeitpunkt
Fig. 2b Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem zweiten Zeitpunkt
Fig. 2c Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem dritten

Zeitpunkt
Fig. 3 Der Verlauf der Bahnspannung als Funktion der Zeit bei einer

Tastfahrt
Fig. 3a Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem ersten

Zeitpunkt
Fig. 3b Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem zweiten Zeitpunkt
Fig. 4 Der Verlauf der Bahnspannung als Funktion der Zeit bei einem schnellen Einstellvorgang
Fig. 4a Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem ersten

Zeitpunkt Fig. 4b Der Anstellzustand zweier benachbarter Farbwerke zu einem zweiten Zeitpunkt
Fig. 1 zeigt eine in Reihenbauweise aufgebaute Tiefdruckmaschine in der Seitenansicht. Allgemein eignen sich die erfindungsgemäßen Verfahren besonders gut für die Anwendung bei in Reihenbauweise aufgebauten Maschinen, die oft auch als Ständermaschinen bezeichnet werden. Die Bedruckstoffbahn 3 wird von der Abwicklung 1 in Richtung des Pfeiles z der Druckmaschine zugeführt. Zunächst durchläuft sie das Gebiet des Pendelwalzensystems 2 und läuft dann zu dem Einzug 4. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich zwischen dem Einzug 4 und dem Auszug 5 die Bahnspannung langfristig einstellen lässt. Allerdings handelt es sich bei dieser Einstellung nicht um eine Einstellung im Sinne der Erfindung, da eben nicht die Einstellung aufgrund von Messungen und Einstellungen zwischen den einzelnen Farbwerken D1 bis D4 erfolgt. Nur durch eine solche Einstellung kann gezielt und schnell Einfluss auf die Bahnspannung in einem Bahnspannungsabschnitt Anm genommen werden. Nachdem die Bedruckstoffbahn 3 den Einzug 4 passiert hat, läuft sie an der ersten Bahnspannungsmesswalze M0,i vorbei. Daraufhin gelangt sie in das Gebiet des ersten Druckwerkes D-i, das mit dem Presseur P1 und dem Formzylinder F1 ausgestattet ist. Nach dem Durchlaufen der zugehörigen Druckzone zwischen den beiden vorgenannten Zylindern durchläuft die Bahn 3 eine angedeutete Trocknungseinheit TR1, um erneut an eine Bahnspannungsmesswalze M1i2 vorbeigeführt zu werden. Schließlich erreicht die Bedruckstoffbahn das zweite Farbwerk D2, welche eine zweite Druckzone aufweist. Zwischen den Walzenspalten der beiden ersten Druckwerke D1 und D2 befindet sich der erste Bahnführungsabschnitt A1 ,2. Nach dem Verlassen der zweiten Druckzone gelangt demzufolge die Bedruckstoffbahn in den Bereich des zweiten Bahnführungsabschnittes A2,3, der von der dritten Druckzone, die dem dritten Farbwerk D3 zugeordnet ist, beendet wird.
Beim vorliegenden Ausführungsbeispiel einer Tiefdruckmaschine sind alle Farbwerke gleich ausgestattet, und es bedarf also keiner weiteren individuellen Beschreibung der weiteren Farbwerke D3 und D4.
Erwähnenswert ist lediglich, dass die Formzylinder F3 und F4 der Farbwerke D3 und D4 in der vorliegenden Darstellung in Fig. 1 in abgestelltem Zustand dargestellt sind. Das der Abwicklung 1 nachgeschaltete Pendelwalzensystem 2 und das der Aufwicklung 6 vorgeschaltete Pendelwalzensystem 7 haben die Funktion von Bahnspeichern, um die bereits oben erwähnten Bahnspannungsregulierungsvorgänge des Einzuges und des Auszuges zu erlauben, ohne Spannung auf die Abwicklung oder die Aufwicklung auszuüben. In Fig. 2 ist der Bahnspannungsverlauf f gegen die Zeit t aufgetragen. Dargestellt ist der Bahnspannungsverlauf, wie er sich einstellt, wenn ein normaler Andruckvorgang an einer Ständermaschine vorgenommen wird, und sich die Bahnspannung selbstständig, das heißt ohne zusätzliche Steuervorgänge der stationären Bahnspannung S annähert. Während des Zeitraumes Ti ist in der betreffenden Maschine noch kein Druckzylinder an den zugehörigen Gegendruckzylinder angestellt. Daher wird die Bahnspannung ausschließlich von dem Einzug und dem Auszug bestimmt. Dieses Niveau hat den Wert A. Die abgestellten Druckwerke sind in Fig. 2a dargestellt.
In Fig. 2b ist dargestellt, wie die beiden Formzylinder an die zugehörigen Presseure P1 und P2 angestellt werden. Als Folge dieser Maßnahme ist in Fig. 2 ein sprunghafter Anstieg der Bahnspannung zu ersehen. Die Bahnspannung steigt extrem schnell von dem Ausgangswert A zu dem Maximalwert M an. In Folge des instationären Ausgleichsvorganges während des Zeitraumes T2 fällt sie, ähnlich wie eine Zerfallsfunktion, auf den Wert der stationären Bahnspannung S ab. Während des Zeitraumes T2 kommt es jedoch zum Drucken von Makulatur, da die Bahnspannung eben auch Auswirkungen auf die Bahndehnung hat und daher zu Schwierigkeiten, insbesondere bei der Registerhaltigkeit des Druckes zwischen den Druckwerken Di und D2 führt. In Fig. 2c sind die beiden Druckwerke Di und D2 gezeigt, wobei die beiden Formzylinder an ihre Presseure P1 und P2 angestellt sind. Dieser Zustand ist während des ganzen Zeitraums T2 vorhanden.
Fig. 3 zeigt den Verlauf der Bahnspannung gegen die Zeit, wobei diesmal nach dem Anstellen der Druckwalzen die Bahnspannung in gesteuerter Weise an die stationäre Bahnspannung angepasst wird. Wie in Fig. 2 ist zunächst eine Zeitspanne T1 mit einer Bahnspannung A zu verzeichnen. Wieder wird in dieser Zeitspanne T1 die Bahnspannung lediglich durch Ein- und Auszug bestimmt. Das Anstellen der beiden Druckwalzen F1 und F2 an ihre jeweiligen Presseure P1 und P2 führt wieder zu einem schlagartigen Ansteigen der Bahnspannung.

Nach diesem Anstieg beginnt die instationäre Phase T2, zunächst mit einem sich von selbst einstellenden Ausgleichsvorgang, was die Bahnspannung anbelangt. Durch diesen sich von selbst einstellenden Ausgleichsvorgang sinkt die Bahnspannung um einen Betrag Mi, der von der Bahnspannungsmesswalze Mi,2 aufgezeichnet wird. Die aufgezeichneten Messwerte werden der Steuervorrichtung zugeführt, die daraufhin das Vorzeichen der sich selbst einstellenden Änderung ermitteln kann. Die Steuervorrichtung kann auch zwischen zwei Messpunkten MPA und MPB die Spannungsänderungen messen und über die Spannungsänderung pro Zeiteinheit die Geschwindigkeit der Bahnspannungsänderung ermitteln. Aufgrund der Kenntnis der Geschwindigkeit der Bahnspannungsänderung zwischen den Messpunkten MPA und MP5 bestimmt die Steuervorrichtung den Hub beziehungsweise den Betrag der gesteuerten Bahnspannungsänderung Hi, dessen Vorzeichen sie bereits ermittelt hat. Nach der gesteuerten Bahnspannungsänderung um den Betrag H1 wiederholt die Messvorrichtung M1ι2 die Messung zwischen den Messpunkten MPc und MP0 und misst hierbei die sich von selbst einstellende Bahnspannungsänderung M2. Wieder kann die Steuervorrichtung aus den Messpunkten MPc und MP0 das Vorzeichen und den Betrag der sich von selbst einstellenden Bahnspannungsänderung M2 ermitteln. Aus diesen Daten ist wieder die Geschwindigkeit der Bahnspannungsänderung zwischen den beiden vorgenannten Messpunkten ermittelbar. Wieder nimmt die Steuervorrichtung durch die Ansteuerung der Einstellvorrichtungen eine gesteuerte Bahnspannungsänderung um den Betrag H2 vor, wobei sie das Vorzeichen und den Betrag der Bahnspannungsänderung aufgrund der Messwerte bestimmt. Wieder misst die Steuervorrichtung mit Hilfe der Messvorrichtung Mi,2 die Änderung der Bahnspannung zwischen den Messpunkten MPε und MPF und stellt hierbei fest, dass sich das Vorzeichen der sich von selbst einstellenden Bahnspannungsänderung M3 geändert hat und dass die Geschwindigkeit der Bahnspannungsänderung sehr gering ist. Es bedarf also keiner weiteren gesteuerten Bahnspannungsänderungen mehr. Der Betrag, um den die Bahnspannung im Messpunkt MPE unterhalb der sich stationär einstellenden Bahnspannung S liegt, wird im Folgenden Überschwinger genannt. Im Vergleich zu der Situation in Fig. 2 bleibt festzuhalten, dass die Zeitspanne T2, in der sich der Ausgleichsvorgang der Bahnspannung bis hin zu der stationären Bahnspannung, die in der Zeitspanne T3 herrscht, vollzieht, sehr viel kürzer ist als in Fig. 2, in der sich diese stationäre Bahnspannung ausschließlich von selbst einstellt. Damit wird bei einer Situation wie in Fig. 3 während des Zeitraums T2 natürlich auch viel weniger Makulatur gedruckt als bei einer Situation wie in Fig. 2.
Die Figuren 3a und 3b verdeutlichen noch einmal das Anstell- und Ausgleichsverhalten der Druckwerke während der Einstellvorgänge. Im beschriebenen Fall werden die Einstellvorgänge mit Hilfe von Bewegungen der Druckzylinder, in diesem Fall F2, vorgenommen. Diese Einstellvorgänge sind durch die Pfeile pf symbolisiert. Sie führen zu einer Veränderung der relativen Winkellage der beiden Druckzylinder F1 und F2.
Fig. 4 zeigt nochmal einen anderen gesteuerten Ausgleichsvorgang, der mit dem Hub H3 vorgenommen wird. Im Vergleich zu Fig. 3 wird die Geschwindigkeit des instationären Ausgleichsvorgangs hier noch einmal gesteigert. Der Hub H3 gleicht fast die gesamte Bahnspannungsdifferenz zwischen dem Messpunkt MPH und der stationären Bahnspannung S aus. Solche Ausgleichsvorgänge können insbesondere dann zustande kommen, wenn der Steuervorrichtung die stationäre Bahnspannung S von Anfang an bekannt ist. So etwas kann der Fall sein, wenn die Steuervorrichtung selbstlernend arbeitet, das heißt, dass der Steuervorrichtung in Form einer Kalibriertabelle, die an einem Druckwerk bei einem Druckwerkauftrag herrschende stationäre Bahnspannung bekannt ist, da eine solche Bahnspannung sich hier schon einmal bei der Abarbeitung eines alten Auftrages eingestellt hat.
Durch die Zusammenschau der Figuren 4, sowie 4a und 4b wird eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung offenbar:
Während der Phase T1 sind die Formzylinder F1 und F2 von den Presseuren und der Bahn 3 abgehoben. Es ist möglich, entweder durch ein spezielles Vorregisterverfahren (z.B. ein Bahn-Zylinderverfahren) während dieser Phase oder durch ein Vorregistern vor dieser Phase T1 eine Registersolllage zu ermitteln. Normalerweise wäre es dann am Günstigsten, Aufgrund dieser Registersolllage die Winkelstellung der beiden Formzylinder F1 und F2 aufeinander abzustimmen, was in der Regel durch eine dementsprechende Bewegung des hinteren Zylinders - hier F2 - geschieht. Dies kann auch in Zusammenhang mit dem vorgestellten Verfahren geschehen. Jedoch ist es günstiger, statt der exakten Registersolllage RF der beiden Zylinder zueinander, eine Winkellage voreinzustellen, die von der Solllage RF um einen Winkel α abweicht. Eine Drehung um den Winkel α ist in Andruckstellung (Figur 4b) geeignet, den Hub H3 im Verlauf der Bahnspannung einzustellen, wie dies in Figur 4 gezeigt ist. Der durch den Hub H3 dargestellte aktive Ausgleichsvorgang wird - wie in Figur 4b dargestellt - durch eine Winkeldrehung um -α - das heißt eine Drehung um den Winkel α in die umgekehrte Richtung - ausgeglichen. Der Steuervorrichtung der Druckmaschine ist hierbei in der Regel die nötige stationäre Bahnspannung S bekannt. Durch ein Messen einer während des Zeitraumes T2 vorherrschenden Bahnspannung ist es ein Leichtes, den nötigen Bahnspannungshub H3 zu ermitteln.
Auch schon bevor diese Messung erfolgt, kann der Steuervorrichtung durch Abschätzen oder durch empirische Werte (Messwerte bei alten ggf. ähnlichen Druckaufträgen, die Bahnspannung nach dem Anstellen kann auch immer ähnlich sein) ein solcher Bahnspannungshub beziehungsweise die sich automatisch einstellende Bahnspannung bekannt sein. In diesen Fällen beinhaltet das erfindungsgemäße Verfahren damit auch Messvorgänge, auch wenn diese bei bereits abgearbeiteten Druckvorgängen stattgefunden haben. Eine zur Durchführung dieser Verfahren geeignete Druckmaschine umfasst daher auch solche Messgeräte. Allerdings erscheint es auch möglich ein solches Verfahren zumindest in einem oder einigen Bahnführungsabschnitten wenn nicht gar in der ganzen Druckmaschine durchzuführen, ohne dort Messungen durchzuführen oder ohne die betreffenden Bahnführungsabschnitte An m mit entsprechenden Bahnspannungsmessvorrichtungen zu beaufschlagen. In diesem Fall müssten berechnete und oder empirische Werte (z. B. anderer Maschinen) den Hintergrund der Einstellung bilden.

Der mit dem Hub H3 korrespondierende Winkel α ist der Druckmaschine entweder ebenfalls bekannt oder er wird durch bekannte physikalische Zusammenhänge wie das Hooksche Gesetz ermittelt. Hierbei ist eine möglichst genaue Kenntnis von Materialparametern (wie des Elastizitätsmoduls) der Bedruckstoffbahn 3 von Vorteil.

Der Ablauf des in den Figuren 4, 4a und 4b gezeigten Verfahrens lässt sich wie folgt zusammenfassen:

- die Einstellung der Bahnspannung wird nach der Durchführung eines Vorregisterverfahrens durchgeführt, in dem eine Registersolllage RF festgestellt, nicht aber notwendigerweise eingestellt wird,
- die das Druckbild tragenden Zylinder (Fn) werden vor dem Einstellvorgang vorpositioniert (um den Winkel α gegenüber der Registersolllage), wobei diese Vorpositionierung vorzugsweise vorgenommen wird, während der betreffende, das Druckbild tragende Zylinder von der Bahn (3) abgehoben ist,
- die das Druckbild tragenden Zylinder (Fn) die vor dem Einstellvorgang um den Betrag (Winkel α) vorpositioniert wurden, der zu den Einstellungen notwendig ist, werden eingestellt (insbesondere zum Zwecke der Regelung der Bahnspannung auf den angegebenen Wert der stationären

Bahnspannung S durch Drehung um -α), wobei das Vorzeichen der Vorpositionierung und der Einstellung unterschiedlich ist,
- so dass die vorher ermittelte Längsregisterregistersollage RS eingestellt wird.

Oben wird der Begriff „Einstellung" oder „Einstellvorgang" vornehmlich für die Einstellung der Bahnspannung verwendet.
Das Drehen des oder der Druckplattenzylinder in die Registersolllage kann bereits vor der der Vorpositionierung vorgenommen werden. Jedoch erscheint es vorteilhaft, direkt diejenige Winkellage der benachbarten und aufeinander folgenden Druckplattenzylinder herbeizuführen, die sich ergibt, wenn zu der Registersolllage RS die Voreinstellung (um den Winkel α) hinzutritt (Vorpositionierung um den Winkel α gegenüber der Solllage RF).
Durch dieses Verfahren wird die (normalerweise passiv zustande kommende) „aktive" Einstellung der stationären Bahnspannung erheblich beschleunigt. Daher erscheint bereits die isolierte Anwendung eines jeden der obigen Verfahrensschritte für sich vorteilhaft zu sein. Bei einer Anwendung des gesamten Verfahrens erscheint es auf diese Weise sogar möglich, diese Einstellung vorzunehmen, während ein einziger Bahnabschnitt von der Länge des Bahnweges in der Maschine zwischen Ab- und Aufwicklung die Druckmaschine durchläuft. Darin würde eine ganz erhebliche Einspaarung von Makulatur liegen.
Die vorgenannten Verfahrensschritte können von einer Steuervorrichtung vorgenommen werden, wobei der Begriff „Steuervorrichtung" als funktionaler Ausdruck zu werten ist. In der Regel wird eine Steuervorrichtung in Gestalt eines Industriecomputers als zentrale Einheit, die einen Großteil der zum Betrieb der Druckmaschine nötigen Intelligenz in sich vereint, vorhanden sein. Es sind jedoch auch alle möglichen, dezentraler gestalteten Formen von Steuereinheiten durch diesen Begriff mit umfasst.
Eine Steuereinheit kann mit Steuermitteln, zur automatischen Ausführung von bestimmten Verfahren beaufschlagt werden. Solche Steuermittel können Programmbefehle - also vor allem Software - sein. Solche Steuermittel können jedoch auch Hardwarekomponenten - wie elektronische Bauelemente - wie AND oder NAND Bauteile mit umfassen.