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1. (WO2007006465) METHOD FOR PRODUCING AMINES FROM HYDROXAMIC ACIDS
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Beschreibung

Verfahren zur Herstellung von Aminen aus Hydroxamsäuren

Amine sind bedeutsame und äußerst vielseitig verwendbare Zwischenprodukte in der organischen Synthese. Die Bedeutung in der modernen organischen
Synthese wird nur durch Limitierungen der Zugänglichkeit dieser
Verbindungsklassen eingeschränkt. Viel häufiger noch als Amine sind die entsprechenden Carbonsäuren oder deren Derivate verfügbar, beispielsweise als Naturstoffe, daher sind alle Methoden zum Abbau von Carbonsäurederivaten zu den entsprechenden Aminen per se von hohem Interesse. Standardverfahren zur Herstellung von primären Aminen aus Carbonsäuren oder Carbonsäurederivaten sind die Hofmann-, Curtius-, Schmidt- und Lossen-Abbaureaktionen.

In der modernen organischen Synthese nimmt die Bedeutung chemo-, regio- und stereoselektiver Reagenzien explosionsartig zu. Will man beispielsweise aus einem komplexen Molekül mit zahlreichen funktionellen Gruppen eine bestimmte Carbonsäuregruppe in ein primäres Amin überführen, so scheiden zahlreiche der genannten Methoden aus Selektivitätsgründen aus. Darüber hinaus stellen Azide, Stickstoffwasserstoffsäure, Brom oder Chlor ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Eine hochselektive Problemlösung für die Überführung von Carbonsäuren in primäre Amine, die auch in komplexen multifunktionellen Molekülen mit oft mehr als einem Stereozentrum anwendbar ist, fehlte bisher. Die bekannten Reagenzien können zwar die gewünschten Transformationen bewerkstelligen, dabei werden aber oft andere Gruppierungen ebenfalls beeinflusst. In vielen Fällen werden durch die drastischen erforderlichen Bedingungen selbst entfernt stehende Stereozentren epimerisiert. Zusätzlich sollte die Transformation bei sehr milden Bedingungen anwendbar, die Isolierung des Produktes sehr einfach und die Abtrennung der Folgeprodukte des eingesetzten Reagenzes ohne zusätzliche verfahrenstechnische Schritte möglich sein.

Es wäre daher sehr wünschenswert, ein Verfahren zu haben, das Carbonsäuren durch Umlagerung in die entsprechenden primären Amine überführen kann, dabei aber gleichzeitig sehr milde Reaktionsbedingungen und eine möglichst einfache Aufarbeitung aufweist, und zusätzlich in wirtschaftlich nutzbaren Verfahren einsetzbar ist. Die bekannten Reagenzien lösen dieses Problem nicht, wie an einigen Beispielen demonstriert werden soll: Beim Hofmann-Abbau werden Carbonsäureamide durch Behandlung mit korrosivem und toxischem Brom oder Chlor und Alkali zum primären Amin abgebaut, wobei zahlreiche funktionelle Gruppen aufgrund der hohen Reaktivität der eingesetzten Halogene nicht toleriert werden. Beim Curtius-Abbau kommen giftiges Hydrazin oder explosive Azide, beim Schmidt-Abbau giftige Stickstoffwasserstoffsäure zum Einsatz, wobei letztere bei unsachgemäßer Handhabung ebenfalls Explosionen verursachen kann.

Überraschenderweise wurde gefunden, dass durch Reaktion von
Hydroxamsäuren mit Alkylphosphonsäureanhydriden, wie z.B. cyclischen 2,4,6-substituierten 1 ,3,5,2,4,6-trioxatriphosphinanen, gegebenenfalls in Gegenwart von Basen, alle diese Probleme gelöst werden. Diese Kombination ist eine
hochselektive Methode zur Überführung von Carbonsäuren in die entsprechenden carbamatgeschützten Amine, wobei gleichzeitig die gewünschte
Epimerisierungsfreiheit und maximale Regio- und Stereoselektivität bei zugleich nahezu quantitativen Ausbeuten beobachtet wird.

Die vorliegende Erfindung betrifft somit ein hochselektives Verfahren zur
Herstellung von ungeschützten oder carbamatgeschützten Aminen der Formeln (II) und (III),

R1 - NH2 (II) oder R1 - NHCO2R2 (III)

durch Umsetzung von Hydroxamsäuren der Formel (I)

(R1 CONHOH) (I) mit
a.) Alkylphosphonsäureanhydriden,
b.) einem Alkohol R2OH und
c.) optional einer Base
bei einer Temperatur im Bereich von -100 bis + 1200C,
wobei die Hydroxamsäure (I) entweder vor der Umsetzung oder während der Umsetzung (in situ) erzeugt wird und
R1 für einen gegebenenfalls substituierten linearen oder verzweigten C1-C12-Alkylrest, substituierte C3-C10 Cycloalkyl-, Alkenyl-, Aryl- oder Heteroarylreste steht und
R2 steht für einen AIIyI-, Aryl-, offenkettigen, cyclischen oder verzweigten Ci bis Ci2-Alkyl-Rest, einen Aryloxy-, Allyloxy- oder Alkoxyrest gegebenenfalls
substituiert mit offenkettigenrcyclischen oder verzweigten Ci bis Ci2-Alkyl-Resten.

Die Hydroxamsäuren können entweder als isolierte reine Edukte eingesetzt werden oder durch eine dem Fachmann bekannten Verfahren zur Herstellung von Hydroxamsäuren entweder vor der Umsetzung oder während der Umsetzung (in situ) generiert werden. Dies kann z. B. erfolgen durch Umsetzung von
Carbonsäurehalogeniden und Hydroxylamin oder -salzen, durch Reaktion von Carbonsäureestern mit Hydroxylamin oder -salzen, oder durch Umsetzung von freien Carbonsäuren mit Hydroxylamin oder -salzen in Gegenwart von
wasserentziehenden Mitteln. Aufgrund der beschränkten kommerziellen
Verfügbarkeit von Hydroxamsäuren ist es bevorzugt, diese z.B. durch eines der oben genannten Verfahren zu generieren und anschließend umgehend in der erhaltenen Reaktionsmischung erfindungsgemäß umzulagern. Insbesondere ist es möglich, ausgehend von Carbonsäuren und Hydroxylamin durch ein weiteres Äquivalent an Alkylphosphonsäureanhydrid die Hydroxamsäure zu bilden und anschließend durch das gleiche Reagenz umzulagern
Bevorzugt werden Alkohole R2OH eingesetzt in denen R2 für einen Methyl, Ethyl, n-Propylrlsopropylrn-Butyl, 2-Butyl,-tert-Butylrlsobutyl, Pentyl, Hexyl, Phenyl, Benzyl insbesondere einen tert.-Butyl oder Benzyl Substituenten steht.

Die Zugabe des Alkohols erfolgt im Allgemeinen mindestens stöchiometrisch im bezug auf die Ausgangsverbindung, kann aber auch überstöchiometrisch sein, beispielsweise im Verhältnis 1 Hydroxamsäure : 1 ,2 Alkohol.

In einer bevorzugten erfindungsgemäßen Ausführungsform ist das cyclische Phosphonsäureanhydrid ein 2,4,6-substituiertes 1 ,3,5,2,4,6-trioxatriphosphinan der Formel (IV),


(IV)

worin R1 unabhängig voneinander für AIIyI, Aryl oder offenkettige oder verzweigte Ci bis Ci2-Alkyl-Reste, insbesondere C-i-Cβ-Alkylreste steht.

Bevorzugt werden Phosphonsäureanhydride der Formel (IV) in denen R' für einen Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl, 2-Butyl, Isobutyl, Pentyl, Hexyl, insbesondere einen Ethyl-, Propyl- und/oder Butyl-Rest steht, verwendet.

Die Umlagerung zu ungeschützten Aminen (II) oder carbamatgeschützten Aminen (III) kann im allgemeinen bei Temperaturen im Bereich von -100 bis +120°C durchgeführt werden, bevorzugt sind Temperaturen im Bereich von -30 bis +300C, wobei tiefere Temperaturen im allgemeinen mit höheren Selektivitäten korreliert sind. Die Reaktionsdauer ist abhängig von der angewandten Temperatur und beträgt im allgemeinen 1 bis 12 Stunden, insbesondere 3 bis 6 Stunden.

Der Zusatz von Basen, insbesondere Aminen, ist im Allgemeinen nicht
erforderlich, kann sich aber im Einzelfall als vorteilhaft erweisen. Die Zugabe der Base erfolgt im Allgemeinen mindestens stöchiometrisch im Bezug auf die Ausgangsverbindung, kann aber auch überstöchiometrisch sein, beispielsweise im Verhältnis 1 Hydroxamsäure : 2 Base.

Bevorzugt werden Amine NR33 als Base eingesetzt, wobei R3 für einen AIIyI-, Aryl-, offenkettigen, cyclischen oder verzweigten Ci bis Ci2-Alkyl-Rest, einen Aryloxy-, Allyloxy- oder Alkoxyrest gegebenenfalls substituiert mit offenkettigen, cyclischen oder verzweigten Ci bis Ci2-Alkyl-Resten steht und R3 in NR33 für verschiedene Reste stehen kann.
Insbesondere steht R3 für H, Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl, 2-Butyl, Isobutyl, Pentyl, Hexyl, Phenyl, bevorzugt für H, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl, 2-Butyl, Isobutyl oder Phenyl oder eine Kombination der genannten Substituenten.

Das Phosphonsäureanhydrid kann dem Reaktionsmedium entweder als Schmelze oder als flüssige Mischung gelöst in einem Lösungsmittel zugegeben werden. Geeignete Lösungsmitteln sind dabei solche, die keine Nebenreaktionen mit dem Phosphonsäureanhydrid ergeben, dies sind alle aprotischen organischen
Lösungsmittel, wie z.B. Ligroin, Butan, Pentan, Hexan, Heptan, Octan,
Cyclobutan, Cyclopentan, Cyclohexan, Cycloheptan, Cyclooctan, Dichlormethan, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, 1 ,2-Dichlorethan, 1 ,1 ,2,2-Tetrachlorethan, Methylacetat, Ethylacetat, Propylacetat, Butylacetat, Dimethylformamid,
Diethylformamid, Dimethylacetamid, Diethylacetamid, Diethylether,
Diisopropylether, tert-Butyl-Methylether, THF, Dioxan, Acetonitril oder Gemische aus diesen, besonders bevorzugt sind Dichlormethan, Chloroform, Ethylacetat, Propylacetat, Butylacetat, Dimethylformamid, Diethylformamid, Dimethylacetamid, Diethylacetamid, Diisopropylether, tert-Butyl-Methylether, THF, Dioxan, Acetonitril oder Gemische aus diesen, ganz besonders bevorzugt werden Dichlormethan, Chloroform, Ethylacetat, Butylacetat, Dimethylacetamid, tert-Butyl-Methylether, THF, Dioxan, Acetonitril oder Gemische aus diesen, insbesondere bevorzugt sind -T-HF-Ethylaeetat-oder-Butylaeetat; —

Die Zugabe des Phosphonsäureanhydrids erfolgt im Allgemeinen mindestens drittelstöchiometrisch in Bezug auf die Hydroxamsäure bzw. auf die Ausgangsverbindung zur Erzeugung der Hydroxamsäure, bezogen auf
P-Äquivalente, kann aber auch überstöchiometrisch sein, beispielsweise im Verhältnis 1 Carbonsäure : 3 Phosphonsäureanhydrid, bevorzugt
1 Carbonsäure : 2 Phosphonsäureanhydrid.

Die Umsetzungen werden bevorzugt so durchgeführt, dass die entsprechende Hydroxamsäure in einem Lösungsmittel bei der entsprechenden
Reaktionstemperatur vorgelegt wird. Anschließend wird die Hydroxamsäure durch Zudosieren des Phosphonsäureanhydrids als Schmelze oder Lösung aktiviert, erwärmt und das gewünschte Amin isoliert. Gegebenenfalls wird vor der
Erwärmung der Alkohol zugegeben und das gewünschte carbamatgeschützte Amin isoliert.

In einer weiteren bevorzugten Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der entsprechende Carbonsäureester mit Hydroxylamin oder einem Salz des Hydroxylamins und einer Base in einem Lösungsmittel vorgelegt wird, wodurch zunächst die Hydroxamsäure vorgebildet wird. Nachdem durch Inprozeßkontrolle sichergestellt wurde, dass die Bildung der Hydroxamsäure vollständig ist, wird anschließend die Umlagerung wie oben beschrieben durchgeführt.

Die Isolierung des Reaktionsproduktes erfolgt bevorzugt durch Hydrolyse und einfache Phasentrennung, da die Folgeprodukte der Phosphonsäureanhydride allgemein sehr gut wasserlöslich sind. Je nach Natur des zu isolierenden Produkts können dabei auch Nachextraktionen erforderlich sein. Das gebildete
Phosphonsäureanhydrid-Folgeprodukt stört Folgereaktionen in der Regel nicht, so dass auch der direkte Einsatz der erhaltenen Reaktionslösungen oft sehr gute Ergebnisse bringt.

Alle benannten Verfahrensweisen zeichnen sich durch sehr gute Ausbeuten (typisch 90-100 %, insbesondere > 95 %) bei gleichzeitiger Abwesenheit von Nebenreaktionen und Epimerisierungen aus. Die Selektivitäten der
erfindungsgemäßen Reaktion liegen im Bereich von 99-100 %, insbesondere > 99,5 %.

Das erfindungsgemäße Verfahren soll durch die nachfolgenden Beispiele erläutert werden, ohne die Erfindung darauf zu beschränken:

Beispiele:

Beispiel 1 : Umlagerung von Benzhydroxamsäure zu tert.-Butyloxycarbonylanilin

1 mol Benzhydroxamsäure und 2 mol Thethylamin wurden in 50 ml_ Ethylacetat vorgelegt und auf O0C gekühlt. 1 ,2 mol T3P®-Lösung (T3P® " cyclisches
Propanphosphonsäureanhydrid, Clariant GmbH) in Ethylacetat (50 % w/w) wurde unter Beibehaltung der Reaktionstemperatur zudosiert, anschließend wurde weitere drei Stunden bei dieser Temperatur nachgerührt. 1.2 mol tert.-Butanol wurde zugegeben und die Reaktionsmischung eine weitere Stunden bei 600C gerührt. Zu dieser Zeit zeigte das Reaktions-GC einen Umsatz von 100 % an. Nach Erwärmen auf Raumtemperatur wurden 180 ml_ Wasser zugeben und die Phasen getrennt. Nach Abkondensieren des Lösungsmittels verblieb das Produkt in einer Ausbeute von 97 %, HPLC-Reinheit 98 % (a/a).

Beispiel 2: Umlagerung von Benzhydroxamsäure zu Benzyloxycarbonylanilin

1 mol Benzhydroxamsäure und 2 mol Thethylamin wurden in 50 ml_ Ethylacetat vorgelegt und auf 00C gekühlt. 1 ,2 mol T3P®-Lösung in Ethylacetat (50 % w/w) wurde unter Beibehaltung der Reaktionstemperatur zudosiert, anschließend wurde weitere drei Stunden bei dieser Temperatur nachgerührt. 1 ,2 mol
Benzylalkohol wurde zugegeben und die Reaktionsmischung eine weitere Stunde bei 600C gerührt. Zu dieser Zeit zeigte das Reaktions-GC einen Umsatz von 100 % an. Nach Erwärmen auf Raumtemperatur wurden 180 ml_ Wasser zugeben und die Phasen getrennt. Nach Abkondensieren des Lösungsmittels verblieb das Produkt in einer Ausbeute von 96 %, HPLC-Reinheit 97 % (a/a).

Beispiel 3: Umlagerung von Octylhydroxamsäure zu Benzyloxycarbonylheptylamin

1 mol Octylhydroxamsäure und 2 mol Triethylamin wurden in 50 ml_ Ethylacetat vorgelegt und auf 00C gekühlt. 1 ,2 mol T3P®-Lösung in Ethylacetat (50 % w/w) wurde unter Beibehaltung der Reaktionstemperatur zudosiert, anschließend wurde weitere drei Stunden bei dieser Temperatur nachgerührt. 1.2 mol
Benzylalkohol wurde zugegeben und die Reaktionsmischung eine weitere Stunde bei 600C gerührt. Zu dieser Zeit zeigte das Reaktions-GC einen Umsatz von 100 % an. Nach Erwärmen auf Raumtemperatur wurden 180 ml_ Wasser zugeben und die Phasen getrennt. Nach Abkondensieren des Lösungsmittels verblieb das Produkt in einer Ausbeute von 96 %, HPLC-Reinheit 97 % (a/a).

Beispiel 4: Umlagerung von Octylhydroxamsäure zu tert-Butyloxycarbonylheptylamin

1 mol Octylhydroxamsäure und 2 mol Triethylamin wurden in 50 ml_ Ethylacetat vorgelegt und auf 00C gekühlt. 1 ,2 mol T3P-Lösung in Ethylacetat (50 % w/w) wurde unter Beibehaltung der Reaktionstemperatur zudosiert, anschließend wurde weitere drei Stunden bei dieser Temperatur nachgerührt. 1.2 mol tert.-Butanol wurde zugegeben und die Reaktionsmischung eine weitere Stunde bei 600C gerührt. Zu dieser Zeit zeigte das Reaktions-GC einen Umsatz von 100 % an. Nach Erwärmen auf Raumtemperatur wurden 180 ml_ Wasser zugeben und die Phasen getrennt. Nach Abkondensieren des Lösungsmittels verblieb das Produkt in einer Ausbeute von 97 %, GC-Reinheit 97 % (a/a).