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1. (WO2001001967) MICRORESERVOIR SYSTEM ON THE BASIS OF POLYSILOXANES AND AMBIPHILIC SOLVENTS
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Mikroreservoirsystem auf Basis von Polysiloxanen und ambiphilen
Lösemitteln.

Transdermale therapeutische Systeme (TTS) können unter Vernachlässigung von wenig gebräuchlichen Sonderformen in zwei Grundtypen unterschieden werden, die sogenannten Matrixsysteme und die sogenannten Reservoirsysteme.

Bei den sogenannten Matrixsystemen ist im einfachsten Fall der Wirkstoff in einer selbstklebenden Schicht gelöst bzw. zum Teil auch nur suspendiert oder dispergiert in Form von Kristallen.

Die von den Matrixsystemen zu unterscheidenden Reservoirsysteme stellen eine Art Beutel aus einer inerten Rückschicht und einer wirkstoffdurchlässigen Membran dar, wobei sich der Wirkstoff in einer flüssigen Zubereitung in diesem Beutel befindet. Meistens ist die Membran mit einer Kleberschicht versehen, die der Verankerung des Systems auf der Haut dient.

Systeme mit flüssigen Mikroreservoiren können gewissermaßen als Zwitter aus den beiden Grundformen angesehen werden. Auch hier befindet sich der Wirkstoff zum größten Teil nicht in den polymeren Bestandteilen des Systems, sondern in den flüssigen Mikroreservoiren, die in die Polymerschichten eingebettet sind. In ihrem einfachsten Fall sind die flüssigen Mikroreservoire in eine selbstklebenden
Polymerschicht eingebettet, wobei der Kleber dann selbst als eine Art Membran aufgefaßt werden kann. Ein so gestaltetes System ist rein äußerlich nicht von einem gewöhnlichen Matrixsystem zu unterscheiden. Erst bei der mikroskopischen
Betrachtung sind die Mikroreservoire und damit die heterogene Struktur des
Kleberfilms zu erkennen. Ein solches System in seiner einfachsten Ausführung ist in Figur 1 dargestellt.

Ist jedoch die so mit Wirkstoff beladene Schicht nicht oder nicht ausreichend selbstklebend, kann eine weitere geeignete selbstklebende Schicht, die zur
Verankerung des Systems auf der Haut dient, aufgebracht werden. Die gleiche Maßnahme kann dann nötig sein, um die Rückschicht des Systems besser auf der wirkstoffbeladenen Schicht zu verankern. Ein solches System mit zwei zusätzlichen Kleberschichten ist in Figur 2 dargestellt. Natürlich ist auch bei solchen Systemen die Möglichkeit gegeben, hautseitig die wirkstoffbeladene Schicht mit einer
Steuermembran und dann gegebenenfalls diese Membran hautseitig mit einer Hautkleberschicht zu versehen. Auch diese Hautkleberschicht kann dann zur Abgabe einer Initialdosis mit Mikroreservoiren ausgestattet sein.

Bevorzugtes Polymer für Mikroreservoirsysteme sind Polysiloxane. Polysiloxane haben nur ein geringes Lösevermögen für Wirkstoffe. Dies bedeutet, daß die
Wirkstoffe in Polysiloxanen ohne Zusätze zum größten Teil nur dispergiert und nicht im Polymer gelöst vorliegen.

Durch die Verwendung von Mikroreservoiren mit physiologisch akzeptablen
Lösemitteln für den einzuarbeitenden Wirkstoff kann die Beladung mit gelöstem Wirkstoff wesentlich verbessert werden.

Wirkstoffabgabesysteme mit Mikroreservoiren sind beschrieben in den US-Patentschriften 3,946,106 und 4,053,580, bei denen als Basis für die sehr
hydrophilen Flüssigreservoire Polyethylenglykol, Propylenglykol oder 1 ,3-Butandiol in Abmischung mit Wasser und als Polymer ein spezielles in-situ vernetzbares
Zweikomponentenpolysiloxan eingesetzt wird. Die in diesen beiden Patentschriften beschriebenen Systeme sind jedoch für die transdermale Applikation nicht vorgesehen und ungeeignet.

In der US-Patentschrift 4,814,184 ist ein transdermales System auf Basis von einem Polysiloxan, einem Emulgator auf Basis einer polyoxethylierten
Organopolysiloxanverbindung und einem polaren hydrophilen Wirkstoff, gelöst in einer hydrophilen Flüssigkeit, beschrieben. Speziell genannt als Lösemittel für den hydrophilen polaren Wirkstoff werden Polyethylenglykole mit einem Molekulargewicht zwischen 200 und 2000. Der Nachteil dieses Systems ist es, daß ein Emulgator benötigt wird und polare hydrophile Lösemittel nur hydrophile polare Wirkstoffe in genügender Menge lösen. Sie sind damit nicht geeignet für Wirkstoffe mit mittlerer Polarität, die gerade wegen dieser Eigenschaft für die transdermale Verabreichung besonders gut geeignet sind.

In der US-Patentschrift 5,145,682 ist ein System für Estradiol und Estradiolderivate, gegebenenfalls in Kombination mit einem Gestagen beschrieben, bei dem
wasserunlösliche bzw. mit Wasser nicht mischbare permeationsfördernde Mittel - speziell genannt ist n-Dodecylalkohol - in Form von Mikroreservoiren in eine selbstklebende Polymerschicht eingearbeitet sind. Auch solche sehr lipophilen Substanzen wie mittel- und langkettige Alkohole sind keine guten Lösemittel für Wirkstoffe mit mittlerer Polarität und damit auch nicht für das in dieser Patentschrift ausdrücklich erwähnte Estradiol. Ihre Aufgabe ist es daher nicht, den Wirkstoff zu lösen, sondern lediglich als permationsfördemde Mittel zu wirken und die
Barrierefunktion des Stratum Corneums zu reduzieren.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es nun, durch die Verwendung von
geeigneten physiologisch akzeptablen Lösemitteln die Beladung von Silikonklebern mit gelösten Wirkstoffen mittlerer Polarität zu verbessern und damit den
Einsatzbereich von Silikonklebern und Mikroreservoirsystemen zu erweitern.

Dies gelingt erfindungsgemäß dadurch, daß zur Bildung von Mikroreservoiren ambiphile, bevorzugt bei Raumtemperatur flüssige dipolare organische Lösemittel verwendet werden, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften nur eine beschränkte Mischbarkeit mit Silikonpolymeren aufweisen und zusätzlich zu einem gewissen Grad, vorzugsweise mindestens im Gew.-Verhältnis von einem Teil Lösemittel mit 3 Teilen Wasser, z. B. 1 :1 mit Wasser mischbar sind.

Der Begriff „ambiphile Lösemittel" besagt, was durch den Wortteil „ambi" ausgesagt wird, daß diese Stoffe eine zweifache Philie aufweisen, nämlich sowohl eine gewisse Hydrophilie als auch eine gewisse Lipophilie. Es handelt sich bei ihnen in erster Linie um dipolare organische Lösemittel. Die Mischbarkeit mit Silikonpoiymeren beträgt zweckmäßig nicht mehr als 20 Gew.-%

Ambiphile Lösemittel stehen bezüglich ihrer Eigenschaften zwischen den sehr polaren Lösemitteln wie Wasser und den sehr lipophilen Lösemitteln wie Alkanen, niederen Fettalkoholen (mit 6-12 C-Atomen) und Dieethylether. Das heißt, daß sie zu einem gewissen Grad mit organischen Flüssigkeiten wie Ethylacetat und hydrophilen Lösemitteln wie Methanol oder Wasser mischbar sind und damit ein gutes
Lösevermögen für nicht zu lipophile und nicht zu hydrophile Substanzen, also Wirkstoffe mittlerer Polarität haben.

Die Mikroreservoirsysteme, die unter Verwendung solcher ambiphilen, insbesondere dipolaren organischen Lösemittel im Sinne dieser Erfindung hergestellt sind, können generell wie folgt charakterisiert werden:

Transdermales therapeutisches System, umfassend eine für Wirkstoffe
undurchlässige Rückschicht, zumindest eine Polymerschicht mit darin enthaltenen, d. h. dispergierten Mikroreservoiren und mindestens einem Wirkstoff und eine vor Gebrauch zu entfernende Schutzschicht, dadurch gekennzeichnet, daß
- der Polymeranteil der Polymerschicht zumindest zu 70, vorzugsweise zumindest zu 80 Gew.-%, aus Polysiloxanen besteht,
- die Mikroreservoire den Wirkstoff in gelöster Form enthalten,
- das Lösemittel für den Wirkstoff mindestens 50, vorzugsweise mindestens 80 Gew.-% eines ambiphilen Lösemittels enthält,
- das ambiphile Lösemittel zu nicht mehr als etwa 20 Gew.-% in Polysiloxanen löslich ist.

Vorzugsweise ist das ambiphile Lösemittel mit Wasser zumindest in einem
Gewichtsverhältnis von einem Teil Lösemittel zu 3 Teilen Wasser mischbar.

Die beschränkte Mischbarkeit mit Polysiloxanen beruht auf den polaren
Eigenschaften der ambiphilen, insbesondere dipolaren Lösemittel und ist ein wichtiges Kriterium, da es einerseits die Ausbildung von Mikroreservoiren erst erlaubt und andererseits vermeidet, daß wegen zu hoher Mischbarkeit die Kohäsion der aus Polysiloxanen gebildeten Filme in nicht zu akzeptierender Weise geschädigt wird. Eine Wassermischbarkeit von mindestens etwa 25 Gew.-%, z. B. 1 :1 , ist ebenfalls Ausdruck des Charakters dieser Lösemittel. Sie sind dadurch in der Lage, Wirkstoffe mit mittlerer Polarität, die die Mehrzahl der Wirkstoffe mit Eignung zur transdermalen Anwendung' repräsentieren, in der notwendigen Konzentration zu lösen.

Geeignete Lösemittel für den Wirkstoff können unter Verbindungen gefunden werden, die dadurch charakterisiert sind, daß sie über mindestens eine freie
Hydroxylgruppe und mindestens einen weiteren Ethersauerstoff oder zumindest über 2 freie Hydroxylgruppen verfügen.

Die begrenzte Löslichkeit in Polysiloxanen (höchstens 20 Gew.-% ) kann
experimentell wie folgt bestimmt werden: Zu einer Lösung des Polysiloxans werden, bezogen auf den Feststoff, etwa 20 Gew.-% des zu testenden Lösemittels gegeben; die Mischung wird schnell gerührt und anschließend auf eine transparente Folie beschichtet. Das Lösemittel des Polysiloxans wird nun bei einer 40°C nicht überschreitenden Temperatur entfernt. Der resultierende Film wird anschließend unter dem Mikroskop auf Tröpfchen des zu testenden Lösemittels untersucht. Sind Tröpfchen zu erkennen, ist damit gesichert, daß die Löslichkeit unterhalb von 20 Gew.-% liegt.

Beispiele für solche Lösemittel sind die verschiedenen Butandiole, insbesondere das 1 ,3-Butandiol, Dipropylenglykol, Tetrahydrofurfurylalkohol,
Diethylenglykoldimethylether, Diethylenglykolmonoethylether,
Diethylenglykolmonobutylether, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Carbonsäureester von Tri- und Diethylenglykol, polyoxyethylierte Fettalkohole von 6-18 C-Atomen.

Zur Erzielung der für den jeweiligen Wirkstoff idealen Sättigungslöslichkeit können diese Lösemittel auch in Abmischungen verwendet werden. Idealerweise sind die Mikroreservoire bis auf die in ihnen enthaltenen Wasserspuren und den während der Herstellung nicht vermeidbaren Wassereintrag frei von Wasser. Trotzdem kann es in Einzelfällen von Vorteil sein, dem Lösemittel Wasser zur Erniedrigung oder
Erhöhung der Löslichkeit der Wirkstoffe in gewissen Mengen beizumischen.

Im allgemeinen haben diese Lösemittel einen Siedepunkt von über 80 αC,
insbesondere über 110 °C unter Normalbedingungen. Dies ist keine strikte
Einschränkung, macht es aber einfacher, das Lösemittel des Polysiloxans während des Herstellprozesses relativ selektiv zu entfernen, ohne das Lösemittel der
Mikroreservoire in nicht mehr akzeptablen Mengen mit abzuziehen.

Den ambiphilen Lösemitteln können kleinere Anteile an Zusätzen wie Tri- und Partialglyceride mittlerer und höherer Fettalkohole und Fettsäuren (d2 - C22) sowie die weiter unten genannten Hiifsstoffe (außer Füllstoffen) zugemischt werden.

Zur Herstellung der Systeme wird der Wirkstoff in dem für ihn geeigneten Lösemittel, bzw. Lösemittelgemisch, gelöst und diese Lösung zu der Lösung des Polysiloxans gegeben. Neben dem ambiphilen und in dem System verbleibenden Lösemittel können dabei auch zusätzlich niedrig siedende Lösemittel wie Ethanol verwendet werden, die später zusammen mit den Lösemitteln des Polysiloxans entfernt werden. Durch schnelles Rühren wird nun die Lösung des Wirkstoffs in der Lösung des Polymers dispergiert. Die resultierende Dispersion wird auf eine abhäsiv (dehesiv) ausgerüstete Folie, z.B. mit einem Erichsen-Rakel, in der gewünschten Dicke beschichtet und das Lösemittel des Polymers bei Temperaturen von 25 - 100 °C, bevorzugt zwischen 30 und 80 °C entfernt. Naturgemäß sollte in jedem Falle der Siedepunkt des ambiphilen Lösemittels über dem des Lösemittels für das
Polysiloxan liegen, zweckmäßig mindestens 10, vorzugsweise mindestens 30 °C. Anschließend wird der getrocknete Film mit einer als Rückschicht dienenden Folie kaschiert. Dann werden die Systeme ausgestanzt. Ist der resultierende Film nicht oder nur ungenügend klebend, kann er nach Standardverfahren mit einer zusätzlichen Hautkleberschicht und einer Verankerungsschicht zur Rückschicht ausgestattet werden.

Selbstverständlich können, wenn vorteilhaft, in das System weitere Hiifsstoffe wie permeationsfördernde Stoffe, Füllstoffe, Viskositätsbeeinflussende Verbindungen,

Kristallisationsinhibitoren oder pH-regulierende Substanzen eingearbeitet werden.

Permeationsfördernde Stoffe dienen dazu, die Barriereeigenschaften des Stratum Corneums im Sinne einer Erhöhung der Wirkstoffdurchlässigkeit zu beeinflussen. Solche Substanzen sind dem Fachmann wohlbekannt und es muß - wenn notwendig - durch Permeationsstudien der für den jeweiligen Wirkstoff geeignete Stoff gefunden werden.

Füllstoffe wie Silicagele, Titandioxid und Zinkoxid können in Verbindung mit dem Polymer eingesetzt werden, um einige physikalische Parameter wie Kohäsion und Klebkraft in der gewünschen Art und Weise beeinflussen.

Viskositätserhöhende Substanzen werden bevorzugt in Verbindung mit der
Wirkstofflösung eingesetzt. So wurde gefunden, daß die Dispersion der
Wirkstofflösung in der Lösung des Polymers durch eine etwas erhöhte Viskosität der Wirkstofflösung erleichtert wird und zusätzlich die Dispersion an Stabilität gewinnt. Geeignete Substanzen zur Erhöhung der Viskosität der Wirkstofflösung sind z.B. Cellulosederivate wie Ethylcellulose, Hydroxypropylcellulose und hochmolekulare Polyacrylsäuren bzw. deren Salze und/oder Derivate wie Ester.

Die bevorzugte Größe der Mikroreservoire reicht von 5 - 50 μm und hängt im wesentlichen von der Dicke der die Mikroreservoire enthaltenden Schicht ab.
Generell kann gesagt werden, daß die maximale Größe der Mikroreservoire 80 % der Dicke der Polymerschicht nicht überschreiten soll. Besonders bevorzugt wird eine Größe zwischen 5 und 30, insbesondere 10 und 25 μm, da diese Größe verträglich ist mit den üblichen Dicken wirkstoffbeladener Filme.

pH-Regulierende Substanzen werden vielfach in Verbindung mit der Wirkstofflösung eingesetzt, da Wirkstoffe mit sauren oder basischen Gruppen eine stark pH-abhängige Löslichkeit und Permeationsrate durch die menschliche Haut haben. Durch den pH-Wert kann deshalb die Abgaberate unter in-vivo-Bedingungen gesteuert werden.

Da die ambiphilen Lösemittel im Sinne dieser Erfindung fast alle einen bei
Raumtemperatur nicht ganz zu vernachlässigenden Dampfdruck besitzen, ist es wichtig, daß die Systeme während der Lagerung kein Lösemittel verlieren. Es ist deshalb wichtig, daß das Primärpackmittel sehr dicht gegenüber dem Lösemittel für den Wirkstoff ist und die inneren Schichten des Packstoffmaterials nur sehr begrenzt dieses Lösemittel aufnehmen. Als Primärpackmittel für transdermale therapeutische Systeme werden in den meisten Fällen heißsiegelbare Folienverbunde benutzt. Als besonders geeignet für diese speziellen Systeme sind Folienverbunde, die eine geschlossene Aluminiumfolie besitzen und deren innere heißsiegelbare Schicht sehr dünn ist bzw. aus Barex besteht.

Barex-Harze sind gemäß M.Th. Schuler „Kunststoffe-Plastics" 9/1974, Seiten 13-20 thermoplastisch verarbeitbare Barriere-Kunststoffe auf Acrylnitril-Basis, die durch Copolymehsation von Acrylnitril mit ausgesuchten Monomeren hergestellt sind und sich durch besondere chemische Beständigkeit auszeichnen. Diese Kunststoffe zeigen sehr gute Sperreigenschaften gegen verschiedene Gase wie Sauerstoff, Kohlendioxid, Stickstoff sowie viele chemische Agenzien wie Säuren, Alkalien und Lösemittel. Speziell ist Barex ein mit einem Butadien-Acrylnitril-Elastromer
modifiziertes Acrylnitril-Methylacrylat-Copolymer. Wichtige Barex-Produkte sind durch eine Propfcopolymerisation von 73-77 Gewichtsteilen Acrylnitril und 23-27 Gewichtsteilen Methylacrylat in Gegenwart von 8-10 Gewichtsteilen Butadien-Acrylnitril-Copolymer mit einem Gehalt von etwa 70 Gew.-% Butadien hergestellt.

Geeignete Silikonpolymere werden von verschiedenen Herstellern geliefert. Ais besonders geeignet haben sich Polydimethylsiloxane der Fa. Dow Corning erwiesen, die auch in einer aminresistenten Variante geliefert werden. Die aminresistente Variante verfügt über keine freien Siianolgruppen, die in Gegenwart von basischen Wirkstoffen weitere Kondensationsreaktionen eingehen können.

Die Polysiloxane werden als Lösung in unterschiedlichen Lösemitteln geliefert. Als besonders geeignet haben sich Lösungen in niedrigsiedenden Alkanen,
insbesondere n-Hexan und n-Heptan gezeigt. Der besondere Vorteil dieser
Lösemittel ist, daß sie als sehr iipophile unpolare Lösemittel nur sehr begrenzt mit den die Mikroreservoire bildenden ambiphilen, insbesondere dipolaren Lösemitteln mischbar sihd und einen genügend hohen Dampfdruck besitzen, der es erlaubt, sie bei moderaten Temperaturen zu entfernen, so daß das ambiphile Lösemittel für die Wirkstoffe in genügender Menge im System verbleibt. Durch die begrenzte
Mischbarkeit der ambiphilen Lösemittel mit n-Hexan und n-Heptan kommt es bei Entfernung dieser Lösemittel zu keinen Phasentrennungen, und die in der noch nicht getrockneten, für die Beschichtung vorgesehenen Masse vorgefundene
Größenverteilung der wirkstoffbeladenen Tröpfchen des ambiphilen Lösemittels wird in etwa gleicher Größe auch im getrockneten Film vorgefunden.

Polysiloxane haben eine gewisse Neigung zum sogenannten kalten Fluß. Damit ist gemeint, daß sich solche Polymere wie sehr viskose Flüssigkeiten verhalten können und aus dem Rand der Systeme austreten. Dieser kalte Fluß kann erfolgreich durch Füllstoffe wie z.B. Silicagel vermindert werden.

Polysiloxane können selbstklebend sein. Sie sind nur beschränkt mit
klebrigmachenden Zusätzen mischbar. Trotzdem kann es im Einzelfall von Vorteil sein, die Klebrigkeit durch den Zusatz geringer Mengen von Klebrigmachern
(tackifier) wie Polyterpenen, Kolophoniumderivaten oder Silikonölen zu verbessern.

Als Material für die Rückschicht kommen Folien in Frage, die z.B. aus Polyethylen, Polypropylen, Polyestem wie Polyethylenterephthalat, einem Copolymer aus Ethylen und Vinylacetat (EVA) und Polyvinylchlorid bestehen. Solche Folien können auch aus Laminaten unterschiedlicher Polymerer bestehen und zusätzlich Farbschichten und/oder Farbpigmente enthalten. Solche Folien sind dem Fachmann wohlbekannt, und es kann ohne Problem die für den jeweiligen Zweck beste Folie gefunden werden.

Als Material für die wiederentfernbare Schutzfolie kommen vor allem für Silikoπkleber abhäsiv ausgerüstete Polyethylenterephthalatfolien in Frage.

Systeme im Sinne dieser Erfindung zeichnen sich durch eine gute Wirkstoffabgabe bei Applikation auf der Haut aus. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die ambiphilen Lösemittel während des Tragens Wasser aus der Haut aufnehmen und sich dieses Wasser aufgrund der sehr lipophilen Natur der Polysiloxane in den Mikroreservoiren sammelt. Durch diese Wasseraufnahme reduziert sich die Sättigungslöslichkeit des Wirkstoffs in den Mikroreservoiren, was zu einer erhöhten bzw. trotz Wirkstoffabgabe relativ konstanten thermodynamischen Aktivität des Wirkstoffs führt.

Ein weiterer Faktor, der zu einer hohen bzw. konstanten thermodynamischen
Aktivität des Wirkstoffs während der Applikationszeit führt, ist die Tatsache, daß ambiphile Lösemittel im Sinne dieser Erfindung selbst transdermal resorbiert werden. Dadurch wird die Menge des sich während der Tragezeit noch im System
befindlichen Lösemittels geringer und damit die thermodynamische Aktivität des Wirkstoffs entsprechend erhöht bzw. trotz Wirkstoffabgabe auf einem hohen Niveau gehalten.

Bezüglich der Art des Wirkstoffs gibt es eigentlich nur die Einschränkung, daß er sich, bezogen auf die sich aus der Dosis und die beabsichtigte Verwendungsdauer notwendige Menge, in die mit Mikroreservoiren ausgestattete Polysiloxanschicht des transdermalen therapeutischen Systems einarbeiten läßt. Als Obergrenze ergibt sich aus prakischen Erwägungen heraus eine Tageshöchstdosis von etwa 10 mg.

Beispielhaft seien genannt: Hormone wie Estradiol und seine Derivate, Gestagene wie Norethisteronacetat und Levonorgestrel, Androgene wie Testosteron und seine Derivate, ß-Blocker wie Bupranolol und Carvedilol, Calciumantagonisten wie
Nimodipin, Nifedipin und Lacidipin, ACE-Hemmer wie Captopril, Antiemetika wie Scopolamin, Psychopharmaka wie Haloperidol, Fiuoxetin, Mianserin, Amitriptylin, Clomipramin und Paroxetin, Schmerzmittel wie Buprenorphin und Fentanyl,
Antiasthmatika wie Salbutamol und Tolubuterol, Antiparkinsonmittel wie Biperiden und Selegilin, Muskelrelaxantia wie Tizanidin, Antihistaminika wie Dimethinden, Doxylamin, Alimemazin und Carbinoxamin.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Systeme im Sinne dieser Erfindung vorteilhaft geeignet sind für die transdermale Verabreichung von Wirkstoffen mit mittlerer Polarität und einer ca. 10 mg nicht übersteigenden Tagesdosis.

In den folgenden Beispielen wird die Herstellung einiger typischer Systeme beschrieben. Mit einigen Systemen, hergestellt wie in den Beispielen 2 und 4 beschrieben, wurden in-vitro Permeationsstudien unter Verwendung von dem Fachmann bekannten Franz-Diffusionszellen und menschlicher Epidermis durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien sind in den Fig. 3 und 4 graphisch dargestellt.

Beispiel 1 :

1 ,0 g Estradiol-hemihydrat werden in 10,0 g Diethylengiykolmonoethylether gelöst.

Diese Lösung wird durch schnelles Rühren in 55,0 g eines aminresistenten
Polydimethylsiioxans (BIO-PSA 4201 der Fa. Dow Corning; 73% Feststoffgehalt) dispergiert. Diese Masse wird mit einem Erichsen-Rakel auf eine abhäsiv
ausgerüstete Polyethylenterephtalatfolie (Scotchpak 1022 Fa. 3M) in einer Dicke von

400 μm beschichtet und das Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt.
Der getrocknete Film wird mit der Rückschicht laminiert (Scotchpak 1220 der Fa.

3M). Daraus werden die Pflaster gestanzt und in Beuteln des Primärpackstoffs eingesiegelt.

Beispiel 2:

0,05 g Estradiol-hemihydrat und 0,5 g Norethisteronacetat werden in 4,5 g
Diethylenglykolmonoethylether gelöst. Diese Lösung wird durch schnelles Rühren in 20,5 g eines aminresistenten Polydimethylsiloxans (BIO-PSA 4301 der Fa. Dow Corning, 73% Feststoffgehalt) dispergiert. Diese Masse wird mit einem Erichsen-Rakel in einer Dicke von 400 μm auf eine abhäsiv ausgerüstete Folie (Scotchpak 1022) beschichtet und das Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt. Der getrocknete Film wird anschließend mit der Rückschicht (Scotchpak 1220) laminiert .

BIO-PSA 4301 wird in einer Dicke von 50 μm auf eine abhäsiv ausgerüstete Folie (Scotchpak 1022) beschichtet und das Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt. Nun wird von dem zuerst hergestellten wirkstoffbeladenen Film die Schutzfolie (Scotchpak 1022) entfernt und der Film auf die im zweiten Schritt hergestellte Haftkleberschicht für die Haut laminiert. Aus dem resultierenden
Gesamtlaminat werden nun die Pflaster gestanzt und in Beuteln des
Primärpackstoffs eingesiegelt.

Beispiel 3:

1 ,0 g Bupranolol werden in 3,0 g Tetrahydrofurfurylalkohol gelöst. Diese Lösung wird durch schnelles Rühren in 21 ,9 g einer BIO-PSA 4301 -Lösung (73% Feststoffgehalt) dispergiert. Diese Masse wird mit einem Erichsen-Rakel auf eine abhäsiv
ausgerüstete Folie (Scotchpak 1022) in einer Dicke von 400 μm beschichtet und das Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt. Der getrocknete Film wird mit der Rückschicht laminiert (Scotchpak 1220). Daraus werden die Pflaster gestanzt und in Beuteln des Primärpackstoffs eingesiegelt.

Beispiel 4:

1 ,0 g Testosteron, 1 ,0 g Nicotinsäureamid und 0,4 g Ölsäure werden in 6,2 g Diethylenglykolmonoethylether und 6,2 g 1 ,3-Butandiol gelöst. Diese Lösung wird durch schnelles Rühren in 60 g einer BIO-PSA 4201-Lösung (73% Feststoffgehalt) dispergiert. Diese Masse wird mit einem Erichsen-Rakel in einer Dicke von 400 μm auf eine abhäsiv ausgerüstete Folie (Scotchpak 1022) beschichtet und das
Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt. Der getrocknete Film wird anschließend mit der Rückschicht (Scotchpak 1220) laminiert .

BIO-PSA 4301 wird in einer Dicke von 50 μm auf eine abhäsiv ausgerüstete Folie (Scotchpak 1022) beschichtet und das Lösemittel durch 20-minütiges Trocknen bei ca. 45°C entfernt. Nun wird von dem zuerst hergestellten wirkstoffbeladenen Film die Schutzfolie (Scotchpak 1022) entfernt und der Film auf die im zweiten Schritt hergestellte Haftkleberschicht laminiert. Aus dem resultierenden Gesamtlaminat werden nun die Pflaster gestanzt und in Beuteln des Primärpackstoffs eingesiegelt.

In den Figuren 1 bis 4 haben die Ziffern folgende Bedeutung:
(1) = Rückschicht
(2) = Polymerschicht
(3) = wirkstoffhaltige Mikroreservoire
(4) = Verankerungsschicht
(5) = Hautkleberschicht
(6) = Schutzschicht