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1. WO2002020496 - 2-GUANIDINO-4-ARYL-QUINAZOLINE

Note: Text based on automatic Optical Character Recognition processes. Please use the PDF version for legal matters

[ DE ]
2-Guanidino-4-aryl-chinazoline

Die Erfindung betrifft Verbindungen der Formel I


worin

Y oder



,

Ar unsubstituiertes oder einfach durch R und/oder R

substituiertes Phenyl oder Naphthyl,

R1, R2,

R3, R4 jeweils unabhängig voneinander H, A, OA, Hal, CF3, OH, NO2,

NH2, NHA, NA2, NH-CO-A, NH-CO-Ph, SA, SO-A, SO2-A, SO2- Ph, CN, OCF3, CO-A, CO2H, CO2A, CO-NH2, CO-NHA, CO- NA2, SO2NH2, SO2NHA, SO2NA2 oder unsubstituiertes oder einfach oder mehrfach durch A, OA, Hal oder CF3 substituiertes Phenyl

A Alkyl mit 1 , 2, 3, 4, 5 oder 6 C-Atomen,

Hal F, Cl, Br oder I

R5, R6,

R7, R8 jeweils unabhängig voneinander H, A, unsubstituiertes oder einfach oder mehrfach durch A, OA, Hal, CF3 substituiertes Phenyl

bedeutet, wobei R5 und R7, R5 und R6, R7 und R8 5-7-gliedrige Ringe bilden können,

sowie deren Salze und Solvate, mit der Maßgabe, daß Verbindungen, worin gleichzeitig R5, R6, R7 und R8 die Bedeutung H aufweisen und keiner der Reste R1, R2, R3, R4 OH, NO2, NH2, NHA, NA2, NH-CO-A, NH-CO-Ph, SA, SO-A, SO2-A, SO2-Ph, CN, OCF3, CO-A, CO2H, CO2A, CO-NH2, CO-NHA, CO-NA2, SO2NH2, SO2NHA, SO2NA2 oder unsubstituiertes oder einfach oder mehrfach durch A, OA, Hal oder CF3 substituiertes Phenyl bedeuten, ausgenommen sind.

Die Erfindung betrifft ebenfalls die Verwendung der Verbindungen der Formel I und deren Salze und Solvate als NHE-3-lnhibitoren.

Andere Inhibitoren des Natrium/Protonen-Austauschers Subtyp 3 sind z.B. in der EP 0 825 178 beschrieben.

Die durch die Maßgabe ausgenommenen Verbindungen sind bereits in US 3,131 ,187 beschrieben, sowie deren Verwendung für andere Zwecke.

Chinazdlinyl-guanidinderivate sind beschrieben von V.I.Shvedov et al. in

Pharm. Chem. J. (Engl. Transl.) 1980, 14, 532-538 oder in Khim. Farm. Zh. 1980, 14, 38-43, sowie von S.C.Bell et al. in J. Med. Pharm. Chem. 1962, 5, 63-69.

Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, neue Verbindungen mit wertvollen Eigenschaften aufzufinden, insbesondere solche, die zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden können.

Überraschenderweise wurde gefunden, daß die Verbindungen der Formel I und ihre Salze bei guter Verträglichkeit den Natrium/Protonen-Austauscher Subtyp 3 inhibieren.

Die Verbindungen der Formel I können als Arzneimittelwirkstoffe in der Human- und Veterinärmedizin eingesetzt werden.

Es ist bekannt, daß der Na+/H+-Austauscher eine Familie mit mindestens 6 unterschiedlichen Isoformen darstellt (NHE-1 bis NHE-6), die bereits alle kloniert sind. Während der Subtyp NHE-1 ubiquitär im ganzen Körper in allen Geweben verteilt ist, werden die übrigen NHE-Subtypen selektiv in spezifischen Organen wie in der Niere oder in der Lumenwand und

Kontraluminalwand des Dünndarms exprimiert. Diese Verteilung spiegelt die spezifischen Funktionen wider, denen die verschiedenen Isoformen dienen, nämlich einerseits die Regulation des intrazellulären pH-Werts und des Zellvolumens durch den Subtyp NHE-1 und andererseits die Na+-Aufnahme und -Wiederaufnahme in Darm und Niere durch die Isoformen NHE-2 bzw. NHE-3. Die Isoform NHE-4 wurde hauptsächlich im Magen gefunden. Die Expression von NHE-5 beschränkt sich auf Gehirn und Neuronengewebe. NHE-6 stellt diejenige Isoform dar, die den

Natriumprotonenaustauscher in den Mitochondrien bildet.

Die Isoform NHE-3 wird insbesondere in der Apicalmembran der proximalen Nierentubuli exprimiert; ein NHE-3-Hemmstoff übt daher u.a. eine Nierenschutzwirkung aus.

Die therapeutische Verwendung eines selektiven Hemmstoffs für NHE-3-Isoformen ist vielseitig. NHE-3-Hemmstoffe hemmen oder verringern Gewebeschäden und Zellnekrosen nach pathophysiologischen

hypoxischen und ischemischen Ereignissen, die zu einer Aktivierung der NHE-Aktivität führen, wie dies während Nierenischämie oder während der Entfernung, des Transports und der Reperfusion einer Niere bei der Nierenverpflanzung der Fall ist.

Die Verbindungen der Formel I wirken zytoprotektiv, indem sie die überschiessende Aufnahme von Natrium und Wasser in die Zellen von mit Sauerstoff unterversorgten Organen verhindern.

Die Verbindungen der Formel I wirken blutdrucksenkend und eignen sich als Arzneimittelwirkstoffe zur Behandlung der Hypertonie. Weiterhin eignen sie sich als Diuretika.

Die Verbindungen der Formel I wirken alleine oder in Verbindung mit NHE-Inhibitoren anderer Subtypspezifität antiischämisch und können verwendet werden bei Thrombosen, Atherosklerose, Gefäßspasmen, zum Schutz von Organen, z.B. Niere und Leber, vor und während Operationen, sowie bei chronischem oder akutem Nierenversagen.

Weiterhin können sie verwendet werden zur Behandlung von Schlaganfall, des Himödems, Ischämien des Nervensystems, verschiedenen Formen des Schocks, z.B. des allergischen, kardiologischen, hypovolaäischen oder bakteroellen Schocks, sowie zur Verbesserung des Atemantriebs bei beispielsweise folgenden Zuständen: zentrale Schlafapnoen, plötzlicher

Kindstod, postoperative Hypoxie und anderen Atemstörungen.

Durch die Kombination mit einem Carboanhydrase-Hemmer kann die Atmungstätigkeit weiter verbessert werden.

Die Verbindungen der Formel I wirken inhibierend auf die Proliferationen von Zellen, beispielsweise der Fibroblasten-Zellproliferation und der Proliferation der glatten Gefäßmuskelzellen und können daher zur

Behandlung von Krankheiten verwendet werden, bei denen die

Zeilproliferation eine primäre oder sekundäre Ursache darstellt.

Die Verbindungen der Formel I können verwendet werden gegen diabetische Spätkomplikationen, Krebserkrankungen, fibrotische

Erkrankungen, endotheliale Disfunktion, Organhypertrophien und -hyperplasien, insbesondere bei Prostatahyperplasie bzw.

Prostatahypertrophie.

Ferner eignen sie sich als Diagnostika zur Bestimmung und

Unterscheidung bestimmter Formen der Hypertonie, der Atherosklerose, des Diabetes und proliferativer Erkrankungen.

Da die Verbindungen der Formel I auch den Spiegel der Serumlipoproteine vorteilhaft beeinflussen, können sie zur Behandlung eines erhöhten

Blutfettspiegels alleine oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln eingesetzt werden.

Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von Verbindungen der Formel I nach Anspruch 1 und ihre physiologisch unbedenklichen Salze und/oder Solvate zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von Thrombosen, ischämischen Zuständen des Herzens, des peripheren und zentralen Nervensystems und des Schlaganfalls, ischämischen Zuständen peripherer Organe und Gliedmaßen und zur Behandlung von

Schockzuständen.

Gegenstand der Erfindung ist weiter die Verwendung von Verbindungen der Formel l nach Anspruch 1 und ihre physiologisch unbedenklichen Salze und/oder Solvate zur Herstellung eines Arzneimittels zum Einsatz bei chirurgischen Operationen und Organtransplantationen und zur Konservierung und Lagerung von Transplantaten für chirurgische

Maßnahmen.

Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung von Verbindungen der Formel I nach Anspruch 1 und ihre physiologisch unbedenklichen Salze und/oder Solvate zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von Krankheiten, bei denen die Zellproliferation eine primäre oder sekundäre Ursache darstellt, zur Behandlung oder Prophylaxe von Störungen des

Fettstoffwechsels oder gestörtem Atemantrieb.

Gegenstand der Erfindung ist ferner die Verwendung von Verbindungen der Formel I nach Anspruch 1 und ihre physiologisch unbedenklichen Salze und/oder Solvate zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von ischämischer Niere, ischämischen Darmerkrankungen oder zur Prophylaxe von akuten oder chronischen Nierenerkrankungen.

Methoden zur Identifizierung von Substanzen, die den Natrium/Protonen-Austauscher Substyp 3 inhibieren, sind z.B. in US 5,871 ,919 beschrieben.

Die Verbindungen der Formel I sind zudem zur Behandlung von

bakteriellen und parasitären Krankheiten geeignet.

Für alle Reste in den Verbindungen der Formel I, die mehrfach auftreten, wie z.B. A, gilt, daß deren Bedeutungen unabhängig voneinander sind.

Unter Hydraten und Solvaten versteht man z.B. die Hemi-, Mono- oder Dihydrate, unter Solvaten z.B. Alkoholadditionsverbindungen wie z.B. mit Methanol oder Ethanol.

In den vorstehenden Formeln bedeutet A Alkyl, ist linear oder verzweigt, und hat 1 , 2, 3, 4, 5 oder 6 C-Atome. A bedeutet vorzugsweise Methyl, weiterhin Ethyl, Propyl, Isopropyl, Butyl, Isobutyl, sek.-Butyl oder tert-Butyl, ferner auch Pentyl, 1-, 2- oder 3-Methylbutyl, 1 ,1- , 1 ,2- oder 2,2- Dimethylpropyl, 1-Ethylpropyl, Hexyl, 1- , 2- , 3- oder 4-Methylpentyl, 1 ,1- , 1 ,2- , 1 ,3- , 2,2- , 2,3- oder 3,3-Dimethylbutyl, 1- oder 2-Ethylbutyl, 1-Ethyl-1-methylpropyl, 1-Ethyl-2-methylpropyl, 1 ,1 ,2- oder 1 ,2,2-Trimethylpropyl.

OA bedeutet vorzugsweise Methoxy, Ethoxy, Propoxy, Isopropoxy oder Butoxy.

Hal bedeutet vorzugsweise F, Cl oder Br, aber auch I, insbesondere F, Cl oder Br.

Vor- und nachstehend bedeutet Ph einen unsubstituierten Phenylrest, sofern nichts anderes angegeben wurde.

Ar bedeutet vorzugsweise unsubstituiertes Phenyl oder Naphthyl, weiterhin vorzugsweise z.B. durch A, Fluor, Chlor, Brom, lod, Methoxy, Ethoxy, Propoxy, Butoxy oder CF3 monosubstituiertes Phenyl oder Naphthyl.

Besonders bevorzugt bedeutet Ar unsubstituiertes oder durch A, Fluor, Chlor, Brom, lod, Methoxy, Ethoxy, Propoxy, Butoxy oder CF3

monosubstituiertes Phenyl.

R5, R6, R7 und R8 bedeuten bevorzugt gleichzeitig H oder unabhängig voneinander H oder A, das wie oben angegeben definiert ist.

Sofern R5 und R7 gemeinsam einen Ring bilden, nimmt Y bevorzugt eine der folgenden Strukturen an

oder



,

worin R6 und R8 die oben angegebene Bedeutung aufweisen und n 1 , 2 oder 3, bevorzugt 1 oder 2 bedeutet.

Sofern R7 und R8 gemeinsam einen Ring bilden, nimmt Y bevorzugt eine der folgenden Strukturen an:

oder



,

worin R5 und R6 die oben angegebene Bedeutung aufweisen und n 1 , 2 oder 3, bevorzugt 1 oder 2 bedeutet.

Sofern R5 und R6 gemeinsam einen Ring bilden, nimmt Y bevorzugt eine der folgenden Strukturen an:

oder


,


worin R7 und R8 die oben angegebene Bedeutung aufweisen und n 1 , 2 oder 3, bevorzugt 1 oder 2 bedeutet.

Gegenstand der Erfindung sind insbesondere die Verbindungen der Formel I, in denen mindestens einer der genannten Reste eine der vorstehend angegebenen bevorzugten Bedeutungen hat sowie deren Verwendung. Einige bevorzugte Gruppen von Verbindungen können durch die folgenden Teilformeln la bis le ausgedrückt werden, die der Formel I entsprechen und worin die nicht näher bezeichneten Reste die bei der Formel I angegebene Bedeutung haben, worin jedoch

in Ia R1 H, OH, OA, SA oder Hal, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3

bedeutet;

in Ib R1 H, OH, OA, SA oder Hal, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3

R2 H, Hal, OH, A, NH2, NO2 oder CN, insbesondere H,

Cl, OH, CH3 oder NH2.

bedeuten;

in le R1 H, OH, OA, SA oder Hal, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3

R2 H, Hal, OH, A, NH2, NO2 oder CN, insbesondere H,

Cl, OH, CH3 oder NH2.

Ar Phenyl

bedeuten;

in Id R1 H, OH, OA, SA oder Hal, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3

R2 H, Hal, OH, A, NH2, NO2 oder CN, insbesondere H,

Cl, OH, CH3 oder NH2.

Ar Phenyl

R3 H, A, NH2 oder SA, insbesondere H oder CH3

bedeuten;

in Ie R1 H, OH, OA, SA oder Hal, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3

R2 H, Hal, OH, A, NH2, NO2 oder CN, insbesondere H,

Cl, OH, CH3 oder NH2.

Ar Phenyl

R3 H, A, NH2 oder SA, insbesondere H oder CH3

R4 H, Hal, NH2, oder NO2 insbesondere H oder NH2

Weiterhin bevorzugt sind solche Verbindungen der Formel I sowie deren Salze und Solvate, worin R gleichzeitig H, Ar Phenyl und mindestens einer der Reste R1, R2, R3, R4 eine der folgenden Bedeutungen aufweist:

OH, NO2, NH2, NHA, NA2, NH-CO-A, NH-CO-Ph, SA, SO-A, SO2-A, SO2-Ph, CN, OCF3, CO-A, CO2H, CO2A, CO-NH2, CO-NHA, CO-NA2, SO2NH2, SO2NHA, SO2NA2 oder unsubstituiertes oder einfach oder mehrfach durch A, OA, Hal, CF3 substituiertes Phenyl. Von diesen Verbindungen sind diejenigen besonders bevorzugt, deren Rest R1 Cl, insbesondere in der Position 6, bedeutet und solche Verbindungen, deren Rest R3 Methyl, insbesondere in der Position 4', bedeutet.

Außerdem bevorzugt sind solche Verbindungen der Formel I sowie deren

Salze und Solvate, worin die Reste R5, R6, R7, R8 gleichzeitig die

Bedeutetung H aufweisen. Von diesen Verbindungen sind diejenigen besonders bevorzugt, deren Rest R1 Cl, insbesondere in der Position 6, bedeutet und solche Verbindungen, deren Rest R3 Methyl, insbesondere in der Position 4', bedeutet sowie solche Verbindungen, deren Rest R4 NH2, insbesondere in der Position 2', bedeutet.

Verbindungen der Formel I, deren Rest R3 Methyl, insbesondere in der Position 4', bedeutet weisen eine besonders ausgeprägte Selektivität der Bindung an den NHE-3-Rezeptor auf.

Verbindungen der Formel I, deren Rest R4 NH2, insbesondere in der Position 2', bedeutet zeigen eine besonders gute Löslichkeit in wässrigen Lösungen.

Verbindungen der Formel I, worin R1 H, R2 Cl in 6-Position und R3 Methyl in 4'-Position bedeutet sind bevorzugt. Ganz besonders bevorzugt sind Verbindungen der Formel I, deren Rest R4 zusätzlich NH2 in 2'-Position bedeutet.

Besonders bevorzugt sind die Verbindungen der Formeln If bis Ik:



worin R1, R2, R3, R4 und Y die oben angegebene Bedeutung aufweisen und R1 bevorzugt H, OH, OA, SA, oder F, insbesondere H, OH, OCH3 oder CH3 bedeutet. Ganz besonders bevorzugt bedeutet R1 in den Formeln If bis Ik H.

R2 bedeutet bevorzugt H, Cl, A, NH2, NO2, SCH3, SOCH3, SO2CH3, OCH3, OH, CN, CF3, OCF3 oder F, insbesondere H, Cl, F, Br, OH, CH3, NO2 oder NH2, Ganz besonders bevorzugt bedeutet R2 in den Formeln If bis Ik Cl.

R3 bedeutet bevorzugt H, Cl, A, NH2, NO2, SCH3, CN, C2H5, OCF3 oder

C6H5, insbesondere H, A oder CH3. Ganz besonders bevorzugt bedeutet R3 in den Formeln If bis Ik CH3.

R4 bedeutet bevorzugt H, F, NH2 oder NO2, insbesondere H oder NH2. Ganz besonders bevorzugt bedeutet R4 in den Formeln If bis Ik NH2.

Y weist in den Formeln If bis Ik die oben angegebene Bedeutung auf. Vorzugsweise nimmt Y darin eine der folgenden Bedeutungen an:

oder



,

oder



,

oder



,

oder



,

oder



.

Insbesondere bevorzugt weist Y eine der folgenden Bedeutungen auf: oder



,

oder



.

Weiterhin sind folgende Verbindungen 11 bis 110 sowie deren Salze und Solvate besonders bevorzugt:


Die Hydrochloride und p-Toluolsulfonate der Verbindungen der Formeln I1 bis I10 sind ganz besonders bevorzugt.

Die Verbindungen der Formel I und auch die Ausgangsstoffe zu ihrer Herstellung werden im übrigen nach an sich bekannten Methoden hergestellt, wie sie in der Literatur (z.B. in den Standardwerken wie Houben-Weyl, Methoden der organischen Chemie, Georg-Thieme-Verlag, Stuttgart) beschrieben sind, und zwar unter Reaktionsbedingungen, die für die ge nannten Umsetzungen bekannt und geeignet sind. Dabei kann man auch von an sich bekannten, hier nicht näher erwähnten Varianten Gebrauch machen.

Die Ausgangsstoffe können, falls erwünscht, auch in situ gebildet werden, so daß man sie aus dem Reaktionsgemisch nicht isoliert, sondern sofort weiter zu den Verbindungen der Formel I umsetzt.

Die 2-Guanidino-4-aryl-chinazoline der Formel I werden vorzugsweise hergestellt, indem man o-Aminophenylketone oder o-Aminonaphthylketone der Formel II


worin R1, R2 und Ar die in Anspruch 1 angegebenen Bedeutungen haben, mit 1-Cyanguanidin oder einem entsprechend N-alkylierten oder N-arylierten 1-Cyanguanidin der Formel NC-Y umsetzt, worin Y die oben angegebene Bedeutung aufweist.

Die Umsetzung kann in einem inerten Lösungsmittel erfolgen.

Als inerte Lösungsmittel eignen sich z.B. Kohlenwasserstoffe wie Hexan, Petrolether, Benzol, Toluol oder Xylol; chlorierte Kohlenwasserstoffe wie Trichlorethylen, 1 ,2-Dichlorethan, Tetrachlorkohlenstoff, Chloroform oder Dichlormethan; Alkohole wie Methanol, Ethanol, Isopropanol, n-Propanol, n-Butanol oder tert.-Butanol; Ether wie Diethylether, Diisopropylether,

Tetrahydrofuran (THF) oder Dioxan; Glykolether wie Ethylenglykolmonomethyl- oder -monoethylether (Methylglykol oder Ethylglykol), Ethylenglykoldimethylether (Diglyme); Ketone wie Aceton oder Butanon; Amide wie Acetamid, Dimethylacetamid, N-Methylpyrrolidon (NMP) oder

Dimethylformamid (DMF); Nitrile wie Acetonitril; Sulfoxide wie Dimethylsulfoxid (DMSO); Schwefelkohlenstoff; Carbonsäuren wie Ameisensäure

oder Essigsäure; Nitroverbindungen wie Nitromethan oder Nitrobenzol; Ester wie Ethylacetat oder Gemische der genannten Lösungsmittel.

Vorzugsweise wird DMF, Wasser oder ein Alkohol verwendet.

Ganz besonders bevorzugt wird die Reaktion ohne ein Lösungsmittel, d.h. in der Schmelze, bei Temperaturen zwischen 100 und 200° C

durchgeführt.

Von Vorteil ist die Anwesenheit eines sauren Katalysators wie AlCl3, TiCl4, p-Toluolsulfonsäure, BF3, Essigsäure, Schwefelsäure, Oxalsäure, POCl3 oder Phosphorpentoxid.

Eine bevorzugte Variante besteht darin, daß einer der Reaktanden bereits als Salz, z.B. als Hydrochlorid, eingesetzt wird.

Eine weitere wertvolle Methode zur Herstellung der Verbindungen der Formel I besteht darin, daß man anstatt einer Verbindung der Formel NC-Y eine Verbindung der Formel III

HN=CX-Y III

worin

X -S-Alkyl, -S-Aryl, -O-Alkyl oder -OAryl

und Alkyl vorzugsweise die oben angegebene Bedeutung von A und Aryl die obenangegebene Bedeutung von Ar aufweist,

mit einer Verbindung der Formel II umsetzt.

Schließlich können die Verbindungen der Formel I durch Umsetzung von 2-Chlor-4-arylchinazolinen der Formel IV


worin Ar, R1 und R2 die oben angegebenen Bedeutungen haben,

mit einer Verbindung der Formel HY hergestellt werden, worin Y die oben angegebene Bedeutung aufweist. Besonders bevorzugt bedeutet HY Guanidin.

Eine Base der Formel I kann mit einer Säure in das zugehörige Säureadditionssalz übergeführt werden, beispielsweise durch Umsetzung äquivalenter Mengen der Base und der Säure in einem inerten Lösungsmittel wie Ethanol und anschließendes Eindampfen. Für diese Umsetzung kommen insbesondere Säuren in Frage, die physiologisch unbedenkliche Salze liefern. So können anorganische Säuren verwendet werden, z.B. Schwefelsäure, Salpetersäure, Halogenwasserstoffsäuren wie Chlorwasserstoffsäure oder Bromwasserstoffsäure, Phosphorsäuren wie Orthophosphorsäure, Sulfaminsäure, ferner organische Säuren, insbesondere aliphatische, alicyclische, araliphatische, aromatische oder heterocyclische ein- oder mehrbasige Carbon-, Sulfon- oder Schwefelsäuren, z.B.

Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Pivalinsäure, Diethylessigsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure, Pimelinsäure, Fumarsäure, Maleinsäure, Milchsäure, Weinsäure, Äpfelsäure, Citronensäure, Gluconsäure, Ascorbinsäure, Nicotinsäure, Isonicotinsäure, Methan- oder Ethansulfonsäure, Ethandisulfonsäure, 2-Hydroxyethansulfonsäure, Benzolsulfonsäure, p¬

Toluolsulfonsäure, Naphthalin-mono- und -disulfonsäuren, Laurylschwefelsäure. Salze mit physiologisch nicht unbedenklichen Säuren, z.B. Pikrate, können zur Isolierung und /oder Aufreinigung der Verbindungen der Formel I verwendet werden.

Gegenstand der Erfindung ist ferner die Verwendung der Verbindungen der Formel I als NHE-3-lnhibitoren und/oder ihrer physiologisch

unbedenklichen Salze zur Herstellung pharmazeutischer Zubereitungen, insbesondere auf nicht-chemischem Wege. Hierbei können sie zusammen mit mindestens einem festen, flüssigen und/oder halbflüssigen Trägeroder Hilfsstoff und gegebenenfalls in Kombination mit einem oder mehreren weiteren Wirkstoffen in eine geeignete Dosierungsform gebracht werden.

Gegenstand der Erfindung sind ferner pharmazeutische Zubereitungen, enthaltend mindestens einen NHE-3-lnhibitor der Formel I und/oder eines seiner physiologisch unbedenklichen Salze und Solvate.

Diese Zubereitungen können als Arzneimittel in der Human- oder Veterinärmedizin verwendet werden. Als Trägerstoffe kommen organische oder anorganische Substanzen in Frage, die sich für die enterale (z.B. orale), parenterale oder topische Applikation eignen und mit den neuen Verbindungen nicht reagieren, beispielsweise Wasser, pflanzliche Öle, Benzylalkohole, Alkylenglykole, Polyethylenglykole, Glycerintriacetat, Gelatine, Kohlehydrate wie Lactose oder Stärke, Magnesiumstearat, Talk, Vaseline. Zur oralen Anwendung dienen insbesondere Tabletten, Pillen, Dragees, Kapseln, Pulver, Granulate, Sirupe, Säfte oder Tropfen, zur rektalen Anwendung Suppositorien, zur parenteralen Anwendung Lösungen, vorzugsweise ölige oder wässrige Lösungen, ferner Suspensionen, Emulsionen oder Implantate, für die topische Anwendung Salben, Cremes oder Puder, oder transdermal in Patches.

Die neuen Verbindungen können auch lyophilisiert und die erhaltenen Lyophilisate z.B. zur Herstellung von Injektionspräparaten verwendet werden. Die angegebenen Zubereitungen können sterilisiert sein und/oder

Hilfsstoffe wie Gleit-, Konservierungs-, Stabilisierungs- und/oder Netzmittel, Emulgatoren, Salze zur Beeinflussung des osmotischen Druckes,

Puffersubstanzen, Farb-, Geschmacks- und /oder mehrere weitere Wirkstoffe enthalten, z.B. ein oder mehrere Vitamine.

Als pharmazeutische Zubereitung für die Verabreichung in Form von

Aerosolen oder Sprays sind geeignet z.B. Lösungen, Suspensionen oder Emulsionen des Wirkstoffs der Formel I in einem pharmazeutisch unbedenklichen Lösungsmittel.

Die Verbindungen der Formel I und ihre physiologisch unbedenklichen

Salze und Solvate können zur Behandlung und/oder Prophylaxe der oben beschrieben Krankheiten oder Krankheitszuständen verwendet werden.

Dabei werden die erfindungsgemäßen Substanzen in der Regel vorzugsweise in Dosierungen zwischen etwa 0,1 und 100 mg, insbesondere zwischen 1 und 10 mg pro Dosierungseinheit verabreicht. Die tägliche

Dosierung liegt vorzugsweise zwischen etwa 0,001 und 10 mg/kg Körpergewicht. Die spezielle Dosis für jeden Patienten hängt jedoch von den verschiedensten Faktoren ab, beispielsweise von der Wirksamkeit der eingesetzten speziellen Verbindung, vom Alter, Körpergewicht, allgemeinen Gesundheitszustand, Geschlecht, von der Kost, vom Verabreichungszeitpunkt und -weg, von der Ausscheidungsgeschwindigkeit, Arzneistoffkombination und Schwere der jeweiligen Erkrankung, welcher die Therapie gilt. Die orale Applikation ist bevorzugt.

Beispiele:

Beispiel 1 :

Eine Mischung aus 1.00 g 2-Amino-5-chlor-2'-nitrobenzophenon, 0.60 g 1- Cyanguanidin und 2.00 g p-Toluolsulfonsäure-Monohydrat wurde für 2 h bei 150°C geschmolzen. Die erkaltete Schmelze wurde mit Methanol versetzt und für 30 min. bei 65°C gerührt. Der nach Filtration erhaltene Rückstand wurde verworfen und das Filtrat mit Wasser versetzt.

Anschließend stellte man die Lösung alkalisch und extrahierte mit

Ethylacetat. Der Extrakt wurde eingeengt und aus Acetonitril kristallisiert, wodurch die freie Base N-[6-Chlor-4-(2-nitro-phenyl)-chinazolin-2-yl]-guanidin erhalten wurde.

Zur Bildung des Säureadditionssalzes wurde die Base in Methanol gelöst, die Mischung mit HCl-haltigem Isopropanol angesäuert und das

Lösungsmittel anschließend entfernt. Kristalle des N-[6-Chlor-4-(2-nitrophenyl)-chinazolin-2-yl]-guanidiniumchlorids konnten aus Acetonitril erhalten werden.

Beispiel 2:

1.20 g N-(5-Methoxy-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidiniumchlorid wurden mit 8.00 g Pyridiniumchlorid für 6 h bei 170°C gerührt. Anschließend wurde die erkaltete Schmelze mit 20 ml einer Na2S2O4-Lösung behandelt. Der erhaltene Niederschlag wurde isoliert, in Methanol gelöst und die Lösung mit HCl-haltigem Isopropanol angesäuert. Nach Entfernung des

Lösungsmittels kristallisierte man den Rückstand aus Acetonitril, wodurch N-(5-Hydroxy-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidiniumchlord erhalten wurde (Fp. 310°C).

Beispiel 3:

Eine Mischung aus 3.01 g 2-Amino-5-chlorbenzophenon, 2.55 g N-Cyan- N'-methylguanidin und 7.42 g p-Toluolsulfonsäure-Monohydrat wurde für 2 h bei 150 bis 160°C in der Schmelze gerührt. Die erkaltete Schmelze wurde mit Methanol versetzt und für 30 min. bei 65°C gerührt. Der nach Filtration erhaltene Rückstand wurde verworfen, das Filtrat mit Wasser und Ethylacetat versetzt und erneut für 30 min. bei 65°C gerührt. Anschließend ließ man unter Rühren im Eisbad auskristallisieren, wodurch N-(6-Chlor-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-N'-methyI-guanidinium-p-toluolsulfonat erhalten wurde (Fp. 268 - 269°C).

Beispiel 4:

300 mg N-[6-Chlor-4-(2-nitro-phenyl)-chinazolin-2-yl]-guanidinium-p-toluolsulfonat wurden in 50 ml Methanol gelöst und in Gegenwart von 300 mg Raney-Nickel bei RT innerhalb von 21 h unter normalem Druck hydriert. Nach Filtration und Entfernung des Lösungsmittels wurde N-[6-Chlor-4-(2-amino-phenyl)-chinazolin-2-yl]-guanidinium-p-toluolsulfonat aus dem Filtrat erhalten. (Fp. 250°C).

Beispiel 5:

Eine Mischung aus 0.350 g N-(6-Methylsulfanyl-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidiniumchlorid und 0.140 g Natriumperborat-Trihydrat in 5 ml

Essigsäure wurde für für 30 min. bei 80°C gerührt. Anschließend wurde die Lösung eingeengt und mit Wasser versetzt. Die wäßrige Lösung wurde auf pH 12 eingeteilt und mit Ethylacetat extrahiert. Durch Einengen des Extrakts erhielt man N-(6-Methansulfinyl-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidin in kristalliner Form (Fp. 175 - 180°C).

Beispiel 6:

Eine Mischung aus 1.200 g N-(6-Methylsulfanyl-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidiniumchlorid und 0.154 g Natriumperborat-Trihydrat in 5 ml

Essigsäure wurde für 1 h bei 80°C gerührt. Anschließend wurde die Reaktionsmischung eingeengt und mit Wasser versetzt. Die erhaltene

Lösung wurde auf pH 12 eingstellt und mit Ethylacetat extrahiert. Durch Einengen des Extrakts erhielt man N-(6-Methansulfonyl-4-phenylchinazolin-2-yl)-guanidin in kristalliner Form (Fp. 180 - 185°C).

Zur Bildung des Säureadditionssalzes wurden 0.80 g N-(6-Methansulfonyl-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-guanidin mit einer wäßrigen 1 N-HCl-Lösung behandelt und die erhaltenen Kristalle aus Ethanol umkristallisiert.

Beispiel 7:

2.70 g des Hydrochlorids von 2-Amino-5-chlorbenzophenon und 1.70 g N-Cyan-N',N"-dimethyl-guanidin wurden gemischt und für 3 h auf 150°C erhitzt. Das Reaktionsprodukt wurde in Methanol aufgenommen und filtriert. Das Filtrat engte man ein. Der Rückstand wurde aus einer

Mischung von Isopropanol und Diethylether umkristallisiert, wodurch N-(6-Chlor-4-phenyl-chinazolin-2-yl)-N',N"-dimethyl-guanidiniumchlorid erhalten wurde (Fp. 264 - 267°C).

Beispiel 8:

Eine Mischung aus 500 mg 2-Amino-5-chlor-2'-nitrobenzophenon, 406 mg N-Cyan-N'-ethylguanidin und 1.03 g p-Toluolsulfonsäure-Monohydrat wurde für 2 h bei 150 bis 160°C in der Schmelze gerührt und wie in

Beispiel 3 aufgearbeitet, wodurch N-[6-Chlor-4-(2-nitro-phenyl)-chinazolin-2-yl]-N'-ethyl-guanidinium-p-toluolsulfonat erhalten wurde (Fp. 298 -300°C).

Beispiel 9:

Eine Mischung aus 500 mg 2-Amino-5-chlor-2'-nitrobenzophenon, 580 mg N-Cyan-N-phenylguanidin und 1.03 g p-Toluolsulfonsäure-Monohydrat wurde für 2 h bei 150 bis 160°C in der Schmelze gerührt und wie in Beispiel 3 aufgearbeitet, wodurch N-[6-Chlor-4-(2-nitro-phenyl)-chinazolin-2-yl]-N'-phenyl-guanidinium-p-toluolsulfonat erhalten wurde (Fp. 261-263°C).

Analog zu den oben angegebenen Verfahren wurden unter Verwendung der entsprechenden Vorstufen die folgenden als NHE-3-lnhibitoren bevorzugten Säureadditionssalze erhalten:

Im Folgenden bedeutet pTsOH p-Toluolsulfonsäure.

Beispiele 10 - 101 :





















Pharmakologische Tests

Im folgenden ist die Methodik dargestellt, die zur Charakterisierung der Verbindungen der Formel I als NHE-3-lnhibitoren verwendet wurde.

Die Verbindungen der Formel I wurden in bezug auf ihre Selektivität gegenüber den Isoformen NHE-1 bis NHE-3 charakterisiert. Die drei Isoformen wurden in Maus-Fibroblastenzellinien stabil exprimiert. Die Hemmwirkung der Verbindungen wurde durch Bestimmung der EIPA-empfindiichen 22Na+-Aufnahme in die Zellen nach intrazellulärer Acidose beurteilt.

Material und Methoden

LAP1-Zellinien, die die unterschiedlichen NHE-Isoformen exprimieren

Die LAP1-Zellinien, die die Isoformen NHE-1 , -2 und -3 exprimieren (eine Maus-Fibroblastenzellinie), wurden von Prof. J. Pouyssegur (Nice,

Frankreich) erhalten. Die Transfektionen wurden nach dem Verfahren von Franchi et al. (1986) durchgeführt. Die Zellen wurden in Dulbeccos modifiziertem Eagle-Medium (DMEM) mit 10% inaktiviertem fötalem

Kälberserum (FKS) kultiviert. Zur Selektion der NHE-exprimierenden Zellen wurde das sogenannte "Säureabtötungsverfahren" von Sardet et al. (1989) verwendet. Die Zellen wurden zuerst 30 Minuten in einem NH4Cl-haltigen bicarbonat- und natriumfreien Puffer inkubiert. Danach wurde das extrazeliuläre NH4Cl durch Waschen mit einem bicarbonat-, NH4Cl- und natriumfreien Puffer entfernt. Im Anschluß daran wurden die Zellen in einem bicarbonatfreien, NaCl-haltigen Puffer inkubiert. Nur diejenigen Zellen, die NHE funktionell exprimieren, konnten in der intrazellulären Ansäuerung, der sie ausgesetzt wurden, überleben.

Charakterisierung von NHE-Hemmstoffen in bezuq auf ihre

Isoformselektivität

Mit den obengenannten Maus-Fibroblastenzellinien, die die Isoformen NHE-1 , NHE-2 und NHE-3 exprimieren, wurden Verbindungen nach der von Counillon et al. (1993) und Scholz et al. (1995) beschriebenen

Vorgehensweise auf Selektivität gegnüber den Isoformen geprüft. Die Zellen wurden intrazellulär nach dem NH4Cl-Prepulse-Verfahren und anschließend durch Inkubation in einem bicarbonatfreien 22Na+-haltigen Puffer angesäuert. Aufgrund der intrazellulären Ansäuerung wurde NHE aktiviert und Natrium wurde in die Zellen aufgenommen. Die Auswirkung der Prüfverbindung wurde als Hemmung der EIPA (Ethyl-isopropylamilorid)-empfindlichen 22Na+-Aufnahme ausgedrückt.

Die Zellen, die NHE-1 , NHE-2 und NHE-3 exprimierten, wurden in einer Dichte von 5-7,5 × 104 Zellen/Näpfchen in Mikrotiterplatten mit 24

Näpfchen ausgesät und 24 bis 48 Stunden bis zur Konfluenz gezüchtet. Das Medium wurde abgesaugt und die Zellen wurden 60 Minuten bei 37° C im NH4Cl-Puffer (50 mM NH4Cl, 70 mM Cholinchlorid, 15 mM MOPS, pH 7,0) inkubiert. Anschließend wurde der Puffer entfernt und die Zellen wurden rasch zweimal mit dem Cholinchlorid-Waschpuffer (120 mM Cholinchlorid, 15 mM PIPES/Tris, 0,1 mM Ouabain, 1 mM MgCl2, 2 mM CaCl2, pH 7,4) überschichtet und abgesaugt.lm Anschluß daran wurden die Zellen mit dem Cholinchlorid-Beladungspuffer (120 mM Cholinchlorid, 15 mM PIPES/Tris, 0,1 mM PIPES/Tris, 0,1 mM Quabain, 1mM MgCl2, 2mM CaCl2, pH 7.4, 22Na± (0,925 kBg/100 ml Beladungspuffer)) überschichtet und darin für 6 Minuten inkubiert. Nach Ablaufen der Inkubationszeit wurde der Inkubationspuffer abgesaugt. Zwecks

Entfernung extrazellulärer Radioaktivität wurden die Zellen viermal rasch mit eiskalter phosphatgepufferter Kochsalzlösung (PBS) gewaschen. Danach wurden die Zellen durch Zusatz von 0,3 ml 0,1 N NaOH pro Näpfchen solubilisiert. Die zellfragmenthaltigen Lösungen wurden in Szintillationsröhrchen überführt. Jedes Näpfchen wurde noch zweimal mit 0,3 ml 0,1 N NaOH gewaschen und die Waschlösungen wurden ebenfalls

in die entsprechenden Szintillationsröhrchen gegeben. Die das Zellysat enthaltenden Röhrchen wurden mit Szintillationscocktail versetzt und die in die Zellen aufgenommene Radioaktivität wurde durch Bestimmung der β-Strahlung bestimmt.

Literatur:

Counillon et al. (1993) Mol. Pharmacol. 44: 1041-1045

J. Membrane Biol. 120, 41-49

Franchi et al. (1986) Proc. Natl. Acad. Sei. USA 83: 9388-9392

J. Membrane Biol. 118, 193-214

Sardet et al. (1989) Cell 56: 271-280

Scholz et al. (1995) Cardiovasc. Res. 29: 260-268

Die nachfolgenden Beispiele betreffen pharmazeutische Zubereitungen:

Beispiel A: Injektionsgläser

Eine Lösung von 100 g eines NHE-3-lnhibitors der Formel I und 5 g Dinatriumhydrogenphosphat wird in 3 l zweifach destilliertem Wasser mit 2 n Salzsäure auf pH 6,5 eingestellt, steril filtriert, in Injektionsgläser abgefüllt, unter sterilen Bedingungen lyophilisiert und steril verschlossen. Jedes Injektionsglas enthält 5 mg Wirkstoff.

Beispiel B: Suppositorien

Man schmilzt ein Gemisch von 20 g eines NHE-3-lnhibitors der Formel I mit 100 g Sojalecithin und 1400 g Kakaobutter, gießt in Formen und läßt erkalten. Jedes Suppositorium enthält 20 mg Wirkstoff.

Beispiel C: Lösung

Man bereitet eine Lösung aus 1 g eines NHE-3-lnhibitors der Formel I, 9,38 g NaH2PO4 · 2 H2O, 28,48 g Na2HPO4 · 12 H2O und 0,1 g

Benzalkoniumchlorid in 940 ml zweifach destilliertem Wasser. Man stellt auf pH 6,8 ein, füllt auf 1 I auf und sterilisiert durch Bestrahlung. Diese Lösung kann in Form von Augentropfen verwendet werden.

Beispiel D: Salbe

Man mischt 500 mg eines NHE-3-lnhibitors der Formel I mit 99,5 g Vaseline unter aseptischen Bedingungen.

Beispiel E: Tabletten

Ein Gemisch von 1 kg eines NHE-3-lnhibitors der Formel I, 4 kg Lactose, 1 ,2 kg Kartoffelstärke, 0,2 kg Talk und 0,1 kg Magnesiumstearat wird in üblicher weise zu Tabletten verpreßt, derart, daß jede Tablette 10 mg Wirkstoff enthält.

Beispiel F: Dragees

Analog Beispiel E werden Tabletten gepreßt, die anschließend in üblicher Weise mit einem Überzug aus Saccharose, Kartoffelstärke, Talk, Tragant und Farbstoff überzogen werden.

Beispiel G: Kapseln

2 kg eines NHE-3-lnhibitors der Formel I werden in üblicher weise in Hartgelatinekapseln gefüllt, so daß jede Kapsel 20 mg des Wirkstoffs enthält.

Beispiel H: Ampullen

Eine Lösung von 1 kg NHE-3-lnhibitor der Formel I in 60 I zweifach destilliertem Wasser wird steril filtriert, in Ampullen abgefüllt, unter sterilen Bedingungen lyophilisiert und steril verschlossen. Jede Ampulle enthält 10 mg Wirkstoff.