In Bearbeitung

Bitte warten ...

Einstellungen

Einstellungen

Gehe zu Anmeldung

1. WO2020103969 - VERFAHREN ZUR BESTIMMUNG VON SCHMIERSTOFFEIGENSCHAFTEN

Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

[ DE ]

Verfahren zur Bestimmung von Schmierstoffeiqenschaften

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung von Schmierstoffeigenschaften. Insbesondere betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Bestimmung der Eignung eines Schmierstoffs, speziell eines Schmierfetts zur Vermeidung von False-Brinelling-Schadensbildern (auch als eine spezielle Form der Riffelbildung bezeichnet) in fettgeschmierten Wälzlagern.

In Wälz- oder Kugellagern bilden Schmierstoffe einen Film zwischen Schmierflächen und verhindern so, dass ein direkter Kontakt zwischen sich gegeneinander

bewegenden Oberflächen besteht. Auf diese Art werden mechanische Reibung und Verschleiß verringert. Die Eigenschaften von Schmierfetten in Bezug auf ihre

Viskosität hängen dabei stark von dem Temperaturbereich ab, in welchem sie eingesetzt werden. Desgleichen hängt ihre Eignung als Schmierstoff davon ab, mit welcher Geschwindigkeit sich die Oberflächen zueinander bewegen. Bei höheren Geschwindigkeiten erhitzt sich der Schmierstoff stärker und kann eine Temperatur erreichen, bei der er sich zersetzt. Bei tiefen Temperaturen kann aufgrund der höheren Viskosität des Schmierstoffes das Nachfließen in den Zwischenraum zwischen den Oberflächen so langsam erfolgen, dass der Film zwischen den

Schmierflächen reißt.

Die Schmierung von Wälzlagern soll vor allem zwei Ziele erfüllen: die Minimierung der Reibung und den Schutz vor Verschleiß. Während des normalen Betriebs von

Wälzlagern wird zwischen unterschiedlichen Schmierungszuständen unterschieden, in denen sich, je nach Drehzahl des Lagers sogenannte„volltragende Schmierfilme“ ausbilden können. Je nach Eigenschaft des Schmierstoffs wird die Bildung von volltragenden Schmierfilmen begünstigt. Einer der maßgeblichen Parameter ist dabei die Viskosität des Schmierstoffs. Eine besondere Problematik tritt auf, wenn neue, frisch mit Schmierstoff befüllte Wälzlager transportiert werden. Betroffen sind hiervon z. B. PKW-Radlager während des Fahrzeugtransportes auf Autoreisezügen oder auf LKW-Transportern. Hierbei kommt es, speziell bei den zweireihigen

Schrägkugellagern, immer wieder zu Schadensbildern, welche an den Positionen der

belasteten Kugeln Schäden an den Innen- und Außenringlaufbahnen zeigen. Diese Schäden an den Innen- und Außenringlaufbahnen können durchaus Tiefen von mehreren Mikrometern erreichen und erscheinen ohne nähere mikroskopische Untersuchung zunächst wie durch die Kugeln hervorgerufene Eindrückungen. Solche Schadensbilder können auf einem sogenannten„False-Brinelling“ beruhen.

Die Anti-False-Brinelling-Eigenschaft von Schmierstoffen, also die Fähigkeit, den oben beschriebenen Schaden zu verhindern, ist bislang nur in zeitaufwendigen und teuren Prüfstandversuchen zu ermitteln. In einem Theologischen Prüfstand oder Messgerät werden Kennwerte von Schmierstoffen ermittelt. Als Labor-Prüfmethode werden im Wesentlichen zwei Theologische Verfahren zur Prüfung von Schmierstoffen in

Anlehnung an DIN51810-2 herangezogen. Die DIN51810-2 beschreibt, wie das Messverfahren aufgebaut ist, welche Geräte verwendet werden und welche

Theologischen Kennwerte durch die Messung ermittelt werden können.

Die Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, ein einfaches und kostengünstiges Verfahren anzugeben, mit dem die Eignung eines Schmierstoffes, insbesondere eines Schmierfetts, zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager rasch bestimmt werden kann.

Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Bestimmung von Schmierstoffeigenschaften gemäß dem beigefügten Anspruch 1. Bevorzugte

Ausführungsformen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

Untersuchungen haben gezeigt, dass typische False-Brinelling-Schäden keineswegs auf eine statische Überlastung des Laufbahnmaterials durch die Wälzkörper zurückzuführen sind. Vielmehr kommen diese Art von Schäden nur durch das

Zusammenwirken mehrerer Einflussgrößen zustande. Diese sind ein hochbelasteter Punktkontakt im fettgeschmierten Wälzlager, ein grundsätzlich stillstehendes Lager, welches jedoch eine Mikrobewegung von etwa ± 1 ° in radialer Richtung erfährt und niedrige Außentemperaturen von -20°C und tiefer. Es wurde herausgefunden, dass False-Brinelling-Schäden insbesondere dann auftreten, wenn die Wälzkörper/Kugeln der Lastzone eines Lagers nicht nur den vorhandenen Schmierstoff sondern vor allem freies Grundöl des Schmierfettes aus dem Kontaktbereich verdrängen und dieses aufgrund der temperaturbedingt hohen Viskosität nicht schnell genug in den

Kontaktbereich zurückfließen kann. Dadurch kann es so zu einem nahezu

ungeschmierten Wälzkontakt kommen, wodurch Verschleiß und Korrosion auftreten können. Die so entstehenden Oberflächenschäden, die im Abstand der Wälzkörper auf den Lagerflächen entstehen, werden als False-Brinelling-Schäden bezeichnet und können durch eine veränderte Zusammensetzung der Schmierstoffe bzw. geeignete Auswahl der einzusetzenden Schmierstoffe reduziert werden.

Der Erfindungsgedanke beruht im wesentlichen auf der Erkenntnis, dass zu ermittelnde Theologische Kenngrößen eines untersuchten Schmierstoffes bei mindestens zwei unterschiedlichen, vorbestimmten Temperaturen eine Aussage über die Eignung des Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager in dem Temperaturbereich zwischen den beiden Temperaturen und ggfs darüber hinaus ermöglichen. Dazu werden die gemessenen Kenngrößen bei den beiden Temperaturen miteinander in ein Wertefeld (Diagramm oder Wertetabelle) eingetragen, und aus der Lage des sich ergebenden Wertepaars in dem Wertefeld wird eine Angabe bzw. ein Signal generiert, welches repräsentativ ist für die Eignung des Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager. Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter einem Schmierstoff bevorzugt ein Schmierfett verstanden, wie es typischerweise in Lagern verwendet wird.

Um die auf diese Art gewonnenen Ergebnisse mit Ergebnissen, wie sie in

herkömmlichen Verfahren gewonnenen werden, vergleichen zu können, weist das erfindungsgemäße Verfahren vorzugsweise einen Umrechnungsschritt auf, in welchem Umrechnungsgrößen angewandt werden.

Das erfindungsgemäße Verfahren zum Bestimmen einer Eignung eines

Schmierstoffes, insbesondere eines Schmierfetts, zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager weist die Schritte auf:

- erstes Konditionieren eines Rheometers mit den Teilschritten:

a) Temperieren des Rheometers auf eine erste Temperatur,

b) Setzen eines ersten Nullpunkts nach Ablauf einer vorgegebenen ersten Temperierzeit des Rheometers,

- erstes Befüllen des Rheometers mit einer Schmierstoffprobe,

- erstes Deformieren der Schmierstoffprobe und Ermitteln der ersten

Schubspannung aus der Scherdeformation der Schmierstoffprobe bei der ersten Temperatur;

- zweites Konditionieren eines Rheometers mit den Teilschritten:

c) Temperieren des Rheometers auf eine zweite Temperatur,

d) Setzen eines zweiten Nullpunkts nach Ablauf einer vorgegebenen zweiten Temperierzeit des Rheometers,

- zweites Befüllen des Rheometers mit einer Schmierstoffprobe,

- zweites Deformieren der Schmierstoffprobe und Ermitteln der zweiten

Schubspannung aus der Scherdeformation der Schmierstoffprobe bei der zweiten Temperatur,

- Klassifizieren des Schmierstoffes als geeignet oder nicht geeignet zur

Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager in Abhängigkeit von der ermittelten ersten Schubspannung und der ermittelten zweiten

Schubspannung.

Als aussagekräftige Temperaturwerte für die Beurteilung eines Schmierstoffes, insbesondere eines Schmierfetts, in Bezug auf seine Eignung zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager haben sich die im parktischen Einsatz des Schmierstoffes tiefste anzunehmende Temperatur und beispielsweise die übliche Temperatur beim Einbringen des Schmierstoffs in das Lager erwiesen. Daher wird im auszuführenden Verfahren die erste Temperatur bevorzugt im Bereich -45°C bis -5°C und die zweite Temperatur bevorzugt im Bereich +20°C bis +50°C gewählt.

Insbesondere wird das Verfahren bei der ersten Temperatur von -30°C und bei der zweiten Temperatur von +25°C durchgeführt.

In zahlreichen Versuchen wurde herausgefunden, dass die Eignung des

Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager sehr gut ist, wenn bei der ausgeführten Scherdeformation bei der ersten Temperatur die erste Schubspannung bis 1000 Pa beträgt und bei der zweiten Temperatur die zweite

Schubspannung bis 100 Pa beträgt. Eine gute Eignung besteht, wenn die erste Schubspannung bis 1750 Pa beträgt und die zweite Schubspannung bis 275 Pa beträgt. Nur bedingt tauglich ist der Schmierstoff, wenn die erste Schubspannung bis 2500 Pa beträgt und die zweite Schubspannung bis 375 Pa beträgt. Schlecht geeignet unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung von False-Brinelling-Schäden ist der Schmierstoff, wenn die erste Schubspannung über 2500 Pa beträgt und die zweite Schubspannung über 375 Pa beträgt.

Da bei den einzelnen Messungen Abweichungen auftreten, wird das Verfahren zur Verbesserung des statistischen Fehlers bevorzugt für jeden Messwert jeweils mit zwei, drei oder mehr Messungen durchgeführt.

Ein Vorteil der Erfindung besteht u.a. darin, dass das Verfahren schnell und ohne großen apparativen Aufwand durchgeführt werden kann, so dass eine schnelle

Beurteilung eines Schmierstoffes insbesondere über seine Eignung als Schmierstoff zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager ermöglicht wird.

Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der folgenden

Beschreibung von bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung, unter Bezugnahme auf die beigefügte Zeichnung. Es zeigen:

Fig. 1 ein Ablaufplan einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens;

Fig. 2 ein Diagramm mit Messwerten, die in einer ersten Messung gewonnen

wurden;

Fig. 3 ein Diagramm mit Messwerten, die in einer zweiten Messung gewonnen

wurden;

Fig. 4 ein Diagramm mit Messwerten, die in einer dritten Messung gewonnen

wurden:

Fig. 5 ein Diagramm mit Messwerten, die in einer vierten Messung gewonnen

wurden.

Fig. 1 zeigt einen Ablaufplan eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Bestimmen einer Eignung eines Schmierstoffes, insbesondere eines Schmierfetts, zur

Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager mit folgenden

Verfahrensschritten: In einem ersten Schritt 05 wird ein Rheometer zum Bestimmen der Fließeigenschaften eines Schmierstoffes bei einer ersten Temperatur

konditioniert. Das Rheometer wird dazu auf die erste Temperatur gebracht. Auf dieser ersten Temperatur wird das Rheometer im Schritt 06 über eine vorgegebene

Temperierzeit gehalten. In diesem Zeitraum relaxiert das Rheometer, d. h. in dem Rheometer soll nach der Temperierzeit kein Temperaturgradient mehr auftreten. Während dieser Temperierzeit (auch als Einschwingzeit oder Relaxationszeit bezeichnet) wird in Schritt 06 laufend überprüft, ob die Temperierzeit schon

abgelaufen ist und der nächste Schritt eingeleitet werden kann.

Wenn die Temperierzeit abgelaufen ist, wird das Rheometer justiert, d. h. es wird in Schritt 07 ein erster Nullpunkt gesetzt, auf den sich die weiteren Theologischen Messungen bei der ersten Temperatur beziehen.

Die Theologische Messung beginnt damit, dass in Schritt 08 das Rheometer mit einer Schmierstoffprobe (Schmierfett) befüllt wird. In Schritt 09 wird eine vorbestimmte Scherdeformation auf die Schmierstoffprobe ausgeübt, so dass sich die

Schmierstoffprobe in dem Rheometer deformiert. Neben der Größe der

Scherdeformation und der dafür aufgewendeten Schubspannung werden weitere Theologische Größen des untersuchten Schmierstoffes wie z. B. das Speicher- und Verlustmodul bei der jeweiligen Messtemperatur ermittelt. Grundsätzlich sind dem Fachmann Theologische Messungen bekannt, sodass auf eine Erläuterung von Einzelheiten hier verzichtet werden kann.

Die Schmierstoffprobe wird nun aus dem Rheometer entfernt, um anschließend im Schritt 10 eine zweite Konditionierung bei einer zweiten Temperatur auszuführen. In Schritt 10 wird das Rheometer dafür auf die zweite Temperatur gebracht. In Schritt 1 1 wird das Einhalten einer zweiten Temperierzeit überwacht, und in Schritt 12 wird ein zweiter Nullpunkt gesetzt, auf den sich die weiteren Theologischen Messungen bei der zweiten Temperatur beziehen.

Nach dieser zweiten Konditionierung und einer erneuten Befüllung des Rheometers mit einer weiteren Probe desselben Schmierstoffs in Schritt 13, können die

rheologischen Untersuchungen bei der zweiten Temperatur durchgeführt werden. In Schritt 14 wird eine vorbestimmte Scherdeformation auf die weitere Schmierstoffprobe ausgeübt und die Schubspannung ermittelt.

Die bestimmte Schubspannung bei der ersten Temperatur und die bestimmte

Schubspannung bei der zweiten Temperatur werden beide für die nachfolgende Ermittlung der Eignung des Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager berücksichtigt. Zunächst wird die erfasste Scherdeformation in eine Scherrate umgerechnet und für diese wird die zugehörige Schubspannung bestimmt, woraufhin in Schritt 15 Wertepaare gebildet werden. Ein solches Wertepaar umfasst somit einen Schubspannungswert bei der ersten Temperatur und einen Schubspannungswert bei der zweiten Temperatur. Das Wertepaar definiert eine Position in einem zweidimensionalen Wertefeld, wobei diese Position ein Maß ist für die Eignung des Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager, in welchem der Schmierstoff eingesetzt werden soll.

Zum besseren Verständnis der Erfindung kann dieses Wertefeld als ein Diagramm dargestellt werden, in welchem die Wertepaare für unterschiedliche Schmierstoffe eingetragen werden, wobei auf der x-Achse die Schubspannung bei der ersten Temperatur aufgetragen ist und auf der y-Achse die Schubspannung bei der zweiten Temperatur aufgetragen ist.

Anhand des Wertepaars, also aus der Lage des Wertepaars in dem Wertefeld, wird in Schritt 16 die Eignung des Schmierstoffes zur Vermeidung von False-Brinelling-Schäden in einem Lager ermittelt, wobei die erste Schubspannung und die zweite Schubspannung in die Bewertung einfließen.

Nachfolgend werden konkrete Beispiele zur Aufnahme von Messwerten und deren Klassifizierung gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren erläutert.

Vorbereitungen und Messung bei -30 °C = erste Temperatur:

Zu Beginn wird das Rheometer inklusive Messsystem auf -30 °C temperiert. Nach Ablauf einer Temperierzeit von ca. 30 Minuten wird der erste Nullpunkt gesetzt.

Da -30 °C weit unter Raumtemperatur liegt, wird das Rheometer nach dem Setzen des ersten Nullpunktes und vor dem Aufträgen der Schmierstoffprobe erneut auf Raumtemperatur gebracht, um Kondensation von Wasserdampf und Reifbildung unterhalb von 0 °C zu vermeiden. Nachdem das Rheometer wieder auf

Raumtemperatur gebracht wurde, wird es mit der Schmierstoffprobe befüllt. Dann wird das Messsystem mit der Schmierstoffprobe auf -30 °C heruntergekühlt. Wenn die -30 °C erreicht sind wird diese Temperatur für ca. 30 Minuten konstant gehalten um sicherzustellen, dass das Messsystem wie auch die Schmierstoffprobe tatsächlich die erste Temperatur von hier -30 °C haben. Nun wird ein Amplituden -Sweep zur Bestimmung der Schubspannung bei der ersten Temperatur ausgeführt. Dabei wird die Scherdeformation von 0,01 % auf 1000 % gesteigert. Der erste Teil der Messung ist damit beendet, sodass das Rheometer entleert und gesäubert werden kann.

Vorbereitungen und Messung bei +25 °C = zweite Temperatur

Zu Beginn wird das Rheometer inklusive Messsystem auf +25 °C temperiert. Nach Ablauf einer Temperierzeit von ca. 5 Minuten wird der zweite Nullpunkt gesetzt. Das Rheometer wird dann erneut mit einer Probe desselben Schmierstoffs befüllt. Das Messsystem und die Probe werden auf +25 °C temperiert und anschließend wird ein zweiter Amplituden-Sweep zur Bestimmung der zweiten Schubspannung ausgeführt. Dabei wird die Scherdeformation von 0,01 % auf 1000 % gesteigert. Damit ist die die Messung beendet und die Messwerte werden weiter verarbeitet.

In dem zuvor beschriebenen Beispiel erfolgt die Bestimmung der rheologischen Größen einmal bei -30°C (erste Temperatur) und einmal bei +25°C (zweite

Temperatur) in einem Amplituden-Sweep. In dem Amplituden-Sweep wird die

Scherdeformation des Schmierstoffes zwischen 0,01 % und 1000% verändert. Die Amplitude wird mit einer konstanten Frequenz von 10 rad/s verändert und nimmt dabei in Zehnerpotenzen zu. Die Messwerte können dabei beispielsweise mit 5 oder 10 oder 20 Punkten pro Dekade aufgenommen werden. Die angewendete

Scherdeformation wird im Rahmen der Messung vorgegeben. Aus dieser Vorgabe

und dem Messwert kann in an sich bekannter Weise unter Berücksichtigung weiterer Gerätekonstanten und Materialwerte die Schubspannung bestimmt werden.

Dazu wird bei der Auswertung des Amplituden-Sweep bei +25°C anhand der

Messdaten der Schubspannungswert bei einer Scherrate 0,36 s 1 bestimmt. Bei dem Amplituden-Sweep bei -30°C wird die aufgezeichnete Scherdeformation in gleicher Weise zunächst in eine Scherrate umgerechnet und für diese wird nachfolgend ein Schubspannungswert ermittelt, beispielsweise aus einer hinterlegten Wertetabelle oder mithilfe eines implementierten mathematischen Zusammenhangs. Aus dem Kennwert bei +25°C und dem Kennwert bei -30°C wird ein Wertepaar gebildet. Dieses Wertepaar definiert eine Position in einem Wertefeld, wobei das Wertefeld z. B. in einem Speicher abgelegt sein kann oder auch durch eine mathematische Funktion beschreibbar ist, welche durch eine Software ausführbar ist. Zur Verdeutlichung kann das Wertepaar auch automatisiert in einem Diagramm bildlich eingetragen werden, welches beispielsweise zur Anzeige gebracht oder ausgedruckt wird.

Die Position des Wertepaars im Wertefeld ist ein Maß dafür, ob der untersuchte Schmierstoff gute oder schlechte Anti-False-Brinelling-Eigenschaften aufweist. Des Weiteren ist aus dem Wertepaar der beiden Schubspannungswerte nicht nur ermittelbar, ob gute oder schlechte Anti-False-Brinelling-Eigenschaften vorliegen, sondern auch in welchem Maße.

Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren können Schmierstoffe, insbesondere

Schmierfette, deren Anti-False-Brinelling-Eigenschaften auf gute Fließeigenschaften zurückzuführen sind, untersucht werden. Zur Bestimmung der Anti-False-Brinelling-Eigenschaften bis -30°C eines Fettes mittels rheologischem Verfahren wird das Messsystem bevorzugt zunächst mit technischem Ethanol, Brennspiritus, Isopropanol, technischem Aceton oder Spezialbenzin gereinigt. Das Messsystem umfasst ein Rheometer mit Peltierplatte, ein Platte-Messsystem für Rheometer, vorzugsweise mit einer Größe von 0 25 mm. Zusätzlich zur Peltierplatte muss auch eine temperierte Abdeckhaube für das Messsystem eingesetzt werden, um das Messsystem auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Bei Einsatz eines Peltierelements muss dieses gegengekühlt werden. Flierfür wird vorzugsweise ein Kryostat bzw. Thermostat

eingesetzt. Nach der Reinigung wird das Messsystem mit einer Schmierstoffprobe befüllt, beispielsweise unter Verwendung eines Spatels.

Beim Befüllen des Messsystems wird jeweils eine ausreichende Menge des

Schmierstoffes von ca. 0,5 g mit kleinem Überschuss mittig auf die untere Platte aufgebracht. Anschließend wird die obere Platte auf einen Abstand von 1 ,025 mm, die sog. Trimm-Position, zur unteren Platte herabgesenkt und überständiges

Schmierstoffe mit Hilfe eines Spatels entfernt. Danach kann die finale Messposition von 1 ,000 mm angefahren werden. Während des Trimmens darf kein Schmierstoffe aus dem Messspalt entfernt werden, ansonsten ist die Befüllung des Spaltes nicht korrekt und führt zu einer Verfälschung der Messwerte.

Die eigentliche Messung erfolgt bei der jeweiligen Temperatur. Es ist verständlich, dass es irrelevant ist, ob die niedrigere oder die höhere Temperatur als erste

Messtemperatur gewählt wird. Vorzugsweise werden pro Messtemperatur zwei oder mehr Messungen durchgeführt. Auf diese Art lässt sich der statistische Fehler der Messungen verringern.

Zur Auswertung der Messungen und als Aussage über die Eignung des Schmierfetts als Anti-False-Brinelling-Schmierstoff werden die Messwerte der Scherdeformation in Scherraten umgerechnet. Zur Bestimmung des Kennwertes des untersuchten

Schmierstoffes werden die Messwerte für die Scherdeformation g nach der folgenden Gleichung in eine Scherrate dy/dt umgerechnet:

dy/dt (berechnet) = g (gemessen) * 0,071

Anschließend wird vorzugsweise derjenige Messwert gesucht, bei dem die berechnete Scherrate 0,36 s_1 beträgt, und der dazugehörige Schubspannungswert wird abgelesen bzw. automatisiert aus einem Wertefeld ermittelt.

Die beiden ermittelten Kennwerte werden als Wertepaar zusammengefasst und für die Bestimmung der Eignung als Anti-False-Brinelling-Schmierstoff herangezogen, indem die Position des Wertepaares in einem Wertefeld ausgewertet wird. Diese Auswertung kann durch Vergleich des Wertepaares mit einem Wertefeld erfolgen, welches in einem Speicher abgelegt ist, oder anhand eines mathematischen Zusammenhangs, der über eine Software abgebildet werden kann.

Diese Bestimmung der Position des Wertepaares lässt sich anhand von Diagrammen verdeutlichen, wie sie in den Fig. 2 bis 5 dargestellt ist. In Fig. 2 ist als horizontale Achse der Kennwert des Schmierfetts bei -30°C aufgetragen, und als vertikale Achse ist der Kennwert des Schmierfetts bei +25°C aufgetragen. Je nach Lage des

Wertepaares in dem Diagramm bzw. Wertefeld wird die Anti-False-Brinelling-Eigenschaft des Fettes als sehr gut, gut, grenzwertig oder nicht geeignet klassifiziert.

In den Fig. 2 bis 5 sind die gemessenen Wertepaare jeweils als offene Kreise im Diagramm dargestellt. Dargestellt sind auch die jeweiligen Bereichsgrenzen für die Klassifizierung. In Fig. 2 fällt ein Wertepaar in einen inneren Bereich 1 , der

Wertepaare bis 1000 Pa bei -30°C und 100 Pa bei +25°C enthält. Schmierstoffe, deren Wertepaare in diesen Bereich 1 fallen, werden als„sehr gut“ für die Vermeidung von False-Brinelling-Schäden klassifiziert.

Fig. 3 zeigt zusätzlich zu dem Bereich 1 mit den Bereichsgrenzen 1000 Pa bei -30°C und 100 Pa bei +25°C einen zweiten Bereich 2 mit den Bereichsgrenzen 1750 Pa bei -30°C und 275 Pa bei +25°C. Schmierstoffe, deren Wertepaare in diesen Bereich 2 fallen, werden als„gut“ für die Vermeidung von False-Brinelling-Schäden klassifiziert. In dem in Fig. 3 gezeigten Beispiel erfüllen neun Wertepaare diese Bedingung.

Fig. 4 zeigt einen dritten Bereich 3 mit den Bereichsgrenzen 2500 Pa bei -30°C und 375 Pa bei +25°C. Schmierstoffe, deren Wertepaare in diesen Bereich 3 fallen, werden als„noch bedingt tauglich“ für die Vermeidung von False-Brinelling-Schäden klassifiziert. In dem gezeigten Beispiel erfüllen zwei Wertepaare diese Bedingung.

Fig. 5 zeigt als einen vierten Bereich 4 den Bereich über 2500 Pa bei -30°C und 375 Pa bei +25°C. Schmierstoffe, deren Wertepaare in diesen Bereich fallen, werden als„nicht ausreichend“ für die Vermeidung von False-Brinelling-Schäden klassifiziert. In dem gezeigten Beispiel sind dies vier Wertepaare.

Bezuqszeichenliste

Erster Bereich =„sehr gut“

Zweiter Bereich =„gut“

Dritter Bereich =„noch bedingt tauglich“ Vierter Bereich =„nicht ausreichend“

- 14 Verfahrensschritte