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1. WO2020001672 - VERFAHREN ZUM PRÜFEN ZUMINDEST EINES TEILBEREICHS EINES BAUTEILS UND PRÜFVORRICHTUNG ZUM PRÜFEN ZUMINDEST EINES TEILBEREICHS EINES BAUTEILS

Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

Verfahren zum Prüfen zumindest eines Teilbereichs eines Bauteils und Prüfvorrichtung zum Prüfen zumindest eines Teilbereichs eines Bauteils

Beschreibung

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Prüfen zumindest eines Teilbereichs eines Bauteils, insbesondere eines Bauteils einer Strömungsmaschine. Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft eine Prüfvorrichtung zum Prüfen zumindest eines Teilbereichs eines Bauteils.

Unerkannte Materialfehler in Bauteilen können mitunter verheerende Folgen haben, insbesonde-re bei Bauteilen von Strömungsmaschinen, wie beispielsweise Flugtriebwerken. Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, Bauteile zur Detektion von Materialfehlem beispielsweise einer Ult-raschallprüfung zu unterziehen, um beispielsweise als Lunker ausgebildete Materialfehler zu er-kennen. Allerdings kann es Vorkommen, dass durch derzeit bekannte Verfahren zur Ultraschall-prüfung manche Materialfehler im Bauteil unerkannt bleiben. Aus diesem Grund werden häufig aufwändige Verfahren, zu welchen beispielsweise eine Ätzprüfung zur Detektion von als Seige-rungen ausgebildeten Materialfehlem gehört, durchgeführt.

Mit dem Begriff Seigerung werden Entmischungen einer Metalllegierungsschmelze beim Übergang der Schmelze in den festen Zustand bezeichnet, die zu einer örtlichen Zu- und/oder Ab-nahme von bestimmten Elementen innerhalb des Mischkristalls der Metalllegierung führen. Durch Seigerungen ergeben sich daher lokal unterschiedliche Werkstof eigenschaften innerhalb eines Bauteils. Beispielsweise sind in Bauteilen von Strömungsmaschinen wie etwa Triebwerks-scheiben aus Nickelbasis-Legierungen sogenannte„Dirty White Spots“ bekannt, die im Betrieb des Triebwerks durch langeinwirkende Low Cycle Fatigue-Belastungen zu Rissbildungen bis hin zum Versagen des Bauteils führen können. Der Begriff„Low Cycle Fatigue“ ist auch unter der Bezeichnung Niedriglastwechselermüdung bekannt.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren der eingangs genannten Art zu schaffen, durch welches eine aufwandsarme Prüfung von im Inneren eines Bauteils enthaltenen Materialfehlem ermöglicht ist. Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, eine Prüfvorrichtung zum Prüfen auf im Inneren eines Bauteils enthaltene Materialfehler zu schaffen.

BESTATIGUNGSKOPIE

Diese Aufgaben werden erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentan-spruchs 1 sowie durch eine Prüfvorrichtung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 12 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen mit zweckmäßigen Weiterbildungen der Erfindung sind in den jeweiligen Unteransprüchen angegeben.

Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Prüfen zumindest eines Teilbereichs eines Bauteils, insbesondere eines Bauteils einer Strömungsmaschine. Das Verfahren umfasst zumindest die Schritte:

a) Bereitstellen eines Rohbauteils;

b) Herstellen zumindest des Teilbereichs aus dem Rohbauteil durch spanende Bearbei-tung des Rohbauteils mittels zumindest eines Werkzeugs und Erfassen wenigstens eines Kraft-verlaufs zumindest einer während der spanenden Bearbeitung auf das zumindest eine Werkzeug wirkenden Kraft durch wenigstens einen Kraftsensor;

c) Prüfen, ob wenigstens eine Abweichung des wenigstens einen Kraftverlaufs von zu-mindest einem vorbestimmten Sollverlauf des mindestens einen Kraftverlaufs vorliegt, wobei die wenigstens eine Abweichung zumindest einen in einem unbearbeiteten Segment des Teilbereichs enthaltenen Materialfehler charakterisiert. Der Sollverlauf kann dabei ebenfalls die spanende Be-arbeitung des Teilbereichs charakterisieren. Es ist klar, dass durch das Verfahren auch mehrere Materialfehler, welche auch als Fehlstellen bezeichnet werden können, erkannt werden können. Das Verfahren ermöglicht insgesamt eine Güteprüfung bei (also während) der spanenden Bear-beitung, welche auch als zerspanende Bearbeitung bezeichnet werden kann. Durch das Verfahren kann bei der zerspanenden Bearbeitung unter Herstellen zumindest des Teilbereichs aus dem Rohbauteil beispielsweise eine Anzahl an Fehlstellen erkannt werden, wodurch eine besonders aussagekräftige Bewertung einer Bauteilqualität erfolgen kann. Unabhängig davon kann durch das Verfahren bei der zerspanenden Bearbeitung unter Herstellen zumindest des Teilbereichs aus dem Rohbauteil beispielsweise eine Größe der Fehlstelle bzw. der Fehlstellen erkannt werden, wodurch die Bauteilqualität besonders genau bewertet werden kann. Unabhängig davon kann durch das Verfahren bei der zerspanenden Bearbeitung unter Herstellen zumindest des Teilbe-reichs aus dem Rohbauteil beispielsweise eine Lage der Fehlstelle bzw. der Fehlstellen erkannt werden, wodurch besonders genaue Aussagen über die Bauteilqualität ermöglicht sind. Der zu-mindest eine Materialfehler kann allgemein ein bei der Durchführung von Schritt b) von dem

Werkzeug beabstandeter, in dem Rohbauteil (innerhalb des Rohbauteils) enthaltener Materialfeh-ler sein. Ein besonderer Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass das Herstellen des Teilbereichs (Schritt b) erfolgen und währenddessen der Kraftverlauf ermittelt werden kann, wobei der Kraft-verlauf in Schritt c) beim Prüfen verwendet wird. Somit kann das spanende Bearbeiten und das Erfassen des für das Prüfen in Schritt c) verwendeten Kraftverlaufs parallelisiert und damit Zeit gespart werden, wodurch die Prüfung insgesamt besonders aufwandsarm erfolgen kann. Durch Parallelisieren der Schritte b) und c) kann das Prüfen sozusagen als„Online-Diagnose“ bei der spanenden Bearbeitung, also beim Zerspanen erfolgen. Das Bauteil kann beispielsweise als Schmiedebauteil ausgebildet sein. Im Rahmen der Erfindung ist unter dem Begriff„Materialfeh-ler“ ein fehlerhaftes Teilvolumen des Rohbauteils bzw. des Teilbereichs zu verstehen.

Die wenigstens eine Abweichung kann bevorzugt zumindest eine Seigerung als den zumindest einen Materialfehler charakterisieren. Dies ist von besonderem Vorteil, da somit eine aus dem Stand der Technik bekannte, mit einer Zerstörung des Bauteils einhergehende Prüfung entfallen könnte. Stattdessen kann der als Seigerung ausgebildete Materialfehler durch das Verfahren de-tektiert werden.

Das Rohbauteil kann vor dessen Bereitstellen gemäß Schritt a) einer Ultraschallprüfung unterzogen werden. Werden bei der Ultraschallprüfung bereits schwerwiegende Fehlstellen bzw. Materialfehler festgestellt, so kann das Rohbauteil sofort als Ausschuss deklariert und durch ein anderes Rohbauteil ersetzt werden, wodurch Zeit gespart werden kann.

In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird Schritt c) während des Herstellens des zumindest einen Teilbereichs aus dem Rohbauteil gemäß Schritt b) durchgeführt. Dies ist von Vorteil, da die Schritte b) und c) somit durchgeführt werden können, ohne dass die spanende Be-arbeitung beim Prüfen unterbrochen werden muss oder mit dem Prüfen bis zu einem Abschluss der spanenden Bearbeitung gewartet werden muss. Dadurch ist insgesamt sowohl die Herstellung des Teilbereichs als auch das Prüfen zumindest weitgehend gleichzeitig ausführbar, was zu einer erheblichen Zeitersparnis führt.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird in Schritt c) der wenigstens ei-ne Kraftverlauf mit zumindest einem weiteren Kraftverlauf, welcher eine spanende Bearbeitung

zumindest eines weiteren Bauteils charakterisiert, verglichen und dadurch die wenigstens eine Abweichung in dem zumindest einen Teilbereich bewertet, wobei das zumindest eine weitere Bauteil wenigstens einen im Vergleich zu dem zumindest einen Materialfehler gleichartigen, weiteren Materialfehler aufweist, und wobei wenigsten eine weitere Abweichung des zumindest einen weiteren Kraftverlaufs von dem zumindest einen vorbestimmten Sollverlauf vorliegt. Dies ist von Vorteil, da hierdurch eine besonders aussagekräftige Bewertung des Materialfehlers an-hand des zumindest einen weiteren Kraftverlaufs (des zumindest einen weiteren Bauteils) erfol-gen kann. Vorzugsweise wird zur Bewertung des zumindest einen Materialfehlers eine Mehrzahl an weiteren Kraftverläufen einer entsprechenden Mehrzahl an weiteren Bauteilen herangezogen, sodass eine statistisch abgesicherte Bewertung erfolgen kann. Beim„Bewerten“ kann beispiels-weise analysiert werden, ob der wenigstens eine Materialfehler derart gravierend ist, dass das Bauteil als Ausschuss gilt oder ob der wenigstens eine Materialfehler tolerierbar ist und das Bauteil somit für dessen bestimmungsgemäßen Gebrauch geeignet ist. Das weitere Bauteil kann zeitlich vor dem Bauteil hergestellt sein und in diesem Falle auch als historisches Bauteil bezeichnet werden. Das weitere Bauteil kann mittels desselben oder zumindest eines gleichartigen Werk-zeugs der spanenden Bearbeitung unterzogen worden sein. Dadurch dass das weitere Bauteil den gleichartigen, weiteren Materialfehler aufweist, liegt bei dem weiteren Bauteil eine Kontaminati-on mit dem weiteren Materialfehler vor. Das weitere Bauteil kann dabei mit dem zumindest ei-nen, gleichartigen weiteren Materialfehler dotiert sein. Das weitere Bauteil kann durch das erfin-dungsgemäße Verfahren aus einem weiteren, den weiteren Materialfehler aufweisenden, Rohbau-teil hergestellt und dabei der weitere Kraftverlauf ermittelt werden. Beispielsweise kann es sich bei dem Bauteil und dem weiteren Bauteil um jeweilige, gleichartige Triebwerksscheiben, Turbi-nenscheiben oder Bliske handeln, welche jeweils durch das Verfahren hergestellt werden, bzw. sind.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird durch Vergleichen des wenigs-tens einen Kraftverlaufs mit dem zumindest einen weiteren Kraftverlauf eine Position des zu-mindest einen Materialfehlers in dem unbearbeiteten Segment zumindest näherungsweise be-stimmt. Dies ist von Vorteil, da hierdurch beispielsweise bestimmt werden kann, ob sich der Ma-terialfehler beim bestimmungsgemäßen Gebrauch des Bauteils in einem hochbelasteten Bauteilbereich oder in einem niedrigbelasteten Bauteilbereich befindet. Befindet sich der Materialfehler in dem hochbelasteten Bauteilbereich, so kann das Bauteil als Ausschuss bewertet, also mit ande- ren Worten als für den bestimmungsgemäßen Gebrauch ungeeignet bewertet werden. Befindet sich der Materialfehler in dem niedrigbelasteten Bauteilbereich, so kann das Bauteil als tolerierbar, also für den bestimmungsgemäßen Gebrauch geeignet bewertet werden. Durch die zumin-dest näherungsweise Bestimmung der Position kann somit eine gegebenenfalls unnötige Kennzeichnung des Bauteils als Ausschuss vermieden werden.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird die wenigstens eine Abweichung in dem zumindest einen Teilbereich unter Verwendung zumindest eines Kraftverlaufsgradienten des wenigstens einen Kraftverlaufs und/oder des zumindest einen weiteren Kraftverlaufs bewertet. Dies ist von Vorteil, da der Kraftverlaufsgradient beispielsweise zur Bewertung von den Materialfehler charakterisierenden Materialfehler-Parametem, beispielsweise einer Härte, ei-ner Sprödigkeit und/oder einer Größe des Materialfehlers, herangezogen werden kann. Dies trägt zur genaueren Bewertung des Materialfehlers bei. Die Kraftverlaufsgradienten des wenigstens einen Kraftverlaufs und des zumindest einen weiteren Kraftverlaufs können hierzu miteinander verglichen werden. Dadurch können Steigungsunterschiede zwischen den jeweiligen Kraftver-laufsgradienten bestimmt und auf die Materialfehler-Parameter rückgeschlossen werden.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist der zumindest eine Kraftver-laufsgradient des wenigstens einen Kraftverlaufs und/oder des zumindest einen weiteren Kraftverlaufs zeitabhängig und/oder ortsabhängig. Dies ist von Vorteil, da hierdurch eine Ortsabhängigkeit bzw. Zeitabhängigkeit des Kraftverlaufsgradienten herangezogen wird womit eine besonders aussagekräftige Prüfung erfolgen kann. Ist der Kraftverlaufsgradient zeitabhängig und ortsabhängig, so kann eine Geschwindigkeitsabhängigkeit des Kraftverlaufsgradienten herangezogen werden.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird zumindest eine, durch schichtweisen Materialabtrag von dem Rohbauteil bei der spanenden Bearbeitung bewirkte Steigungsänderung des zumindest einen Kraftverlaufsgradienten herangezogen, um die wenigstens eine Abweichung zu bewerten. Dies ist von Vorteil, da hierdurch beispielsweise bewertet werden kann, welchen Abstand der Materialfehler von einer mittels des Werkzeugs spanend bearbeiteten Oberfläche des Rohbauteils aufweist. Der Abstand kann auch als Tiefe des Materialfehlers be-zeichnet werden, in welcher der Materialfehler liegt. Bei dem schichtweisen Materialabtrag von dem Rohbauteil bei der spanenden Bearbeitung kann ein mehrmaliges Überfahren des in dem Rohbauteil vorliegenden Materialfehlers erfolgen, wobei anhand der Kraftverlaufsänderung beispielsweise eine Bewertung eines Materialfehlervolumens des Materialfehlers erfolgen kann. Das Materialfehlervolumen kann eine räumliche Erstreckung des Materialfehlers charakterisieren. Dies ermöglicht eine zuverlässige Bewertung, ob der Materialfehler tolerierbar ist, oder nicht.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird der zumindest eine weitere Kraftverlauf zeitlich vor dem wenigstens einen Kraftverlauf ermittelt. Dies ist von Vorteil, da der zumindest eine weitere Kraftverlauf somit zumindest als Teil eines Erfahrungsdatensatzes bereits vor der Ermittlung des wenigstens einen Kraftverlaufs im Rahmen des Verfahrens bereitgestellt werden kann, was zu einer schnelleren Durchführung des gesamten Verfahrens beitragen kann.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird die Prüfung in Schritt c) mittels eines künstlichen neuronalen Netzes, insbesondere durch ein Deep Leaming- Verfahren durchge-führt. Künstliche neuronale Netze sind Netze aus künstlichen Neuronen und eignen sich beson-ders gut zur Prüfung der Abweichung. Beim Deep Leaming erlernt ein Computermodell die Durchführung von Klassifikationsaufgaben direkt aus der Abweichung oder mehreren Abweichungen. Das verwendete Deep Leaming-Modell kann gegebenenfalls zunächst anhand umfangreicher Sätze klassifizierter Daten und anhand neuronaler Netzarchitekturen trainiert werden.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird als die zumindest eine Kraft zumindest eine Schnittkraft herangezogen, welche während der spanenden Bearbeitung auf das zumindest eine Werkzeug wirkt. Dies ist von Vorteil, da die Schnittkraft eine besonders zuverlässige Prüfung ermöglicht, ob die Abweichung vorliegt. Darüber hinaus resultiert die Schnittkraft aus einem unmittelbaren Kontakt des Werkzeugs bzw. zumindest einer Werkzeugschneide des Werkzeugs mit dem Rohbauteil bei der spanenden Bearbeitung, sodass Störeinflüsse zumindest weitgehend unterbunden werden können.

In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird als das zumindest eine Werkzeug ein Fräswerkzeug oder ein Drehwerkzeug verwendet. Dies ist von Vorteil, da durch ein Fräswerkzeug oder ein Drehwerkzeug nicht nur eine besonders genaue spanende Bearbeitung, sondern auch eine besonders aufwandsarmes Erfassen des Kraftverlaufs erfolgen kann. Das

Fräswerkzeug kann beispielsweise ein Schaftfräser und das Drehwerkzeug beispielsweise ein Drehmeißel sein.

Ein zweiter Aspekt der Erfindung betrifft eine Prüfvorrichtung zum Prüfen zumindest eines Teil-bereichs eines Bauteils, insbesondere eines Bauteils einer Strömungsmaschine. Die Prüfvorrich-tung ist dazu eingerichtet, bei einem Herstellen des zumindest einen Teilbereichs aus einem Rohbauteil durch spanende Bearbeitung des Rohbauteils mittels zumindest eines Werkzeugs wenigstens einen Kraftverlauf zumindest einer während der spanenden Bearbeitung auf das zumin-dest eine Werkzeug wirkenden Kraft charakterisierende Kraftverlaufs-Sensorsignale von wenigs-tens einem Kraftsensor zu empfangen. Zudem ist die Prüfvorrichtung dazu eingerichtet, anhand der den wenigstens einen Kraftverlauf charakterisierenden Kraftverlaufs-Sensorsignale zu prüfen, ob wenigstens eine Abweichung des wenigstens einen Kraftverlaufs von zumindest einem vorbestimmten Sollverlauf des mindestens einen Kraftverlaufs vorliegt, wobei die wenigstens ei-ne Abweichung zumindest einen in einem unbearbeiteten Segment des Teilbereichs enthaltenen Materialfehler charakterisiert. Die erfindungsgemäße Prüfvorrichtung ermöglicht damit eine aufwandsarme Prüfung von im Inneren eines Bauteils enthaltenen Materialfehlem. Die Prüfvor richtung kann eine Prozessoreinrichtung aufweisen, die zumindest aus einem Mikroprozessor und/oder einem Mikrocontroller besteht. Des Weiteren kann die Prozessoreinrichtung Pro-grammcode aufweisen, der dazu eingerichtet ist, bei Ausfuhren durch die Prozessoreinrichtung zumindest einige Verfahrensschritte des Verfahrens oder zumindest eine Ausfuhrungsform des Verfahrens gemäß dem ersten Erfindungsaspekt durchzufuhren. Der Programmcode kann in ei-nem mit der Prozessoreinrichtung gekoppelten Datenspeicher gespeichert sein. Die Prüfvorrich-tung kann den wenigstens einen Kraftsensor umfassen, wobei die Kraftverlaufs-Sensorsignale auch beispielsweise mit der Prozessoreinrichtung empfangbar und auswertbar sind. Die Prüfvor-richtung kann auch das zumindest eine Werkzeug umfassen. Darüber hinaus kann die Prüfvorrichtung auch eine Antriebsvorrichtung zum Betreiben des Werkzeugs umfassen. Die Antriebsvorrichtung kann das Werkzeug zur spanenden Bearbeitung antreiben und steuern. Die im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren gemäß dem ersten Aspekt der Erfindung vorgestellten Merkmale sowie deren Vorteile gelten entsprechend für die erfindungsgemäße Prüfvorrichtung gemäß dem zweiten Aspekt der Erfindung und umgekehrt.

In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung umfasst die Prüfvorrichtung eine Anzeigeein-richtung zum Anzeigen zumindest der wenigstens einen Abweichung des wenigstens einen Kraftverlaufs von dem zumindest einen vorbestimmten Sollverlauf. Vorzugsweise ist die gesam-te Prüfvorrichtung als tragbares Gerät, vorzugsweise mit eigener Stromversorgung, ausgebildet, so dass zumindest das Empfangen der Kraftverlaufs- Sensorsignale, das Prüfen anhand des Kraft-verlaufs und das Anzeigen zumindest der Abweichung ohne zusätzliche Hilfsmittel direkt am Bauteil erfolgen kann.

Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen, den Figuren und der Figu-renbeschreibung. Die vorstehend in der Beschreibung genannten Merkmale und Merkmalskom-binationen, sowie die nachfolgend in der Figurenbeschreibung genannten und/oder in den Figu-ren alleine gezeigten Merkmale und Merkmalskombinationen sind nicht nur in der jeweils ange-gebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen verwendbar, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen. Es sind somit auch Ausführungen von der Erfindung als umfasst und offenbart anzusehen, die in den Figuren nicht explizit gezeigt und erläutert sind, jedoch durch se-parierte Merkmalskombinationen aus den erläuterten Ausführungen hervorgehen und erzeugbar sind. Es sind auch Ausführungen und Merkmalskombinationen als offenbart anzusehen, die so-mit nicht alle Merkmale eines ursprünglich formulierten unabhängigen Anspruchs aufweisen. Es sind darüber hinaus Ausführungen und Merkmalskombinationen, insbesondere durch die oben dargelegten Ausführungen, als offenbart anzusehen, die über die in den Rückbezügen der Ansprüche dargelegten Merkmalskombinationen hinausgehen oder von diesen abweichen. Dabei zeigt:

Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Bauteils für eine Strömungsmaschine, sowie eines Rohbauteils, aus welchem zumindest ein Teilbereich des Bauteils durch spanende Bear beitung herstellbar ist;

Fig. 2 eine ausschnittsweise Darstellung der Herstellung des Teilbereichs des Bauteils durch spanende Bearbeitung mittels eines als Fräswerkzeug ausgebildeten Werkzeugs, wobei mittels einer schematisch dargestellten Prüfvorrichtung eine Prüfung auf in einem unbe arbeiteten Segment des Teilbereichs enthaltene Materialfehler erfolgt; und

Fig. 3 ein Diagramm, welches einen Kraftverlauf einer während der spanenden Bearbeitung auf das Werkzeug wirkenden Kraft, einen vorbestimmten Sollverlauf des mindestens einen Kraftverlaufs sowie verschiedene Abweichungen des Kraftverlaufs von dem Sollverlauf zeigt, wobei die Abweichungen verschiedene in dem unbearbeiteten Segment des Teilbe- reichs enthaltene Materialfehler charakterisieren.

FIG. 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Rohbauteils 10, welches eine Rohbauteil-Außenkontur aufweist. Die Rohbauteil-Außenkontur stellt eine Außenkontur des Rohbauteils 10 vor einer spanenden Bearbeitung durch ein beispielsweise als Fräswerkzeug ausgebildetes Werk-zeug 16, welches exemplarisch in FIG. 2 gezeigt ist, dar.

Fig. 2 verdeutlicht exemplarisch ein Verfahren zum Prüfen zumindest eines, in Fig. 1 und Fig. 2 gezeigten Teilbereichs 12 eines Bauteils einer Strömungsmaschine, bei welchem in einem Schritt a) zunächst ein Bereitstellen des Rohbauteils 10 erfolgt. In einem Schritt b) erfolgt ein Herstellen zumindest des Teilbereichs 12 aus dem Rohbauteil 10 durch spanende Bearbeitung des Rohbau-teils 10 mittels des Werkzeugs 16 und Erfassen wenigstens eines Kraftverlaufs 18 zumindest ei-ner während der spanenden Bearbeitung auf das zumindest eine Werkzeug 16 wirkenden Kraft durch wenigstens einen Kraftsensor 20. In Schritt c) erfolgt ein Prüfen, ob Abweichungen 22, 24 des wenigstens einen Kraftverlaufs 18 von zumindest einem vorbestimmten Sollverlauf 26 des mindestens einen Kraftverlaufs 18 vorliegen, wobei die Abweichungen 22, 24 jeweilige, in ei nem unbearbeiteten Segment 14 des Teilbereichs 12 enthaltene Materialfehler 28, 36 charakterisieren. Der Kraftverlauf 18, der Sollverlauf 26 sowie die Abweichungen 22, 24 sind in einem, in Fig. 3 gezeigten Diagramm exemplarisch dargestellt. In dem in Fig. 3 gezeigten Diagramm sind auf einer Ordinatenachse Kraftwerte in [N] und auf einer Abszissenachse Zeitwerte in [s] aufgetragen. Als die zumindest eine Kraft wird zumindest eine Schnittkraft herangezogen, welche während der spanenden Bearbeitung auf das zumindest eine Werkzeug 16 wirkt. Die Schnittkraft kann, je nachdem ob das Werkzeugs 16 als Fräswerkzeug oder als Drehwerkzeug ausgebildet ist, aus mehreren Schnittkraft-Komponenten zusammengesetzt sein, zu welchen eine Vorschubkraft, eine Passivkraft sowie, (beim Fräswerkzeug) eine Vorschubnormalkraft gehören können. In Fig.

3 sind die auf der Koordinatenachse aufgetragenen Kraftwerte auf die Passivkraft bezogen.

Die Abweichung 22 charakterisiert vorliegend den Materialfehler 28, wohingegen die Abwei-chung 24 den Materialfehler 36 charakterisiert. Der Materialfehler 28 ist vorliegend als Seige-rung oder als Lunker ausgebildet und stellt damit einen relativ weichen Gefügebereich dar. Der Materialfehler 36 ist vorliegend als Karbidanhäufung ausgebildet und stellt einen im Vergleich zu dem Materialfehler 28 besonders harten Gefligebereich dar, wie aus dem Kraftverlauf 18 er-kennbar ist.

Schritt c) des Verfahrens wird vorliegend während des Herstellens des zumindest einen Teilbereichs 12 aus dem Rohbauteil 10 gemäß Schritt b) durchgeführt. In Schritt c) wird der wenigstens eine Kraftverlauf 18 mit einer Mehrzahl an weiteren Kraftverläufen (welche aus Gründen der Übersichtlichkeit in Fig. 3 nicht weiter dargestellt sind) verglichen. Die weiteren Kraftverläufe charakterisieren jeweils eine spanende Bearbeitung einer Mehrzahl an weiteren, hier nicht weiter dargestellten Bauteilen. Durch das Vergleichen des wenigstens einen Kraftverlaufs 18 mit den weiteren Kraftverläufen können die Abweichungen 22, 24 in dem zumindest einen Teilbereich bewertet werden, wobei die weiteren Bauteile jeweils wenigstens einen im Vergleich zu den Materialfehlem 28, 36 gleichartigen, weiteren Materialfehler aufweisen, und wobei jeweilige weitere Abweichungen der weiteren Kraftverläufe von dem Sollverlauf 26 vorliegen. Die weiteren Kraftverläufe werden zeitlich vor dem wenigstens einen Kraftverlauf 18 ermittelt.

Die jeweiligen weiteren Kraftverläufe der Mehrzahl an weiteren Kraftverläufen können mit aus einer jeweiligen Metallographie der weiteren Bauteile der Mehrzahl an weiteren Bauteilen ermittelten Metallographie-Datensätzen und zusätzlich oder alternativ mit aus einer jeweiligen Niedriglastwechselermüdung der weiteren Bauteile der Mehrzahl an weiteren Bauteilen ermittelten Niedriglastwechselermüdungs-Datensätzen korreliert werden. Die jeweiligen weiteren Kraftverlaufe, die Metallographie-Datensätze und/oder die Niedriglastwechselermüdungs-Datensätze können in einer Materialfehler-Schnittkrafl-Datenbank aufgenommen werden. Die Materialfeh-ler-Schnittkraft-Datenbank kann für die Prüfung des Teilbereichs 12 und damit des Bauteils sowie zur Prüfung zukünftiger Bauteile, welche ebenso wie das Bauteil anhand des Verfahrens bzw. mittels der Prüfvorrichtung 32 geprüft werden können, herangezogen werden, um eine besonders aussagekräftige Prüfung und zuverlässige Detektion von Seigerungen oder anderen Materialfehlem zu ermöglichen. Anhand der Materialfehler-Schnittkraft-Datenbank, welche abgekürzt auch als Datenbank bezeichnet werden kann, kann eine Auftrittswahrscheinlichkeit von

Fehlstellen (Materialfehlem) im Teilbereich 12 und/oder im gesamten Bauteil statistisch bewertet werden, wodurch besonders genaue Aussagen über eine Qualität des Teilbereichs 12 bzw. des Bauteils ermöglicht sind. Dadurch kann nicht spezifikationsgerechtes Material (Ausschuss) früh-zeitig erkannt und separiert werden. Das Verfahren kann auch auf weitere spanende Bearbeitungsverfahren, zu welchen neben dem Fräsen auch beispielsweise Bohren und Räumen gehören, angewendet und dadurch die statistische Aussagefähigkeit noch weiter gesteigert werden. Hierzu kann die Datenbank bei der spanenden Bearbeitung durch die verschiedenen spanenden Bearbei-tungsverfahren ermittelte, weitere Erfahrungsdatensätze umfassen.

Durch Vergleichen des wenigstens einen Kraftverlaufs 18 mit den weiteren Kraftverläufen kann eine jeweilige Position der Materialfehler 28, 36 in dem unbearbeiteten Segment 14 zumindest näherungsweise bestimmt werden.

Die Abweichungen 22, 24 in dem zumindest einen Teilbereich 12 werden unter Verwendung je-weiliger Kraftverlaufsgradienten des wenigstens einen Kraftverlaufs 18 und zusätzlich oder al-temativ der weiteren Kraftverläufe bewertet. In Fig. 3 ist aus Gründen der Übersichtlichkeit le-diglich ein dem wenigstens einen Kraftverlauf 18 zugeordneter Kraftverlaufsgradient 30 der je-weiligen Kraftverlaufsgradienten dargestellt.

Die jeweiligen Kraftverlaufsgradienten des Kraftverlaufs 18 und zusätzlich oder alternativ der weiteren Kraftverläufe sind vorliegend zeitabhängig, wie anhand des Kraftverlaufsgradienten 30 in Fig. 3 erkennbar ist.

Um die Abweichungen 22, 24 zu bewerten kann zumindest eine, durch schichtweisen Materialabtrag von dem Rohbauteil 10 bei der spanenden Bearbeitung bewirkte Steigungsänderung des zumindest einen Kraftverlaufsgradienten 30 über der Zeit herangezogen werden. Wird bei dem schichtweisen Materialabtrag beispielsweise der als Seigerung oder als Lunker ausgebildete Ma-terialfehler 28 mehrmals überfahren, ergibt sich daraus der charakteristische Schnittkraftverlauf 16, welcher ortsgenau (ortsaufgelöst) bewertet und analysiert werden kann.

Die Prüfung in Schritt c) wird mittels eines künstlichen neuronalen Netzes, insbesondere durch ein Deep Leaming- Verfahren durchgeführt. Das künstliche neuronale Netz enthält dabei jeweili- ge, die weiteren Kraftverläufe charakterisierende Datensätze als jeweilige Teile eines Erfah-rungsdatensatzes, wodurch ein Einlemen bewirkt werden kann. Das künstliche neuronale Netz kann beispielsweise anhand der Materialfehler-Schnittkraft-Datenbank eingelemt werden. Somit bilden also die Datensätze, welche die weiteren Kraftverläufe charakterisieren, insgesamt einen Erfahrungsdatensatz. Die Materialfehler-Schnittkraft-Datenbank kann den Erfahrungsdatensatz umfassen.

In Fig. 2 ist stark vereinfacht eine Prüfvorrichtung 32 zum Prüfen des Teilbereich 12 dargestellt. Die Prüfvorrichtung 32 ist dazu eingerichtet beim Herstellen des Teilbereichs 12 aus dem Rohbauteil 10 durch spanende Bearbeitung des Rohbauteils 10 mittels des Werkzeugs 16 den wenigstens einen Kraftverlauf 18 der während der spanenden Bearbeitung auf das Werkzeug 16 wirkenden Kraft zu erfassen, indem die Prüfvorrichtung den Kraftverlauf 18 charakterisierende Kraftverlaufs-Sensorsignale von dem Kraftsensor 20 empfangt. Die Prüfvorrichtung 32 ist zu-dem dazu eingerichtet anhand der den wenigstens einen Kraftverlauf 18 charakterisierenden Kraftverlaufs-Sensorsignale zu prüfen, ob die Abweichungen 22, 24 des Kraftverlaufs 18 von dem vorbestimmten Sollverlauf 26 des Kraftverlaufs 18 vorliegt.

Die Vorschubkraft, die Passivkraft und die Vorschubnormalkraft können anhand des Krafts-ensors 20 getrennt voneinander erfasst und als Zeitreihen beispielsweise mit einer Abtastrate im Bereich von 20 bis 40 kHz digitalisiert, also als die Kraftverlaufs-Sensorsignale an die Prüfvor-richtung 32 oder an eine Prozessoreinrichtung (nicht dargestellt) der Prüfvorrichtung 32 übermit-telt werden.

Die Prüfvorrichtung 32 umfasst zudem eine Anzeigeeinrichtung 34 zum Anzeigen zumindest der wenigstens einen Abweichung 22, 24 des wenigstens einen Kraftverlaufs 18 von dem zumindest einen vorbestimmten Sollverlauf 26.

Durch das vorliegende Verfahren sowie durch die vorliegende Prüfvorrichtung 32 können insbesondere als Seigerung ausgebildete Fehler, wie im vorliegenden Beispiel der Materialfehler 28 detektiert werden. Dadurch kann auf eine aufwändige Ätzprüfung verzichtet werden.

Das Verfahren, bzw. die Prüfvorrichtung 32 ermöglichen es, ein bei der spanenden Bearbeitung zu zerspanendes Volumen des Rohbauteils 10 bzw. des Bauteils und damit auch des Teilbereichs 12 mittels dynamischer Schnittkraftmessung (bei welcher der entsprechende Kraftverlauf 18 er-mittelt wird) hinsichtlich dem Auftreten beispielsweise der Seigerung (Materialfehler 28) oder hinsichtlich eines Auftretens einer Mehrzahl an Seigerungen zu bewerten, wobei beispielsweise eine Größe, eine Lage und zusätzlich oder alternativ ein Sprödverhalten der einzelnen Seigerungen bewertet werden kann.

Gegenüber einer aus dem Stand der Technik bekannten, reinen Oberflächenprüfung durch Ätzen (Ätzprüfung), bei welcher lediglich eine Prüfung eines sich über eine Tiefe von ca. 0,5 mm erstreckenden Prüfvolumens erfolgen kann, kann anhand des Verfahrens bzw. mittels der Prüfvor richtung 32 ein deutlich größeres Volumen bewertet werden.

Bevorzugt kann aus einer Anzahl der Abweichungen 22, 24 und damit der Anzahl der Material-fehler 28, 36 zumindest eine Kennzahl ermittelt werden, welche als Qualitätskriterium für die Herstellung zukünftiger Bauteile, also beispielsweise zukünftiger Turbinenscheiben herangezo-gen werden kann. Diese Kennzahl kann beispielsweise eine Anzahl an Seigerungen je Volumen-element des Rohbauteils 10 und/oder des Teilbereichs 12 oder eine Größenverteilung der Seige-rungen des Rohbauteils 10 und/oder des Teilbereichs 12 charakterisieren.

Bezugsze ichenl iste :

10 Rohbauteil

12 Teilbereich

14 unbearbeitetes Segment

16 Werkzeug

18 Kraftverlauf

20 Kraftsensor

22 Abweichung

24 Abweichung

26 Sollverlauf

28 Materialfehler

30 Kraftverlaufsgradient 32 Prüfvorrichtung 34 Anzeigeeinrichtung

36 Materialfehler