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1. (WO2008077614) VERWENDUNG EINER ZUSAMMENSETZUNG AUS MINERALSTOFFEN UND GEGEBENENFALLS ACETOGENEN UND/ODER BUTYROGENEN BAKTERIEN ZUR VERMEIDUNG ODER REDUZIERUNG VON GASBILDUNG IM DICKDARM EINES SÄUGETIERS UND DADURCH BEDINGTER ABDOMINALER BESCHWERDEN
Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

Beschreibung:

Verwendung einer Zusammensetzung aus Mineralstoffen und gegebenenfalls acetogenen und/oder butyrogenen Bakterien zur Vermeidung oder Reduzierung von Gasbildung im
Dickdarm eines Säugetiers und dadurch bedingter abdominaler Beschwerden.

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Zusammensetzung, umfassend einen oder mehrere Mineralstoffe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Selen, Molybdän oder Wolfram, die galenisch oder chemisch so ausgeführt ist, dass der Mineralstoff oder die Mineralstoffe vollständig oder teilweise erst kurz vor dem, beim oder kurz nach dem Erreichen des
Dickdarmes freigesetzt werden, und deren Verwendung zur Herstellung eines Arzneimittels zur Verabreichung an ein Säugetier, für die Vermeidung oder Reduzierung von Gasbildung im Dickdarm und dadurch bedingter abdominaler Beschwerden, insbesondere Blähungen, Meteorismus oder Bauchkrämpfen.

Die Erfindung betrifft weiter ein Arzneimittel zur Vermeidung oder Reduzierung von Gasbildung im Dickdarm eines Säugetiers und dadurch bedingter abdominaler Beschwerden, bestehend aus einer Zusammensetzung, die einen oder mehrere Mineralstoffe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Selen, Molybdän und Wolfram oder einer Kombination von diesen, und gegebenenfalls einen pharmazeutisch verträglichen Träger umfasst.

Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Isolierung von acetogenen und butyrogenen Bakterienstämmen, die für die oben genannten therapeutische Zwecke geeignet sind.

Technisches Gebiet:

Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Medizin und Pharmakologie.

Stand der Technik:

Eine große Anzahl von Menschen leidet an abdominalen Beschwerden, die größtenteils durch unerwünschte Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen ausgelöst werden, die den menschlichen Darm besiedeln. Zu diesen Stoffwechselprodukten gehören insbesondere in dem Darm gebildete Gase (vornehmlich Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid, Methan, Schwefelwasserstoff und Stickstoff) sowie Milchsäure, kurzkettige Fettsäuren und verschiedene Enterotoxine. Je nach Art und Menge dieser Stoffwechselprodukte entstehen für den
Betroffenen verschiedenartig ausgeprägte Beschwerden. Die gebildeten Gase führen beispielsweise zu abdominalen Beschwerden wie Blähungen, Meteorismus, Bauchkrämpfen und sonstigen darauf zurückgehende Folgeerkrankungen. Zu solchen Folgeerkrankungen gehört beispielsweise eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms (SIBO) in Folge einer durch übermäßigen dickdarmseitigen Gasdruck gestörten Funktion der Ileocaecalklappe.
Bakteriell gebildete Milchsäure kann aufgrund ihrer osmotischen Wirkung zu Durchfällen führen und kann bei einer Absorption durch die Dickdarmschleimhaut pathologische Folgen haben. Wird von den Darmbakterien eine zu hohe Konzentration weniger effizient abbaubarer D-(-)-Milchsäure (d. h. linksdrehender Milchsäure) gebildet, kann es auch zu dem Krankheitsbild einer Lactatazidose kommen.

Enterotoxine können bei Aufnahme in den Blutkreislauf einen Einfluss auf das Nervensystem haben. Beispielsweise können sie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gereiztheit oder sogar einen Bewusstseinsverlust hervorrufen. Ferner können sie lähmend auf die Darmmuskulatur wirken und Obstipationen hervorrufen. Durch eine Reizung der Darmschleimhaut mit anschließender Freisetzung von Flüssigkeit können die Stoffwechselprodukte der Bakterien auch Durchfälle auslösen. Bakteriell gebildete Alkohole werden über die Dickdarmschleimhaut aufgenommen und belasten die Leber, die durch die andauernde Alkoholbelastung geschädigt werden kann.

Solche Beschwerden treten vermehrt und in höherer Intensität auf, wenn diese
Stoffwechselprodukte in größeren Mengen anfallen, was vor allem dann der Fall ist, wenn die Bakterien, die diese Stoffwechselprodukte erzeugen, über normale Maße hinaus mit
Nährstoffen versorgt werden. Dies ist unter anderem der Fall bei Kohlenhydratmalabsorptionen wie zum Beispiel durch Laktasemangel induzierter Lactosemalabsorption,
Fructosemalabsorption, Malabsorptionen von Zuckeralkoholen (z. B. Sorbit, XyNt, Mannit, Lactit, Maltit), Disaccharasemangel und Trehalasemangel, Maldigestionen, die zurückgehen auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz, Magensäuremangel, Gallensäuremangel oder ungenügender Einspeichelung des Nahrungsbreis, Zölliakie, Sprue, Gluten-Unverträglichkeit, bei Störungen des Kauapparates und ebenso bei vermehrter Aufnahme von unverdaulichen
Nahrungsbestandteilen wie resistenter Stärke oder unverdaulichen Inhaltsstoffen aus Kohl und Hülsenfrüchten. Nach Dünndarmresektionen kommt es oft zu teilweisen
Malabsorptionen/Maldigestionen aufgrund einer reduzierten Absorptionsfläche
(Kurzdarmsyndrom).

Auch bei einer mengenmäßig normalen Gasproduktion kann es zu abdominalen Beschwerden kommen, wenn die Nerven im Darmtrakt überempfindlich reagieren. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn wie bei einem Reizdarmsyndrom schon bei einer normalen Dehnung des Darmes, bei der ein normal gesunder Mensch lediglich eine vermehrte Darmtätigkeit
registrieren würde, Schmerzen signalisiert werden. Bei Säuglingen treten infolge der noch nicht ganz ausgereiften Verdauungsorgane oft Malabsorptionen und Maldigestionen auf, die sich dann als sogenannte Dreimonatskoliken erkennbar machen.

Ferner kann es nach Antibiotikabehandlungen des öfteren zum Auftreten von
Darmbeschwerden kommen, was vermutlich auf die Veränderungen in der
Darmflorazusammensetzung zurückzuführen ist (z.B. antibiotikainduzierte Dysbiose).
Bestimmte antibiotikaresistente Bakterien, wie z. B. Clostridium perfringens und Clostridium difficile und Hefen wie z. B. Candida albicans vermehren sich aufgrund fehlender
Nährstoffkonkurrenz übermäßig und tragen durch ihre vermehrt gebildeten
Stoffwechselprodukte zu den Beschwerden bei.

Bei Maldigestionen basierend auf exokriner Pankreasinsuffizienz, Magensäuremangel oder Gallensäuremangel stehen üblicherweise gut wirksame Medikamente zur Verfügung. Allerdings kommt es in einigen Fällen trotzdem nicht zu einer vollständigen Eliminierung der Beschwerden, da sowohl die Dosierung als auch die Verteilung im Speisebrei (z. B. bei Substitution von Pankreasenzymen) nicht in der Weise vorgenommen werden können, wie bei einer
ordnungsgemäßen Organfunktion.

Die Behandlung von Malabsorptionen besteht üblicherweise aus einer Diät, bei der auf die malabsorbierten Nährstoffe weitgehend bis vollständig verzichtet wird. Dies hat unter
Umständen sehr starke Einschränkungen in der Wahl der Lebensmittel zur Folge und bringt oft auch keine vollständige Symptomfreiheit, da bestimmte Nährstoffe, wie z. B. Fructose in fast allen Lebensmitteln zumindest in Spuren vorhanden sind.

Bei der Lactosemalabsorption besteht ferner die Möglichkeit, das fehlende Enzym Laktase in Form von Pulvern, Tabletten oder Kapseln dem Körper zuzuführen, jedoch ergeben sich dabei ähnliche Unzulänglichkeiten hinsichtlich der Dosierung und der Verteilung im Speisebrei, wie bei der Substitution von Pankreasenzymen. Außerdem werden diese Enzyme teilweise aus Pilzkulturen extrahiert, so dass die damit hergestellten Produkte für manchen Allergiker nicht verträglich sind.

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Lactosemalabsorption besteht in der oralen Zufuhr von Lactose verstoffwechselnden Milchsäurebakterien (Lactobacillus spp. und Bifidobacterium spp.). Die Milchsäurebakterien verstoffwechseln dann einen gewissen Anteil der
malabsorbierten Lactose zu Milchsäure, so dass eine geringere Konzentration von Lactose bis in den Dickdarm gelangt und dort somit weniger problematische Stoffwechselprodukte entstehen. Sofern diese Verstoffwechselung im Dünndarm erfolgt, kann ein Großteil der entstandenen Milchsäure resorbiert werden. Der nicht resorbierte Anteil und die erst im
Dickdarm erzeugte Milchsäure kann jedoch weiterhin osmotisch wirksam sein und Durchfälle auslösen.

Da die Durchgangsdauer des Speisebreis durch den Dünndarm relativ kurz ist, kann während dieser Zeit auch nur eine begrenzte Menge Lactose verstoffwechselt werden, so dass mit dieser Methode nur bei recht geringen Lactosemengen eine nahezu vollständige Beschwerdefreiheit erzielt werden kann. Im Dickdarm treten die zugeführten Bakterien zwar auch in
Nahrungskonkurrenz zu den Problemstoff bildenden Bakterien, es findet jedoch eher eine parallele Verstoffwechselung statt, so dass immer noch erhebliche Mengen der problematischen Stoffwechselprodukte entstehen.

Die Verabreichung von milchsäurebildenden Bakterien (Lactobacillus spp. und Bifidobacterium spp.) wird auch bei anderen Störungen als der Lactosemalabsorption angewendet, mit dem Ziel, die Bakterien, welche die problematischen Stoffwechselprodukte erzeugen, zu verdrängen, um so eine Linderung herbeizuführen. Da sich bestimmte Bakterien nur bis zu einer bestimmten Maximalanzahl pro Menge Darminhalt vermehren können, weil dann entweder nicht genügend essentielle Nährstoffe zur Verfügung stehen oder eine Hemmung durch deren eigene
Stoffwechselprodukte erfolgt, können problematische Bakterien durch solche
Verdrängungsversuche nicht vollständig beseitigt werden. Außerdem haben
Milchsäurebakterien oft nur ein recht begrenztes Spektrum an verstoffwechselbaren Substraten, so dass bei der Verursachung der Symptome durch verschiedene unverdauliche Kohlenhydrate meist nicht alle die Symptome verursachenden Lebensmittel entschärft werden. Bei den sogenannten Dreimonatskoliken zum Beispiel besteht die Therapie vor allem in der
Verabreichung von Entschäumern (z. B. Simethicon) und der Anwendung von Bauchmassagen, um die Blähungen zum schnelleren Verlassen des Darmes als Flatus zu bewegen. Auch die Verabreichung von Milchsäurebakterien wird empfohlen, wobei allerdings die gleichen
Beschränkungen hinsichtlich der Wirksamkeit auftreten, wie bei der Behandlung der oben genannten abdominalen Störungen.

Teilweise wird auch versucht, die Beschwerden durch Verabreichung von Antibiotika zu lindern, mit dem Ziel die Bakterien, welche die beschwerdeauslösenden Stoffwechselprodukte produzieren, abzutöten. Das Problem bei diesem Vorgehen besteht jedoch darin, dass trotzdem unverdauliche Nährstoffe den Dickdarm erreichen und dort einen Wachstumsanreiz für Bakterien darstellen, die diese Stoffe verwerten können. In den meisten Fällen wird die
Darmflora nach einer solchen Antibiotikatherapie sich selbst überlassen, in der Hoffnung, dass sich eine günstige Bakterienkonstellation von selbst einpendelt, was leider sehr oft nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt ist.

Einige Therapeuten verordnen Mittel zum Aufbau der Darmflora, die hauptsächlich
Milchsäurebakterien oder nicht pathogene Enterobakterien (Escherichia coli) enthalten. Diese können den Darmfloraaufbau durch die Ansäuerung des Darmlumens und die Besetzung der Darmschleimhaut durchaus positiv beeinflussen, stellen aber keinen zielgerichteten Weg dar, eine unproblematische Entsorgung der durch die Bakterien gebildeten Gase sicherzustellen. Durch die Applikation der zuvor genannten Bakterien kann durch Nahrungskonkurrenz unter Umständen sogar eine zufällige Ansiedelung der erwünschten acetogenen Bakterien verhindert werden.

Auch bei Antibiotikatherapien, die nicht primär zur Bekämpfung bestimmter Bakterien der Darmflora verschrieben werden, versucht man durch Applikation von Milchsäurebakterien oder medizinischen Hefen einen positiven Wiederaufbau der Darmflora zu erreichen, die allerdings die oben beschriebenen Unzulänglichkeiten aufweisen.

Nollet L. et. al., Appl Microbiol Biotechnol, 1997, 48: 99 beschreiben die Wirkung der Zugabe von Peptostreptococcus productus in einem künstlichen Reaktorsystem, das den menschlichen Darm stimuliert, auf die Darmflora und deren Aktivität. Die Autoren zeigen, dass die
Methanproduktion durch Bakterien zu Gunsten der Acetogenese (d. h. die Umsetzung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserstoff (H2) zu Essigsäure) durch Zugabe dieses
Bakterienstammes verändert werden kann. Allerdings lässt diese Wirkung recht schnell nach, wenn die Verabreichung der Bakterien in das System beendet wird. Zwar produzieren die acetogenen Bakterien noch weiterhin Essigsäure, jedoch primär durch heterotrophe Homoacetogenese und nicht durch die erwünschte hydrogenotrophe reduktive Acetogenese. Daher wäre dieser Ansatz für eine pharmazeutische Zusammensetzung nicht zufriedenstellend.

Ein Bakterienstamm mit ähnlichen biochemischen Eigenschaften, Ruminococcus
hydrogenotrophicus, wird von Bernalier A. et. al., Arch Microbiol, 1996, 166: 176 beschrieben. Der Stamm wurde aus menschlichen Fäkalien extrahiert und ist in vitro zur H2/CO2-Umsetzung fähig.

In den Patentanmeldungen US 2004/002 86 89 und WO 02/07741 werden nicht lebensfähige oder attenuierte pathogene Clostridien mit einem oder mehreren anderen nicht pathogenen oder attenuierten pathogenen Mikroorganismen zur Beeinflussung der Mikroflora im Darm verabreicht. Die Verabreichung von acetogene Bakterien mit oder ohne Mineralstoffe/Vitamine wird jedoch nicht erwähnt.

Ein anderer Ansatz wird in der DE 102 06 995 versucht. In dieser Druckschrift wird ein
Präbiotika enthaltendes Mikronährstoffkombinationsprodukt beschrieben, das als diätisches Lebensmittel für medizinische Zwecke eingesetzt werden kann. Das Kombinationsprodukt enthält Bakterien wie Bifidobacterium, Lactobacillus, Enterococcus oder andere probiotische Kulturen zusammen mit Vitaminen und Mineralstoffen. Das Kombinationspräparat soll beispielsweise bei Allergien, Chemo- und Strahlentherapie, Gastroenteritiden, chronischentzündlichen Darmerkrankungen oder Lactoseintoleranz eingesetzt werden.

Aus der Tatsache, dass die meisten Menschen mit gastrointestinalen Störungen, die
Malabsorptionen verursachen, keine, oder nur geringfügige Beschwerden haben, und diese Menschen gegenüber symptombehafteten Malabsorbern erhöhte Mengen an Essigsäure im Stuhl aufweisen (Born et al.), kann davon ausgegangen werden, dass Säugetiere mit einer ausreichenden reduktiv acetogenen Stoffwechselleistung ihrer bakteriellen Darmflora keine oder nur unwesentliche Beschwerden durch Malabsorptionen haben, und dass bei Säugetieren, bei denen nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die für sie nicht absorbierbare
Nahrungsbestandteile enthalten, abdominale Beschwerden auftreten, die reduktiv acetogene Stoffwechselleistung der bakteriellen Darmflora vermindert ist.

Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Zusammensetzung und ein Verfahren bereitzustellen, die/das zur Vorbeugung oder Behandlung erhöhter Gasbildung im Dickdarm und dadurch bedingter abdominaler Beschwerden oder gastrointestinaler Störungen geeignet ist.

Die Lösung der Aufgabe besteht in der Bereitstellung einer Zusammensetzung, die einen oder mehrere Mineralstoffe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Selen, Molybdän und Wolfram oder einer Kombination von diesen, und gegebenenfalls einen pharmazeutisch verträglichen Träger umfasst. Diese Zusammensetzung ist zur Vorbeugung oder Behandlung erhöhter Gasbildung im Dickdarm und dadurch bedingter abdominaler Beschwerden wie beispielsweise Blähungen, Meteorismus, Bauchkrämpfen, Dreimonatskoliken, Irritated Bowel Syndrom, Reizdarm, oder zur Behandlung gastrointestinaler Störungen, welche Gasbildung im Dickdarm zur Folge haben können, verwendbar. Von der Erfindung umfasst sind ferner Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel, welche die zuvor genannten Mineralstoffe umfassen, und für die Reduktion oder Vermeidung von Gasbildung im Dickdarm verwendet werden.

Vorteilhafte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen.

Darstellung der Erfindung:

Die Erfindung basiert auf der überraschenden Entdeckung, dass Selen, Molybdän und insbesondere Wolfram, allein oder beliebiger Kombination, eine deutliche Reduzierung oder Vermeidung von Gasbildung im Dickdarm eines Säugetiers bewirken. Eine solche
dickdarmgezielte Wirksamkeit der zuvor genannten Mineralstoffe zur Behandlung und Vorbeugung von durch eine erhöhte Gasbildung bedingten abdominalen Beschwerden in vivo ist neu und überraschend.

Der Begriff „Mineralstoff oder Mineralstoffe", wie hier verwendet, insbesondere die in der Erfindung benanspruchten Mineralstoffe Selen, Molybdän und Wolfram umfassen Naturstoffe, Reinstoffe, chemisch modifizierte Varianten davon, Verbindungen, Derivate und Analoge des jeweiligen Mineralstoffes. Beispiele hierfür sind Natriumwolframat, Natriumselenit,
Natriumselenat, Selenomethionin, Natriummolybdat, Selenhefe, Wolframphytat, Selenphytat, Wolframoxalat, Wolframtannin.

Durch die erfindungsgemäße Mineralstoffzusammensetzung kann eine deutliche Reduzierung der Gasmenge im Darm erreicht werden, die bei den vorgenannten gastrointestinalen
Störungen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führt.

In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, dass neben den beanspruchten Mineralstoffen ein oder mehrere acetogene oder butyrogene Bakterienstämme gleichzeitig, nacheinander oder als Bestandteil der Zusammensetzung dem Säugetier verabreicht werden. Durch die Wirkung der beanspruchten Mineralstoffe wird die Population und/oder Stoffwechselaktivität der
Bakterien so gefördert, dass die Anzahl und/oder Menge der verabreichten Bakterien möglichst gering gehalten und/oder die Verabreichungsfrequenz gesenkt werden kann. Diese Variante ist Bestandteil einer bevorzugten Ausführungsform.

Ein Vorteil der Erfindung besteht darin, auch Beschwerden, die nicht hauptsächlich durch das vermehrte Aufkommen von Darmgasen verursacht werden, sondern von einer durch
malabsorbierte Nahrungsbestandteile ausgelösten osmotisch bedingten vermehrten
Flüssigkeitsmenge im Darm, behandeln zu können.
Dadurch können mehrere Hauptsymptome der genannten gastrointestinalen Störungen, welche oft auch in Kombination auftreten, gleichzeitig durch eine einzige kombinierte
Zusammensetzung behandelt werden.

Der Erfinder hat festgestellt, dass die Vermehrungsfähigkeit der für die Gasreduktion
verantwortlichen acetogenen Bakterien im Darm eines Säugetiers (wie z. B. der Kolon eines Menschen) größtenteils davon abhängt, wie gut die Mikroorganismen mit Energiequellen (z. B. verwertbaren Kohlenhydraten), und Zellbaustoffen (z. B. Stickstoff) sowie mit weiteren Co-Faktoren (z. B. Vitamine und Mineralstoffen) versorgt werden. Insbesondere hat der Erfinder der vorliegenden Erfindung festgestellt, dass die gewünschte Stoffwechselaktivität der einzelnen Bakterien dagegen davon abhängt, in welchen Konzentrationen sie mit bestimmten
Mineralstoffen versorgt werden, und mit welcher Aktivität die benötigten Enzyme für die jeweiligen Stoffwechselvorgänge somit gebildet werden können.

Auch bei ständiger erneuter Zufuhr acetogener Bakterien ergibt sich das Problem, dass die Bakterien sich zwar möglicherweise im Laufe der Darmpassage zahlenmäßig vermehren, sich die reduktiv acetogene Stoffwechselleistung der gesamten acetogenen Bakterien jedoch nicht wesentlich erhöht, da mangels benötigter Mineralstoffe die Gesamtmenge der Enzyme nicht signifikant erhöht werden kann.

Ferner ist eine ausreichende Versorgung der dickdarmständigen acetogenen Bakterien mit den benötigten Mineralstoffen über eine normale Diät nicht möglich, da die benötigten
Schwermetalle vermutlich bereits im Dünndarm zu einem großen Teil von der Darmschleimhaut absorbiert werden und so im Dickdarm nicht mehr in ausreichender Menge den acetogenen Bakterien zur Verfügung stehen.

Auch eine gezielte Erhöhung der entsprechenden Mineralstoffe in der Diät stellt keine Lösung des Problems dar, da diese in höheren Konzentrationen toxisch für den Wirtsorganismus sind. Hier greift nun die vorliegende Erfindung, in der die Nachteile der bekannten Verfahren und Bakterienstämme auf wirksame Weise überwunden werden. Sie beeinflusst zum einen die Anzahl acetogener Bakterien und das Gleichgewicht der Population von in der Darmflora bereits vorhandener acetogener Bakterien. Zum anderen fördert sie die zur Vermeidung von
Gasbildung erforderlichen Stoffwechselwege acetogener Bakterien.

Die Erfindung schlägt zur Vermeidung abdominaler Beschwerden eine pharmazeutisch wirksame Zusammensetzung vor, welche die für die reduktive Acetogenese benötigten
Schwermetalle Selen, Molybdän und/oder Wolfram, entweder allein oder in beliebiger
Kombination enthält und vorzugsweise in einer galenischen Form zubereitet wird, so dass die wirksamen Bestandteile erst kurz vor, bei oder kurz nach dem Erreichen des Dickdarms freigesetzt werden. Dadurch wird die Verfügbarkeit der Schwermetallionen für die acetogenen Bakterien des Darms erheblich gesteigert und gleichzeitig der Anteil der vom Wirtsorganismus absorbierten Schwermetalle stark vermindert, so dass die Versorgung der acetogenen
Bakterien sichergestellt wird, ohne den Wirtsorganismus einer zu hohen Schwermetalldosis auszusetzen.

Für Fälle, in denen die acetogenen Bakterien mit geringeren Mineralstoffkonzentrationen auskommen, und diese mit Darreichungsformen erreicht werden, die nicht zur möglichst ausschließlichen Freisetzung im Dickdarm konzipiert sind, ohne den Wirt einer akuten
Vergiftungsgefahr auszusetzen, schlägt die Erfindung außerdem eine Zusammensetzung vor, die nicht dünndarmresistent umhüllt ist.

Erfindungsgemäß haben sich die Mineralstoffe Selen, Wolfram und Molybdän zur Vermehrung und Förderung acetogener Bakterien und deren reduktiv acetogener Stoffwechselleistung im Dickdarm und damit zur Reduktion oder Vermeidung der Gasbildung als vorteilhaft erwiesen.

Die Mineralstoffe können einzeln oder in beliebiger Kombination in der Zusammensetzung entweder als Reinstoff, Naturstoff, chemische Verbindung, Derivat oder Analog enthalten sein. Beispielsweise können die Mineralstoffe so modifiziert sein, dass deren Freisetzung und
Wirksamkeit im Dickdarm gefördert wird. Dies kann durch Bindung des Mineralstoffes an eine chemische Verbindung erreicht werden.

In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Erfindung zusätzlich Vanadium, Nickel, Eisen, Natrium, oder Kalium, entweder einzeln oder in beliebiger Kombination, auch mit den zuvor genannten Mineralstoffen.

Daneben haben sich die folgenden Vitamine für die Vermehrungsfähigkeit und
Stoffwechselaktivität acetogener Bakterien als vorteilhaft erwiesen: Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Vitamin K.

Bevorzugt sollen Mineralstoffe und Vitamine in einer Verabreichungsform in der
Zusammensetzung enthalten sein. Je nach Zustand der Darmflora und Krankheitsbild sollte die Zusammensetzung zusätzlich einen oder mehrere Stämme acetogener oder gegebenenfalls butyrogener Bakterien und/oder Enterobakterien enthalten.

Die bevorzugte Verabreichungsform für die erfindungsgemäße Zusammensetzung und daraus hergestellte Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist eine orale oder rektale
Verabreichung.

Die galenische Aufbereitung kann beispielsweise aus einer Magensaft- und Dünndarm-resistenten Kapsel oder Tablette bestehen, deren Hülle sich nach einer bestimmten Zeit nach dem Verlassen des sauren Magenmilieus im Dickdarm auflöst.

Vorzugsweise wird die Zusammensetzung und ihre aktiven Bestandteile innerhalb eines Zeitraumes von 3 Stunden, vorzugsweise 6 Stunden, am meisten bevorzugt 12 Stunden im Dickdarm kontinuierlich freigesetzt. Diese Zeit soll das Intervall von einer Hauptmahlzeit zur anderen überbrücken. Bei täglicher Zunahme über mehrere Tage stellt sich die erwünschte Wirkung ein (siehe Beispiele 1 und 4).

Vorzugsweise besteht die galenische Aufbereitung aus einer Kapsel, deren Hülle durch Enzyme von dickdarmständigen Bakterien aufgelöst wird. Dem Fachmann stehen für die erfindungsgemäße galenische Aufbereitung die weiteren bekannten Techniken zur Verfügung, die in der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden können. Durch die Verwendung einer galenischen Zubereitung und gezielte Freisetzung im Dickdarm, kann die Darmflora acetogener Bakterien gezielt aufgebaut oder regeneriert werden. Durch den Zusatz von Mineralstoffen und/oder Vitaminen ist ferner die langfristige Erhaltung der Population und Stoffwechselaktivität dieser Stämme und damit der Therapieerfolg sichergestellt, ohne dass eine laufende
Verabreichung lebensfähiger acetogener Bakterien notwendig ist. Die Aufnahme von
acetogenen Bakterien kann sich nämlich in einigen Fällen auch als nachteilig herausstellen, wenn beispielsweise der Körper gegen einen bestimmten (nicht autologen) Stamm empfindlich reagiert oder Allergien entwickelt. Die Aufnahme von Mineralstoffen oder Vitaminen hingegen führt zur einer gezielten Stimulation von autologen Bakterien, die bereits in der Darmflora vorhanden sind. Auch bei Verwendung autologer Stämme von acetogenen Bakterien zur Erhöhung der Populationsdichte im Darm ist es vorteilhaft eine andauernde Einnahme vermeiden zu können, da Präparate mit autologen Stämmen naturgemäß aufwendig und teuer in der Herstellung sind, da sie für jedes Individuum separat hergestellt werden müssen, also (im Gegensatz zu einem Mineralstoffpräparat) nicht großtechnisch produziert werden können.

Bevorzugt sind die Mineralstoffe in einer Konzentration von 1 μg bis 3 mg pro Element und/oder die Vitamine in einer Konzentration von 1 IE bis 1000 IE (IE = Internationale Einheit) und/oder die acetogenen Bakterien in einer Konzentration von 1x105 bis 1x1013 KBE (KBE = Koloniebildende Einheit) und/oder die butyrogenen Bakterien in einer Konzentration von 1x105 bis 1x1013 KBE in der Zusammensetzung enthalten.

Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung schlägt vor, den acetogenen Bakterien die benötigten Mineralstoffe als chemische Verbindungen zur Verfügung zu stellen, die im oder vom Darm des Wirtes nicht oder nur in geringem Maße absorbiert werden. Dadurch stehen sie den acetogenen Bakterien zu Verfügung, welche die Verbindungen für ihren eigenen Stoffwechsel verwerten können. Ferner können die Verbindungen im Dickdarm gespalten werden (z. B. durch Enzyme von dickdarmständigen Bakterien) und die so freigewordenen Mineralstoffe können von den acetogenen Bakterien verwertet werden. Als geeignete Verbindungen haben sich
Mineralstoffverbindungen mit Phytinsäure, Tanninen, Gerbsäuren oder Oxalsäure erwiesen. Phytate können beispielsweise von bakteriellen Phytasen gespalten werden, wodurch die gebundenen Mineralstoffe (wie zum Beispiel Selen oder Wolfram) im Dickdarm verfügbar werden.

In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird vorgeschlagen, die Mineralstoffe Selen, Wolfram und/oder Molybdän und gegebenenfalls Eisen, einzeln oder in beliebiger Kombination miteinander, in einer galenischen Aufbereitung zuzuführen, die so ausgeführt ist, dass der oder die Mineralstoffe zeitlich verzögert freigesetzt werden, vorzugsweise, aber nicht ausschließlich, mit einer gleichmäßigen Wirkstofffreigabe über 48 Stunden Dem Fachmann stehen dafür im Stand der Technik viele galenische Ausführungsmöglichkeiten zur Verfügung, von denen einige Beispiele auch in dieser Beschreibung erwähnt werden.

Dadurch, dass die durchschnittliche Verweilzeit im Dünndarm ca. 3 Stunden beträgt, werden bei einer Freigabedauer von 48 Stunden 6,25% der Mineralstoffe bereits im Dünndarm freigesetzt, und über die Dünndarmschleimhaut ins Blut des Säugetiers aufgenommen. Hierdurch kann bei Verwendung von Mineralstoffen, die bei dem Säugetier in geringen Mengen
gesundheitsförderlich sind, in größeren Mengen allerdings toxisch wirken, erreicht werden, dass das behandelte Säugetier mit geringen, physiologisch wertvollen Mengen des Mineralstoffs oder der Mineralstoffe versorgt wird, die größeren Mengen jedoch im Dickdarm den acetogenen Bakterien zur Verfügung stehen. Damit zumindest ein Teil der Mineralstoffe den Dickdarm erreicht, wird vorzugsweise eine Freisetzungsdauer von mindestens 3 Stunden gewählt.

Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung schlägt vor, den acetogenen Bakterien gezielt Stickstoff- und/oder Energielieferanten zuzuführen, um deren Wachstum zu steigern.
Vorzugsweise handelt es sich um stickstoffhaltige Verbindungen oder Kohlenhydrate, die wenig oder kaum vorm Darm absorbiert werden. Bevorzugt sind solche Verbindungen, die zu maximal 75 %, bevorzugt maximal 50 % und am meisten bevorzugt maximal 25 % oder weniger vom Darm absorbierbar sind. Beispiele solcher Verbindungen sind Harnstoff, Difructoseanhydrid, Rhamnose, wobei die Erfindung nicht auf diese Beispiele beschränkt sein soll.
Harnstoff wird vom menschlichen Darm nicht absorbiert, und steht somit im Dickdarm zur Verfügung, wo er von den acetogenen Bakterien zum Aufbau von zur Vermehrung notwendigen Aminosäuren benutz wird.

Sind im Dickdarm des zu therapierenden Individuums bereits acetogene Bakterien mit einem ausreichenden Stoffwechselpotenzial vorhanden, kann deren Population und
Stoffwechselaktivität so weit gesteigert werden, dass ein ausreichender Therapieerfolg bevorzugt ohne die Zufuhr von in vitro gezüchteten acetogenen Bakterien erreicht wird. Dies hat große Vorteile, da nicht autologe Stämme oft schwierig im Darm anzusiedeln sind, weil sie bestimmte Umgebungsfaktoren, auf die sie angewiesen sind, in dem zu therapierenden Individuum nicht vorfinden. Außerdem ist es nicht auszuschließen, dass nicht autologe Stämme, auch wenn sie als potenziell nicht pathogen bekannt sind, bei bestimmten Individuen pathogene Reaktionen auslösen können. Die Applizierung von autologen Stämmen, die diese Nachteile nicht aufweisen, ist daher ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung. Diese Stämme können über das erfindungsgemäße Verfahren für jedes zu therapierende Individuum isoliert und dann gezüchtet werden.

In einigen Fällen kann es erforderlich sein, neben den erwähnten Mineralstoffen und/oder Vitaminen acetogene Bakterien gegebenenfalls in Kombination mit anderen Bakterienstämmen zu verabreichen. Dies ist beispielsweise dann notwendig, wenn die Stoffwechselaktivität der acetogenen Bakterien im Dickdarm nicht die erforderliche Wirksamkeit aufweist oder
Stoffwechselprozesse von anderen Darmbakterien die gewünschte Acetogenese inhibieren.

Vorzugsweise werden die Mineralstoffe oder Vitamine daher mit einem hydrogenotrophen acetogenen Bakterienstamm als Kombinationspräparat oral oder rektal dem Wirt verabreicht. Hierfür geeignete Stämme sind vorzugsweise solche, die Fructose und/oder Lactose
verstoffwechseln können, beziehungsweise das von dem zu therapierenden Individuum malabsorbierte Kohlenhydrat. Als geeignet haben insbesondere Bakterien aus der Gattung Ruminococcus, Eubacterium oder Clostridium erwiesen. Besonders bevorzugte Stämme für die vorliegende Erfindung sind Ruminococcus hydrogenotrophicus, Ruminococcus productus und Clostridium coccoides, Clostridium formicoaceticum und Eubacterium limosum.

Da jeder Bakterienstamm spezielle Anforderungen an seine Umgebung stellt und diese
Umgebung der Dickdarm des Wirtes ist, der individuell verschiedene Umgebungsparameter aufweist, wie PH-Wert, Redoxpotenzial, bakterielle Toxine konkurrierender Bakterien, schlägt die Erfindung als vorteilhafte Ausführungsart vor, mehrere verschiedene acetogene
Bakterienstämme zu applizieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass mindestens ein Stamm im Darm des Wirtes ausreichend Überlebens- und vermehrungsfähig ist.

Ein besonderer Vorteil der gemeinsamen Verabreichung von acetogenen Bakterien und von Mineralstoffen, die für die Bildung der für die reduktiven Acetogenese benötigten Enzyme benötigt werden, ist, dass bei zahlenmäßiger Vermehrung der acetogenen Bakterien im Darm des Wirtes genügend Mineralstoffe zur Verfügung stehen, damit die durch Teilung vermehrten Bakterien nicht jeweils nur die bei der Teilung halbierte Menge an Enzymen zum Verbleib haben, sondern durch Synthese der benötigten Enzyme die volle reduktiv acetogene Stoffwechselleistung erbringen können, und die reduktiv acetogene Stoffwechselleistung der acetogenen Bakterienpopulation im Laufe der Darmpassage deutlich ansteigt. Dadurch kann im Falle einer erforderlichen Zufuhr von acetogenen Bakterien die benötigte Menge zugeführter Bakterien signifikant reduziert und die mit der Behandlung verbundenen Kosten deutlich gesenkt werden.

Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, dass die Verfügbarkeit von Selen, Wolfram und/oder Molybdän im Dickdarm des Säugetiers sichergestellt wird. Erst nach dem die erfindungsgemäßen Mineralstoffe in einer Form zugeführt wurden, die eine Absorption im Dünndarm weitgehend verhindert, konnte auch nach dem Absetzen der Zufuhr von frischen, in einem mineralstoffhaltigen Medium angezüchteten acetogenen Bakterien, eine ausreichende reduktiv acetogene Stoffwechseltätigkeit erhalten werden (siehe Beispiel 1 , Phasen H, I und K), ohne den Wirt dem Risiko einer chronischen Schwermetallvergiftung auszusetzen.

Es wurde weiterhin festgestellt, dass beim Eintritt von größeren Mengen malabsorbierter oder maldigestierter Nährstoffe, die Konzentration der von den acetogenen Bakterien gebildeten Essigsäure durch die reduktive und/oder heterotrophe Acetogenese stark ansteigen kann, was die Stoffwechselleistung der acetogenen Bakterien hemmen kann. Je nach Spezies verarbeiten die acetogenen Bakterien H2 und CO2 bis zu einer bestimmten Essigsäurekonzentration sehr effizient, während die Effizienz bei höheren Essigsäurekonzentrationen aufgrund der
Produktinhibition deutlich nachlässt.

Es wurde daher nach einer Möglichkeit gesucht, die Essigsäurekonzentration zu vermindern, was erfindungsgemäß durch eine gleichzeitige Zufuhr von butyrogenen Bakterien oder durch gezielte Stimulierung der bereits im Darm vorhandenen butyrogenen Bakterien erreicht werden konnte. Diese Bakterien verstoffwechseln einen beträchtlichen Anteil der anfallenden
Essigsäure zu Buttersäure, wodurch sie die Essigsäurekonzentration senken und dadurch sowohl das Wachstum, als auch die Stoffwechselleistung der acetogenen Bakterien deutlich erhöhen.

Es wird daher in einer weitergehenden Ausgestaltung der Erfindung vorgeschlagen, dass die der Erfindung zugrundeliegende Zusammensetzung zusätzlich butyrogene Bakterien, (z. B. Fusobacterium, Faecalibacterium, Eubacterium, mit oder ohne Mineralstoffen bzw. Vitaminen) enthält. Besonders vorteilhaft sind Stämme, die vorwiegend Essigsäure zu Buttersäure verstoffwechseln. Ein besonders vorteilhaftes Beispiel ist Faecalibacterium prausnitzii.

Für die Fälle, in denen auf eine Verabreichung von Mineralstoffen und Vitaminen sowie Energie-und Stickstoffquellen für eine Förderung der acetogenen Bakterien verzichtet werden kann, wird eine Zusammensetzung vorgeschlagen, die butyrogene Bakterien enthält.

In einer weiteren Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung enthält die Zusammensetzung Mineralstoffe, Vitamine und/oder Stickstoffdonatoren und gegebenenfalls durch die butyrogenen Bakterien verwertbare zusätzliche Energie- und Kohlenstoffquellen (z. B. Kohlenhydrate). In dieser Kombination ist es möglich, die butyrogenen Bakterien in ihrem Wachstum und ihrer Stoffwechselaktivität zu fördern und durch den damit verbundenen Umsatz von Essigsäure eine optimale Aktivität der Population acetogener Bakterien im Dickdarm zu erreichen. Vorzugsweise sollten die Stickstoffverbindungen und Kohlenhydrate nicht oder nur wenig vom Darm absorbiert werden, was entweder durch die für den Wirtsorganismus vorwiegend nichtdigestierbare Natur dieser Zusatzstoffe erreicht werden kann oder durch die Verwendung einer entsprechenden galenischen Aufbereitung.

Die Begünstigung einer Ansiedelung bzw. Erhaltung und Regenerierung acetogener Bakterien, beziehungsweise deren Stoffwechselaktivierung im Dickdarm hat sich, wie anfangs erwähnt, insbesondere zur Behandlung und Therapie von abdominalen Beschwerden als wirksam herausgestellt.

Die positiven Auswirkungen der erfindungsgemäßen Zusammensetzung beschränken sich jedoch nicht nur auf die Behandlung von abdominalen Beschwerden, sondern sind auch bei einer prophylaktischen Anwendung erkennbar. Es können nicht menschliche Säugetiere wie Hund, Katze, Schweine, Rind, Schaf, Ziege oder andere Nutztiere und der Mensch mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung behandelt werden.

Die Verabreichung der Zusammensetzung erfolgt vorzugsweise oral über die zuvor erwähnten magen- und dünndarmresistenten Kapseln. Alternativ kann die Zusammensetzung auch als Zäpfchen rektal oder eine Hydro-Colon-Therapie verabreicht werden.

Es hat sich gezeigt, dass bei hohen Mineralstoffspiegeln im Darminhalt die Mineralstoffe teilweise auch von der Dickdarmschleimhaut aufgenommen werden, was die Toxizitätsgefahr erhöht und die Verfügbarkeit für die Darmbakterien vermindert. Deshalb schlägt die Erfindung in einer bevorzugten Ausführungsform vor, dass die Freisetzung der Mineralstoffe verzögert wird, z.B. als Bestandteil des Matrixkerns einer dünndarmresistent beschichteten Tablette, einer Kapsel mit Diffusionsmembran, einer Kapsel mit definierter MikroÖffnung und
osmosegesteuerter Freisetzung, oder andere geeignete galenische Aufbereitungen, und dafür sorgt, dass die Mineralstoffspiegel am Dickdarmanfang nicht zu hoch sind, und sich im Laufe der Passage des Darminhalts durch den Dickdarm nicht zu sehr absenken, und somit immer ein möglichst optimaler Mineralstoffspiegel vorhanden ist. Somit ergibt sich am Anfang des
Dickdarms eine geringere unerwünschte Absorption und am Ende der Darmpassage ein ausreichend hoher Mineralstoffspiegel um eine effektive reduktiv acetogene
Stoffwechselleistung der acetogenen Bakterien sicherzustellen.

Bevorzugt werden abdominale Beschwerden behandelt bzw. vorgebeugt, die durch folgende gastrointestinale Störungen verursacht werden, bzw. würden: Fructosemalabsorption,
Fructoseintoleranz, Lactoseintoleranz, Irritiertes Bowel Syndrom (Reizdarmsyndrom),
Disaccharasemangel, Trehalasemangel, Kurzdarmsyndrom, Morbus Crohn, Dreimonatskoliken, exokrine Pankreasinsuffizienz, Gallensäuremangel, Magensäuremangel, antibiotikainduzierte Dysbiose der Darmflora, Zölliakie, Sprue, Gluten-Unverträglichkeit, Histaminintoleranz.

Auch während oder nach einer Antibiotikatherapie, Hydro-Colon-Therapie und Darmlavagen oder gastrointestinalen Infektionen, zum Beispiel mit Enteroviren oder pathogenen
Enterobakterien, kann eine Verabreichung der beschriebenen erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen empfohlen sein. Insbesondere bei einer Antibiotikatherapie wird durch den Wiederaufbau der durch das/die Antibiotikum(ka) gestörten Darmflora sichergestellt, dass sich eine ausreichende Anzahl von acetogenen und/oder butyrogenen Bakterien ansiedelt, um Abdominalbeschwerden nach dem Verzehr von unverdaulichen Nahrungsbestandteilen (z. B. Ballaststoffen) oder bei Malabsorptionen und Maldigestionen zu verhindern oder zumindest zu lindern. Es ist daher vorgesehen, die dieser Erfindung zugrundeliegenden Zusammensetzungen auch während und/oder nach einer Antibiotikatherapie zur Unterstützung des
Darmflorawiederaufbaus zu verwenden.

Eine Kombination mit üblichen Milchsäurebakterien wie Laktobazillen, Bifidobakterien,
Enterokokken und nicht pathogenen Enterobakterien wie ausgesuchte Stämme von Escherichia coli ist ebenfalls möglich und im Einzelfall je nach Zustand der Darmflora und den auftretenden Symptomen anzuwenden.

Bei Verabreichung an weibliche Betroffene enthält die erfindungsgemäße Zusammensetzung bevorzugt Selen und/oder Wolfram. Wolfram hat sich als besonders vorteilhaft zur Behandlung und Prophylaxe abdominaler Beschwerden und Störungen beim Menschen herausgestellt. Selen wird natürlicherweise schon im oberen Dünndarm beim Menschen absorbiert wird und kann daher (ohne externe Versorgung) nicht den acetogenen Bakterien im Dickdarm zur

Vermeidung oder Vorbeugung der Gasbildung zur Verfügung stehen. Ferner wurde festgestellt, dass Wolfram von weiblichen Betroffenen im starken Maße absorbiert wird, was ein Grund ist, warum weibliche Betroffene sehr oft über eine stärkere Gasbildung klagen, als männliche Betroffene.

Die Erfindung betrifft ferner die Verwendung eines butyrogenen Bakterienstamms zur
Behandlung und/oder Vorbeugung abdominaler Beschwerden in einem Säugetier, die von einer verminderten reduktiv acetogenen Stoffwechselleistung begleitet sind. Für diese
Zusammensetzungen gelten die für die acetogenen Bakterien vorstehend beschriebenen Varianten und Ausführungsformen entsprechend.

Für eine Ansiedelung von zugeführten butyrogenen Bakterien im menschlichen Darm spielt die Generationszeit bei der Verstoffwechselung von Essigsäure und Kohlenhydraten eine große Rolle. Für den therapeutischen Erfolg ist die Stoffwechselkapazität unter den jeweils
herrschenden Bedingungen zu beachten, was durch die Essigsäureabbaukapazität biochemisch über bekannte Verfahren gemessen werden kann. Beispielhafte Gattungen von butyrogenen Stämmen sind: Fusobacterium, Faecalibacterium, Eubacterium, Clostridium.

Um solche vorteilhaften butyrogenen Bakterienspezies oder Bakterienstämme zu finden wird deshalb in einer weiteren Ausführungsform der Erfindung vorgeschlagen, diese aus
menschlichen Fäkalien zu isolieren, da dort autologe butyrogene Bakterien vorhanden sind, welche die erforderliche Überlebensfähigkeit im menschlichen Darm aufweisen. Im Allgemeinen werden in der Mikroflora des Darmes nur solche butyrogene Bakterien überleben, welche über die entsprechenden Stoffwechselaktivitäten verfügen und sich gegenüber anderen Bakterien durchgesetzt haben. Auf diese Weise kommt eine natürliche Selektion von Bakterienstämmen mit den erwünschen Stoffwechselkapazitäten zustande.

In einer bevorzugten Ausführungsform wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren eine Verdünnungsreihe mit den isolierten butyrogenen Bakterien in einem geeigneten Lösungsmittel angelegt und auf ein anaerobes Wachstumsmedium, das Essigsäure als einzige Energiequelle sowie einen Essigsäureindikator besitzt, aufgebracht. Vorzugsweise erfolgt die Aufzucht dieser isolierten butyrogenen Bakterien unter anaeroben Bedingungen, gegebenenfalls unter einer Stickstoffatmosphäre.

Die Stuhlproben sollten vorzugsweise von Menschen stammen, die eine dem Beschwerdebild zugrundeliegende Ursache aufweisen, jedoch total oder zumindest weitgehend symptomfrei sind. Nach Born et al. weisen nur ca. 40% der Fructosemalabsorber gastrointestinale
Symptome auf. Der Erfinder vermutet, dass die symptomfreien Malabsorber über ausreichend effizient arbeitende acetogene und/oder butyrogene Bakterien verfügen, so dass solche symptomfreien Malabsorber bevorzugt als Bakterienlieferanten in Frage kommen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, solche butyrogenen Bakterien zu finden, die an die Verwertung von Essigsäure, die bei diesen Menschen durch die acetogenen Bakterien produziert wird, adaptiert sind und diese effektiver zu Buttersäure abbauen können.

Die sich durch eine kurze Generationszeit (als große Zellkolonien sichtbar) und einen starken Essigsäureverbrauch (Indikatoransprechen) auszeichnenden Kulturen werden bevorzugt nach ihrer Generationszeit bei Verstoffwechselung von Essigsäure isoliert und charakterisiert. Analog zu der Isolierung bevorzugter butyrogener Bakterienstämme wird vorgeschlagen mit
entsprechenden Verfahren bevorzugte acetogene Bakterienstämme zu isolieren. Im Gegensatz zur Isolierung butyrogener Stämme wird dem Medium als einzige Energie- und
Kohlenstoffquelle H2 und CO2 in der Gasphase bereitgestellt. Als Indikator dient ein
Säureindikator, der anzeigt, wie effektiv die jeweiligen Bakterien die angebotenen Gase zu Essigsäure verstoffwechseln können. Als Indikatoren können unter Anderem Thymolblau, Methylorange, Methylrot oder Phenolphtalein dienen.

Bei einem Teil der Menschen, die an gastrointestinalen Störungen leiden, äußern sich die Beschwerden nicht oder nur zum Teil in durch Gasbildung verursachten Blähungen, sondern auch oder hauptsächlich durch Durchfälle oder Darmkrämpfe, die zum Beispiel durch die osmotische Wirkung von unverdauten Nahrungsbestandteilen verursacht werden. Dadurch dass die acetogenen Bakterien auch heterotrophen Stoffwechsel betreiben, können sie auch in diesen Fällen die Beschwerden lindern. Durch die höheren Flüssigkeitsmengen, die durch die Osmosewirkung in den Darm gelangen, wird die Darmpassagezeit jedoch oft so stark verringert, dass die heterotrophe Stoffwechselleistung der acetogenen Bakterien nicht ausreicht um die osmotisch wirkenden unverdauten Nahrungsbestandteile schnell genug zu verstoffwechseln.

Es ist bekannt, dass Enterobakterien, vornehmlich Escherichia Coli, Kohlenhydrate viel schneller verstoffwechseln können als die meisten anderen in der Darmflora vorkommenden Bakterien, und so osmotische Durchfälle abmildern oder gar verhindern können. Allerdings verstoffwechseln diese Bakterien die von ihnen als Nahrungssubstrat verwendeten
Kohlenhydrate vorwiegend zu Gasen (H2 und CO2), was dann wiederum zu Beschwerden durch Blähungen führen kann.

Die Erfindung schlägt weiterhin eine bevorzugte Ausführung vor, in der zusätzlich
Enterobakterien, vorzugsweise der Gattung Escherichia Coli, verabreicht werden, um die unverdauten Nahrungsbestandteile durch die Enterobakterien zu Gasen verstoffwechseln zu lassen, damit diese Gase dann von den acetogenen Bakterien zu Essigsäure verstoffwechselt werden können, um entweder von der Darmschleimhaut absorbiert zu werden, oder den butyrogenen Bakterien als Substrat zur Verfügung zu stehen. Diese Ausführung macht sich die gasabbauende Wirkung einer der vorstehend beschriebenen erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen zunutze um die bei einer konventionellen Durchfallbehandlung durch Enterobakterien entstehende Gasbildung, und somit die Nebenwirkungen Blähungen und Meteorismus zu behandeln oder ihnen vorzubeugen.

Vorzugsweise erfolgt die Verabreichung in einer kombinierten galenischen Aufbereitung.

Die nachfolgenden Beispiele veranschaulichen die Erfindung im Detail, welche jedoch nicht auf diese beschränkt sein soll.

Wege zur Ausführung der Erfindung und gewerbliche Verwertbarkeit

Beispiele

Beispiel 1 :
Versuchsperson: Westeuropäer, männlich, 35 Jahre alt, normalgewichtig,
Fructosemalabsorption mit Blähungen als dominantes Symptom.

Vorbereitung:
Herstellung der Bakterienpellets

Kultivierungsmedium:

Für die Vorkultur wurde ein modifiziertes Kochfleischmedium (RACh nach
Nollet et al.) verwendet. Zusätzlich wurden 0,1 mmol Natriumselenit und
0,1 mmol Natriumwolframat zugesetzt. Außerdem wurde 1% Fructose zugefügt.

Das vorreduzierte Medium wurde in 15ml Hungate-Röhrchen gefüllt, mit 80% H2
und 20% CO2 als Gasphase bedeckt und die gefriergetrockneten Pellets vom Stamm
Ruminococcus hydrogenotrophicus DSM 10507 (Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH). Die Vorkulturen wurden 48 Stunden bei 37°C bebrütet.

Für die zu zentrifugierenden Hungate-Röhrchen wurden keine Fleischpartikel
sondern nur die Fleischbrühe zugesetzt.

Das Medium wurde unter anaerober Atmosphäre (N2) in 10ml Hungate-Röhrchen
gefüllt, mit 80% H2, 20% CO2 geflutet und mit 0,5ml der Vorkultur inkubiert.
Die Bebrütung erfolgte bei 37°C für 36 Stunden. Danach wurden die Bakterien
durch Zentrifugieren abgetrennt und gefriergetrocknet. Anschließend
erfolgte, ebenfalls unter anaerober Atmosphäre, die Beschichtung mit
Eudragit FS 30 D.

Phase A:
Basisdiät:
Streng Fructosearm (< 1 g/Tag)
Verwendete Lebensmittel: Reis, Reiswaffeln, Reisflocken, Putenfleisch, Eier, Milch, Joghurt, zuckerfreies Weizen- Weißmehlbrot, Lachs geräuchert, Yamswurzel, Kartoffeln gewässert, Rapsöl, Salz, Pfeffer.
Nahrungsergänzungsmittel: MultiVitaminpräparat (Multibionata Tropfen), Folsäure (Ratiopharm), Zink (Zinkorot). Mit Hilfe von zweimal täglich 7 g Flohsamenschalen und 5 g Polyethylenglykol 4000 wurde die Stuhlkonsistenz so eingestellt, dass eine Defäkation über ein Charriere 40 Darmrohr möglich war. Die Basisdiät wurde für 4 Wochen eingehalten. Während dieser Zeit war die Testperson beschwerdefrei.

Phase B:
Fructosebelastungsdiät:
Zu oben beschriebener Basisdiät wurden 10 g Fructose pro Tag addiert, jeweils 2 g bei jeder der 5 Mahlzeiten täglich als Pulver direkt in die Speisen gerührt. Während Phase B klagte die Versuchsperson über heftige Beschwerden (Blähungen und Bauchkrämpfe). Die
Fructosebelastungsdiät wurde bis zum Ende des Experiments durchgeführt. Phase B dauerte 10 Tage.

Phase C:
Applikation von acetogenen Bakterien:
Verwendet wurde der Stamm Ruminococcus hydrogenotrophicus DSM 10507 (Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH). Die mit Eudragit FS 30 D beschichteten Pellets wurden im Laufe der Hauptmahlzeiten (dreimal täglich ein beschichtetes Pellet) unzerkaut geschluckt. Ab dem zweiten Tag von Phase C bemerkte die Versuchsperson eine deutliche Verringerung der Beschwerden, die bis zum Ende der Phase C anhielt. Phase C wurde für 10 Tage durchgeführt.

Phase D:
Absetzen der acetogenen Bakterien.
Es wurden nun keine acetogenen Bakterien mehr zugeführt, sondern nur noch die
Fructosebelastungsdiät fortgeführt. Ab dem dritten Tage der Phase D klagte die
Versuchsperson erneut über intensivere Beschwerden, am siebten Tag wurde deshalb beschlossen direkt zu Phase E zu wechseln (geplant waren ebenfalls 10 Tage für Phase D).

Phase E:
Applikation von acetogenen Bakterien und Mineralstoffen:
Die acetogenen Bakterien wurden analog zu Phase C zugeführt. Zusätzlich wurden pro Hauptmahlzeit 10 μg Selen in Form von Natriumselenit und 20 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat als Pulver direkt in die Mahlzeit eingerührt. Ab dem zweiten Tag von Phase E bemerkte die Versuchsperson wieder die deutliche Verringerung der Beschwerden, die auch wieder zum Ende dieser Phase anhielt. Phase E wurde für 10 Tage durchgeführt.

Phase F:
Absetzen der acetogenen Bakterien unter Fortführung der Mineralstoffapplikation. Es wurden pro Hauptmahlzeit 10 μg Selen in Form von Natriumselenit und 20 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat als Pulver direkt in die Mahlzeit eingerührt. Ab dem dritten Tage der Phase F klage die Versuchsperson erneut über intensivere Beschwerden. Wiederum am siebten Tag wurde deshalb beschlossen, erneute acetogene Bakterien zuzuführen (geplant waren ebenfalls 10 Tage für Phase F).

Phase G:
Erneute Applikation von acetogenen Bakterien:
Phase G wurde analog zu Phase C durchgeführt. Der Beschwerdeverlauf war entsprechend. Phase G wurde für 14 Tage durchgeführt bis Phase H entwickelt war.

Phase H:
Applikation von acetogenen Bakterien und Mineralstoffen in dünndarmresistentem Überzug: Die acetogenen Bakterien wurden analog zu Phase C zugeführt. Zusätzlich wurden pro
Hauptmahlzeit 10 μg Selen in Form von Natriumselenit und 20 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat zugeführt. Die Mineralsalze wurden zusammen mit Methylcellulose zu Tabletten gepresst und ebenfalls mit Eudragit FS 30 D beschichtet, allerdings mit höherer Schichtdicke, um nicht nur Magensaftresistenz zu erreichen, sondern durch die längere Auflösungszeit der dickeren Beschichtung die Mineralsalze erst im Dickdarm freizusetzen. Ab dem zweiten Tag von Phase H bemerkte die Versuchsperson, dass die Beschwerden, die durch die Applikation der acetogenen Bakterien schon deutlich verringert waren, gänzlich
verschwanden. Phase H wurde für 10 Tage durchgeführt.

Phase I:
Absetzen der acetogenen Bakterien unter Fortführung der Mineralstoffapplikation mit dünndarmresistentem Überzug. Es wurden analog zu Phase H pro Hauptmahlzeit 10 μg Selen in Form von Natriumselenit und 20 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat mit
dünndarmresistenter Beschichtung aus Eudragit FS 30 D zugeführt. Es wurde kein erneutes Auftreten von Beschwerden beobachtet. Phase I wurde für 10 Tage durchgeführt.

Phase J:
Absetzen der Mineralstoffe
Analog zu Phase B wurde nur die Fructosebelastungsdiät zugeführt. Ab dem vierten Tag traten erneut Beschwerden auf, ab dem achten Tag mit voller Intensität wie bei Phase B und F.

Phase K:
Mineralstoffapplikation mit dünndarmresistentem Überzug.
Analog zu Phase I wurden pro Hauptmahlzeit 10 μg Selen in Form von Natriumselenit und 20 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat mit dünndarmresistenter Beschichtung aus Eudragit FS 30 D zugeführt. Ab dem zweiten Tag ließen die Beschwerden nach und ab dem fünften Tag war die Versuchsperson praktisch beschwerdefrei. Phase K wurde für 10 Tage durchgeführt.

Phase L:
Zufuhr butyrogener Bakterien
Da die Gasmenge bei Phase I immer noch signifikant höher war als bei Phase A wurde nach einem Weg gesucht, die Arbeitsleistung der acetogenen Bakterien nochmals zu erhöhen. Da interspezieller Nährstofftransfer eine Stoffwechselstimulierung bewirken kann, wurden analog zu den acetogenen Bakterien zusätzlich zu den dünndarmresistent überzogenen Mineralstoffen noch butyrogene Bakterien verabreicht und zwar Faecalibacterium prausnitzii.

Eine subjektive Verbesserung der Symptome wurde allerdings nicht festgestellt, wobei die Darmgasmenge weiter gesenkt werden konnte, was darauf schließen lässt, dass die Applikation butyrogener Bakterien die tolerierbare Menge der malabsorbierten Kohlenhydrate erhöhen kann.

Phase M:
Zufuhr unverkapselter Mineralstoffe in größerer Menge
Um zu untersuchen, ob die Applizierung von unverkapselten Mineralstoffen in höherer
Dosierung (um die Absorption im Dünndarm auszugleichen) wirksam sind, wurden nochmals

Mineralstoffe als unverkapseltes Pulver verabreicht, allerdings die Mineralstoffmenge pro

Mahlzeit gegenüber der nicht erfolgreichen Phasen E+F verzehnfacht, also pro Mahlzeit 100 μg

Selen in Form von Natriumselenit und 200 μg Wolfram in Form von Natriumwolframat.
Es zeigte sich eine bessere Wirksamkeit als ohne Mineralstoffzufuhr, jedoch weniger gut als mit dünndarmresistenter Verkapselung, trotz der größeren Menge.
Für kurzfristige Applikationen, bei denen keine größere Gefahr besteht, dass sich die zu hohen

Mineralstoffmengen im Körper anreichern, scheint auch eine solche, höherdosierte,
unverkapselte Anwendung sinnvoll.

Phase N:
Ersatz von Wolfram durch Molybdän, Mangan und Vanadium
Um die Effektivität von Molybdän, Mangan und Vanadium zu untersuchen wurde zuerst Phase D wiederholt, und sodann eine Verabreichung wie in Phase F durchgeführt, wobei die 20μg Wolfram durch 20μg Molybdän 20μg Vanadium und 20μg Mangan ersetzt wurden.

Es zeigte sich eine leicht bessere Wirksamkeit als ohne Mineralstoffzufuhr, jedoch weit weniger gut als mit Wolfram.

Phase O:
Untersuchung der Wirksamkeit von unverdaulichen Kohlenhydraten zur Populationserhaltung der acetogenen Bakterien
Zu Anfang von Phase O wurden analog Phase H für 10 Tage acetogene Bakterien und Selen plus Wolfram appliziert. Danach wurde für 20 Tage auf die fast fructose- und ballaststofffreie Basisdiät umgestellt, keine acetogenen Bakterien mehr appliziert, die Gabe von Selen und Wolfram jedoch weitergeführt. Dann wurde wieder auf die Fructosebelastungsdiät umgestellt, unter Fortführung der Mineralstoffapplikation. Es wurde eine deutlich höhere Gasmenge als z.B. bei Phasen I und K.
Danach wurde noch einmal Phase H für 10 Tage wiederholt, und wiederum für 20 Tage auf die Basisdiät umgestellt. Allerdings wurde zusätzlich zu Selen und Wolfram über den Tag verteilt 5g Difructoseanhydrid (DFA-III) verabreicht. Bei der anschließenden Umstellung auf die
Fructosebelastungsdiät konnte wieder eine ähnlich geringe Gasmenge wie bei Phase I erreicht werden. Das DFA-III konnte während der Fructose- und Ballaststoffkarenz die Population der acetogenen Bakterien weitgehend erhalten. Dies ist eine Möglichkeit auch bei
Ungleichmäßigkeiten in der Diät auf eine dauerhafte Zufuhr von acetogenen Bakterien nicht immer angewiesen zu sein.

Am letzten Tag jeder Phase wurde die Darmgasmenge gemessen. Dazu wurde ein
verschließbares Doppelballondarmrohr verwendet, das jeweils für 24 Stunden getragen wurde und an das während der ganzen Nacht und tagsüber bei Bedarf ein Auffangbeutel für
Darmgase und Stuhl angeschlossen wurde.

Bei den Messungen wurden folgende Gasmengen gemessen:

Die gemessenen Gasmengen korrelierten deutlich mit den aufgetretenen Symptomen. Durch die Zugabe von acetogenen Bakterien (Phasen C, E, G, H) konnte eine deutliche Reduktion der Gasbildung erzielt werden, die allerdings nach Absetzen der Zufuhr nicht anhielt (Phasen D und F). Durch Zugabe von für die reduktive Acetogenese notwendigen Mineralstoffen in einer dünndarmresistenten Aufbereitung konnte die Gasbildung weiter reduziert werden (Phase H) und auch nach der Beendigung der Zufuhr von acetogenen Bakterien aufrecht erhalten werden (Phasen I und K). Eine Zugabe von butyrogenen Bakterien konnte die Gasbildung nochmals reduzieren (Phase L). Eine Reduktion der Gasbildung ist demnach feststellbar:

bei Verabreichung der Mineralstoffe und/oder Vitamine in dünndarmresistenter Aufbereitung bei Verabreichung acetogener Bakterien
bei Verabreichung butyrogener Bakterien
bei einer kombinierten Verabreichung von Mineralstoffen in dünndarmresistenter
Aufbereitung und/oder Vitaminen und acetogenen oder butyrogenen Bakterien, bei Verabreichung der Mineralstoffe und/oder Vitamine in dünndarmresistenter Aufbereitung und butyrogenen Bakterien.
bei Verabreichung der Mineralstoffe in hohen Dosen, wobei die Intoxikationsrisiken beachtet werden müssen.

Beispiel 2:
Folgende Stoffe werden in Pulverform gemischt:
40 μg Natriumwolframat, 30 μg Natriumselenit, 50 μg Mangansulfat, 50 μg Natriummolybdat, 5 mg Eisensulfat, 50 μg Nickelsulfat, 50 mg Hefeextrakt und 150 mg Hydroxymethylcellulose.

Danach wird das Gemisch in Tablettenform gepresst und mit Eudragit L 100 und Eudragit S 100 im Verhältnis 80 : 20 beschichtet. Die Dicke der Beschichtung wird so eingestellt, dass die Inhaltsstoffe 3 Stunden nach dem Erreichen eines pH-Wertes von > 6,5 freigesetzt werden. Alternativ kann die Beschichtung mit Eudragit FS 30 D erfolgen.

Bei einer Einnahme nach mindestens 3 Stunden Nüchternheit (4 Stunden nach fett- und eiweißreicher Nahrung) und mindestens 30 Minuten vor der nächsten Nahrungsaufnahme (üblicherweise morgens direkt nach dem Erwachen) wird sichergestellt, dass die Wirkstoffe erst nach dem Transit durch den Dünndarm freigesetzt werden.

Man beobachtete eine deutliche Abnahme der Gasbildung im Dickdarm. Zur Gasmessung wurde wie in Beispiel 1 ein verschließbares Doppelballondarmrohr verwendet, das jeweils für 24 Stunden getragen wurde, und an das während der ganzen Nacht und tagsüber bei Bedarf ein Auffangbeutel für Darmgase und Stuhl angeschlossen wurde.

Des Weiteren wurden Stuhlproben des behandelten Patienten vor und nach Verabreichung der Tabletten entnommen. Dabei konnte eine Zunahme der Menge an acetogenen Bakterien nach dem Beginn der Therapie festgestellt werden und eine deutlich verringerte Gasbildung bei Inkubierung der Stuhlprobe unter Zugabe von Fructose (1g pro 100g Stuhlmenge).
Weiterhin wurde festgestellt, dass bei einer Inkubierung des Stuhls ohne Nährstoffzugabe, unter Begasung mit 80% H2 und 20% CO2, der Gasdruck nach der Therapie sank, wogegen er bei vor der Therapie entnommenen Stuhlproben sogar angestiegen war.

Beispiel 3

Stuhlproben von 20 Personen, welche nach eigenen Angaben keine Blähungsprobleme mit üblicherweise blähenden Lebensmitteln (Zwiebeln, Kohl, Hülsenfrüchte) hatten, wurden homogenisiert und auf jeweils 6 Inkubationsbehälter aufgeteilt. Die Inkubationsbehälter wurden allesamt mit 1 g/100g Stuhlmenge an Fructose versetzt, und zusätzlich mit 1. 20μg Selen; 2.

40μg Wolfram; 3. 20μg Selen plus 40μg Wolfram; 4. 20μg Selen plus 40μg Vanadium; 5. 20μg Selen plus 40μg Molybdän; 6. 20μg Selen plus 40μg Wolfram plus 1 Tropfen Multivitaminlösung „Multibionta"; 7. 20μg Selen plus 40μg Wolfram plus 1 Tropfen Multivitaminlösung „Multibionta" plus 1mg Eisen plus 20μg Nickel. Ein Kontrollbehälter wurde nur mit Fructose versetzt.

Die Inkubationsbehälter wurden mit einer Gasmengenmesseinheit versehen gasdicht verschlossen und bei 37° inkubiert.

Die folgenden Gasmengen wurden gemessen:

Kontrolle 150ml
Se 110ml
W 100ml
Se+W 20ml
Se+V 100ml
Se+Mo 85ml
Se+W+Vitamin 15ml
Se+W+Vitamin+Fe+Ni 11 ml

Mit Selen und Wolfram war eine gute Reduktion der Gasmenge festzustellen, die durch Zusatz von Vitaminen und Eisen plus Nickel noch verbessert werden konnte. Auch alleine zeigten Selen oder Wolfram signifikante Gasreduktionen.
Die Reduktion durch Vanadium und Molybdän fiel im Schnitt deutlich geringer aus, wobei der Haupteinfluss diese Mineralstoffe durch eine gute Reduktion bei zwei der 20 Stuhlproben zustande kam, und sie bei den anderen Stuhlproben fast wirkungslos waren. Es liegt nahe, dass die acetogenen Bakterienstämme in diesen Stuhlproben in ihren Enzymen diese Metalle statt dem Wolfram verwenden. Dies lässt sich auch daraus schließen, dass Wolfram bei diesen Proben eine nicht ganz so überlegene Wirkung zeigte. Um die Erfolgsquote zu erhöhen erscheint es vorteilhaft, zu dem Wolfram noch Vanadium und/oder Molybdän dazuzugeben. Außerdem erscheint es vorteilhaft, noch Vitamine, Nickel und Eisen hinzuzufügen, da diese die Gasbildung weiter reduzieren konnten.

Beispiel 4 kontinuierliche Freisetzung:

Folgende Stoffe werden in Pulverform gemischt: 90 mg Natriumwolframat, 50 mg Natriumselenit, 50 mg Mangansulfat, 50 mg Natriummolybdat, 5 g Eisensulfat, 50 mg Nickelsulfat, 50 g Hefeextrakt, 50 g Harnstoff.

90% dieses Gemisches werden wiederum vermischt mit 150 g dibasischem Kalziumphosphat (Encompress (R)), 20 g Polyvinylpyrrolidon, 120 g Hydroxypropylcellulose, und durch ein mesh 40 Sieb passiert, und mit 90 g Hydrokypropylmethylcellulose-phtalat und 10g Beta-cyclodextrin welche zusammen in einer ausreichenden Menge Aceton aufgelöst wurden, granuliert.
Die feuchte Masse wird getrocknet und durch ein mesh 30 Sieb passiert um das Granulat zu erhalten.

Analog zu den schon beschriebenen Vorbereitungen zu Beispiel 1 werden acetogene Bakterien angezüchtet. Es werden die Stämme Ruminococcus hydrogenotrophicus DSM 10507 und Ruminococcus productus DSM 2950 und Ruminococcus productus DSM 3507 und Clostridium Coccoides DSM 935 (Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH).

Die gefriergetrockneten lyophilisierten Bakterien aller 3 Stämme (jeweils 10*1012
koloniebildende Einheiten) werden unter anaeroben Bedingungen mit den restlichen 10% des Pulvergemisches vermischt und zusammen mit dem Granulat in 1000 HPMC-Kapseln abgefüllt, die Kapseln verschlossen und mittels Eudragit FS 30 D in einer Schichtdicke von 8mg/cm2 Dünndarmresistent beschichtet.
Die Verwendung erfolgt analog Beispiel 1 , 2, 5 bis 7 oder 9 bis 12.

Beispiel 5

Folgende Stoffe werden in Pulverform gemischt:40 μg Natriumwolframat, 30 μg Natriumselenit und 200 mg hochdisperses Siliziumdioxid. Das Gemisch wird in Hydroxypropylmethylcellulose-Kapseln abgefüllt, und die Kapseln mit 8mg/cm2 Eudragit FS-30 D beschichtet, so dass sie sich beim Erreichen des Dickdarms auflösen.
Eine Frau, 28 Jahre, normalgewichtig, laktoseintolerant mit einer maximalen beschwerdefreien Laktoseverträglichkeit von 1 ,5g Laktose pro Tag (entsprechend 60g Hüttenkäse) wird behandelt mit den beschichteten Kapseln, in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Ab dem dritten Tag der Behandlung wird zusätzlich zu den mit der üblichen Diät aufgenommenen 1 ,5g Laktose pro Tag jede Hauptmahlzeit mit Laktose angereichert, beginnend mit 0,5g und mit einer Steigerung von 0,5g pro Tag und
Hauptmahlzeit. Nachdem auch der vierte Tag (der 6. Tag seit Beginn der Behandlung) beschwerdefrei ist, wird die erreichte Tagesmenge an Laktose (1 ,5g plus 3*2g) beibehalten und die Behandlung mit Leerkapseln (als Placebopräparat) fortgeführt. Ab dem zweiten Tag der Placebogabe treten abdominale Beschwerden in Form von Blähung auf, wie sie die Testperson aus der Zeit ohne Behandlung bei zuviel Laktoseverzehr kennt. Am Abend des dritten Tags der Umstellung auf Placebo bittet die Patientin den Test abbrechen zu dürfen

Beispiel 6

Ein Mann, 40 Jahre, mit exokriner Pankreasinsuffizienz, beschwerdefrei ab einer Dosierung von 40000 Einheiten Pankreatin pro Hauptmahlzeit (1 Kapseln Kapsel des Pankreatinpräparates Kreon 40000 der Firma Solvay) wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Ab dem dritten Tag wird die Pankreatindosis reduziert (zwei Kapseln Kreon 10000 pro Hauptmahlzeit), der Stuhl wird etwas weicher, der Patient bleibt beschwerdefrei. Ab dem fünften Tag wird die Pankreatindosis nochmals reduziert (eine Kapsel Kreon 10000 pro Hauptmahlzeit). Der Stuhl wird noch weicher und leicht fettig glänzend, jedoch nicht als unangenehm empfunden.
Blähungsbeschwerden, die den Patienten ohne oder mit solch geringer Pankreatinversorgung üblicherweise stark stören, bleiben weiterhin aus. Die kostenintensive Enzymsubstitution kann deutlich reduziert werden.

Beispiel 7

Eine männliche Testperson mit Dünndarmresektion (60% des Dünndarms entfernt), beschwerdefrei ab einer Aufteilung der täglichen Nahrungsmenge auf 6 Hauptmahlzeiten, wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Ab dem dritten Tag wird die gleiche Nahrungsmenge auf 5 Hauptmahlzeiten umgestellt, der Patient bleibt Beschwerdefrei. Ab dem fünften Tag wird die gleiche Nahrungsmenge auf 3 Hauptmahlzeiten und 2 Zwischenmahlzeiten umgestellt. Der Stuhl wird weicher und fettig glänzend, jedoch nicht als unangenehm empfunden.
Blähungsbeschwerden, unter denen der Patient bei entsprechend großen Mahlzeiten ohne Behandlung litt, treten nicht auf.

Beispiel 8

Aufgrund fehlender Untersuchungen über die Absorption von Schwermetallen durch die
Dickdarmschleimhaut von Säuglingen wurde kein Behandlungsversuch zur Linderung von Dreimonatskoliken durchgeführt. Da die Dreimonatskoliken durch Blähungen verursacht werden, die entstehen, weil der noch nicht vollständig ausgereifte Säuglingsdünndarm die Nährstoffe noch nicht vollständig absorbieren kann, und diese somit durch Dickdarmbakterien zu Gasen verstoffwechselt werden, ist jedoch davon auszugehen, dass auch Dreimonatskoliken bei Säuglingen auf die Behandlung mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung
ansprechen. Es wird vorgeschlagen, nach entsprechender Abklärung der Risiken, z.B. Messung der Blutspiegel der entsprechenden Stoffe nach Applikation in den Dickdarm, beginnend mit ungefährlichen Mineralstoff mengen, Säuglinge mit Dreimonatskoliken folgendermaßen zu behandeln: Da für die Behandlung von Säuglingen beschichtete Tabletten ungeeignet sind, wird ein Wirkstoffgemisch aus Natriumselenit und Natriumwolframat durch dem Fachmann bekannte Verfahren mit entsprechenden Hilfsstoffen zu einem Mikrogranulat verarbeitet, welches mit einem Polymer beschichtet wird, das sich beim Erreichen des im Dickdarm des Säuglings vorherrschenden PH-Wertes auflöst. Dazu stehen z.B. diverse Eudragit-Formulierungen zur Verfügung. Die Aufbringung der dünndarmresistenten Schicht kann z.B. im
Wirbelstromverfahren erfolgen.
Das entsprechend beschichtete Mikrogranulat wird mit Wasser, evtl. unter Zusatz von entsprechenden Säuglingsnahrungspulvern oder mit Muttermilch zu einer Suspension aufgeschüttelt und zur Still- oder Flaschenmahlzeit gegeben.

Beispiel 9

Ein 25 Jahre Alter Mann, der nach einer Antibiotikabehandlung ein Reizdarmsyndrom entwickelt hatte, und alle zwei bis 3 Tage über starke Blähungsbeschwerden klagt, wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Während der gesamten Testphase von 8 Tagen besteht Beschwerdefreiheit.

Beispiel 10

Eine 35-jährige Frau mit einem durch Morbus Crohn geschädigten Darm klagt seit dem letzten Krankheitsschub über erhebliche Flatulenz (40-50 bewusst wahrgenommene Flatus während des Tages). Sie wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Nach 5 Tagen Behandlung lässt die Flatulenz deutlich nach (bis auf 15 bewusst wahrgenommene Flatus während des siebten Tages)

Beispiel 11

Eine 42-jähriger Mann, der an einer Gluten-Unverträglichkeit leidet, und an einer dadurch bedingten Schädigung der Dünndarmschleimhaut und schmerzhaften Blähungen, wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Nach 5 Tagen Behandlung kann eine deutliche Verminderung der Blähungen festgestellt werden.

Beispiel 12

Eine 26-jährige Frau mit einer Histaminintolerant, die nach dem Verzehr von histaminreichen Nahrungsmitteln unter starken Blähungen leidet, wird behandelt mit den beschichteten Kapseln analog Beispiel 5 in einer Dosis von jeweils einer Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten pro Tag. Nach 4 Tagen Behandlung kann eine Verminderung der Blähungen festgestellt werden, nach 10 Tagen Behandlung ist die Verminderung der Blähungen deutlich feststellbar.

Beispiel 13

Analog zu Beispiel 5 werden Kapseln hergestellt, mit dem Unterschied, dass beim Abfüllen der Wirkstoffmischung in die Kapsel zusätzlich gefriergetrocknete, lebensfähige Bakterien der Spezies E. coli Nissle 1917 in einer Menge von 8*109 koloniebildenden Einheiten (KBE) eingefüllt werden.

Einer 21-Järhige Frau, die aufgrund einer Lactoseintoleranz nach dem Verzehr von
Milchprodukten unter Durchfällen leidet, wird zu jeder Hauptmahlzeit (3 mal täglich) eine der beschriebenen Kapseln verabreicht. Nach einer Behandlungsdauer von einer Woche erhöht sich durch die Behandlung die Lactosetoleranz der Patientin von 2g pro Mahlzeit auf 4g.
Daraufhin wird die Medikation verdoppelt (3 mal 2 Kapseln täglich) und die Toleranzgrenze steigt auf 8g Lactose pro Mahlzeit.

Beispiel 14

Analog zu Beispiel 4 werden Kapseln hergestellt, die jedoch im Gegensatz zu Beispiel 4 nicht mit Eudragit FS 30 D dünndarmresistent, sondern mit Eudragit L 30 D-55 magensaftresistent beschichtet werden.
Die Verwendung erfolgt analog Beispiel 1 , 2, 5 bis 7 oder 9 bis 12.

Beispiel 15

Ein 36-jähriger Mann, der nach Verzehr von ballaststoffreichen Mahlzeiten unter starkem Meteorismus leidet, wird behandelt mit dreimal täglich 1 ,5mg Natriumwolframat, welches in Wasser gelöst mit der Trinkflüssigkeit zu den Hauptmahlzeiten verabreicht wird. Nach einer Woche Behandlung lässt der Meteorismus deutlich nach.

Beispiel 16

Ein 36-jähriger Mann, der nach Verzehr von ballaststoffreichen Mahlzeiten unter starkem Meteorismus leidet, wird behandelt mit dreimal täglich 1 ,5mg Natriumwolframat, welches unter Zugabe von 100mg Phytinsäure in 100ml Wasser gelöst und 30 Minuten ruhen gelassen wird, und mit der Trinkflüssigkeit zu den Hauptmahlzeiten verabreicht wird. Nach 4 Tagen
Behandlung lässt der Meteorismus deutlich nach.