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1. WO2006010465 - PLASTISOLE MIT VERRINGERTER WASSERAUFNAHME

Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

[ DE ]

Plastisole mit verringerter Wasseraufnahme

Die vorliegende Erfindung betrifft pulverförmige Kern/Schale-Polymerisate zur

Herstellung eines Plastisols, die eine überraschend geringe Wasseraufnahme aufweisen.
Weiterhin betrifft die Erfindung die aus diesen Polymerisaten hergestellten

Plastisolpasten, welche ebenfalls eine geringe Wasseraufnahme aufweisen und darüberhinaus eine gute Lagerstabilität, gute mechanische Eigenschaften und eine gute Weichmacherverträglichkeit besitzen.

Dispersionen von feinteiligen Polymerpulvern in Weichmachern, so genannte Plastisole, werden industriell in großem Umfang angewendet, meist unter Zusatz von weiteren Bestandteilen wie Füllstoffen, und Pigmenten.
Insbesondere Plastisole auf Basis von Polyvinylchlorid (PVC) werden in größerem Umfang zur Beschichtung angewendet beispielsweise zum
Korrosionsschutz von Metallen, insbesondere Unterbodenschutz und
Karosserieversiegelung von Automobilen; andere Beispiele sind Beschichtung von Tapeten oder Teppichbodenrückseiten.

Über längere Zeit hin haben Beschichtungen und Beläge aus Polyvinylchlorid (PVC) auf dem Markt aufgrund ihrer vielseitigen Anwendbarkeit und ihrer guten Gebrauchseigenschaften eine überragende Rolle gespielt, insbesondere weil die Polymerteilchen vom Plastifiziermittel nicht angequollen werden oder sich in ihm auflösen, während die Plastisolpaste gelagert wird (Lagerstabilität) und weil nach der Gelierung der Plastisole durch Erhitzen, der Weichmacher vom gebildeten Film zurückgehalten wird und nicht im Laufe der Zeit aus dem gebildeten Film freigesetzt wird („ausschwitzt") In jüngster Zeit zeichnet sich die Tendenz ab, PVC durch andere Werkstoffe zu substituieren. Gründe dafür sind unter anderem Umweltaspekte und das Verhalten der Polymeren im Brandfall. Neben der Freisetzung von
halogenhaltigen Brandgasen, die zu schweren Verletzungen führen können, sind insbesondere die negativen Wirkungen in Bezug auf sauren Regen und die Möglichkeit der Dioxinbildung zu nennen.

Bei allen derartigen Bemühungen hatte jedoch zu gelten, dass die Praxis nicht bereit war, bei Ersatzprodukten für PVC-Polymere drastische Abstriche an der Qualität hinzunehmen, die man von PVC-Produkten gewohnt war.

Es wurde daher vorgeschlagen, als Ersatzstoffe Polymere auf Basis von Polyurethanen, Epoxiden, Silikonen, etc. zu verwenden, um die PVC-Polymeren zu substituieren. Diese besitzen jedoch den Nachteil, dass die bestehenden Produktionsanlagen für Polyvinylchloridplastisole nicht verwendet werden können und daher bei Verwendung dieser Polymeren nicht
unerhebliche Investitionskosten anfallen würden. Weiterhin besitzen diese Ersatzpolymeren weitere Nachteile wie unzureichende Lagerstabilität, Toxizität oder hohe Produktionskosten. Es bestand daher die Aufgabe, geeignete Substitutionsprodukte für Vinylchloridpolymere aufzufinden.

So wurde z. B. vorgeschlagen, Vinylchloridpolymere zumindest teilweise durch Acrylpolymere zu ersetzen (JP-A 60-258241, JP-A 61-185518 und JP-A 61-207418). Hierdurch wird jedoch nicht der entscheidende Nachteil vermieden, die Freisetzung von toxischen Gasen im Brandfall zu vermeiden.

JP-A-5-255563 offenbart zwar ein halogenfreies Acrylpolymer, die damit hergestellten Plastisole sind jedoch in ihren Eigenschaften sehr unbefriedigend in Bezug auf Lagerstabilität und Rückhaltevermögen des Weichmachers.

Es wurde daher versucht, Acrylpolymere herzustellen, die Van der Waals-Kohäsionskräfte besitzen, die etwa denen von PVC entsprechen. Hierbei wurde jedoch festgestellt, dass eine hohe Verträglichkeit zwischen Polymer und Weichmacher auch zu einer verstärkten Gelierung führt, was eine schlechte Lagerstabilität bedeutet. Herabsetzung der Verträglichkeit zwischen Polymer und Weichmacher führt jedoch dazu, dass dieser nicht mehr in genügender Weise im gebildeten Film zurückgehalten wird und im Laufe der Zeit
herausmigriert.

JP-A-5-279539 sowie die EP-A-1 162 217 offenbaren Kern/Schale-Polymerisate auf Basis von (Meth)acrylaten, die Carbonsäure-,
Carbonsäureanhydrid- oder Sulfonsäure-Gruppen enthalten. Durch diese Gruppen wird jedoch sowohl die Verträglichkeit mit dem Weichmacher als auch die Wasseraufnahme negativ beeinflusst.

Die gleichen Nachteile besitzen Kern/Schale-Polymerisate, die gemäß der JP-A-6-322225 hergestellt werden, indem die Estergruppen an der Oberfläche der Latexteilchen zumindest teilweise in einer polymeranalogen alkalischen
Hydrolyse in Carbonsäuregruppen überführt werden.

Die japanischen Anmeldungen JP-A-53144950, JP-A-7-233299 und JP-A-8-295850 offenbaren Kern/Schale-Polymerisate, bei denen Kern und Schale unterschiedlich zusammengesetzte Polymere besitzen, wobei diese jeweils für bestimmte Eigenschaften, z. B. Lagerstabilität, optimiert sind. Die damit gebildeten Filme weisen jedoch ebenfalls nur unbefriedigende Eigenschaften auf.

Ein generelles Problem bei den Piastisolen besteht in der Wasseraufnahme des Polymerpulvers oder der ungelierten Plastisolpaste. Bei der Gelierung der Plastisolpaste bei Temperaturen von üblicherweise über 1000C verdampft dieses Wasser und führt zu unerwünschter Blasenbildung im fertigen Film.

Um akzeptable mechanische Eigenschaften und Weichmacherverträglichkeit des fertigen Plastisolfilmes zu erreichen sind in der Regel hohe Gehalte von Methacrylaten mit längeren Alkylketten (z.B. Butylmethacrylat) erforderlich. Um andererseits wiederum eine akzeptable Lagerstabilität zu erreichen müssen säurehaltige Monomere in der Schale eingesetzt werden. Letztere bewirken jedoch eine erhöhte Wasseraufnahme, verschlechtern die Beständigkeit gegen mechanische Belastung (z.B. Steinschlag) und verringern die Kälteflexibilität.

Es bestand daher die Aufgabe, Acrylpolymerisate auf Basis von (Meth)acrylaten mit Kern/Schale-Aufbau zur Verfügung zu stellen, die sowohl eine gute
Lagerstabilität als auch ein gutes Weichmacher-Rückhaltevermögen bei gleichzeitig geringer Wasseraufnahme aufweisen. Außerdem sollten die gelierten Piastisole eine gute Abriebsbeständigkeit gegen Steinschlag zeigen und eine gute Kälteflexibilität besitzen.

Gelöst werden diese sowie weitere nicht explizit genannten Aufgaben, die jedoch aus den hierin einleitend diskutierten Zusammenhängen ohne weiteres ableitbar oder erschließbar sind, durch Kern/Schale-Polymere mit allen
Merkmalen des Patentanspruchs 1. Zweckmäßige Abwandlungen der erfindungsgemäßen Kern/Schale-Polymere werden in den auf Anspruch 1 rückbezogenen Unteransprüchen, unter Verwendung der erfindungsgemäßen Polymeren hergestellte Piastisole werden in den Ansprüchen 11 - 12 unter Schutz gestellt. Hinsichtlich des Verfahrens zur Herstellung sowie der
Verwendung liefern die Ansprüche 13 bis 16 eine Lösung der zugrunde liegenden Aufgabe.

Es war überraschend, dass die Kern/Schale-Polymerisate eine derart geringe Wasseraufnahme von weniger als 3 % aufweisen, wenn sie die
erfindungsgemäße Zusammensetzung aufweisen.

Insbesondere weisen die erfindungsgemäßen Polymere eine vorteilhafte Kombination aus guter Lagerstabilität, guter Weichmacheryerträglichkeit, guten mechanischen Eigenschaften und geringer Wasseraufnahme auf.

Detaillierte Beschreibung der Erfindung:

Die Kern/Schale-Polymerisate der vorliegenden Anmeldung bestehen aus Latexteilchen, die eine Primärteilchengröße von mindestens 250 nm, bevorzugt von mindestens 500 nm und besonders bevorzugt von mindestens 700 nm besitzen. Unter Primärteilchengröße wird hierbei der Durchmesser eines einzelnen, in der Regel annähernd sphärischen und nicht agglomerierten Polymerteilchens verstanden, welches als Produkt bei der
Emulsionspolymerisation erhalten wird. Üblicherweise wird für diese Größe ein mittlerer Teilchendurchmesser angegeben, welcher beispielsweise durch Laserbeugung bestimmt werden kann.

Die Latexteilchen der vorliegenden Anmeldung bestehen aus einem Kern und mindestens einer Schale, welche in mindestens zwei separaten Schritten nacheinander hergestellt werden. In der Regel besitzen der Kern und die Schale(n) jeweils eine unterschiedliche Zusammensetzung.

Wenn hier der Begriff „Schale(n)" verwendet wird, soll dies bedeuten, dass sich die betreffende Aussage entweder auf eine Schale oder gegebenenfalls auf mehrere vorliegende Schalen beziehen kann.

Die erste Komponente des Kerns ist Methylmethacrylat. Diese Komponente liegt zu mindestens 20 Mol-% vor und beträgt maximal 85 Mol-%. Der Anteil des Methylmethacrylats kann auch 30 bis 70 Mol-% oder 40 bis 60 Mol-% betragen.

Als weitere Komponente enthält der Kern der Latexteilchen einen oder mehrere (Meth)acrylester, dessen Alkoholkomponente 2 - 8 Kohlenstoffatomen oder einen aromatischen Rest enthält.

Die Schreibweise (Meth)acrylester oder (Meth)acrylat kann im Rahmen dieser Anmeldung sowohl Methaciγlester bzw. Methacrylat, wie z. B.
Methylmethacrylat, Ethylmethacrylat usw., als auch Aciγlester bzw. Acrylat, wie z. B. Methylacrylat, Ethylacrylat usw. oder gegebenenfalls eine Mischung aus beiden bedeuten.

Beispiele für derartige Ester sind (Meth)acrylate, die sich von gesättigten Alkoholen ableiten, wie Ethyl(meth)acrylat, n-Propyl(meth)acrylat,
iso-Propyl(meth)acrylat, n-Butyl(meth)acrylat, i-Butyl(meth)acrylat,
tert-Butyl(meth)acrylat, Pentyl(meth)acrylat, Hexyl(meth)acrylat und
Heptyl(meth)acrylat; Ethylhexyl(meth)acrylat, Octyl(meth)acιγlat, iso-Octyl(meth)acrylat, Cycloalkyl(meth)acrylate, wie Cyclopentyl(meth)acrylat und Cyclohexyl(meth)acrylat;
(Meth)acrylate, die sich von ungesättigten Alkoholen ableiten, wie 2-Propinyl(meth)acrylat und Allyl(meth)acrylat, Vinyl(meth)acrylat
Aryl(meth)acrylate, wie Benzylmethacrylat oder Phenylmethacrylat, wobei die Arylreste jeweils unsubstituiert oder bis zu vierfach substituiert sein können;

In einer besonderen Ausführungsform ist die Komponente b) des Kerns der Latexteilchen entweder n-Butyl(meth)acrylat, i-Butyl(meth)acrylat oder tert-Butyl(meth)acrylat oder eine Mischung hieraus.

Diese Ester können zu 15 - 80 Mol-%, zu 30- 70 oder zu 40 - 60 Mol-% vorliegen.

Als weiteren Bestandteil können die Kerne der Latexteilchen 0 - 30 Mol-%, 0 -20 Mol-%, 0 - 10 Mol-%, oder 0 - 5 Mol-% von einem oder mehreren copolymerisierbaren Monomeren enthalten. Die Anwesenheit dieser
Monomeren kann in besonderen Fällen günstig sein, um gegebenenfalls bestimmte Eigenschaften des Kerns der Latexteilchen gezielt einzustellen.

Ausgenommen werden N-haltige Verbindungen. Überraschend wurde gefunden, dass Latexteilchen, die keine stickstoffhaltigen Verbindungen im Kern enthalten, eine verbesserte Kälteflexibilität aufweisen. Möglich sind alle ethylenisch ungesättigten Verbindungen, die unter den gegebenen
Polymerisationsbedingungen in das Polymer eingebaut werden können, das den Kern bildet.

Hierzu gehören unter anderem
Glycoldimethacrylate, wie 1 ,4-Butandiolmethacrylat, 2-Butoxyethylmethacrylat,

2-Ethoxyethoxymethylmethacrylat,
2-Ethoxyethylmethacrylat,
Methacrylate von Etheralkoholen, wie
Tetrahydrofurfurylmethacrylat,
Vinyloxyethoxyethylmethacrylat,
Methoxyethoxyethylmethacrylat,
1 -Butoxypropylmethacrylat,
1-Methyl-(2-vinyloxy)ethylmethacrylat,
Cyclohexyloxymethylmethacrylat,
Methoxymethoxyethylmethacrylat,
Benzyloxymethylmethacrylat,
Furfurylmethacrylat,
2-Butoxyethylmethacrylat,
2-Ethoxyethoxymethylmethacrylat,
2-Ethoxyethylmethacrylat,
Allyloxymethylmethacrylat,
1 -Ethoxybutylmethacrylat,
Methoxymethylmethacrylat,
1 -Ethoxyethylmethacrylat,
Ethoxymethylmethacrylat;
Oxiranylmethacrylate, wie 2,3-Epoxybutylmethacrylat,
3 ,4-Epoxybutylmethacrylat,
Glycidylmethacrylat;
Phosphor-, Bor- und/oder Silicium-haltige Methacrylate, wie
2-(Dimethylphosphato)propylmethacryiat,
2-(Ethylenphosphito)propylmethacrylat,
Dimethylphosphinomethylmethacrylat,
Dimethylphosphonoethylmethacrylat,
Diethylmethacryloylphosphonat,
Dipropylmethacryloylphosphat;
schwefelhaltige Methacrylate, wie
Ethylsulfinylethylmethacrylat,
4-Thiocyanatobutylmethacrylat,
Ethylsulfonylethylmethacrylat,
Thiocyanatomethylmethacrylat,
Methylsulfinylmethylmethacrylat,
Bis(methacryloyloxyethyl)sulfid;
Trimethacrylate, wie
Trimethyloylpropantrimethacrylat;

Vinylester, wie Vinylacetat;
Styrol, substituierte Styrole mit einem Alkylsubstituenten in der Seitenkette, wie z. B. α-Methylstyrol und α-Ethylstyrol, substituierte Styrole mit einem
Alkylsubstitutenten am Ring, wie Vinyltoluol und p-Methylstyrol;
Heterocyclische Vinylverbindungen, wie 9-Vinylcarbazol, 3-Vinylcarbazol,

4-Vinylcarbazol, Vinyloxolan, Vinylfuran, Vinylthiophen, Vinylthiolan,
Vinylthiazole und hydrierte Vinylthiazole, Vinyloxazole und hydrierte
Vinyloxazole;
Vinyl- und Isoprenylether;
Maleinsäurederivate, wie beispielsweise Diester der Maleinsäure, wobei die Alkoholreste 1 bis 9 Kohlenstoffatome aufweisen, Maleinsäureanhydrid,

Methylmaleinsäureanhydrid,
Fumarsäurederivate, wie beispielsweise Diester der Fumarsäure, wobei die

Alkoholreste 1 bis 9 Kohlenstoffatome aufweisen;
Diene wie beispielsweise Divinylbenzol.

Alpha-Olefine wie Etheή, Propen, n-Buten, i-Buten, n-Penten, i-Penten, n-Hexen, i-Hexen.

Cyclohexen.

In einer speziellen Ausführungsform können die weiteren copolymerisierbaren

Monomeren des Kerns auch ethylenisch ungesättigte Monomere mit
mindestens einer Carbonsäuregruppe, Sulfonsäuregruppe und/oder mindestens einer Phosphonsäuregruppe umfassen. Dies sind alle organische
Verbindungen, die sowohl mindestens eine ethylenische Doppelbindung als auch mindestens eine Carbonsäuregruppe, Sulfonsäuregruppe und/oder mindestens eine Phosphonsäuregruppe aufweisen. Zu ihnen gehören beispielsweise:
Acrylsäure,
Methacrylsäure,
1~[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-maleat (Monoester aus 2- Hydroxyethylmethacrylat (HEMA) und Maleinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-maleat (Monoester aus 2-Hydroxyethylacrylat

(HEA) und Maleinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethylJ-succinat (Monoester aus HEMA und

Bernsteinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-succinat (Monoester aus HEA und
Bernsteinsäure), 1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-phtalat (Monoester aus HEMA und

Phthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-phtalat (Monoester aus HEA und Phthalsäure),

1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-hexahydrophtalat (Monoester aus HEMA und Hexahydrophthalsäure),
1~[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-hexahydrophta!at (Monoester aus HEA und

Hexahydrophthalsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-maleat (Monoester aus 2- Hydroxybutylmethacrylat (HBMA) und Maleinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-maleat (Monoester aus 2-Hydroxybutylacrylat

(HBA) und Maleinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-succinat (Monoester aus HBMA und

Bernsteinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-succinat (Monoester aus HBA und
Bernsteinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-phtalat (Monoester aus HBMA und

Phthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-phtalat (Monoester aus HBA und Phthalsäure),

1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]~hexahydrophtalat (Monoester aus HBMA und Hexahydrophthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyi]-hexahydrophtalat (Monoester aus HBA und

Hexahydrophthalsäure),
Fumarsäure,
Monoester der Fumarsäure,
Maleinsäure,
Monoester der Maleinsäure,
Crotonsäure,
Itaconsäure,
Acrylamidoglykolsäure,
Methacrylamidobenzoesäure, Zimtsäure,
Vinylessigsäure,
Trichloracrylsäure,
10-Hydroxy-2-decensäure,
4-Methacryloxyethyltrimethylsäure,
Styrolcarbonsäure,
2-(lsopropenylcarbonyloxy)-ethansulfonsäure,
2-(Vinylcarbonyloxy)-ethansulfonsäure,
2-(lsopropenylcarbonyloxy)-propylsulfonsäure,
2-(Vinylcarbonyloxy)-propylsulfonsäure,
2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure,
Acrylamidododecansulfonsäure,
2-Propen-1-sulfonsäure,
Methallylsulfonsäure,
Styrolsulfonsäure,
Styroldisulfonsäure,
Methacrylamidoethanphosphonsäure,
Vinylphosphonsäure.

Die zuvor genannten ethylenisch ungesättigten Monomere können einzeln oder als Mischungen eingesetzt werden.

Die Mol-Anteile der vorstehend genannten Komponenten des Kerns der Latexteilchen können jeweils in den genannten Bereichen variiert werden, wobei jedoch immer zu beachten ist, dass die Summe der gewählten Anteile der Komponenten a), b) und c) zusammen 100 Mol-% ergeben muss.

Die Latexteilchen enthalten als weitere Komponente mindestens eine Schale, die in einer zweiten oder gegebenenfalls weiteren Reaktionsstufe auf dem Kern gebildet werden. Der Zusammenhalt von Kern und Schale bzw. zwischen den Schalen kann nur durch physikalische Kräfte oder aber durch kovalente
Bindungen, die durch Pfropfung entstanden sind, erreicht werden.

Die erste Komponente der Schale(n) ist Methylmethacrylat. Diese Komponente liegt immer zu mindestens 20 Mol-% vor und beträgt maximal 94,9 Mol-%. Der Anteil des Methylmethacrylats kann auch 40 bis 85 Mol-% oder 50 bis 79,5 MoI-% betragen.

Als weitere Komponente enthalten die Schale(n) der Latexteilchen einen oder mehrere (Meth)acrylester, dessen Alkoholkomponente 2 - 8 Kohlenstoffatome oder einen aromatischen Rest enthält.

Beispiele für derartige Ester sind (Meth)acrylate, die sich von gesättigten

Alkoholen ableiten, wie Ethyl(meth)acrylat, n-Propyl(meth)acrylat,
iso-Propyl(meth)acrylat, n-Butyl(meth)acrylat, i-Butyl(meth)acrylat,
tert-Butyl(meth)acrylat, Pentyl(meth)acrylat, Hexyl(meth)acrylat und
Heptyl(meth)acrylat; Ethylhexyl(meth)acrylat, Octyl(meth)acrylat, iso- Octyl(meth)acrylat,
Cycloalkyl(meth)acrylate, wie Cyclopentyl(meth)acrylat und
Cyclohexyl(meth)acrylat;
(Meth)acrylate, die sich von ungesättigten Alkoholen ableiten, wie 2- Propinyl(meth)acrylat und Allyl(meth)acrylat, Vinyl(meth)acrylat
Aryl(meth)acrylate, wie Benzylmethacrylat oder
Phenylmethacrylat, wobei die Arylreste jeweils unsubstituiert oder bis zu vierfach substituiert sein können;

Diese Ester können zu 5 - 79,9 Mol-%, zu 10 - 50 oder zu 15 - 40 Mol-%, vorliegen.

Die dritte Komponente der Schale(n) ist entweder ein Amid der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure, oder eines aminsubstituierten Alkylesters der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure oder eine Mischung aus den vorstehenden Verbindungen.

Amide können einfache Amide, also Acrylamid oder Methacrylamid oder N-substituierte Amide der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure sein, welche funktionelle Gruppen der folgenden Formel tragen

-C(O)-NR1R2

wobei Ri und R2 unabhängig von einander H oder einen linearen oder verzweigten Alkylrest mit 1 - 10 Kohlenstoffatomen darstellen, der
gegebenenfalls auch noch zusätzlich Aminogruppen der Formel -NR3R4 enthalten kann, wobei R3 und R4 unabhängig voneinander H oder einen linearen oder verzweigten Alkylrest mit 1 - 10 Kohlenstoffatomen darstellen oder der Stickstoff gemeinsam mit den Substituenten R3 und R4 auch einen fünf- bis siebengliedrigen Ring bilden kann. Der Ring kann gegebenenfalls noch durch eine oder mehrere kurzkettige Alkylgruppen, wie beispielsweise Methyl, Ethyl oder Propyl, substituiert sein oder Heteroatome wie Stickstoff oder Sauerstoff beinhalten.

Beispiele hierfür sind N-Methyl(meth)acrylamid, N-Dimethylaminoethyl-(meth)acrylamid, N-Dimethylaminopropyl(meth)acrylamid, N-lsopropyl(meth)acrylamid, N-tert.Butyl(meth)acrylamid, N-lsobutyl(meth)acrylamid, N-Decyl(meth)acrylamid, N-Cyclohexyl(meth)acrylamid, N-[3-(Dimethylamino)-2,2-dimethylpropyl]-methacrylamid, N-Dodecyl(meth)acrylamid, N-[3- Dimethylaminopropy](meth)acrylamid, N-[2-Hydroxy-ethyl](meth)acrylamid, N-Methacryloylmorpholin, N-Methacryloyl-2-pyrrolidinon.

Besonders bevorzugt sind Acrylamid und Methacrylamid.

Die vorstehend genannten Amide der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure sind zu 0,1 - 20 Mol-% Bestandteil von einer oder gegebenenfalls von mehreren Schalen des Latexteilchens. Bevorzugte Anteile sind 0,3 - 10 Mol-% oder 1 - 5 Mol-%, wobei diese Angaben auf die jeweiligen Schalen bezogen sind und sich die Anteile in verschiedenen Schalen unterscheiden können.

Aminsubstituierte Alkylester der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure tragen folgende funktionelle Gruppen


wobei n = 1 bis 6
und R3 und R4 unabhängig voneinander H oder einen linearen oder verzweigten Alkylrest mit 1 - 10 Kohlenstoffatomen darstellen oder der Stickstoff
gemeinsam mit den Substituenten R3 und R4 auch einen fünf- bis
siebengliedrigen Ring bilden kann. Der Ring kann gegebenenfalls noch durch eine oder mehrere kurzkettige Alkylgruppen, wie beispielsweise Methyl, Ethyl oder Propyl, substituiert sein oder Heteroatome wie Stickstoff oder Sauerstoff beinhalten.

Beispiele hierfür sind: 2-Dimethylaminoethyl(meth)acrylat, 2-Diethylaminoethyl(meth)acrylat, 3-Dimethylamino-2,2-dimethylpropyl-1-(meth)acrylat, 3-Diethylamino-2,2-dimethylpropyl-1 -(meth)acrylat, 2-tert-Butylaminoethyl(meth)acrylat, 3-(Dimethyl-amino)propyl(meth)acrylat, 2- (Dimethylaminoethoxyethyl)(meth)acrylat, 2-Morpholinoethyl(meth)-acrylat, N- (2-Methacryloyloxyethyl)-2-pyrrolidinon, N-(3-Methacryloyloxypropyl)-2- pyrrolidinon, N-(2-Methacryloyloxypentadecyl)-2-pyrrolidinon, N-(3-Methacryloyloxyheptadecyl)-2-pyrrolidinon.

Die vorstehend genannten aminsubstituierten Alkylester der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure sind zu 0,1 - 20 Mol-% Bestandteil von einer oder gegebenenfalls von mehreren Schalen des Latexteilchens. Bevorzugte Anteile sind 0,5 - 10 Mol-% oder 1 - 5 Mol-%, wobei diese Angaben auf die jeweiligen Schalen bezogen sind und sich die Anteile in verschiedenen Schalen
unterscheiden können.

Die vorstehend genannten Amide der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure, oder aminsubstituierte Alkylester der Acrylsäure und/oder der Methacrylsäure können gegebenenfalls auch nebeneinander in einer oder mehreren Schalen der Latexteilchen vorhanden sein. In diesem Fall ist der gemeinsame Anteil der Verbindungen 0,1 - 20 Mol-%. Bevorzugte Anteile sind 0,5 - 10 Mol-% oder 1 -5 Mol-%, wobei diese Angaben auf die jeweiligen Schalen bezogen sind und sich die Anteile in verschiedenen Schalen unterscheiden können.

Als weiteren Bestandteil können die Schalen der Latexteilchen 0 - 30 Mol-%, 0 - 20 Mol-%, 0 - 10 Mol-% oder 0 - 5 Mol-% von einem oder mehreren copolymerisierbaren Monomeren enthalten. Die Anwesenheit dieser
Monomeren kann in besonderen Fällen günstig sein, um gegebenenfalls bestimmte Eigenschaften der Schale der Latexteilchen gezielt einzustellen. Möglich sind alle vinylisch ungesättigte Verbindungen, die unter den gegebenen Polymerisationsbedingungen in das Polymer eingebaut werden können, das die jeweilige Schale bildet.

Hierzu gehören unter anderem
Nitrile der (Meth)acrylsäure und andere stickstoffhaltige Methacrylate, wie Methacryloylamidoacetonitril,
2-Methacryloyloxyethylmethylcyanamid,
Cyanomethylmethacrylat;
carbonylhaltige Methacrylate, wie
Oxazolidinylethylmethacrylat,
N-(Methacryloyloxy)formamid,
Acetonylmethacrylat,
N-Methacryloylmorpholin,
N-Methacryloy l-2-pyrrolid inon ;
Glycoldimethacrylate, wie 1 ,4-Butandiolmethacrylat, 2-Butoxyethylmethacrylat,

2-Ethoxyethoxymethylmethacrylat,
2-Ethoxyethylmethacrylat,
Methacrylate von Etheralkoholen, wie
Tetrahydrofurfurylmethacrylat,
Vinyloxyethoxyethylmethacrylat,
Methoxyethoxyethylmethacrylat,
1 -Butoxypropylmethacrylat,
1-Methyl-(2-vinyloxy)ethyimethacrylat,
Cyclohexyloxymethylmethacrylat,
Methoxymethoxyethylmethacrylat,
Benzyloxymethylmethacrylat,
Furfurylmethacrylat,
2-Butoxyethylmethacrylat,
2-Ethoxyethoxymethylmethacrylat,
2-Ethoxyethylmethacrylat,
Allyloxymethylmethacrylat,
1 -Ethoxybutylmethacrylat,
Methoxymethylmethacrylat,
1 -Ethoxyethylmethacrylat,
Ethoxymethylmethacrylat;

Oxiranylmethacrylate, wie
2,3-Epoxybutylmethacrylat,
3,4-Epoxybutylmethacrylat,
Glycidylmethacrylat;
Phosphor-, Bor- und/oder Silicium-haltige Methacrylate, wie
2-(Dimethylphosphato)propylmethacrylat,
2-(Ethylenphosphito)propylmethacrylat,
Dimethylphosphinomethylmethacrylat,
Dimethylphosphonoethylmethacrylat,
Diethylmethacryloylphosphonat,
Dipropylmethacryloylphosphat;
schwefelhaltige Methacrylate, wie
Ethylsulfinylethylmethacrylat,
4-Thiocyanatobutylmethacrylat,
Ethylsulfonylethylmethacrylat,
Thiocyanatomethylmethacrylat,
Methylsulfinylmethylmethacrylat,
Bis(methacryloyloxyethyl)sulfid;
Trimethacrylate, wie
Trimethyloylpropantrimethacrylat;

Vinylester, wie Vinylacetat;
Styrol, substituierte Styrole mit einem Alkylsubstituenten in der Seitenkette, wie z. B. α-Methylstyrol und α-Ethylstyrol, substituierte Styrole mit einem
Alkylsubstitutenten am Ring, wie Vinyltoluol und p-Methylstyrol;
Heterocyclische Vinylverbindungen, wie 2-Vinylpyridin, 3-Vinylpyridin, 2-Methyl-5-vinylpyridin, 3-Ethyl-4-vinylpyridin, 2,3-Dimethyl-5-vinylpyridin, Vinylpyrimidin, Vinylpiperidin, 9-Vinylcarbazol, 3-Vinylcarbazol, 4-Vinylcarbazol,
1-Vinylimidazol, 2-Methyl-1-vinylimidazol, N-Vinylpyrrolidon, 2-Vinylpyrrolidon, N-Vinylpyrrolidin, 3-Vinylpyrrolidin, N-Vinylcaprolactam, N-Vinylbutyrolactam, Vinyloxolan, Vinylfuran, Vinylthiophen, Vinylthiolan, Vinylthiazole und hydrierte Vinylthiazole, Vinyloxazole und hydrierte Vinyloxazole;
Vinyl- und Isoprenylether;
Maleinsäurederivate, wie beispielsweise Diester der Maleinsäure, wobei die Alkoholreste 1 bis 9 Kohlenstoffatome aufweisen, Maleinsäureanhydrid, Methylmaleinsäureanhydrid, Maleinimid, Methylmaleinimid;
Fumarsäurederivate, wie beispielsweise Diester der Fumarsäure, wobei die Alkoholreste 1 bis 9 Kohlenstoffatome aufweisen;
Diene wie beispielsweise Divinylbenzol.

Alpha-Olefine wie Ethen, Propen, n-Buten, i-Buten, n-Penten, i-Penten, n-Hexen, i-Hexen.

Cyclohexen.

Die zuvor genannten ethylenisch ungesättigten Monomere können einzeln oder als Mischungen eingesetzt werden.

In einer speziellen Ausführungsform können die weiteren copolymerisierbaren

Monomeren der Schale(n) auch ethylenisch ungesättigte Monomere mit mindestens einer Carbonsäuregruppe, Sulfonsäuregruppe und/oder mindestens einer Phosphonsäuregruppe umfassen. Dies sind alle organische
Verbindungen, die sowohl mindestens eine ethylenische Doppelbindung als auch mindestens eine Carbonsäuregruppe, Sulfonsäuregruppe und/oder mindestens eine Phosphonsäuregruppe aufweisen. Zu ihnen gehören beispielsweise:
Acrylsäure,
Methacrylsäure,
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-maleat (Monoester aus 2- Hydroxyethylmethacrylat (HEMA) und Maleinsäure), 1 -[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-maleat (Monoester aus 2-Hydroxyethylacrylat

(HEΞA) und Maleinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-succinat (Monoester aus HEMA und

Bernsteinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-succinat (Monoester aus HEA und
Bernsteinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)ethyl]-phtalat (Monoester aus HEMA und

Phthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-phtalat (Monoester aus HEA und Phthalsäure),

1-[2-(lsopropenyicarbonyloxy)ethyl]~hexahydrophtalat (Monoester aus HEMA und Hexahydrophthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)ethyl]-hexahydrophtalat (Monoester aus HEA und

Hexahydrophthalsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-maleat (Monoester aus 2- Hydroxybutylmethacrylat (HBMA) und Maleinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-maIeat (Monoester aus 2-Hydroxybutylacrylat

(HBA) und Maleinsäure),
1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-succinat (Monoester aus HBMA und

Bernsteinsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-succinat (Monoester aus HBA und
Bernsteinsäure),
1-[2~(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-phtalat (Monoester aus HBMA und

Phthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-phtalat (Monoester aus HBA und Phthalsäure),

1-[2-(lsopropenylcarbonyloxy)butyl]-hexahydrophtalat (Monoester aus HBMA und Hexahydrophthalsäure),
1-[2-(Vinylcarbonyloxy)butyl]-hexahydrophtalat (Monoester aus HBA und

Hexahydrophthalsäure),
Fumarsäure,
Monoester der Fumarsäure, Maleinsäure,
Monoester der Maleinsäure,
Crotonsäure,
Itaconsäure,
Acrylamidoglykolsäure,
Methacrylamidobenzoesäure,
Zimtsäure,
Vinylessigsäure,
Trichloracrylsäure,
10-Hydroxy-2-decensäure,
4-Methacryioxyethyltrimethylsäure,
Styrolcarbonsäure,
2-(lsopropenylcarbonyloxy)-ethansulfonsäure,
2-(Vinylcarbonyloxy)-ethansulfonsäure,
2-(lsopropenylcarbonyloxy)-propyisulfonsäure,
2-(Vinylcarbonyloxy)-propylsulfonsäure,
2-Acrylamido-2-methylpropansu!fonsäure,
Acrylamidododecansulfonsäure,
2-Propen-1 -sulfonsäure,
Methallylsulfonsäure,
Styrolsulfonsäure,
Styroldisulfonsäure,
Methacrylamidoethanphosphonsäure,
Vinylphosphonsäure.

Diese ethylenisch ungesättigten Monomere mit mindestens einer
Carbonsäuregruppe, Sulfonsäuregruppe und/oder mindestens einer
Phosphonsäuregruppe sind jedoch in weniger als 0,5 Mol-%, bevorzugt weniger als 0,4 Mol-% und besonders bevorzugt weniger als 0,3 Mol-% enthalten.
Höhere Anteile an den vorstehend genannten Monomeren sind auf Grund der hohen Polarität dieser funktionellen Gruppen schädlich für die erfindungsgemäß niedrige Wasseraufnahme und werden deshalb vermieden.

Die Mol-Anteile der vorstehend genannten Komponenten der jeweiligen
Schale(n) der Latexteilchen können jeweils in den genannten Bereichen variiert werden, wobei jedoch immer zu beachten ist, dass die Summe der gewählten Anteile der Komponenten a'), b'), c') und d') innerhalb einer Schale zusammen 100 Mol-% ergeben muss.

In einer besonderen Ausführungsform besteht das Kern/Schale-Polymer aus einem Kern und einer Schale. Das Gewichtsverhältnis von Kern zu Schale kann in weiten Grenzen variiert werden und liegt zwischen 10 : 90 und 90 : 10.
Dieses Gewichtsverhältnis ergibt sich aus der Einwaage der Monomeren.

Weitere Ausführungsformen können Kern/Schale-Polymerisate sein, die aus einem Kern und zwei oder mehr Schalen bestehen. Die Anzahl der Schalen beträgt in den meisten Fällen 2 oder 3, kann jedoch auch darüber liegen. Die chemische Zusammensetzung einzelner oder aller Schalen kann gleich sein oder aber gegebenenfalls unterschiedliche Monomerzusammensetzungen aufweisen.

Eine weitere bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass sowohl die Komponente b) des Kerns als auch die Komponente b') von mindestens einer Schale n-Butyl(meth)acrylat, i-Butyl(meth)acrylat oder t-Butyl(meth)acrylat oder eine Mischung hieraus ist.

In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform enthalten die Kern/Schale-Polymerisate in mindestens einer Schale weniger als 0,5 Mol-%, bevorzugt weniger als 0,4 Mol-% und besonders bevorzugt weniger als 0,3 Mol-% eines Monomeren mit einer Carboxylgruppe oder einer Sulfonsäuregruppe oder einer Phosphonsäuregruppe.

Höhere Anteile an den vorstehend genannten Monomeren sind auf Grund der hohen Polarität dieser funktionellen Gruppen schädlich für die erfindungsgemäß niedrige Wasseraufnahme und werden deshalb vermieden. Die Schale(n) können jedoch gegebenenfalls noch weitere copolymerisierbare Monomere enthalten, bis die bereits genannte Obergrenze erreicht ist.

Aus den erfindungsgemäßen Polymerisaten können Plastisole hergestellt werden, die Kern/Schale-Polymerisate und mindestens einen Weichmacher enthalten. Weichmacher werden oft auch als Plastifizierungsmittel bezeichnet. In vielen Fällen wird die Verwendung eines einzigen Weichmachers genügen, es kann aber auch vorteilhaft sein, ein Gemisch von zwei oder mehreren verschiedenen Weichmachern zu verwenden.

Als Weichmacher besonders erwähnt seien die Phthalate, wie zum Beispiel das

Diisodecylphthalat, Diethylhexylphthalat, Diisononylphtalat,
Di-C7-C11-n-alkylphthalat, Dioctylphthalat, Trikresylphosphat, Dibenzyltoluol, und Benzyloctylphthalat.
Darüber hinaus können auch andere Verbindungen wie Citrate, Phosphate und

Benzoate verwendet werden.
Die genannten Weichmacher können auch als Mischungen eingesetzt werden.

Die Mengenverhältnisse in Plastisolpasten können in weiten Bereichen variieren. In typischen Rezepturen sind die Weichmacher in Anteilen von 50 bis 300 Gew.-Teilen, auf 100 Gew.-Teile des Kern/Schale-Polymerisats enthalten. Zur Anpassung an die Theologischen Anforderungen - insbesondere bei der Verarbeitung der Plastisole - können zudem Lösungsmittel (wie zum Beispiel Kohlenwasserstoffe) als Verdünner eingesetzt werden.

Weiter enthalten die Piastisole gewöhnlich noch anorganische Füllstoffe in

Mengen von 0-300 Gew.-Teilen. Genannt seien beispielsweise
Calciumcarbonat (Kreide), Titandioxid, Calciumoxid, gefällte und gecoatete

Kreiden als rheologisch wirksame Additive, ferner gegebenenfalls
Thixotropierungsmittel wie z. B. pyrogene Kieselsäure.
Oftmals werden dem Plastisol außerdem Haftvermittler in Mengen von 40-120

Gew.-Teilen zugesetzt; verwendet werden beispielsweise Polyaminoamide oder blockierte Isocyanate.
Selbstvernetzende blockierte Isocyanate, als besonders effektive Haftvermittler in der Anwendung bei Bereich Poly(meth)acrylat-Plastisolen werden zum
Beispiel in EP 1371674 beschrieben.

Die Piastisole können anwendungsbedingt noch weitere plastisolübliche
Bestandteile (Hilfsstoffe) wie Netzmittel, Stabilisatoren, Verlaufsmittel,
Pigmente, Treibmittel enthalten.
Erwähnt seien z. B. Calciumstearat als Verlaufsmittel.

Prinzipiell kann die Mischung der Komponenten für die erfindungsgemäßen Plastisole mit verschiedenartigen Mischern vorgenommen werden. Im Einklang mit den Erfahrungen bei PVC- und Poly(meth)acrylat-Plastisolen werden jedoch langsam laufende Planeten-Rührwerke, Hochgeschwindigkeits-Mischer bzw. Dissolver, Horizontal-Turbomischer und Dreiwalzenwerke bevorzugt; wobei die Wahl von der Viskosität der erzeugten Plastisole beeinflußt wird.

Die Plastisol-Masse kann typischerweise in Schichtstärken von 0,05 - 5 mm bei Temperaturen von 100 - 220 0C (vorzugsweise 120 - 160 0C) innerhalb von weniger als 30 Minuten geliert werden.

Bevorzugt werden als Auftragungsmodus für die Beschichtung von Metallteilen derzeit Spritzverfahren, z. B. Pastenspritzverfahren. Dabei wird das Plastisol gewöhnlich mit hohen Drücken (ca. 300 - 400 bar) über airless-Spritzpistolen verarbeitet.
Im besonders wichtigen Anwendungsbereich Automobilherstellung /
Unterbodenschutz wird gewöhnlich so verfahren, dass das Plastisol nach der Elektrotauchlackierung der Karosserie und erfolgter Trocknung aufgetragen wird. Die thermische Härtung geschieht gewöhnlich in einem Heizofen (z.B. Umluftofen) bei üblichen Verweilzeiten - abhängig von der Temperatur -im Bereich 10 - 30 Minuten und Temperaturen zwischen 100 und 200 0C, vorzugsweise 120 - 160 0C.
Die kataphoretische Beschichtung von metallischen Substraten ist vielfach beschrieben worden (vgl. DE-A 27 51 498, DE-A 27 53 861, DE-A
27 32 736, DE-A 27 33 188, DE-A 28 33 786).

Die vorliegenden Kern/Schale-Polymerisate sind dadurch gekennzeichnet, dass deren Wasseraufnahme weniger als 3,0 % beträgt. In besonderen
Ausführungsformen können die Kern/Schale-Polymerisate auch eine
Wässeraufnahme von weniger als 2,0 %, weniger als 1 ,5 % oder weniger als 1,0% aufweisen. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt die Wasseraufnahme der Kern/Schale-Polymerisate weniger als 0,8 % oder weniger als 0,5 %.
Die Bestimmung der Wasseraufnahme erfolgt durch eine im Rahmen der vorliegenden Offenbarung beschriebenen Methode, bei der die entsprechenden Polymerisatproben getrocknet und bei einem definierten Normklima gelagert werden. Die Bestimmung der Wasseraufnahme erfolgt durch Differenzwägung in der beschriebenen Weise.

Die unter Verwendung der erfindungsgemäßen Kern/Schaie-Polymerisate herrgestellten Plastisolpasten weisen ebenfalls eine geringe Wasseraufnahme auf.

Eine geringe Wasseraufnahme von Polymerpulver bzw. Plastisolpaste stellt einen erheblichen Verarbeitungsvorteil dar, da keine Beeinträchtigungen der Filmqualität durch Blasenbildung auftreten, wenn das Pulver oder die Paste beispielsweise bei der Lagerung oder der Verarbeitung feuchter Luft ausgesetzt sind.

Das Verfahren zur Herstellung der Plastisole auf Basis eines Kem/Schale-Polymerisats ist dadurch gekennzeichnet, dass

a) das Kern/Schale-Polymer durch Emulsionspolymerisation, die
gegebenenfalls mehrstufig ist, hergestellt wird,
b) die entstandene Dispersion getrocknet und
c) anschließend mit mindestens einem Weichmacher und
gegebenenfalls mit Haftvermittlern und/oder Füllstoffen und
gegebenenfalls weiteren plastisolüblichen Bestandteilen versetzt wird.

Geeignete Mischungsverhältnisse sind 100 Mol-Teile Kern/Schale-Polymer mit 50 - 300 Mol-Teilen Weichmacher, 40 - 120 Mol-Teilen Haftvermittler und/oder 0 - 300 Mol-Teilen Füllstoffen

Die Herstellung der Kern/Schale-Polymerisate kann durch
Emulsionspolymerisation erfolgen. Diese Methode ist dem Fachmann bekannt und in Standardwerken ausführlich beschrieben.

Die Herstellung der Kern/Schale-Polymerisate kann in an sich bekannter Weise erfolgen, bevorzugt durch Emulsionspolymerisation, die gegebenenfalls mehrstufig ausgeführt werden kann.
Bei Anwendung der Emulsionspolymerisation kann vorteilhaft nach dem
Emulsions- oder Monomerzulaufverfahren gearbeitet werden, wobei ein Teil des Wassers sowie die Gesamtmenge oder Anteile des Initiators und des Emulgators vorgelegt werden. Die Teilchengröße läßt sich bei diesen Verfahren mit Vorteil durch die Menge des vorgelegten Emulgators steuern. Als
Emulgatoren sind vor allem anionische und nichtionische Tenside verwendbar. Im allgemeinen wird die verwendete Emulgatormenge - bezogen auf das Polymerisat - 2,5 Gew.-% nicht überschreiten.
Als Initiator können neben den in der Emulsionspolymerisation üblichen
Verbindungen, wie z. B. Perverbindungen wie Wasserstoffperoxid,
Ammoniumperoxidisulfat (APS) auch Redoxsysteme wie Natriumdisulfit-APS-Eisen sowie wasserlösliche Azo-Starter verwendet werden. Die Initiatormenge liegt im allgemeinen bei 0,005 bis 0,5 Gew.-%, bezogen auf das Polymerisat.

Die Polymerisationstemperatur richtet sich innerhalb gewisser Grenzen nach den Initiatoren. So arbeitet man bei Anwendung von APS vorteilhaft im Bereich von 60 - 90 0C. Bei Einsatz von Redoxsystemen kann auch bei tieferen
Temperaturen, beispielsweise bei 30 0C polymerisiert werden. Neben
Zulaufpolymerisation kann auch nach dem Verfahren der Batch-Polymerisation gearbeitet werden. Dabei wird die Gesamtmenge bzw. ein Anteil der
Monomeren mit allen Hilfsstoffen vorgelegt und die Polymerisation gestartet. Das Monomer-Wasser-Verhältnis muß dabei der freiwerdenden
Reaktionswärme angepaßt werden. In der Regel treten keine Schwierigkeiten auf, wenn man eine 50 %-ige Emulsion so erzeugt, daß man zunächst die Hafte der Monomeren und der Hilfsstoffe in der Gesamtmenge des Wassers emulgiert und dann bei Raumtemperatur die Polymerisation auslöst und nach erfolgter Reaktion den Ansatz abkühlt und die verbleibende Hafte der
Monomeren zusammen mit den Hilfsstoffen zusetzt.

Die aus diesem Verfahren erhaltenen Primärpartikel haben typischerweise eine durchschnittliche Partikelgröße von 250 bis 1000 nm, die z.B. durch
Laserbeugung bestimmt werden kann.

Die Gewinnung der Bindemittel in fester Form kann in herkömmlicher Weise durch Gefriertrocknung, Ausfällen oder vorzugsweise Sprühtrocknung vorgenommen werden.

Die Sprühtrocknung der Dispersionen kann in bekannter Weise erfolgen.
Großtechnisch werden sogenannte Sprühtürme verwendet, die üblicherweise im Gleichstrom mit der eingesprühten Dispersion von oben nach unten mit Heißluft durchströmt werden. Die Dispersion wird durch eine oder viele Düsen versprüht oder bevorzugt mittels einer schnell rotierenden Lochscheibe zerstäubt. Die eintretende Heißluft hat eine Temperatur von 100 bis 250, vorzugsweise von 150 - 250 0C. Für die Eigenschaften des sprühgetrockneten Emulsionspolymerisats ist die Austrittstemperatur der Luft entscheidend, d.h. die Temperatur, bei der die getrockneten Pulverkörnchen am Fuß des
Sprühturms oder in einem Zyklonabschneider von dem Luftstrom getrennt werden. Diese Temperatur soll möglichst unter der Temperatur liegen, bei der das Emulsionspolymerisat sintern oder schmelzen würde. In vielen Fällen ist eine Austrittstemperatur von 50 - 90 0C gut geeignet.
Die Austrittstemperatur läßt sich bei konstantem Luftstrom durch Variation der kontinuierlich je Zeiteinheit eingesprühten Dispersionsmenge regeln.

Dabei kommt es meist zur Bildung von Sekundärteilchen, die aus
agglomerierten Primärpartikel bestehen. Unter Umständen kann es vorteilhaft sein, dass die einzelnen Latexteilchen beim Trocknen miteinander zu größeren Einheiten verkleben (partielle Verglasung). Als Richtwert für die
durchschnittlichen Korngrößen der agglomerierten Einheiten (gemessen beispielsweise mit der Methode der Laserbeugung) kann man 5 - 250 μm annehmen.

Die erfindungsgemäß hergestellten Plastisole eignen sich insbesondere für die

Verwendung als Unterbodenschutz und zur Nahtabdichtung vor allem im

Automobilbau.
Ein weiteres vorteilhaftes Anwendungsgebiet der erfindungsgemäßen Produkte ist die Beschichtung von Bauteilen (wie z.B. Karosseriebestandteilen) zur akustischen Schalldämpfung.

Desweiteren sind zahlreiche andere Anwendungen möglich, vor allem solche in denen schon bisher Plastisole auf PVC-Basis eingesetzt werden.

Bestimmungsmethoden:

Bestimmung der Wasseraufnahme des Polymerisatpulvers:

Die Beurteilung der Wasseraufnahme wurde angelehnt an die Norm DIN EN ISO 62 zur Bestimmung der Wasseraufnahme durchgeführt.
Dazu wurden die Polymerpulver bei 600C in einem Vakuumtrockenschrank getrocknet, bis der Trocknungsverlust (gemessen mit einem Mettler-Halogentrockner HR73) unter 0,1% lag.
Dann wurde eine Probe von ungefähr 25 g Polymerpulver exakt auf ein Uhrglas (Durchmesser 0 = 120 mm) eingewogen (Wägeungenauigkeit höchstens 0,1 mg). Diese Probe wurde für 7 Tage in Normklima 23/50 (DIN EN ISO 291) gelagert.
Nach dieser Lagerung wurde die Gewichtszunahme des Polymeren durch Auswaage des Polymeren bestimmt und nach der Formel

Auswaage - Einwaage
Gewichtszunahme in % = * 100
Einwaage

berechnet.

Bestimmung der Wasseraufnahme der Platisolpaste:

Die Herstellung der Plastisolpaste zur Beurteilung der Wasseraufnahme erfolgt in einem Dissolver analog der in DIN 11468 für Polyvinylchlorid-Pasten festgelegten Verfahren.

Verwendet wurden folgende Komponenten :

- 100 Gewichtsteile Bindemitte! (Kern/Schale-Polymerisat)
- 100 Gewichtsteile Weichmacher (Diisononylphthalat)

Die Plastisolpaste wurde mit einem Rakel auf einer Fläche von 80 mm x 80 mm mit einer Dicke von 2 mm auf eine dünne Metallplatte (Dicke ca. 1mm) aufgetragen.
Diese Metallplatte wurde .10 Tage bei 3O0C in einer Atmosphäre mit 80% relativer Luftfeuchtigkeit gelagert. Anschließend wurde das Plastisol in einem

1500C heißen Ofen während 60 Minuten ausgeliert.
Die Beurteilung der Wasseraufnahme erfolgte qualitativ anhand der optischen

Beurteilung der Filmoberfläche; hohe Wasseraufnahme zeigte sich in
Unebenheiten und Blasen, während gute Proben eine glatte, fehlerfreie
Oberfläche aufwiesen.

Bestimmung der Kältflexibilität

Die Beurteilung der Kältflexibilität erfolgt in Anlehnung an DIN 53152
("Dombiegeversuch an Anstrichen und ähnlichen Beschichtungen.").
Zunächst wird (analog dem in DIN 11468 für Polyvinylchlorid-Pasten festgelegten Verfahren) in einem Dissolver eine Plastisolpaste, bestehend aus gleichen Gewichtsteilen Bindemittel und Weichmacher (Diisononylphthalat) hergestellt.
Diese wird in einer Dicke von 2 mm auf eine mit Teflon-Spray behandelte

Metallplatte aufgetragen und 60 Minuten bei 1500C in einem Elektroofen ausgeliert.
Nach dem Abkühlen wird der Film von dem Substrat abgehoben und mindestens 12 Stunden bei bei -25°C gelagert.

Anschließend wird der Film über einen 12 mm dicken Dorn gebogen.
Ein sehr gut kälteflexibler Plastisolfilm erträgt diese Behandlung ohne sichtbare

Schäden.
Bei etwas schlechter kälteflexiblen Filmen zeigt sich ein Weißbruch, der noch reversibel sein kann.
Bei schlecht kälteflexiblen Plastisolfilmen zeigen sich feine Risse oder gar ein

Bruch des Materials.

Bestimmung der Abriebsfestigkeit

Die Abriebsfestigkeit ist ein herausragendes Qualitätskriterium für Piastisole. Eine häufig verwendete Meßmethode wird in EP 1371674 beschrieben. Der dort dargestellte Chipping-Resistance-Test beruht auf einer Methode, bei der die zu untersuchende Beschichtung mit einer definierten Schichtdicke auf einen Träger (zumeist ein Blech) aufgetragen wird. Unter einem definierten Winkel werden dann aus einer definierten Höhe Schraubenmuttern auf die Beschichtung fallen gelassen. Die Menge an Schraubenmuttern, die die Beschichtung aushält, bevor das darunterliegende Material zum Vorschein kommt wird als Messwert für die Abriebsfestigkeit herangezogen.
Hohe Werte entsprechen guten Abriebsfestigkeiten.

Bestimmung der Lagerstabilität

Als Maß für die Lagerstabilität wird der Anstieg der Viskosität einer

Plastisolpaste über einen definierten Zeitraum, bei definierter Lagerung herangezogen.
Analog zu dem in DIN 11468 beschriebenen Verfahren wird aus gleichen Teilen

Weichmacher und Bindemittel eine Plastisolpaste hergestellt. Die Viskosität Vi des frisch hergestellten Plastisols wird gemessen; anschließend wird die Paste in einem verschlossenen Behälter für 7 Tage bei 35°C gelagert.
Dann wird die Viskosität VE der gelagerten Paste gemessen.
Der Anstieg der Viskosität in Prozent errechnet sich gemäß der Formel :

(VE-V,)/(V|)*100

Beispiel 1

In einem mittels Wasserbad temperierbaren 5-Liter-Reaktor mit Rührer,
Rückflusskühler, Thermometer und Dosierpumpe werden unter
Stickstoffatmosphäre 1100 g Wasser vorgelegt. Unter Rühren wird auf 740C- 76°C vorgeheizt.
Zur Initiierung werden 30 ml einer 5%-igen wässrigen Lösung
Natriumperoxodisulfat und 30 ml einer 5%-igen wässrigen Lösung
Natriumhydrogensulfit zugesetzt.
Anschließend wird im Verlauf einer Stunde eine Monomeremulsion, bestehend aus 500g Methylmethacrylat, 250 g iso-Butylmethacrylat und 250 g
n-Butylmethacrylat, sowie 8 g Sulfobemsteinsäure-bis-2-ethylhexylester
(Natriumsalz) und 450 ml deionisiertem Wasser, zugetropft.
Nach beendeter Zudosierung wird 30 min gerührt und anschließend werden weitere 15 ml einer 5%-igen wässrigen Lösung Natriumperoxodisulfat und 15 ml einer 5%-igen wässrigen Lösung Natriumhydrogensulfit zugegeben.
Es wird eine zweite Monomeremulsion bestehend aus 700 g Methylmethacrylat,

130 g iso-Butylmethacrylat, 130 g n-Butylmethacrylat, 40 g Methacrylamid und

8 g Sulfobernsteinsäure-bis-2-ethylhexylester (Natriumsalz) und 450 ml deionisiertem Wasser innerhalb einer Stunde zudosiert. Ein Anstieg der
Reaktionstemperatur über 800C wird mittels Wasserbadkühlung vermieden.

Nach Zugabe der Emulsion wird die Temperatur während einer
Nachreaktionszeit von 30 min zwischen 75°C und 800C gehalten, bevor die entstandene Dispersion auf Raumtemperatur abgekühlt wird.
In einem Trockenturm mit Zentrifugalzerstäuber wird die Polymerdispersion in ein Pulver überführt. Die Turmaustrittstemperatur beträgt dabei 80°C; die Umdrehungsgeschwindigkeit der Zerstäuberscheibe beträgt 20000 min-1.

Vergleichsbeispiel 2

Das Vorgehen ist analog zu Beispiel 1, mit dem Unterschied, dass anstelle von 40 g Methacrylamid weitere 40 g Methylmethacrylat eingesetzt werden.

Vergleichsbeispiel 3

Das Vorgehen ist analog zu Beispiel 1, mit dem Unterschied, dass anstelle von 40 g Methacrylamid 40 g Methacrylsäure eingesetzt werden.

Beurteilung der Lagerstabilität

Die Pasten aus den Bindemitteln nach Beispiel 1 und Vergleichsbeispiel 3 weisen eine gute Lagerstabilität auf. Der Anstieg der Viskosität im
Versuchszeitraum ist kleiner als 10%.
Das Bindemittel nach Vergleichsbeispiel 2 weist eine sehr schlechte
Lagerstabilität auf. Die Viskosität steigt innerhalb von 7 Tagen auf mehr als den doppelten Wert.

Beurteilung der Wasseraufnahme

Das Bindemittel-Pulver nach Beispiel 1 weist nach der oben beschriebenen

Methode eine Wasseraufnahme von 0,92 % auf.
Die Paste ergibt nach Ausgelierung einen glatten, fehlerfreien Film ohne

Blasen.
Die Wasseraufnahme des Vergleichsbeispieles 3 mit Methacrylsäure ist deutlich höher.

Beurteilung der Kältflexibilität

Die beste Kälteflexibilität weist das Vergleichsbeispiel 2 auf, das keine stabilisierenden Monomere in der Schale enthält; dieser Film zeigt beim
Dornbiegeversuch keine erkennbaren Schäden.
Die Kälteflexibilität des erfindungsgemäßen Plastisols mit dem Bindemittel nach

Beispiel 1 weist eine schlechtere aber durchaus akzeptable Kälteflexibilität auf : es ist lediglich ein leichter, reversibler Weißbruch zu erkennen.
Das Plastisol aus dem Bindemittel nach Vergleichsbeispiel 3 weist eine schlechte Kälteflexibilität auf : beim Biegeversuch zeigt sich eine deutliche

Rissbildung.

Beurteilung der Abriebsfestigkeit

Im Verlgleich der aus den Bindemitteln nach Beispiel 1 und Vergleichsbeispiel 3 hergestellten Plastisolen zeigt der erfindungsgemäße Plastisolfilm eine 12% höhere Abriebsfestigkeit.

Zusammenfassung der Beispiele

Man erkennt an der Lagerstab iiität, daß ein stabilisierendes Monomer in der Schale vorhanden sein muß; diese Funktion erfüllen sowohl Methacrylsäure als auch Methacrylamid. Das Bindemittel nach Vergleichsbeispiel 2 erfüllt diese Anforderung nicht.
Während die Methacrylsäure jedoch einen schlechten Einfluß auf
Wasseraufnahme, Abriebsbeständigkeit und Kälteflexibilität ausübt, ist dieser Einfluß bei Methacrylamid erheblich schwächer ausgeprägt.