In Bearbeitung

Bitte warten ...

Einstellungen

Einstellungen

Gehe zu Anmeldung

1. WO2003033510 - NEUE CHIRALE LIGANDEN UND DEREN ÜBERGANGSMETALLKOMPLEXE SOWIE DEREN KATALYTISCHE ANWENDUNG

Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

[ DE ]
Neue chirale Liganden und deren Übergangsmetallkomplexe sowie deren
katalytische Anwendung

Beschreibung:

Die vorliegende Erfindung betrifft neue chirale Phosphanliganden sowie deren Anwendung in katalytischen Reaktionen.

Chirale Organophosphorverbindungen als Liganden in der homogenen Katalyse haben in den letzten Jahren ständig an Bedeutung gewonnen. Insbesondere chirale Phosphanliganden finden eine technische Anwendung als Bestandteile von
Katalysatoren für die Herstellung von Feinchemikalien oder von Zwischenprodukten für Pharmazeutika und Agrochemikalien. Solche katalytischen Verfahren und technischen Prozesse unterliegen darüber hinaus einer ständigen
Weiterentwicklung, wobei die Verbesserung neuer Katalysator- und
Ligandensysteme im Mittelpunkt der Bemühungen steht.

Die Eignung bestimmter phosphorhaltiger Liganden zur katalytischen Umsetzung spezifischer Substrate hängt von den sterischen und elektronischen Eigenschaften am koordinierenden Phosphoratom ab. Durch Variation der Substituenten am Phosphor in solchen Verbindungen lassen sich somit die elektronischen und sterischen Eigenschaften des Phosphorliganden gezielt beeinflussen, so dass Selektivität und Aktivität bei homogen-katalytischen Prozessen gesteuert werden können.

Enantiomerenangereicherte chirale Liganden werden in der asymmetrischen Synthese bzw. asymmetrischen Katalyse eingesetzt, hier kommt es wesentlich darauf an, dass die elektronischen und die stereochemischen Eigenschaften des Liganden auf das jeweilige Katalyseproblem optimal abgestimmt sind. Es besteht somit ein großer Bedarf an chiralen Liganden, die sich stereochemisch und elektronisch unterscheiden, um den für eine bestimmte asymmetrische Katalyse optimalen „maßgeschneiderten" Liganden aufzufinden.

Chirale Liganden werden z. B. bei stereoselektiven Hydrierreaktionen von Olefinen, beispielsweise zur Herstellung von enantiomerenreinen Aminosäurederivaten, eingesetzt. Ein Übersichtsartikel, der diese Methodik beschreibt, findet sich beispielsweise in M. Beller, C. Bolm, Transition Metals for Organic Synthesis, Vol. 2, S. 13, VCH-Wiley, Weinheim 1998. Weitere häufig angewandte Methoden zur Synthese von chiralen Verbindungen unter Verwendung chiraler Phosphanliganden sind z. B. asymmetrische Allylsubstitutionen, asymmetrische Kupplungsreaktionen (Heck-, Suzuki-Reaktion, Negishi-Kupplung) und asymmetrische Cyanierungen und Vinylierungen.

Bei all diesen Reaktionen werden, um hohe Enantioselektivitäten zu erreichen, chelatisierende Phosphanliganden eingesetzt. Häufig ist die Darstellung
chelatisierender Liganden mit größeren Schwierigkeiten verbunden als die
Herstellung einfacherer monodentater Phosphanliganden. Daher besteht ein großes Interesse neue monodentate Phosphanliganden herzustellen, die allerdings hochenantioselektive Reaktionen erlauben.

Das auch monodentate chirale phosphorhaltige Ligande als chirale Liganden zur Durchführung enantioselektiver katalytischer Prozesse geeignet sind, wird in einem Übersichtsartikel von I. V. Komarev, A. Börner, Angew. Chem. 2001 , 113, 1237 anhand von Phosphit- und Aminophosphonitliganden beschrieben. Die dort dargestellten Liganden sind jedoch für viele, mit Hilfe von Phosphanliganden durchführbarer katalytischen Umsetzungen nicht geeignet.

Daher besteht ein großer Bedarf an neuen monodentaten chiralen
Phosphanliganden, die einfach herzustellen sind und die eine enantioselektive Reaktionsführung erlauben.

Diese Aufgabe wird gelöst durch Liganden der allgemeinen Formel


(I)
wobei in der Formel I

R1 einen Wasserstoff-, Alkyl-, Alkenyl-, aromatischen oder
heteroaromatischen Aryl-, O-Alkyl, NH-Alkyl, N-(Alkyl)2, wobei die
beiden Alkylreste auch direkt oder über eine Sauerstoffbrücke
miteinander verknüpft sein können, O-(Aryl), NH-(Aryl), N-(Alkyl)(Aryl) Rest darstellen,

R2 bis R9 unabhängig voneinander die Bedeutung von R1 besitzen, oder für
einen Rest ausgewählt aus der Gruppe O-CO-Alkyl, O-CO-Aryl, F, Cl, Br, OH, NO2, Si(Alkyl)3, CF3, CN, CO2H, COH, S03H, CONH2,
CONH(Alkyl), CON(Alkyl)2, SO2(Alkyl), SO(Alkyl), SO(Aryl), SO2(Aryl), SO3(Alkyl), S03(Aryl), S-Alkyl, S-Aryl, NH-CO(Alkyl), CO2(Alkyl),
CONH2, CO(Alkyl), NHCOH, NHCO2(Alkyl), CO(Aryl), CO2(Aryl),
CH=CH-C02(Alkyl), CH=CH-CO2H, PO(Aryl)2, PO(Alkyl)2, PO3H,
PO(0-Alkyl)2 stehen,
wobei jeweils zwei oder mehr benachbarte Reste jeweils unabhängig
voneinander auch miteinander verknüpft sein können, so dass ein
kondensiertes Ringsystem vorliegt und

wobei in R1 bis R9
Alkyl für einen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 12 C-Atomen und Alkenyl für einen ein- oder mehrfach ungesättigten Kohlenwasserstoffrest mit 2 bis 4 C-Atomen steht, die jeweils linear oder verzweigt und die mit Cl, F,
Alkyl-(C C12), 0-Alkyl-(Cι-C12), (C5-Cιo)-Aryl, O-(C5-Cι0)-Aryl, NH2l
NH(Alkyl-(Cι-Cι2)), N(Alkyl-(Cι-Cι2))2 substituiert sein können und
Aryl für einen 5 bis 10 gliedrigen aromatischen Rest steht, der mit Cl, F, Br, Alkyl-(Cι-Cι2), 0-Alkyl-(Cι-Cι2), (C5-Cιo)-Aryl, O-(C5-Cι0)-Aryl, NH2,
NH(Alkyl-(Cι-Cι2)), N(Alkyl-(Cι-Ci2))2, substituiert sein kann, wobei ein bis vier Kohlenstoffatome des aromatischen Rests auch durch
Heteroatome aus der Gruppe Stickstoff, Sauerstoff und Schwefel
ersetzt sein können, so dass ein 5 bis 10 gliedriger heteroaromatischer Rest vorliegt.

Für R1 sind Reste aus der Gruppe Alkyl-, Aryl- oder Heteroaryl-, O-Alkyl, NH-Alkyl, N-(Alkyl)2, Piperidin, Morpholin, O-(Aryl), NH-(Aryl), N-(Alkyl)(Aryl) bevorzugt.

Bevorzugte Reste R2 bis R9 sind unabhängig voneinander ausgewählt aus der Gruppe der O-CO-Alkyl, O-CO-Aryl, Br, CONH2, CONH(Alkyl), CON(Alkyl)2,
SO(Alkyl), SO(Aryl), SO2(Alkyl), S02(Aryl), SO3(Alkyl), SO3(Aryl), NH-CO(Alkyl), C02(Alkyl), CONH2, CO(Alkyl), NHCOH, NHC02(Alkyl), CO2(Aryl), PO(Alkyl)2l PO(O-Alkyl)2 -Reste, besonders bevorzugt sind die Reste Wasserstoff, Alkyl-, Aryl-oder Heteroaryl-, O-Alkyl, NH-Alkyl, N-(Alkyl)2, O-(Aryl), NH-(Aryl), N-(Alkyl)(Aryl), F, Cl, OH, CO2H, SO3H, CO(Alkyl), CO(Aryl), PO(Aryl)2, PO3H.

Bevorzugt steht in R1 bis R9 Alkyl und Alkenyl für einen Kohlenwasserstoffrest mit 1 bis 4 C-Atomen, wobei die Alkenylgruppe eine Doppelbindung besitzt und
Aryl für einen 5 bis 7 gliedrigen aromatischen Rest. Heteroaromatische Arylreste enthalten bevorzugt ein oder zwei Stickstoffatome, ein Stickstoff- und ein
Sauerstoffatom oder ein Schwefel oder ein Sauerstoffatom.

Unter Formel I fallen auch Liganden, die kondensierte Ringsysteme enthalten, wobei zwei oder mehr benachbarte Reste R2 bis R9 miteinander verknüpft vorliegen. In bevorzugten kondensierten Ringsysteme bilden die miteinander verknüpften Reste cycloaliphatische und aromatische Ringe besonders bevorzugt 5 bis 7 gliedrige cycloaliphatische und 6 gliedrige aromatische Ringsysteme. Die Verknüpfung erfolgt dabei bevorzugt über eine direkte Einfach- oder Doppelbindung oder über eine (C-r C3)-Alkyl- oder Alkenylgruppe mit ein oder zwei Doppelbindungen.

Besonders bevorzugte Liganden der Formel I besitzen entsprechend ein
Substituionsmuster worin

R1 einen Alkyl-, Aryl- oder Heteroarylrest, O-Alkyl, NH-Alkyl, N-(Alkyl)2, 0- (Aryl), NH-(Aryl), N-(Alkyl)(Aryl),

R2 bis R9 unabhängig voneinander die Bedeutung von R1 haben oder darüber
hinaus einen Rest aus der Gruppe Wasserstoff, F, Cl, OH, CO2H,
SO3H, CO(Alkyl), CO(Aryl), PO(Aryl)2, PO3H darstellen, wobei jeweils zwei oder mehr benachbarte Reste jeweils unabhängig voneinander
auch miteinander verknüpft sein können, so dass ein kondensiertes
Ringsystem vorliegt

und worin die Alkyl-, Alkenyl-, aromatischen oder heteroaromatischen Arylgruppen der obigen Definition unterliegen und die oben genannte Substituenten tragen können.

Bei der Synthese der erfindungsgemäßen Liganden über enantiomerenreine
Dimethylverbindungen der Formel II mit anschließender Lithiierung mit
Alkyllithiumverbindungen und nachfolgende Umsetzung mit
Aminophosphordichloriden oder Alkyl- bzw. Arylphosphordichloriden hat sich besonders bewährt.


(ll) Vorteilhaft können ausgehend vom entsprechenden 4-Chlor-phosphepin, welches durch HCI/Et2N-Austausch aus dem jeweiligen 4-Amino-phosphepin zugänglich ist, durch Reaktion mit Aminen, Alkoholen und Grignard-Reagenzien eine große Zahl der erfindungsgemäßen Liganden dargestellt werden.
Mit Hilfe dieses Verfahrens sind Verbindungen der Formel I einfach herstellbar, wobei durch die Wahl geeigneter substituierter Edukte die gewünschten
Substitutionsmuster am Liganden erhalten werden können. Der Rest R1 kann darüber hinaus, wie eben beschrieben, auch noch nachträglich modifiziert oder ausgetauscht werden.

Die erfindungsgemäßen Liganden der Formel I werden mit Übergangsmetallen als Katalysatoren eingesetzt.

Die Herstellung der Metall-Ligand-Komplexverbindungen kann in situ durch Reaktion eines Metallsalzes oder eines entsprechenden Vorkomplexes mit den Liganden der allgemeinen Formel (I) erfolgen. Darüber hinaus kann eine Metall-Ligand-Komplexverbindung durch Reaktion eines Metallsalzes oder eines entsprechenden Vorkomplexes mit den Liganden der allgemeinen Formel (I) und anschließende Isolierung gewonnen werden. Die Erzeugung einer solchen Komplexverbindung erfolgt bevorzugt in einer Eintopfreaktion unter Rühren bei erhöhter Temperatur. Katalytisch aktive Komplexverbindungen können dabei auch direkt im
Reaktionsansatz der geplanten katalytischen Umsetzung erzeugt werden.

Beispiele für die Metallsalze sind Metallchloride, -bromide, -iodide, -cyanide, -nitrate, -acetate, -acetylacetonate, -hexafluoracetylacetonate, -tetrafluoroborate,
-perfluoracetate oder -triflate, insbesondere des Palladium, Platins, Rhodium, Ruthenium, Osmium, Iridium, Kobalts, Nickels oder/und des Kupfers.

Geeignete Vorkomplexe zur Herstellung von Katalysatoren sind z. B.
Cyclooctadienpalladiumchlorid, Cyclooctadienpalladiumiodid,
1 ,5-Hexadienpalladiumchlorid, 1 ,5-Hexadienpalladiumiodid,
Bis(dibenzylidenaceton)palladium, Bis(acetonitril)palladium(ll)chlorid,
Bis(acetonitril)palladium(ll)bromid, Bis(benzonitril)palladium(ll)chlorid, Bis(benzonitril)palladium(ll)bromid, Bis(benzonitril)palladium(ll)iodid,
Bis(allyl)palladium, Bis(methallyl)palladium, Allylpalladiumchlorid-Dimer,
Methallylpalladiumchlorid-Dimer, Tetramethylethylendiaminpalladiumdichlorid,

Tetramethylethylendiaminpalladiumdibromid,
Tetramethylethylendiaminpalladiumdiiodid,
Tetramethylethylendiaminpalladiumdimethyl,
Cyclooctadienplatinchlorid, Cyclooctadienplatiniodid, 1 ,5-Hexadienplatinchlorid,

1 ,5-Hexadienplatiniodid, Bis(cyclooctadien)platin, Kalium(ethylentrichloroplatinat),

Cyclooctadienrhodium(l)chlorid-Dimer, Norbomadienrhodium(l)chlorid-Dimer, 1 ,5-Hexadienrhodium(l)chlorid-Dimer, Tris(triphenylphosphan)rhodium(l)chlorid,

Hydridocarbonyltris(triphenylphosphan)rhodium(l)chlorid,
Bis(cyclooctadien)rhodium(l)perchlorat, Bis(cyclooctadien)rhodium(l)tetrafluorborat,

Bis(cyclooctadien)rhodium(l)triflat, Bis(acetonitrilcyclooctadien)rhodium(l)perchlorat,

Bis(acetonitrilcyclooctadien)rhodium(l)tetrafluorborat,
Bis(acetonitrilcyclooctadien)rhodium(l)triflat,
Cyclopentadienrhodium(lll)chlorid-Dimer,
Pentamethylcyclopentadienrhodium(lll)chlorid-Dimer,
(Cyclooctadien)Ru(μ3-allyl)2, ((Cyclooctadien)Ru)2(acetat)4,
((Cyclooctadien)Ru)2(trifluoracetat)4, RuCl2(Aren)-Dimer,
Tris(triphenylphosphan)ruthenium(ll)chlorid, Cyclooctadienruthenium(ll)chlorid,

OsCl2(Aren)-Dimer, Cyclooctadieniridium(l)chlorid-Dimer,
Bis(cycloocten)iridium(l)chlorid-Dimer,
Bis(cyclooctadien)nickel, (Cyclododecatrien)nickel, Tris(norbomen)nickel,
N ickeltetracarbonyl, Nickel( 11 )acetylacetonat,
(Aren)kupfertriflat, (Aren)kupferperchlorat, (Aren)kupfertrifluoracetat, Kobaltcarbonyl.

In katalytischen Reaktionen können die erfindungsgemäßen Liganden als isolierte Komplexe der genannten Übergangsmetalle verwendet werden, aber sie können auch in in situ Form eingesetzt werden.

Katalytische Reaktionen bei denen die erfindungsgemäßen Liganden bzw. deren Komplexe verwendet werden sind beispielsweise katalytische Hydrierungen,
Hydrosilylierungen, Amiπierungen, Allylsubstitutionen, Grignard-Kupplungen, Heck- und Suzuki-Reaktionen, Hydrocyanierungen, Hydrovinylierungen,
Hydroformylierungen, Hydroacylierungen und Hydrocarboxylierungen.

Bevorzugte Reaktionen sind katalytische Hydrierungen, Hydrosilylierungen,
Allylsubstitutionen, Hydrocyanierungen, Hydroformylierungen und
Hydrocarboxylierungen.

Besonders bevorzugt sind katalytische Hydrierungen.

Die katalytischen Reaktionen werden bevorzugt in Lösung durchgeführt, wobei sich organische Lösemittel wie z. B. Ethylacetat, THF, Methanol, Toluol, Aceton oder CH2CI2 als geeignet erwiesen haben. Darüber hinaus können sehr hohe
Enantioselektivitäten z. B. bei der asymmetrischen Hydrierung, durch Zusatz von SDS erzielt werden. Bezogen auf das eingesetzte Substrat hat sich der Zusatz von SDS in einem Molverhältnis von 1 : 0.01 bis 1 : 2, bevorzugt zwischen 1 : 0.1 und 1 : 0.5, bewährt. Insbesondere bei der asymmetrischen Hydrierung in Toluol wurden durch Zusatz von SDS im Molverhältnis von 1 : 0.2 eine bisher nicht erreichte Enantioselektivität der Umsetzung erzielt.

Mit den erfindungsgemäßen Liganden können große Tumover-Werte der
Katalysatoren in der Größenordnung von 1.000 und mehr bei gleichzeitig hohen Enantioselektivitäten realisiert werden. Somit ist es mit den erfindungsgemäßen Liganden möglich, Umsetzungen mit geringen Katalysatormengen, also mit hoher Katalysatorproduktivität, durchzuführen, so dass die Katalysatorkosten minimiert werden. Darüber hinaus sind die erfindungsgemäßen Liganden einfach herstellbar. Neben den guten katalytischen Eigenschaften kann eine Vielzahl von unterschiedlich substituierten Liganden einfach durch die Wahl geeigneter Edukte bei der
Ligandensynthese erhalten werden. Damit eröffnet sich die Möglichkeit für eine spezifische Synthese Liganden der Formel I auszuwählen, die hinsichtlich ihrer elektronischen und sterischen Eigenschaften optimiert sind. Aus diesen Gründen sind die beschriebenen Liganden für eine Vielzahl katalytischer Synthesen
großtechnisch einsetzbar.

Ausführungsbeispiele:

Allgemeine Arbeitsvorschrift für die Synthese erfindungsgemäßer Liganden

Methode 1 :
29.4 ml einer 1.6 m n-BuLi Lösung in Hexan (0.047 mol n-BuLi) werden in einen 250 ml Dreihalskolben gegeben und im Vakuum vom Lösungsmittel befreit. Der gelbe, ölige Rückstand wird in 15 ml Diethylether aufgenommen und auf 0 °C abgekühlt. Anschließend werden 0.019 mol in 20 ml Diethylether gelöstes 2,2'-Dimethyl-1 ,1'-diphenyl-Derivat portionsweise zugegeben. Die rote Färbung intensiviert sich nach der Zugabe von 7 ml (0.047 mol) TMEDA. Die blutrote Reaktionslösung wird auf Raumtemperatur erwärmt. Nach 2 - 48 h scheiden sich Kristalle ab. Die
überstehenden Lösung wird dekantiert und der Kristallbrei mit wenig Pentan gewaschen. Die Trocknung im Vakuum liefert 50-85 % regioselektiv dilithiiertes 2,2'-Dimethyl-1 , 1 '-diphenyl-Derivat.

Das Dilithiumsalz des 2,2'-Dimethyl-1 ,1 '-diphenyl-Derivates wird bei 0 °C in 35 ml Hexan suspendiert. 1.1 Eq. des jeweiligen Dichlorphosphins CI2PR1 (R1 = Et, t-Bu, Ph, NEt2, NMe2) werden gelöst in 15 ml Hexan portionsweise zugesetzt, wobei eine Entfärbung auftritt. Nach beendeter Zugabe wird das Reaktionsgemisch auf
Raumtemperatur erwärmt und 2 h zur Vervollständigung der Reaktion am Rückfluss erwärmt. Das Lösungsmittel Hexan wird durch Toluol ausgetauscht. Im Falle von R1 = Alkyl oder Aryl erfolgt die Abtrennung des LiCI durch Hydrolyse mit entgastem Wasser. Aus der getrockten organischen Phase lassen sich die Phosphanliganden durch Kristallisation isolieren. Ist R1 = NAIkyl2, NAryl2, NHAlkyl, NHAryl, OAlkyl, OAryl so wird LiCI in einer geschlossenen Fritte abgetrennt. Die Phosphoramidite können durch Einengen des Lösungsmittels bzw. durch Überschichten mit Hexan gewonnen werden.

Methode 2 :
In einem 11 Dreihalskolben werden 0.026 mol des entsprechenden Phosphoramidits R1 = NEt2 (Darstellung gemäß Methode 1 ) in 300 ml Cyclohexan suspendiert. Die Apparatur wird mit einem Gaseinleitungsrohr versehen und auf 0 °C gekühlt. Unter kräftigem Rühren wird 1 h lang HCI-Gas durch die Suspension geleitet, wobei es zwischenzeitig zu einer Auflösung des Niederschlags kommt. Eine weitere Stunde wird überschüssige HCI unter leichtem Argonstrom verrührt. Anschließend wird der Niederschlag über eine Fritte abgetrennt und zweimal mit 100 ml Cyclohexan gewaschen. Das Lösungsmittel wird auf ein Drittel eingeengt und mit Hexan überschichtet. 70-95 % des jeweiligen Chlorphosphins können als kristallines Pulver isoliert werden.
7.9*10"3 mol des so hergestellten Chlorphosphins werden in 20 ml Diethylether und 20 ml THF gelöst und mit 1.1 Eq. RMgX (R = i-Pr, X = Cl) portionsweise bei
Raumtemperatur versetzt. Nach beendeter Zugabe wird das Gemisch 2 h am Rückfluss erwärmt. Anschließend wird mit 40 ml entgastem Wasser hydrolysiert, die getrocknete etherische Phase eingeengt und in 10 ml Toluol aufgenommen. Der Ligand wird als kristalliner Niederschlag isoliert.

Beispiele für erfindungsgemäße Liganden, die mit den beschriebenen Methoden hergestellt wurden (Beispiele 1) bis 7)):

1 ) 4-Phenyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2, 1 -c; 1 ',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 6.7 ppm; MS m/z: 388 [M+].

2) 4-t-Butyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 29.6 ppm; MS m/z: 368 [M+], 311 , 265.

3) 4-i-Propyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2, 1 -c; 1 ',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 21.8 ppm; MS m/z: 354 [M+], 311 , 265.

4) 4-Ethyl-4,5-di-hydro-3H-dinaphtho[2, 1 -c; 1 ',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 8.5 ppm; MS m/z: 340 [M+].

5) 4-Diethylamino-4,5-dihydro-3H-dinaphtho-[2, 1 -c; 1 ',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 73.0 ppm; MS m/z: 383 [M+], 340, 313, 265.

6) 4-Dimethylamino-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin:
31P-NMR (C6D6): 77.0 ppm; MS m/z: 355 [M+].

7) 4-Chlor-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2, 1 -c; 1 ',2'-e]phosρhepin:
31P-NMR (C6D6): 115.1 ppm; MS m/z: 347 [M+1], 329, 311 , 283.

Analog wurden folgende weitere Verbindungen (Beispiele 8) bis 17)) nach der allgemeinen Arbeitsvorschrift hergestellt:

8) 4-Methyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin,
9) 4-p-Methoxyphenyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]-phosphepin

10) 4-p-Trifluormethylphenyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]-phosphepin 11 ) 4-Methoxy-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin,
12) 4-Ethoxy-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin,
13) 4-Benzyloxy-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1',2'-e]phosphepin,
14) 4-Di-i-Propylamino-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2, 1 -c; 1 \2'-e]phosphepin,

15) 4-Piperidyl-4,5-dihydro-3H-dinaphtho[2,1-c;1 ',2'-e]phosphepin,
16) 6-Diethylamino-1 , 11 -dimethoxy-6-phospha-dibenzo[a,c]cyclohepten,
17) 6-Dimethylamino-1 , 11 -dimethoxy-6-phospha-dibenzo[a,c]cyclohepten,

18) 6-Methyl-1 , 11 -dimethoxy-6-phospha-dibenzo[a,c]cyclohepten,
19) 6-Ethoxy-1 , 11 -dimethoxy-6-phospha-dibenzo[a,c]cyclohepten.

Allgemeine Arbeitsvorschrift für katalytische Hydrierungen:

In ein Hydriergefäß werden unter einer Argonatmosphäre 0.025 mmol
[Rh(COD)2]BF4, 0.055 mmol Ligand und 0,5 mmol (Z)-α-Acetaminozimtsäuremethylester zu 12,5 ml des jeweiligen getrockneten und entgasten Lösungsmittels bei einer Temperatur von 25 °C gegeben und 15 min verrührt. Das Reaktionsgefäß wird mehrmals mit Wasserstoff gespült. Anschließend wird unter Normaldruck die entsprechende Menge Wasserstoff zugesetzt. Nach Beginn der Reaktion wird der Verbrauch von Wasserstoff in Abhängigkeit von der Zeit gemessen. Der Hydrierversuch wird nach der vierfachen Halbwertzeit beendet. Die Bestimmung der ee-Werte erfolgt nach Probenentnahme mittels GC (XE 60) oder HPLC (Chiracel OD-H).

Beispiele 20 bis 28 für katalytische Hydrierungen mit chiralen Liganden der
Formel (III)



(III)

Alternative Arbeits Vorschrift für Hydrierungen:

In ein Hydriergefäß werden unter einer Argonatmosphäre 0.01 mmol [Rh(COD)2]BF4, 0.022 mmol Ligand Ju 176/2 (Formel (lila))


(llla)Ligand: Ju 176/2

und 1 ,0 mmol Substrat zu 15 ml des jeweiligen getrockneten und entgasten Lösungsmittels bei einer Temperatur von 25 °C gegeben und 15 min verrührt. Das Reaktionsgefäß wird mehrmals mit Wasserstoff gespült. Anschließend wird unter Normaldruck die entsprechende Menge Wasserstoff zugesetzt. Nach Beginn der Reaktion wird der Verbrauch von Wasserstoff in Abhängigkeit von der Zeit gemessen. Der Hydrierversuch wird nach der vierfachen Halbwertzeit beendet. Die Bestimmung der ee-Werte erfolgt nach Probenentnahme mittels GC (XE 60) oder HPLC (Chiracel OD-H).

Beispiele 33 bis 38 für Hydrierungen gemäß der eben beschriebenen Vorschrift.



e = tαconsäure met y ester Beispiele 40 bis 42: Die katalytische Hydrierung erfolgt wie eben beschrieben, das Rh : Ligand (lila) -Verhältnis wird variiert :

Beispiele 43 bis 47: Katalytische Hydrierung weiterer Substrate


Die katalytische Hydrierung erfolgt wie eben beschrieben unter Berücksichtigung der in der folgenden Tabelle aufgeführten Angaben:

Beispiele 47 bis 58 für katalytische Hydrierungen :

Die Hydrierung erfolgt wie eben beschrieben. Als Katalysatorvorkomplex werden 0,01 mmol [Rh(COD)2]BF4, als Ligand werden 0.022 mmol der Verbindung der Formel (lllb) (Ju 180/4/2) eingesetzt. 1 ,0 mmol Substrat wird umgesetzt.



(lllb) Ju 180/4/2

Die Ergebnisse der Hydrierung sind in der folgenden Tabellen aufgeführt.


AMe = Z-α-Acetαmidozimtsäuremethylester
αMe = 2-Acetαmidoαcrylsäuremethylester
IMe = Itαconsäuredimethylester