In Bearbeitung

Bitte warten ...

Einstellungen

Einstellungen

Gehe zu Anmeldung

1. DE102019203983 - Gleichspannungsschalter

Anmerkung: Text basiert auf automatischer optischer Zeichenerkennung (OCR). Verwenden Sie bitte aus rechtlichen Gründen die PDF-Version.

[ DE ]
Beschreibung  

[0001]  Die Erfindung betrifft einen Gleichspannungsschalter zum Koppeln eines Gleichspannungsgerätes oder Gleichspannungsabzweiges mit einem Plus- und einem Minusleiter an einen Gleichspannungsbus und ein zugehöriges Verfahren.

[0002]  Mit Gleichspannung sind Spannungen bis 1500 Volt gemeint. Gleichspannungen bis zu dieser Höhe werden auch als Niederspannung bezeichnet. Mit Gleichspannung sind spezieller insbesondere Spannungen gemeint, die größer als die Kleinspannung mit einer Höhe von 120 Volt Gleichspannung sind. Mit Gleichspannung sind insbesondere Spannungen von 400-800 Volt gemeint.

[0003]  Mit Gleichspannungsstromkreis bzw. Gleichstromkreis sind Stromkreise für Ströme, insbesondere Nennströme bzw. maximal Ströme, von 2 bis 1000 Ampere; spezieller für Ströme von 2 Ampere bis 400 Ampere oder 200 Ampere gemeint.

[0004]  Mit Gleichspannungsbus ist ein mindestens Zweileitersystem mit einem Plusleiter und einem Minusleiter gemeint, das von mindestens einer Energiequelle mit Gleichspannung versorgt wird. An den Gleichspannungsbus ist über jeweils einen Gleichspannungsabzweig ein (Gleichspannungs-)Gerät, z.B. ein Gleichspannungsverbraucher, Last, Wechselrichter, kombinierte Energiesenke oder Energiequelle, reine (weitere) Energiequelle, etc., angeschlossen. An einem Gleichspannungsabzweig können auch mehrere Gleichspannungsgeräte angeschlossen sein.

[0005]  Mit Gleichspannungsgerät ist insbesondere ein Gerät mit einer Leistung von 1 Kilowatt bis 500 Kilowatt gemeint.

[0006]  Die deutsche Offenlegungsschrift DE 10 2014 012 828 A1 offenbart einen elektronischer Schutzschalter mit einem Halbleiterschalter, dessen Drain-Anschluss und dessen Source-Anschluss zwischen einen Spannungseingang und einen Lastausgang geschalteten sind, und dessen Gate-Anschluss mit einer Steuereinrichtung verbunden ist, welcher eingangsseitig ein den Laststrom repräsentierendes Signal zugeführt ist, wobei die Steuereinrichtung die Drain-Source-Spannung ermittelt und hieraus sowie aus dem erfassten Laststrom ein an den Gate-Anschluss des Halbleiterschalters geführtes Steuersignal erzeugt, mittels dessen die Leistung des Halbleiterschalters kleiner oder gleich einem maximalen Leistungswerts eingestellt wird.

[0007]  Die internationale Offenlegungsschrift WO 2018/158233 A1 offenbart eine Schaltvorrichtung zum Auftrennen eines quell- und lastseitige Induktivitäten umfassenden Strompfads eines Gleichspannungsnetzes. Die Schaltvorrichtung umfasst zumindest zwei in Serie verschaltete Schaltmodule, wobei jedes der Schaltmodule zumindest ein steuerbares Halbleiterschaltelement umfasst, dem eine Serienschaltung aus einem Widerstand und einem Kondensator parallel geschaltet ist.

[0008]  Mittlerweile werden verstärkt Gleichspannungsstromkreise, auch als Gleichspannungsnetze respektive Niederspannungsgleichstromnetze bezeichnet, entwickelt und aufgebaut, die üblicherweise einen Gleichspannungsbus mit Gleichspannungsabzweigen aufweisen.

[0009]  Die Gleichspannungsabzweige, auch als Verbraucherabzweige bezeichnet, werden üblicherweise über einen Gleichspannungsschalter (DC Schalter) abgesichert. Diese Gleichspannungsschalter weisen eine Schalteinrichtung auf.

[0010]  Eine Prinzipdarstellung eines Gleichspannungsstromkreises, Gleichspannungsnetzes, Niederspannungsgleichstromnetzes bzw. DC-Netzes mit einem Gleichspannungsbus DCB und mehreren Gleichspannungsabzweigen DCA1, DCA2, DCA3 mit Gleichspannungsschaltern S1, S2, S3 zeigt Fig. 1.

[0011]  Fig. 1 zeigt prinziphaft eine Gleichspannungsquelle EQ die über einen Einspeiseschalter S4 mit einem Gleichspannungsbus DCB verbunden ist. Am Gleichspannungsbus DCB ist über einen ersten Gleichspannungsschalter S1 ein erster Gleichspannungsabzweig DCA1 mit mindestens einem ersten Gleichspannungsgerät G1 angeschlossen; in analoger Weise über einen zweiten Gleichspannungsschalter S2 ein zweiter Gleichspannungsabzweig DCA2 mit mindestens einem zweiten Gleichspannungsgerät G2 angeschlossen, über einen dritten Gleichspannungsschalter S3 ein dritter Gleichspannungsabzweig DCA3 mit mindestens einem dritten Gleichspannungsgerät G3 angeschlossen.

[0012]  Weitere Gleichspannungsschalter, Gleichspannungsabzweige, Gleichspannungsgeräte können vorgesehen sein. Die Gleichspannungsschalter können Abgangsschalter sein. Die Gleichspannungsgeräte weisen üblicherweise eine elektrische Kapazität auf, die nicht unerhebliche Energiemenggen speichern können.

[0013]  Tritt in dem Gleichspannungsstromkreis gemäß Fig. 1 ein Fehler auf, z.B. ein Kurzschluss im ersten Gleichspannungsabzweig DCA1 an der Fehlerstelle F1, die sich zwischen erstem Gleichspannungsschalter S1 und ersten (Gleichspannungs-)Gerät G1 befindet, so wird der dortige Kurzschluss aus der Energiequelle EQ sowie ferner aus den umliegenden Gleichspannungsabzweigen, im Beispiel dem zweiten und dritten Gleichspannungsabzweig DCA2, DCA3, respektive den sich darin befindlichen Energiequellen bzw. Kapazitäten (der Geräte) gespeist. Dies führt zu einem hohen Strom in der zugehörigen Schalteinrichtung, im Beispiel im zweiten bzw. dritten Gleichspannungsschalter S2, S3, die mit einer Abschaltung auslöst / auslösen können.

[0014]  Das zweite und dritte Gerät G2, G3 bzw. dessen Kapazitäten können einen hohen (Fehler-)Strom liefern. Besitzt beispielsweise das zweite Gerät G2 einen kleinen Nennstrom, so ist der zweite Gleichspannungsschalter S2 dementsprechend klein bemessen und kann den Stromfluss unterbrechen, auch wenn der Fehler in einem anderen Abzweig aufgetreten ist.

[0015]  Grundsätzlich sollen die umliegenden Gleichspannungsschalter (S2, S3) den Stromfluss aus dem jeweiligen Gleichspannungsabzweig bzw. Verbraucherabzweig zum Kurzschluss F1 möglichst wenig behindern, damit der Gleichspannungsschalter, im Beispiel der erste Gleichspannungsschalter S1, sicher auslöst.

[0016]  Weiterhin wichtig dabei ist, dass die umliegenden Gleichspannungsschalter (S2, S3) nicht auslösen, so dass ein so genanntes selektives Abschalten des Fehlers (durch S1) erfolgt.

[0017]  Dies ist, wie oben dargestellt, nicht immer sichergestellt. Insbesondere wenn die umliegenden Gleichspannungsschalter Schalteinrichtungen mit Halbleiterschaltelementen aufweisen. Die Halbleiterschaltelemente weisen meist einen Sättigungsstrom auf, der kleiner als der Kurzschlussstrom im Fehlerfall ist, und wirken somit strombegrenzend. Dieser Sättigungsstrom kann zudem nur für kurze Zeit, meist im einstelligen µs Bereich, durch das Halbleiterschaltelement getragen werden. Die Gleichspannungsschalter müssen zum Schutz des Halbleiterschaltelementes deshalb ohne Berücksichtigung der geforderten Selektivität ausschalten (Eigenschutz), d.h. den Stromfluss unterbrechen.

[0018]  Bislang wurde dieses Problem dadurch gelöst, dass die Gleichspannungsschalter entweder elektromechanische Schalteinrichtungen aufweisen oder stark überdimensioniert wurden, was teuer bzw. nicht ökonomisch ist.

[0019]  Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, das Schaltverhalten von Gleichspannungsschaltern zur Erzielung von Selektivität zu verbessern, insbesondere für Gleichspannungsschalter mit halbleiterbasierten Schalteinrichtungen eine Lösung für das genannte Problem anzugeben.

[0020]  Dieses Problem wird durch einen Gleichspannungsschalter mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 oder ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 16 gelöst.

[0021]  Erfindungsgemäß wird ein Gleichspannungsschalter zum Koppeln eines für mindestens ein Gleichspannungsgerät vorgesehenen Gleichspannungsabzweiges mit einem Plus- und einem Minusleiter an einen Gleichspannungsbus vorgeschlagen, wobei eine Vorwärtsrichtung des elektrischen Stromes durch einen Stromfluss vom Plusleiter des Gleichspannungsbusses DCB über den Gleichspannungsschalter zum Plusleiter des Gleichspannungsabzweiges sowie vom Minusleiter des Gleichspannungsabzweiges über den Gleichspannungsschalter zum Minusleiter des Gleichspannungsbusses definiert ist.

[0022]  Eine Rückwärtsrichtung des elektrischen Stromes ist folglich vom Plusleiter des Gleichspannungsabzweiges über den Gleichspannungsschalter zum Plusleiter des Gleichspannungsbusses sowie vom Minusleiter des Gleichspannungsbusses über den Gleichspannungsschalter zum Minusleiter des Gleichspannungsabzweiges definiert.

[0023]  Der Gleichspannungsschalter weist auf:

- eine halbleiterbasierte, elektronisch steuerbare Schalteinrichtung,

- einen vor der Schalteinrichtung vorgesehenen gleichspannungsbusseitigen Spannungssensor, zur Ermittlung der gleichspannungsbusseitigen Spannungshöhe,

- einen nach der Schalteinrichtung vorgesehenen gleichspannungsabzweigseitigen Spannungssensor, zur Ermittlung der gleichspannungsabzweigseitigen Spannungshöhe,

- einen Stromsensor zur Ermittlung der Stromhöhe und der Stromrichtung,

- eine Steuereinrichtung, die mit der Schalteinrichtung, den Spannungssensoren und dem Stromsensor verbunden ist.

[0024]  Die Steuereinrichtung ist derart ausgestaltet, dass

- die Richtung des Stromes und die Stromhöhe ermittelt wird, insbesondere periodisch die Richtung und Stromhöhe ermittelt wird,

- bei Überschreitung eines ersten Schwellwertes (Stromschwellwert) der Stromhöhe erfolgt eine Unterbrechung des Stromflusses durch die Schalteinrichtung,

- bei vorliegender Rückwärtsrichtung bei Überschreitung des ersten Schwellwertes der Stromhöhe:

- wird nach Unterbrechung des Stromflusses die gleichspannungsbusseitige mit der gleichspannungsabzweigseitigen Spannungshöhe verglichen, bei einem Spannungsunterschied, der kleiner als ein Spannungsdifferenzwert ist, wird die Schalteinrichtung leitfähig geschaltet.

[0025]  Dies hat den Vorteil, dass bei einem versehentlichen Abschalten des Gleichspannungsschalters bei zu hohem Stromfluss ein Wiedereinschalten dann erfolgt, wenn der zur Abschaltung führende Strom (Stromhöhe) nicht zum Gleichspannungsgerät, sondern vom Gleichspannungsgerät zum Gleichspannungsbus geflossen ist. D.h. ein Fehler nicht im Gleichspannungsabzweig des Gleichspannungsschalters vorliegt, sondern auf Seiten des Gleichspannungsbusses bzw. eines anderen Gleichspannungsabzweig. Ferner, wenn die Spannungshöhe auf dem Gleichspannungsbus wieder einem Wert entspricht, der in etwa der Spannungshöhe im Gleichspannungsabzweig entspricht. In einem solchen Fall kann davon ausgegangen werden, dass ein fehlerbehafteter Abzweig abgeschaltet wurde und sich die Spannung auf dem Gleichspannungsbus normalisiert hat, so dass fehlerfreie Gleichspannungsabzweige, die versehentlich abschalten mussten, bestimmungsgemäß weiter versorgt werden.

[0026]  Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.

[0027]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist die Schalteinrichtung mindestens ein, insbesondere zwei, den plus- oder minusleiterseitigen Stromfluss führendes Halbleierschaltelement auf.

[0028]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine besonders einfache Lösung für eine Schalteinrichtung gegeben ist.

[0029]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Halbleiterschaltelement ein Bipolartransistor mit isolierter Gate-Elektrode, ein Metall-Oxid-Halbleiter-Feldeffekttransistor oder ein Galliumnitrid-Transistor.

[0030]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine einfache Lösung für die Halbleiterschaltelemente des Schaltmoduls gegeben ist.

[0031]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist dem Halbleiterschaltelement eine Diode parallel geschaltet, insbesondere mit ihrer Durchlassrichtung entgegen der Durchlassrichtung des Halbleiterschaltelementes.

[0032]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine einfache Lösung für unidirektionale Halbleiterschaltelemente, insbesondere bei Serienschaltung zweier unidirektionale Halbleiterschaltelemente, gegeben ist.

[0033]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist die Diode eine niedrige Durchlassspannung auf, insbesondere ist es eine Netzdiode oder Schottkydiode.

[0034]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass ein besonders niedriger Spannungsabfall in Rückwärtsrichtung vorliegt, wodurch einerseits eine geringe Verlustleistung vorliegt und andererseits ein maximaler Strom in Rückwärtsrichtung zur Erhöhung der Selektivität gegeben ist.

[0035]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Gleichspannungsschalter in einem Gehäuse angeordnet.

[0036]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass ein kompakter Gleichspannungsschalter in einem Gehäuse zur Verfügung steht.

[0037]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist das Gehäuse einen Plusleitereingangsanschluss, einen Minusleitereingangsanschluss, einen Plusleiterausgangsanschluss und einen Minusleiterausgangsanschluss auf. Die Eingangsanschlüsse sind mit dem Gleichspannungsbus verbindbar. Die Ausgangsanschlüsse sind mit dem Gleichspannungsabzweig verbindbar.

[0038]  Die Schalteinrichtung verbindet den Plusleitereingangsanschluss mit dem Plusleiterausgangsanschluss oder die Schalteinrichtung verbindet den Minusleitereingangsanschluss mit dem Minusleiterausgangsanschluss.

[0039]  In einer Variante können im Plus- und Minusleiter Schalteinrichtungen vorgesehen sein.

[0040]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine einfache Lösung für einen kompakten Gleichspannungsschalter zur Verfügung steht.

[0041]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung sind die nicht die Schalteinrichtung aufweisenden Anschlüsse durch eine elektrische Leitung miteinander verbunden.

[0042]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine einfache Lösung, insbesondere einpolig schaltende Lösung, für einen Gleichspannungsschaler gegeben ist.

[0043]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung beträgt der Spannungsdifferenzwert 10 Volt.

[0044]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass zu hohe Ausgleichsströme zwischen Gleichspannungsabzweig und Gleichspannungsbus minimiert werden bzw. die Spannungsdifferenz ein hohes Maß überschreitet.

[0045]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Stromsensor ein Sensor auf Basis des Hall-Effekts.

[0046]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine einfache Lösung für die Ermittlung der Höhe und Richtung des Stromes gegeben ist.

[0047]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Steuereinrichtung ferner derart ausgestaltet ist, dass bei einem Anstieg des Stromes, der einen Stromanstiegsschwellwert überschreitet, eine Unterbrechung des Stromflusses durch die Schalteinrichtung erfolgt.

[0048]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass ein weiteres Schutzkriterium des Gleichspannungsschalters für eine gezielte Auslösung bzw. den Eigenschutz gegeben ist.

[0049]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist ein Netzteil, Energiespeicher oder ein Anschluss für eine externe Energieversorgung für die Steuereinrichtung vorgesehen.

[0050]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass insbesondere eine Energieversorgung nach Auslösen des Gleichspannungsschalters gegeben ist.

[0051]  In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist die Steuereinrichtung einen Mikroprozessor auf.

[0052]  Dies hat den besonderen Vorteil, dass eine besonders komfortable bzw. änderbare Steuerung der Gleichspannungsschalters ermöglicht wird.

[0053]  Alle Ausgestaltungen, sowohl in abhängiger Form rückbezogen auf den Patentanspruch 1 oder 16 als auch rückbezogen lediglich auf einzelne Merkmale oder Merkmalskombinationen von Patentansprüchen, bewirken eine Verbesserung eines Gleichspannungsschalters zur Verbesserung der Selektivität in einem Gleichspannungsnetz. Dadurch können insbesondere Geräte unterschiedlicher Leistungsklassen an einem gemeinsamen Gleichspannungsbus betrieben werden.

[0054]  Die beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele, die im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert werden.

[0055]  In der zugehörigen Zeichnung zeigt:

Fig. 1 eine Prinzipdarstellung eines Gleichspannungsstromkreises mit einem Gleichspannungsbus und mehreren Gleichspannungsabzweigen mit Gleichspannungsschaltern,

Fig. 2 eine Darstellung eines Gleichspannungsschalters mit Gleichspannungsbus, Gleichspannungsabzweig und Gleichspannungsgerät gemäß der Erfindung,

Fig. 3 ein Beispiel für eine Schalteinrichtung mit Halbleiterschaltelementen.

[0056]  Fig. 1 zeigt eine Prinzipdarstellung eines Gleichspannungsstromkreises mit einem Gleichspannungsbus und mehreren Gleichspannungsabzweigen mit Gleichspannungsschaltern gemäß dem Stand der Technik, wie sie bereits eingangs beschrieben wurde.

[0057]  Fig. 2 einen Gleichspannungsschalter Sx, wie er beispielsweise als erster, zweiter oder dritter Schalter S1, S2, S3 gemäß Fig. 1 eingesetzt werden könnte, mit einem Gehäuse GEH. Das Gehäuse GEH weist einen Plusleitereingangsanschluss PE, einen Minusleitereingangsanschluss ME, einen Plusleiterausgangsanschluss PA und einen Minusleiterausgangsanschluss MA auf.

[0058]  Die Eingangsanschlüsse PE, ME sind mit dem Gleichspannungsbus DCB verbunden, der einen Plusleiter DCP (+) und einen Minusleiter DCN (-) aufweist.

[0059]  Die Ausgangsanschlüsse PA, MA sind mit einem Gleichspannungsabzweig DCA verbunden, der wiederum mit mindestens einem Gelichspannungsgerät Gx verbunden ist, beispielsweise ein erstes, zweites oder drittes Gerät G1, G2, G3 gemäß Fig. 1.

[0060]  Der Gleichspannungsschalter Sx weist eine Schalteinrichtung SCH auf.

[0061]  Gehäuseintern verbindet die Schalteinrichtung SCH entweder den Plusleitereingangsanschluss PE mit dem Plusleiterausgangsanschluss PA, wie dargestellt, oder den Minusleitereingangsanschluss ME mit dem Minusleiterausgangsanschluss MA.

[0062]  Alternativ können auch zwei Schalteinrichtungen, eine erste und eine zweite Schalteinrichtung, vorgesehen sein. Wobei die erste Schalteinrichtung für die Plusleiteranschlüsse und die zweite Schalteinrichtung für die Minusleiteranschlüsse vorgesehen ist.

[0063]  Gemäß Fig. 2 sind die nicht die Schalteinrichtung SCH aufweisenden Anschlüsse durch eine elektrische Leitung miteinander verbunden, im Beispiel ist der Minusleitereingangsanschluss ME durch die elektrische Leitung mit dem Minusleiterausgangsanschluss MA verbunden.

[0064]  Vor der Schalteinrichtung SCH, d.h. auf Seiten des Gleichspannungsbusses DCB, ist ein gleichspannungsbusseitiger Spannungssensor U1 zwischen Plus- und Minusleiter vorgesehen, zur Ermittlung der gleichspannungsbusseitigen Spannungshöhe.

[0065]  Nach der Schalteinrichtung SCH, d.h. auf Seiten des Gleichspannungsabzweiges DCA, ist ein gleichspannungsabzweigseitigen Spannungssensor U2 zwischen Plus- und Minusleiter vorgesehenen, zur Ermittlung der gleichspannungsabzweigseitigen Spannungshöhe.

[0066]  Im Plusleiter oder Minusleiter, vor oder nach der Schalteinrichtung SCH, ist ein Stromsensor I zur Ermittlung der Stromhöhe und der Stromrichtung vorgesehen. Der Stromsensor kann ein Sensor auf Basis des Hall-Effekts sein.

[0067]  Die Schalteinrichtung SCH ist eine halbleiterbasierte, elektronisch steuerbare Schalteinrichtung SCH. Sie kann mindestens ein den (je nach Lage plus- oder minusleiterseitigen) Stromfluss führendes Halbleierschaltelement aufweisen. Insbesondere können zwei den (je nach Lage plus- oder minusleiterseitigen) Stromfluss führende Halbleierschaltelemente vorgesehen sein. Das Halbleiterschaltelement kann ein Bipolartransistor mit isolierter Gate-Elektrode, ein Metall-Oxid-Halbleiter-Feldeffekttransistor oder ein Galliumnitrid-Transistor sein.

[0068]  Dem Halbleiterschaltelement kann eine Diode parallel geschaltet sein, insbesondere mit ihrer Durchlassrichtung entgegen der Durchlassrichtung des Halbleiterschaltelementes. Die Diode kann eine niedrige Durchlassspannung aufweisen, insbesondere eine Netzdiode oder Schottkydiode sein.

[0069]  Es ist eine Steuereinrichtung SE vorgesehen, die mit der Schalteinrichtung SCH, den Spannungssensoren U1, U2 und dem Stromsensor I verbunden ist. Die kann Steuereinrichtung SE kann einen Mikroprozessor aufweisen.

[0070]  Die Steuereinrichtung kann durch ein (nicht dargestelltes) Netzteil mit Energie versorgt werden. Das Netzteil kann an den gleichspannungsbusseitigen Eingangsanschlüssen oder/und gleichspannungsabzweigseitigen Ausgangsanschlüssen angeschlossen sein.

[0071]  Alternativ oder zusätzlich kann ein Energiespeicher, wie ein Superkondensator, ein Akkumulator oder eine Batterie, vorgesehen sein, zur Energieversorgung der Steuereinrichtung SE für den Fall der Auslösung oder eines Kurzschlusses/Fehlerfalls auf einen Gleichspannungsabzweig DCA1, DCA2, DCA3 oder dem Gleichspannungsbus DCB. Alternativ kann ein Anschluss für eine externe Energieversorgung für die Steuereinrichtung und ggfs. weitere Einrichtungen des Gleichspannungsschalters Sx vorgesehen sein.

[0072]  Die Steuereinrichtung ist derart ausgestaltet, dass

- (insbesondere periodisch) die Richtung des Stromes und die Stromhöhe ermittelt wird,

- bei Überschreitung eines ersten Schwellwertes der Stromhöhe, d.h. eines Stromschwellwertes, eine Unterbrechung des Stromflusses durch die Schalteinrichtung SCH erfolgt,

- bei vorliegender Rückwärtsrichtung des Stromes kurz vor bzw. während der Überschreitung des ersten Schwellwertes der Stromhöhe:

- nach Unterbrechung des Stromflusses die gleichspannungsbusseitige mit der gleichspannungsabzweigseitigen Spannungshöhe (periodisch) verglichen wird und bei einem Spannungsunterschied, der kleiner als ein Spannungsdifferenzwert ist, die Schalteinrichtung leitfähig geschaltet wird. Beispielsweise kann dieser Spannungsdifferenzwert 10 Volt betragen. D.h. wenn der Spannungsunterschied zwischen Gleichspannungsbus DCB und Gleichspannungsabzweig DCA kleiner als 10 Volt ist, wird die Schalteinrichtung SCH durch die Steuereinrichtung SE wieder eingeschaltet, die Schalteinrichtung SCH wird für den elektrischen Stromfluss leitfähig.

[0073]  Zusätzlich kann die Steuereinrichtung SE ferner derart ausgestaltet sein, dass bei einem Anstieg des Stromes, der einen Stromanstiegsschwellwert überschreitet, eine Unterbrechung des Stromflusses durch die Schalteinrichtung erfolgt. Auch nach einer derartigen Unterbrechung kann die Erfindung eingesetzt werden und bei Stromfluss in Rückwärtsrichtung zum Zeitpunkt der Auslösung/Stromunterbrechung ein Vergleich der Spannungen und ggfs. Einschalten erfolgen.

[0074]  Im Plusleiter oder Minusleiter, vor oder nach der Schalteinrichtung SCH, können ferner in einem oder beiden Leitern (Plus-, Minusleiter) Trennkontakte bzw. ein Trennschalter vorgesehen sein, zur galvanischen Trennung des Gleichspannungsgerätes bzw. Gleichspannungsschalters. Die Trennkontakte können durch die Steuereinrichtung SE schaltbar sein.

[0075]  Fig. 3 zeigt ein Beispiel für eine Schalteinrichtung SCH mit Halbleiterschaltelementen. Die Schalteinrichtung SCH weist eine Serienschaltung eines ersten und eines zweiten Halbleiterschaltelementes Q1, Q2 auf. Das erste steuerbare Halbleiterschaltelement Q1 ist beispielsweise für eine erste Stromrichtung leitfähig und das zweite steuerbare Halbleiterschaltelement Q2 für die entgegengesetzte Stromrichtung.

[0076]  Dem ersten Halbleiterschaltelement Q1 ist eine erste Diode D1, die in der entgegengesetzten Stromrichtung wie das erste Halbleiterschaltelement Q1 leitfähig ist, und dem zweiten Halbleiterschaltelement Q2 ist eine zweite Diode D2, die in der ersten Stromrichtung des ersten Halbleiterschaltelementes Q1 leitfähig ist, parallel geschaltet.

[0077]  Die Schalteinrichtung SCH ist mit zweipoligen Anschlüssen ausgeführt (für Plus- und Minusleiter), im Beispiel befinden sich die ersten und zweiten Halbleiterschaltelemente Q1, Q2 in einem Leiter, im Beispiel im Plusleiter; der Minusleiter ist durchgeführt und weist keine Halbleiterschaltelemente auf.

[0078]  Alternativ können die Halbleiterschaltelemente auch im Minusleiter angeordnet sein bzw. beide Leiter können Halbleiterschaltelemente aufweisen.

[0079]  Der Serienschaltung der beiden Halbleiterschaltelemente Q1, Q2 folgt geräteseitig bzw. gleichspannungsabzweigseitig ein Trennkontakt, wobei für den Plusleiter ein erster Trennkontakt TK1 und den Minusleiter ein zweiter Trennkontakt TK2 vorgesehen sind, allgemein als Trennkontakt bzw. Trennkontakte bezeichnet, zur galvanischen Trennung des Gleichspannungsabzweiges bzw. Gerätes.

[0080]  Die Schalteinrichtung SCH kann auch andersartig aufgebaut sein, beispielsweise durch die Parallelschaltung zweier Halbleiterschaltelemente Q1, Q2. Wobei jedem der Halbleiterschaltelemente Q1, Q2 eine Diode in Serie geschaltet kann sein und diese Serienschaltung parallel geschaltet wird. Andere Varianten sind ebenso denkbar.

[0081]  Im Folgenden soll die Erfindung nochmals mit anderen Worten dargestellt werden.

[0082]  In Gleichspannungsnetzen mit verteilten Kapazitäten in den Lastabgängen und Einspeisepfaden kann künftig der Schutz von Maschinen und Betriebsmitteln durch leistungselektronische Gleichspannungsschalter (Schalter) realisiert werden. Dabei wird Selektivität der Schalter erwartet. Selektivität erfordert nun, dass (dauerhaft) nur der fehlerhafte Abzweig abgeschaltet wird und alle anderen Zweige aktiv bleiben.

[0083]  Halbleiter-basierte Schaltelemente wie Si-IGBTs oder SiC MOSFETs erreichen einen Sättigungsstrom, der kleiner ist als die Kurzschlussströme im Fehlerfall. Da diese schaltenden Elemente einen solchen Sättigungsstrom nur für kurze Zeit (im ps-Bereich) tragen können, müssen diese Schalter zum Eigenschutz ausschalten, ohne Berücksichtigung der geforderten Selektivität in einem solchen Gleichspannungssystem.

[0084]  Erfindungsgemäß werden zwei Möglichkeiten für die Realisierung der Selektivität vorgeschlagen:

  1. A: Auswerten des Kurzschlussstroms und Spannung vor Abschaltung des Schalters,
  2. B: Auswertung der Spannung nach Abschaltung des Schalters und ggf. schnelle Wiederzuschaltung.

[0085]  In Gleichspannungsnetzen mit verteilten Kapazitäten und treibenden Leitungsinduktivitäten sollen bidirektionale, leistungselektronische Schalter für den Schutz der Abgänge eingesetzt werden. Diese Schalter können für den Eigenschutz über eine Strom- und Spannungsmessung (nicht nur über Emitter-Kollektor, sondern zwischen den Polen) verfügen. Damit können die Größen Strom, Stromanstiegsrate, Spannung und Spannungsänderungsgeschwindigkeit erfasst werden.

[0086]  Aus der Stromrichtung kann ein Gleichspannungsschalter, wie ein Abgangsschalter S1, ermitteln, ob der Fehler in seinem Gleichspannungsabzweig bzw. Abgang aufgetreten ist und er dauerhaft ausschalten muss, sofern der Fehler als solcher aus Stromanstieg und Spannungseinbruch sicher erkannt wird.

[0087]  Wenn ein Schalter zum Eigenschutz abschalten muss, können die o.g. Größen erfasst und für eine Auswertung durch einen Mikrocontroller bzw. Controller im Schalter gepuffert werden. Für den Betrieb des Schalters ist dabei vorteilhaft eine weiterhin verfügbare Steuerspannung vorhanden.

[0088]  Für die zweiten und dritten Gleichspannungsschalter S2, S3 in benachbarten Abzweigen bzw. Abgängen vergleichbarer oder kleinerer Leistung erfolgt der Stromfluss im Fehlerfall in Rückwärtsrichtung, zum Gleichspannungsbus bzw. zur DC-Verteilung hin, und er kann über die Tiefe des Spannungseinbruchs (Entladung der Kapazität im Abgang) und einer wiederkehrenden Spannung durch weiter speisende Pfade und Leitungsinduktivitäten zusätzlich einen Zeitpunkt für die Wiederzuschaltung bestimmen, die im Millisekundenbereich / ms-Bereich liegen wird.

[0089]  Falls Schalter zum Eigenschutz abschalten müssen, können S2 und S3 aufgrund der Stromrichtung entscheiden, so schnell wie möglich wieder zu zuschalten. In diesem Fall würde S4 eine Rückkehr der DC-Spannung erkennen und könnte, falls er abgeschaltet hätte, ebenfalls sehr schnell wieder zuschalten. S1 bleibe aufgrund des Kurzschlusses und damit der Spannungslosigkeit am Abgang geöffnet.

[0090]  Die Erfindung hat den Vorteil, dass gegenüber einem Schutz mit elektromechanischen Leistungsschaltern Selektivität in kapazitätsgepufferten Gleichspannungsnetzen gewährleistet werden kann, wenn leistungselektronische Schalter, nach systemangepassten Kriterien nicht abschalten bzw. wieder zuschalten und die nicht-fehlerhaften Abgänge weiter versorgen können, bevor die Kapazitäten vollständig entladen sind und das System neu gestartet werden muss.

[0091]  Insbesondere werden für die Kriterien nicht nur der fließende Strom, sondern auch die Spannung und deren jeweilige Änderung berücksichtigt. Dafür ist schnelles Ab- und wieder Zuschalten durch leistungselektronische Schalter entscheidend.

[0092]  Vorteilhaft ist eine verbesserte Selektivität ohne Überdimensionierung der Halbleiter-Schalter.

[0093]  Obwohl die Erfindung im Detail durch das Ausführungsbeispiel näher illustriert und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden, ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.